>^; Ä^^^^r»?^: r^. -V i .-^ >^<^:^^ö^^-^^!'t: Wmmis^S^ jfc.» • t'*;' ;v h^£^ ^■f-ia M- ZOOLOGISCHES CENTRALBLATT UNTER MITWIRKUNG VON PROF. DR. O. BUTSCHLI ^.^^^ PROF. DR. B. HATSCHEK IN HEIDELBERG ^ IN WIEN HERAUSGEÖKBEN VON DK. A. SCHUBERG A. 0. PROFESSORIN HEIDELBERG VW. JAHRGANG 1900 LEIPZIG VERLAG VON WILHELM ENGELMANN 1900. Druck der Kgl. üniversitätsdruckerei von H. Stürtz in Würzburj Inhalts- Verzeichnis. Zusammenfassende Übersichten. Seite Bergh, R. S., Das Schicksal isolierter Fuichungszellen 1 Hesse, R. , Neuere Untersuchungen zur Histologie und Histogenese des Muskel- gewebes 637 Luhe, M., Über lungenlose Urodelen 577 Schubers:, A., Bütschli's Untersuchungen über den Bau quellbarer Körper und die Bedingungen der (juellung 713 Simi'oth, H., Neuere Arbeiten über die Verbreitung der Gastropoden .... 77 — Neuere Arbeiten über die Morphologie und Biologie der Gastropoden . . 821 Tornquist, A., Die wichtigsten Arbeiten der drei letzten Jahre über die Trilobiten 269 — Die Arbeiten der drei letzten Jahre über fossile Cephaiopoden. V. Trias- Cephalopoden 909 Ziegler, H. E., Die neueren Forschungen in der Embryologie der Ganoiden . . 113 Referate. Seite Geschichte und Litteratur 15, 198, 279, 481, 677. Wissenschaftliche Anstalten und Unter- richt 17. Lehr- und Handbücher, Sammelwerke, Ver- mischtes 17, 125, 233, 284, 484, 541, 679. Zellen- und Gewebelehre 18, 345, 381, 581, 680, 785. Vergleichende Morphologie, Physiologie und Biologie 19. 92, 128, 349, 381, 485, 542, 684, 740, 787, 862. Descendenzlehre 41, 687. Faunistik und Tiergeographie 92, 284, 384, 487, 585, 649, 868, 919. Palaeontologie 43. Parasitenkunde 489, 593, 788, 871. Seite Protozoa 44, 131, 234, 291, 417, 489, 543, 594. 658, 748. Spongiae 350, 420, 873, 920. Coelenterata 25, 45, 237, 291, 357, 422, 490, 660, 751, 877. Echinoderma 137. 367, 390, 429, 493, 548. Plathelminthes 47, 94, 141, 194, 240, 299, 390, 436. 496, 552, 596, 665, 688, 789, 878, 927. Nemathelminthes 49, 96, 195, 248, 368, 405, 439, 553, 751, 881. Annelides 26, 50, 148, 196, 247, 310, 554. 601, 689, 753, 884. Prosopygia 149, 449, 891. Enteropneusta 202, 933. Arthropoda 51, 407, 497. r / ^ D^ "/ IV Crustacea 29, 97, 158, 311, 369, 408, 604, 690, 793, 895, 984. Palaeostraca 408. Myriopoda 98, 203, 315, 456, 498, 693, Arachnida 158, 556, 611, 695, 754, 902, 936. Insecta 32, 57, 100, 159, 205, 251, 372, 409, 458, 499, 668, 699, 800, 946. C4astropoda 216, 410, 461. Cephalopoda 468, 521, 563. Tunicata 254, 374, 411, 760. Seite 452, 899. 795, 325, 904. Seite 614, 471, 523, 565, Vertebrata 65, 105, 162, 523, 563 705, 761, 815. Leptocardii 255. Pisces 66, 106, 169, 332 618, 763. Amphibia 67, 174 220, 528 Reptilia 70, 107, 179, 224, Ave's ' 182, 229, 377. 531, 572, 633, 706 764. 817, 906, 951. Mammalia 38, 76, 108, 184, 378, 413, 478, 537, 575. 784, 820, 907. 569, 260, 231, 633, 763, 531, 262, 674, 906. 570. 338, 711, Zoologisches Centralblatt unter Mitwirkung von Professor Dr, O. Bütschli ^^ Professor Dr. B. Hatschek in Heidelberg in Wien herausgegeben von Dr. A. Schuberg a. o. Professor in He i d e 1 b e r t;. Verlag- von Wilhelm Eng"elmann in Leipzig. Vil. Jahrg. 9. Januar 1900. No. 1. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten, sowie durch die Yeriagsbuchhandlnng. — Jährlich 26 Nummern im Umfang von 2—3 Bogen. Preis für den Jahrgang M. 25. — Bei direk- ter Zusendung jeder Nummer unter Band erfolgt ein Aufschlag von M. 4. — nach dem Inland und von M. 6. — nach dem Ausland. Zusammenfassende Übersicht. Das Schicksal isolierter Furchungszellen. Von R. S. Bergh, Kopenhagen. 1 Barfiirtli, U., Halbbildung oder iTanzbildung von halber Grösse. In: Anat. Anz. Bd. 8. 1893. p. 493—497. 2 (Miabry, L. , Embryologie normale et terato logique des Ascidies. Tn: Journ. de l'anat. et de la phys. Tom. 23. 1887. p. 167-319. 3 Chan, C, 1. Die Dissogonie d er Rippenquallen. In: Festschr. f. Leuckart Leipzig. 1892. p. 104. 4 — 2. Bemerkungen über den Aufsatz von H. Driesch und T. H. Mor- gan ,Zur Analysis der ersten Entwickelungsstadien des Cteno- phoreneies". In: Arch. f. Entwmech. Bd 2. 1895. p. 444 — 447. 5 Cranipton, H. R., Experimental StudiesonGasteropodDev elopmlent. In: Arch. f. Entwmech. Bd. 3. 1896. p. 1—19. Taf. 1—4. 6 Üriesch, H, Entwickelungsmechanische Studien. l.In: Zeitschr. f. wiss. Züol. Bd. 53. 1891. p. 160-184. Taf. 7. 7 — Entwickelungsmechanische Studien. IX. In: Mitth. Zool. Station Neapel. Bd. 11. 1893. p. 221—254. 8 — Analytische Theorie der organischen Entwickelung. Leipzig. 1894. p. 15—16. 9 — Von der Entwickelung einzelner Ascidienblastomeren. In: Arch. f Entwmech. Bd. 1. 1895. p. 398—413. Taf. 17. 10 — Bemerkungen zu den von T. H. Morgan und mir angestellten Versuchen an Cteno phoreneiern und ihrer Kritik. In: Zool. Anz. 1896. p. 127—132. 11 — Betrachtungen über die Organisation des Eies und seine Genese. In: Arch. f. Entwmech. Bd. 4. 1896. p. 75—124. 13 Textfigg. (An- hang I). 12 Drleseh, H., und Morgan, T. H., Zur Analysis der ersten Entwickel- ungsstadien des Ctenophoreneies. I — IL In : Arch. f. Entwmech. Bd. 2. 1895. p. 204—224. Zoolog- Centralb). VII. Jahrg. — Nr. 1 — 30. — 1 2 13 *Eliner, V. von, Die äussere Furchung des Tritoneneies und ihre Beziehung zu den Hauptrichtungen des Embryo. In: Festschr. f. A. Rollet. Jena. 1893. 14 Endips, H., und Waltfr, H. E., Anstichversuche an Eiern von Raria fusca. In: Arch f. Entwmech. Bd. 2. 1895. p. 38—51. Taf. 5—8. 15 Eiidres, H., Anstichversuche an Eiern von Rana fusca. II. Ergänzung durch Anstichversuche an Rana esculenta sowie theoretische Folgerungen aus beiden Versuchsreihen. Ibid. (1896). p. 517 — 543. Taf. 30. 16 Fie»a, P., Studien über den Einfluss des Dotters auf die Gastru- lation. IL Amphibien. Experimentelle Untersuchung. In: Arch. f. Entwmech. Bd. 2. 1895. p. 370-393. 28 Schnitze, O. , Die künstliche Erzeugung von Doppelbildungen bei Froschlarven mit Hilf e abnormer Gravitationsvorr ichtun g. In: Arch. f. Entwmech. Bd. 1. 1894. p. 269—305. 29 Wilson, E. B., Amphioxus and the mosaic theory of development. In: Journ. of. Morph. Vol. 8 p. 579-638. PL 29—38. 30 Zoja, R., SuUo sviluppo dei blastomeri isolati delle uova di alcune meduse (e di altri organismi). In: Arch. f. Entwmech. Bd. 1. 1895. p. 578-595. Bd. 2. 1896. p. 1—37. *) Die mit dem Stern bezeichneten Arbeiten waren VerL nicht zugänglich. — Nr. 1-30. — — 3 — Der erste, welcher versucht liat, Teilbildiingen durch Isokition von Komplexen von Enibryonulzellen in ganz jungen Stadien der Ent- wickelung hervorzubringen, ist Haeckel; es ist dies recht merk- würdig, weil er sich später so absprechend über diesen Zweig der expeiinientellen Forschung geäussert hat. Er experimentierte nicht an Furchungszellen, sondern an ganz jungen Keimen (Blastulae oder Morulae) von Siphonoplioren; er zerteilte dieselben in zwei, drei oder vier Stücke mittelst einer feinen Nadel und erhielt aus diesen vollständige Larven. Erst nach einer Reihe von Jahren wurden solche Studien (zu- nächst ohne Kenntnisnahme der HaeckeTschen Untersuchungen) wieder aufgenommen, und zwar fing man nun an, isolierte Furchungs- zellen zur Entwickelang zu bringen. Diese ältesten Versuche, Furch- ungskugeln sich isoliert entwickeln zu lassen, stammen von Roux (25) und Chabry her, welche zwei Forscher unabhängig von einander hierüber arbeiteten. Allerdings hatte schon früher Chun solche Ex- perimente angestellt, sie jedoch nicht veröffentlicht; sie wurden erst in Roux"s zweiter Abhandlung über diesen Gegenstand bekannt ge- macht (25, Abh. 26). Die Resultate dieser ältesten Versuche dürften schon vielen be- kannt sein und sollen hier nur des Zusammenhangs und der Voll- ständigkeit wegen in möglichster Kürze erwähnt werden. Roux (25, Abh. 22) tötete am zweigeteilten Froschei durch Einstich eine Furchungskugel und verfolgte die weitere Entwickelung der unver- letzt gebliebenen. Dieselbe entwickelte sich, indem sie in genauem Zusammenhang mit der angestochenen verblieb, zu einem halben Embryo (Semimorula, Semiblastula, Semigastrula , Semiembryo mit einem ^ledullarwulst); später ergänzte sie sich auf Kosten des Materials der angestochenen Zelle zu einem ganzen Embryo, und zwar konnte dies entweder in der Weise geschehen, dass Zellen^) aus der ent- wickelten Hälfte in jene hineinwandern und sich hier entwickeln und differenzieren, oder, falls der Kern der operierten Furchungskugel am Leben blieb, in der Weise, dass diese durch Teilungen Material für spätere Cellulation liefert. Schliesslich können in beiden Fällen aus dem Material der angestochenen Furchungskugel die fehlenden Organhälften verspätet gebildet werden, welcher Vorgang von Roux als Postgeneration bezeichnet wurde (auf diesen vielfach ange- fochtenen Begriff soll hier nicht näher eingegangen werden). Es ge- ') Allerdings spricht Roux nur von „Kernen" und bezeichnet den Vorgang als „Nucleitransmigration" ; dass aber nackte Kerne hinüberwandern , will Ref. nicht einleuchten; etwas vom Plasmaleib der Zelle niuss sich jedenfalls dabei mit verschieben; nur verlieren, wie es scheint, beim Übertritt die Zellen ihre scharfen Grenzen. — Nr. 1—30. — 1* lang Roux auch, aus einer Furchungszelle im Viererstadium eine Viertelmorula und eine Viertelblastula sich entwickeln zu lassen (ebenso wie Dreiviertelembryonen aus drei der Furchungszellen im Viererstadium nach Zerstörung der einen). Nach Roux bezeichnet bekanntlich die erste Furche die Symmetrieebene des Embryos und des erwachsenen Tiers. Nach Zerstörung einer der beiden Furchungs- kugeln kann man deshalb einen rechten oder einen linken Halbembryo erhalten, nach Zerstörung zweier Zellen im Viererstadium kann man auch solche , aber daneben ,, vordere und hintere" (?) Halbem- bryonen erhalten, je nachdem die zerstörten Zellen auf gleicher oder auf verschiedener Seite der ersten Furchungsebene gelegen waren. - Roux hat indessen auch die Halbbildungen sich selbst zu Ganzbild- ungen kompensieren lassen, indem er im Stadium der Semigastrula oder besser etwas später den Zusammenhang mit der angestochenen Zelle lockerte ; es findet dann ,, Postgeneration" des Halbembryos auf eigene Kosten statt, und es entsteht ein ganzer Embryo von geringerer Grösse als normal. Gleichzeitig mit Roux hatte der junge, viel zu früh verstorbene Chabry ähnliche Experimente an Ascidieneiern ausgeführt, welche er in seiner vorzüglichen Doktorarbeit veröffentlichte. Er hatte, um in den kleinen Eiern bestimmte Furchungskugeln abzutöten, eine sehr feine Methode ausgebildet : die Eier wurden in eine feine Glasröhre aufgesaugt und hier unter dem Mikroskop mit einer äusserst feinen Glasnadel angestochen; neben diesen Experimenten stellte Verf. eine sehr bedeutende Anzahl Beobachtungen an in der Natur vorkommen- den abnormen (z. T. den künstlich hervorgerufenen in hohem Grade entsprechenden) Entwickelungszuständen an. Es ist viel darüber gestrit- ten worden, inwiefern die von Chabry beschriebenen Erscheinungen als .,Halbfurchung" oder als ,,Ganzfurchung" aufzufassen sind, und Ref. ver- magnoch immer(trotzDriesch) nicht anders zu sehen, als dass wirklich (p. 126 des Sep.-Abd.) eine Halbfurchung bestimmt angegeben ist ; indessen hat Driesch neue Beobachtungen angestellt und behauptet, dass Ganz- furchung vorliegt. Das Wesentlichste der Chabry 'sehen Arbeit war der — später allerdings von Driesch (vergl. unten) angefochtene — Nachweis, dass nach Abtöten bestimmter Furchungskugeln bestimmte, entsprechende Defekte in der Larve auftreten, und dass die fehlenden Teile nicht ergänzt werden; mit weiser und reifer Überlegung sagt Verf.: „De lä on tire aisement la concliision (que je ne crois valable que pour 1' Ascidie et les animaux, dont les b lasto- meres sont differencies de bonne heure), que chaque bla- stomere contient en puissance certaines parties dont sa mort entraine la perte irremediable et que les diff'erentes parties de Tanimal sont — Nr. 1-.30. — — o — pret'ormees dans les differentes parties de rceuf". Schon -während der ersten Furchungen des Ascidieneies zeigt sich eine ausgesprochene Bihiteralität ; man kann vorn und hinten, rechts und links schon in den ersten Stadien unterscheiden, indem die erste Furche der späteren Medianebene entspricht. Das Auge der Larve bildet sich normal aus der vorderen rechten, der Otolith auf Grundlage der hinteren rechten Furchungskugel des vierzelligen Stadiums. Wird diese letztere zer- stört, so kommt es nie zur Bildung eines Otolithen ; stirbt dagegen die vordere rechte Furchungskugel, so kann sich trotzdem (aus dem Material der vorderen linken) ein Auge bilden. Stirbt eine der zwei ersten Furchungszellen, so entsteht auch z. B. nur eine Cloakeneinstülp- ung und eine Haftpapille. Ahnliche Erscheinungen hat Chabry auch häufig ohne experimentelle Eingrübe beobachtet ; namentlich gegen das Ende jeder Laichperiode sollen Abnormitäten häufig sein (dasselbe trifi't auch nach Roux für die Froscheier zu). Es giebt geradezu ,,monstripare'' Individuen. An Seeigeleiern fingen etwa gleichzeitig und unabhängig von einander (1891) Fi edler und D riesch ((5) zu arbeiten an; Fiedlers Untersuchungen wurden jedoch bald durch seinen frühzeitigen Tod unterbrochen, sodass sie nur in einer kurzen vorläufigen Mitteilung vorliegen; Driesch hat die seinigen später weitergeführt. Fiedler wandte teils die Anstichmethode an, teils isolierte er die Furchungs- zellen von einander durch starkes Schütteln; er konstatierte dabei Halbfurchung anstatt Ganzfurchung: ,,es wurde mehrmals ein 8- oder ein 14 zelliges Stadium gesehen, welches genau der einen seitlichen Hälfte des normalen 16- resp. 28 zelligen Stadiums entsprach"; auch aus isolierten Vierergruppen des 8 zelligen Stadiums erhält man weitere Stadien mit oder ohne Mikromeren, je nachdem es sich von dem ani- malen oder von dem vegetativen Zellenkranze handelt. Ferner wurden eine Semiblastula und eine Semigastrula mit rinnenförmigem anstatt röhrenförmigem Lh'darm gesehen; letztere beobachtete Driesch bei seinen Versuchen nicht, wohl aber die Semiblastula, welche sich aber meistens schon zu einer ganzen Blastula durch Verengerung und Ver- schliessung der Ofthung uinbiklen soll , sodass eine normale Gastrula und ein normaler Pluteus von halber resp. Viertelgrösse zur Ent- wickelnng kommt. — Wird der Zusammenhang zwisciien den beiden ersten Furchungskugeln unvollständig gelockert, so können Doppel- bildungen (bis zum Doppel-Pluteus) entstehen. Die Folgerungen, welche Iloux und Drie'st'h aus diesen ihren ■Resultaten sowie aus anderen, verwandten Versuchsreihen gezogen haben, waren einander diaineti-al entgegengesetzt und haben zu der mehr umfangreichen als inhaltreiehen Polemik über die ,,^h)saik- — Nr. 1—30. — — 6 — tbeorie" (Roux) und die ,, Theorie von den regulierenden Wechsel- beziehungen der Furchungszellen" (0. Hertwig) Veranlassung ge- geben. Die Hauptsache davon dürfte allgemein bekannt sein ; weitere Ausführungen hierüber verbieten sich wegen der notwendigen Raum- beschränkung dieser Übersicht. Neben theoretischen Erörterungen haben die verflossenen Jahre aber zugleich ein ziemlich reiches, weiteres Thatsachenmaterial gebracht, indem an einer grösseren An- zahl von Tierformen experimentiert wurde. Den Hauptkampfplatz bildeten fortan die Amphibien und die Echiniden ; nebenbei fanden sich aber sehr interessante Verhältnisse bei Medusen, Rippenquallen, Schnecken, AmpJiioxus, Knochenfischen. Die Hauptergebnisse sollen im folgenden rein systematisch dargestellt werden; es wird daraus ersichtlich sein, dass „die Entwickelung des einen Tiers nicht gerade so verläuft wie die des anderen", und ebenso nicht, was die Entwickelung isolierter Furchungszellen betrifft. Die Experimente sind sehr lehr- reich gewesen, aber sie haben in den theoretischen Grundfragen keine Entscheidung gebracht. Die Ergebnisse an einigen Tieren lassen sich besser im Sinne der einen, diejenigen an anderen Tieren besser im Sinne der anderen Theorie auslegen. Medusen. Hier liegen die Untersuchungen von Zoja vor, der seine Resultate folgendermaßen zusammengefasst hat: ,, Die Entwickel- ung der getrennten Blastomeren {^h und ^'4 Ei von Liriope mucro- naki, Geryonia prohoscidalis und Mitrocoma mmae\ ^/s, ^U, Vs und ^/i6 Ei von Clytia fiavidnia und Laodice cruciafn) ist ganz genau in allen ihren Phasen wie diejenige des ganzen Eies. Die Furchungs- höhle ist immer geschlossen und central und in keinem Falle sieht man während der Entwickelung der aus isolierten Blastomeren hervor- gegangenen Embryonen Prozesse , welche als Regenerationsvorgänge gedeutet werden könnten. Es bildet sich endlich immer eine schwimmende Larve, aus zwei Geweben bestehend, die von jener, welche aus ^'i Ei hervorgeht, nicht unterscheidbar ist, ausser in den Dimensionen." — — n^^i© Zahl der Zellen in den Larven ^/i, ^/s, ^/4, '/s von Laodice und Clytia beim Beginne der Entodermbildung scheinen im Verhältnis 1 : V2 : ^U '■ ^/s zu stehen. Nicht so bei Li- riope , wo von der Larve ^'2 sich das Entoderm erst beim Übergang vom 16- auf das 32-zellige Stadium bildet, wie es bei der ganzen Larve der Fall ist." Im letzteren Falle ist also unbedingt Ganz- furchung vorhanden, wie denn ja überhaupt die Furclmng in nichts von der normalen abweicht ; in den ersteren Fällen könnte man viel- leicht wegen der geringen Zellenzahl Halbfurchung konstatieren wollen. Aber bei der grossen Regularität der Furchung dürften hier die Unterschiede zwischen ,,Ganz" und ,,Halb" weniger ausgesprochen sein. _ Nr. 1—30. — Rippenquallen. Schon im Jahre 1877 hat Chun versucht, Furchungszellen durch Schütteln zu isolieren; er erhielt in dieser Weise typische Halblarven, welche nur vier Rippen, vier Meridional- gefässe und einen Fangfaden besassen. Der Magen war jedoch, wie normal, röhrenförmig, nicht wie eine offene Rinne. Solche Halblarven, welche Verf. auch in der Natur nach stürmischem Wetter gefunden hat, können geschlechtsreif werden und danach eine Metamorphose durchmachen, bei der sie die fehlenden Teile ,, postgenerieren'' (dieser Entwickelungsverlauf wurde von Chun als Dissogonie bezeichnet). Das Schicksal isolierter Furchungszellen von Ctenophoren wurde später genauer vonDriesch und Morgan, sowie vonFischel untersucht; es stellte sich dabei heraus, dass eine isolierte Zelle im Viererstadium eine Larve mit zwei Rippen, die drei übrigen (wenn beisammen bleibend) eine mit sechs Rippen, eine isolierte Zelle im 8-zelligen Stadium eine Larve mit einer Rippe liefern^). Es findet dabei eine typische Halbfurchung statt (die Micromerenbildung findet z. B. nach dem 4-zelligen anstatt nach dem 8-zelligen Stadium statt). Wurde in dem 16-zelligen Stadium eine Macromere mit der Nadel entfernt, so kamen die acht Rippen doch zur Entwickelung ; ihre Anlage ist also in den Micromeren vorhanden. Das Centralnervensystem und der Otolithenhaufen konnten mit Sicherheit nur bei Ganz- und Halb- larven, nicht bei noch mehr reduzierten Larven nachgewiesen werden. Driesch und Morgan wollten die „Halblarven" nicht unbedingt als solche betrachten; der röhrenförmige Magen und der vollkommene Ectodermüberzug sind ja nicht Halbbildungen; namentlich legten die genannten Verff. Gewicht darauf, dass sie in den meisten Fällen ausser den zwei für die Halblarve charakteristischen Entodermtaschen noch eine dritte, kleinere fanden. Jedoch haben sie auch Fälle ge- funden, in denen dieselbe fehlte, und Fisch el hat es wahrscheinlich gemacht, dass sie durch rein mechanische Momente (beim Einstülpen des Magenrohrs) zustande kommt. — Die zweite, sehr wichtige Arbeit von Fischel wurde schon ausführlich im Zool. C.-Bl. referiert (VI, 1899, p. 386 — 389) und muss darauf verwiesen werden; es sei nur nochmals daran erinnert, dass es dem Verf. gelang, durch Verschieb- ung, Verlagerung der Furchungszellen die Entwickelung von zwei (an- statt eines) Sinneskörpers hervorzurufen und die Zusammenordnung ') Von grossem Interesse ist der Nachweis von Driesch und Morgan, dass beim Wegschneiden von Protoplasmastücken aus dem ungefurchten Ei ähn- liche Defekte entstehen; es kamen Larven mit 4, 5 und 6 Rippen zustande. Die Furchung verläuft in diesen Fällen „defekt und asymmetrisch" (einige Macro- und Micromeren sind kleiner als normal), aber die Zahl derselben ist die typische. Also keine Halbfurchung. — Nr. 1—30. — der Ruderplättchen zu Rippen durchaus zu stören, sodass die ein- zelnen Ruderplättchen einer oder zweier Rippen an der Oberfläche unregelmäßig verstreut lagen. Echiniden. Die ersten, grundlegenden Versuche von Fiedler und Driesch (6) wurden oben besprochen; sie wurden im wesent- lichen auch von Zoja bestätigt. Noch soll folgendes hinzugefügt werden : Man kann ausser Halbbildungen auch Viertelbildungen (voll- ständige Larven von Viertelgrosse) durch Isolation einer Zelle im Viererstadium darstellen. Wird im ersten Stadium eine der beiden ersten Furchungszellen angestochen, sodass der Kern getroffen wird und Tod der Zelle eintritt, so entwickelt die gesund bleibende Zelle sich viel langsamer, als bei völliger Isolation, zu einer geschlossenen Blastosphaera, indem das Anliegen der toten Zelle bewirkt, dass die zunächst entstehende Halbkugel beim Verwachsen des Randes auf Widerstand stösst. — Ferner ist festgestellt worden (Driesch, 7), dass im achtzelligen Stadium sowohl der obere wie der untere Zellen- kranz isoliert werden kann und sich weiter zu einer vollständigen Gastrula, ja zu einem Pluteus von halber Grösse entwickeln kann; man hat daraus auf die Vertretbarkeit von Ectoderm- und Entoderm- anlage in einem so frühen Stadium geschlossen (später ist solche Vertretbarkeit nicht vorhanden). — Mit der Zellenzahl der aus isolierten Furchungszellen sowie aus Eifragmenten gezüchteten Larven beschäftigte sich Morgan (22). „Eine isolierte Elastomere des Zwei- zellenstadiums bildet eine Blastula mit der Hälfte der normalen Zellen- zahl, eine Elastomere des Vierzellenstadiums ergiebt ein Viertel der normalen Zahl der Zellen, und eine solche des Achterstadiums kann zwar ^/s der normalen Zahl produzieren, aber meist mehr.^' — ?;L)er Grund für das Unvermögen isolierter Elastomeren von späteren als dem achtzelligen Stadium, Gastrulae zu bilden, liegt darin, dass solche Elastomeren unfähig sind, die für das nächste ontogenetische Stadium nötige Zellenzahl zu bilden. '^ — ,,In den Teillarven aus isolierten Elastomeren ist die Zahl der Zellen^ welche zur Eildung des ürdarms eingestülpt werden, in manchen Fällen dieselbe wie in der normalen Gastrula (ebenso bei aus Eifragmenten gezüchteten Partiallarven; vergl. auch unten die Ergebnisse Morgan 's für Amphioxtis). — In diesem Zusammenhang sei auch noch auf die interessanten Unter- suchungen von Driesch (11) verwiesen. Wenn befruchtete Eier von EcJiinns nach der Kopulation der Vorkerne stark geschüttelt werden, so erhält man eine grosse Anzahl von Eruchstücken, die lebens- und entwickelungsfähig sind und nun bald die erste Furchung durch- machen; werden nun solche Eier in diesem Stadium ausgelesen und weiter gezüchtet, so stellt sich heraus, dass dieselben einen recht — Nr. 1-30. - — 9 — verschiedenen Modus der weiteren P'urchung aufweisen können: schon im folgenden Stadium sind bisweilen alle vier Zellen gleich, oder eine oder zwei Zellen sind erheblich kleiner als die übrigen, und solche Differenzen sind auch in den Stadion mit 8 und 16 Zellen zu beobachten: es können Bilder resultieren, die mit den aus einer isolierten ersten Elastomere erhaltenen Furchungsbildern genau über- einstimmen (mit zwei Micromeren im Achterstadium und zw^ei „kleinsten Micromeren" im 16 zelligen Stadium), aber auch andere Typen (z.B. dieselben Bilder wie bei der normalen Eifurchung, nur verkleinert, aber auch mehr unregelmäßige, z. B. mit vorzeitigen Micromeren) werden gefunden. Ganz dieselben verschiedenen Furchungstypen kommen zum Vorschein, wenn die unbefruchteten Eier geschüttelt und erst als Bruchstücke befruchtet werden. Infolge dieser Versuchsergebnisse ninniit Driesch an, das Ei von Echinns sei sowohl vor wie nach der Befruchtung polar differenziert : eine Hau^jt- achse und ein Micromerenpol seien schon im unbefruchteten Ei vor- handen, und von der zufälligen Relation der Bruchstücke zu jenen hänge der so verschiedenartige Verlauf der Furchung ab (das End- ergebnis der verschiedenen Furchungsformen wird dasselbe: normale Larven von geringerer Grösse). Gastropoden. Es liegt hier nur eine Untersuchung vor, nämlich diejenige von Crampton über Ilycmassa ohsoleta; dieselbe hat aber wichtige und sehr charakteristische Besultate ergeben: die Entwickelung findet nach Eliminierung einzelner Furchungskugeln in der Weise statt, als wären die fehlenden Teile noch vorhanden; sie erweist sich also hier in der That als „Mosaikarbeit". Neubildung irgend welcher der fehlenden Teile findet nicht statt, und es entsteht kein entwickelungsfähiger Embryo (die Furchungskugeln wurden durch Schütteln und Aufsaugen mittelst einer Pipette von einander isoliert). Entfernt man eine der beiden ersten Furchungszellen, so findet ganz echte Halbfurchung statt: anstatt vier Macromeren und vier Micro- meren entstehen zwei von jenen und zwei von diesen durch die folgenden Teilungen . und es bildet sich eine zweite Generation von zwei (anstatt vier) Micromeren; nur die grössere der zwei ersten Zellen lässt eine „Mesoblast-Polzelle" entstehen; aber es kommt in keinem Fall zur Bildung echten „Mesoderms'', und die kleineren Entodermzellen (Micromeren der vierten Generation) bleiben an der Oberfläche liegen, gelangen nicht ins Innere. Ebenso ist die Furchung einer isolierten Zelle des Viererstadiums typische Vierteifurchung: es werden nach und nach drei Micromeren (anstatt zwölf) gesprosst; die grösste der Zellen (D) auf dem Viererstadium entwickelt sich, wenn isoliert, nicht weit genug, um die „Mesoblast-Polzelle" zu — Nr. 1—30. — — 10 — sprossen. Auch Micromeren des ersten Quartetts furchen sich noch, als wäre der ganze Keim vorhanden. Zellen, die in späteren Stadien isoliert werden, entwickeln sich nicht. Wenn der bekannte „yolk lobe" (ein dotterreicher Anhang der grossen Zelle D) in einem frühen Stadium entfernt worden ist, geht die Furchung sonst normal vor sich, aber es wird keine „Mesoblast-Polzelle gebildet; die Zelle D produziert aber wie die drei Schwesterzellen (A, B, C) eine kleine, dotterhaltige Entodermzelle (die „Mesoblast-Polzelle'^ ist im Gegensatz zu jenen dotterfrei), und „Mesoderm'' kommt auch später nicht zur Entwickelung. — Werden die Eier vor der Furchung einer stärkeren Abkühlung ausgesetzt, so scheinen isolierte Furchungszellen eine Tendenz dazu zu besitzen, die Furchung des ganzen Eies wenigstens in den früheren Stadien nachzuahmen. Wie IJyanassa werden sich wahrscheinlich die übrigen Schnecken und Muscheln in Bezug auf das Schicksal isolierter Furchungszellen verhalten. Auch die Anneliden werden aller Wahrscheinlichkeit nach ähnliche Verhältnisse aufweisen; hier liegen aber noch keine Publi- kationen vor (dass sich Clepsine für solche Studien verwenden lässt, weiss übrigens Kef. aus eigener Erfahrung nach Untersuchungen, die nicht zu Ende geführt wurden). A seidien. Schon oben wurden die ursprünglichen Versuche Chabry's erwähnt. Driesch (9) hat später eine Revision der Resultate Chabry's nach eigenen Untersuchungen vorgenommen und ist dabei in verschiedener Hinsicht zu anderen Ergebnissen gelangt. Werden die Zellen durch Schütteln isoliert, so ist die Furchung nie der Form nach „halb", jedoch auch nicht typisch „ganz", überhaupt sehr variabel. Semimorulae und Semigastrulae kommen nicht vor. Die Chorda ist in ganz jungen Stadien (wie auch ursprünglich bei normalen Larven) mehrschichtig. Verf. findet, dass in den Larven ,,ein Augenfleck fast stets da ist", ein Otolitli dagegen sehr selten; „Haftpapillen wurden ebenfalls höchst selten und dann nur in der Einzahl, selten in der normalen Dreizahl beobachtet". Verf. sieht in dem hier geschilderten ganzen oder teilweisen Unterbleiben der Ausbildung der Sinnesorgane den Einfluss einer Schädigung, welche abgesehen von den direkten Folgen des experimentellen Eingriffs namentlich dadurch hervorgerufen wird, dass infolge des Unterbleibens der Sprengung der Eihülle die den Larven von einem gewissen Stadium an normalerweise zukommende freie Bewegung nicht statt- linden kann. Dieselben Schädigungen sollen nämlich eintreten, wenn ganze Eier dem direkten Sonnenlicht einige Zeit ausgesetzt werden, oder wenn deren sehr viele in ein kleines Glas und in verunreinigtes Wasser gebracht werden. Auch die Statistik der Defekte bei den — Nr. 1— 80. — — 11 — Drie seh' sehen Larven soll gegen die Ansicht Chabry's von der Präformation gewisser Larvenorgane in gewissen Furchungszellen sprechen. Die Atrialbildung wurde von D r i e s c h nicht genauer studiert ; nach Chabry soll bei der aus einer der ersten zwei Furchungszellen gezüchteten Larve nur eine Cloakeneinstülpung entstehen. AmpJiioxKS. Es liegen hier die grundlegenden Untersuchungen von Wilson vor; später hat Morgan (24) die Zahlenverhältnisse der Zellen bei den aus isolierten Furchungszellen gezüchteten Larven genauer untersucht. Wenn eine im ersten Furchungsstadium durch Schütteln isolierte Zelle sich weiter entwickelt, so tritt keine Halb- furchung, sondern ausgesprochene Ganzfurchung ein: anstatt erst eine äquale Teilung durchzumachen und dann durch inäquale Teilung in Macromeren und ^licromeren zu zerfallen, macht sie fast immer zwei äquale Teilungen durch , bevor die inäqualen eintreten ; die isolierte Furchungszelle entwickelt sich also gleich von vornherein als ein ganzes Ei. Nur wenn der Zusammenhang der Furchungszellen unvollständig gelockert wurde, kann es vorkommen, dass eine der- selben sich weiterfurcht , als sei sie noch ein Teil des ganzen Eies und nicht selbst ein solches. — Die isolierten Furchungszellen des ersten Stadiums entwickeln sich weiter, bilden normale Blastulae, Gastrulae und Larven mit allen typischen Teilen, nur von halber Grösse, und ebenso — wenn auch nicht ganz so häutig — gelingt es einer iso- lierten Zelle des Viererstadiums sich zu einer normalen Larve von Viertelgrösse zu entwickeln. • — Werden die Zellen nicht vollständig getrennt, sondern nur durch das Schütteln in ihrer Anordnung gestört, so kommen Zwillingsembryonen zur Entwickelung ; Wilson hat eine grössere Anzahl solcher namentlich im Gastrulastadium beschrieben; ihre gegenseitigen Achsenstellungen können dabei höchst verschieden ausfallen. — Auf dem achtzelligen Stadium gelang es nicht mehr, aus isolierten Zellen ganze Larven zu züchten; eine in diesem Stadium isolierte Zelle furcht sich zwar auch weiter und bildet entweder eine Bla- stula oder aber eine gekrümmte Zellplatte, und diese Platten können in zwei Formen auftreten: eine mit höheren und eine mit niedrigeren Zellen, dem Entoderm resp. Ectoderm der Gastrula ähnlich; jene dürfte von einer grösseren, diese von einer kleineren Zelle des achtzelligen Furchungsstadiums abstammen. Aber weiter entwickeln sich diese Zellen nicht. Nach Morgan sollen sie jedoch einen Anlauf zum (iastrulationsprozess beginnen können, und dass sie nicht weiter kommen, soll nach dem genannten Verf. dadurch begründet sein, dass sie die hinreichende Anzahl von Zellen zu bilden nicht imstande sind. ,,Fragmente der ungefurchten Eier, die kleiner als ^'s Blastomere sind, gastrulieren nicht. Dasselbe gilt für Fragmente der ^2 und V* — Nr. 1-30. — — 12 — Elastomere/' Die Halbeilarven besitzen ungefähr ^/3 der Zellenzahl der normalen Larven: doch besitzen Chorda und Rückenmark die normale Zahl. Die Einviertellarven verhalten sich ganz ähnlich wie die Halbeilarven. Es ist also für die aus isolierten Furchungszellen gezüchteten Larven Neigung vorhanden, die ganze Zellenzahl der normalen Larve zu bilden. (Ahnliches ist auch bei Teleosteern der Fall.) Knochenfische. An den Eiern der Knochenfische hat bisher nur Morgan (21) experimentiert; es sind diese Experimente namentlich deshalb von Interesse, Aveil es die einzigen Eier mit partieller Furchung sind, welche bisher m dieser Hinsicht untersucht wurden. Nach Ent- fernung einer der zwei ersten Furchungszellen entwickelt sich die zurückbleibende unter günstigen Umständen allein zu einem voll- ständigen Embryo; was die Furchung betrifft, so berichtet Morgan: „The blastoniere divides into two equal parts applied to one another, and is in all respects a miniature copy of the normal two-cell-stage. The furrow always appears in the plane where the second furrow of the normal egg would lie. A second furrow follows the first at right angles to it and a four-cell stage results again like the normal stage of correspondent Segments except in point of size. The third furrow of the half egg correspondents to the fourth furrow of the normal egg. The fourth furrow of the normal egg at right angles to the third cut off four central cells and twelve peripheral cells. In the half egg this cannot liappen if the furrow is at right angles to the last division (as it is in fact) because all four cells of the preceding stage are quadrants." Der aus der isolierten Furchungszelle gezüchtete Embryo ist grösser als die Hälfte des ganzen Embryos, fast zwei Drittel (die Grösse wird also durch die Masse des Protoplasmas und nicht durch die Menge der Kernsubstanzen bedingt). — Auch einen grossen Bruchteil des Nahrungsdotters hat Morgan entfernt und dennoch die p]nt\vickelung vollständiger, nur verkleinerter Embryonen erzielt; die Keimscheibe wird dabei anfangs von höherer Form als normal, plattet sich nach und nach ab ; die Furchung wird modifiziert : ,,generally such a cone or sphere divides vertically into two then into four cells. The third division offen comes in at right angles to the preceding two. i. e. in the third dimension of Space, giving four cells distally and four proximally or next the yolk," Eine gewisse Menge von Dotter müssen die Eier aber doch behalten, um sich zu furchen. Amphibie n. Die grundlegenden Untersuchungen von R o u x (25, Abh. 22) wurden schon oben besprochen. Die Entwickelung eines Hemiembryo dexter nach Abtötung einer der ersten zwei Furchungs- zellen wurde zunächst beim Axolotl von Barfurth bestätigt; bald — Nr. 1-30. — — 13 — danach wurden aber die Roiix 'sehen Ergebnisse von Oskar Her tw ig bestimmt in Abrede gestellt, und es folgte der erbitterte Streit zwischen den genannten zwei Forschern, durch welchen leider nichts wesentlich Neues herauskam. Hertwig gelang es, Tritoneier im ersten Furchungsstadium durch einen feinen Seidenfaden in der Furche einzuschnüren, und trotzdem die Furchung sich seiner Beschreibung nach als Halbfurchung erwies, kamen meistens auf der einen Seite des Seidenfadens die ganzen Medullarwülste zur Entwickelung ; er opponierte schon deshalb gegen Roux's Lehre von der Identität der ersten Furche mit der späteren Symmetrieebene. Auch seine Einstichver- suche führten ihn zu denselben Ergebnissen; die Hemiembryonen konnte er nicht anerkennen; er meinte ähnliche Verhältnisse kon- statieren zu können, wie sie von Driesch bei Echinodermen be- obachtet wurden: dass die überlebende Furchungskugel für sich einen ganzen Embryo bilde. Auch gegen den Roux 'sehen Begift" der Postgeneration trat Hertwig auf und opponierte namentlich mit Ptecht gegen den Ausdruck „Wiederbelebung der abgetöteten Ei- hälfte" ; die zerstörte Dottersubstanz ,,spielt in der Entwickelung des überlebenden Eirestes eine ähnliche Rolle wie der Nahrungs- dotter im Verhältnis zum Bildungsdotter bei mesoblastischen Eiern". Es erschien nun in rascher Folge eine Anzahl von Untersuch- ungen verschiedener Verfasser über denselben Gegenstand , welche teils mehr nach Roux's, teils nach Hertwig 's Schlüssen hin- neigen. V. Ebner wiederholte und bestätigte in einer mir nicht zu- gänglichen Arbeit^) Hertwig's Einschnürungsversuche, neigte aber in seinen allgemeinen Anschauungen doch mehr zu Roux hin; doch nimmt er an, dass „die Herstellung der Medianebene durch Neuord- nung der Zellen zustande komme". Auch Herlitzka bestätigte im wesentlichen die Ergebnisse vonHertwig's Einschnürungsversuchen (wenngleich, falls ich den Verf. recht verstehe, Ganzfurchung an den sich entwickelnden Furchungszellen eintritt). Andererseits beschrieben Endres und Walter sowie Endres von neuem eine Anzahl von Hemiembryonen nach Anstichversuchen an Froscheiern (nur keine Hemiembryones posteriores) und schlössen sich mit grosser Entschieden- heit der ganzen Anschauungsweise Roux's an. Inzwischen hatte Oskar Schnitze den interessanten Versuch angestellt, Eier im ersten Furchungsstadium umzudrehen, sodass der weisse Pol während der nächst folgenden P^ntwickehrngsphasen nach oben gekehrt war, und es gelang ihm, aus einer Anzahl von solchen Eiern Doppelembryonen hervorgehen zu lassen, indem offenbar durch die ,, abnorme Gravitations- ') Ich eitlere sie nach Barfurth's Referat in Ergab, d. Anat. u. Entw.- Gesch. Bd. 3. 1893. p. 159—160. — Nr. 1-80. — — 14 - richtung" die Anordnung der Teile im Ei in der Weise gestört wurde, dass jede Furcliungszelle in ihrer Entwickekmg selbständiger und un- abhängiger von der anderen verfuhr. Diesen Versuch kombinierte dann Morgan (23) mit dem Roux'schen Anstichversuch: er tötete an einer Anzahl von Eiern eine der ersten Furchungskugeln, drehte dann einige der Eier in der Weise von Schnitze um, wahrend er andere in der Norraallage sich entwickeln liess. Im ersten Fall bekommt man als Regel (jedoch nicht immer) die Roux 'sehen Halbembryonen, im zweiten Fall die Hertwig 'sehen Ganzembryonen (er macht auch darauf aufmerksam, dass einerseits Roux einige kleine Ganzembryonen aJs Hemiembryones anteriores beschrieben hat , und andererseits Hert wig einen Halbembryo gesehen und gezeichnet, aber nicht weiter beachtet hat) ^). Ob sich Halbembryonen oder Ganzembryonen ent- wickeln, hängt also von den Bedingungen ab, unter denen sich die Furchungskugeln einzeln entwickeln; dass die Umdrehung nicht das einzig Bedingende ist, geht aus der Inkonstanz der Resultate hervor und wurde auch schon von Roux (26) hervorgehoben-). S c hl u s s b em e r kun g. Es geht aus der obigen Übersicht hervor, dass der ganze Streit über Halb- oder Ganzembryonen hinfällig geworden ist. Es kann weder die Entwickelung von Hemi- noch die von Holoembryonen als etwas Unbedingtes, Typisches betrachtet werden. Nicht nur bei ver- schiedenen Tierformen sind grosse Extreme zu beobachten — es sei einerseits auf die Medusen und AmpliioTiis, andererseits auf die Rippen- quallen und Schnecken verwiesen — , sondern bei einem und dem- selben Tier kann unter verschiedenen Versuchsbedingungen aus einer isolierten Furcliungszelle ein Halbembryo oder ein Ganzembryo zur Entwickelung kommen. Wie schon oben betont, haben diese Experi- mente für die theoretischen Anschauungen, die den Ausgangspunkt für ihre Anstellung bildeten, nicht die entscheidende Bedeutung gehabt, die man von ihnen erwartet hatte, und ich glaube, dass man sich in der Beziehung mit Resignation wird fassen müssen; denn durch einfaches Weitergehen auf diesem Wege wird man kaum wesent- lich Neues herausbringen. Aber vieles Interessante und Lehrreiche haben die Experimente jedenfalls kennen gelehrt. Kopenhagen, Dezember 1899. ') Das Ergebnis Morgan 's, dass unter verschiedenen Versuchsbedingungen Ganz- oder Halbembryonen zustande kommen, war eigentlich schon von Dr i e seh (8) vorausgesagt. ^) Samassa tötete am Froschei im 8-zelligen Stadium die vier animalen oder die vier vegetativen Zellen durch Elektricität. Aus der weiteren Entwickel- ung der überlebenden Teile meint er den Schluss ziehen zu können , dass die Chorda und wenigstens ein Teil des ,,Mesoderms" von den ursprünglichen ani- malen Zellen herstammt. -i^. , oq - 15 — Referate. Geschichte und Litteratur. 31 Hofratli Dr. Carl Claus, vorm. Professor der Zoologie und vergl. Anatomie a. d. Üniversi t. 'zu Wien. Bis 1873 Auto- biographie, vollendet von Prof. v. Alth. Mit Bildniss und Ver- zeichniss seiner Publikationen. Marburg. Herausgeg. v. Verein f. Naturkunde zu Kassel. 1899. 8». 35 p. Mk. 1.—. 32 (irobben, C, Carl Claus, Ein Nachruf. In: Verhandl. zool.-bot. Ges. Wien. Jahrg. 1899. 5 p. 38 — Carl Claus j. Mit Porträt und Verzeiclmiss der Publikationen. In: Arbeit. Zool. Instit. Wien. Bd. XL Hft. 2. 1899. p. I— XIV. Der am 18. Januar 1899 in Wien verstorbene hervorragende Forscher und Lehrer auf dem Felde der Zoologie hat in seinen letzten Lebensjahren eine kurze Darstellung seines äusseren Lebensganges, wie seiner wissenschaftlichen Entwickelung und Thätigkeit verfasst, die ursprünglich für Strieder 's hessische Gelehrtengeschichte be- stimmt war. Leider führte Claus seine Aufzeichnungen nur bis 1873 fort; die nachfolgende Zeit ergänzte sein Schwiegersohn, Prof. V. Alth. Wir geben auf Grund dieser Biographie im folgenden eine kurze Übersicht der Hauptdaten und Epochen im Leben des rastlosen Forschers und Lehrers. Die beiden biographischen Be- sprechungen, welche C. Grobben seinem Lehrer gewidmet hat, sind kurz gehalten, teilen jedoch das Wichtigste mit. Carl Claus wurde den 2. Januar 1835 als Sohn des Münz- wardeins Heinrich Claus zu Kassel geboren und wuchs in den bescheidenen Verhältnissen auf, die ihm das Vaterhaus bieten konnte. Vom 9. Jahre an besuchte er das Gymnasium seiner Vaterstadt. Seine Jugendentwickelung war durch körperliche Schwäche teilweise behindert, wurde dagegen durch den liebevollen und anregenden Ein- ßuss der Mutter gefördert. C laus neigte sich schon auf der Schule rasch und intensiv den Naturwissenschaften zu, sodass er 1854 nach bestandener Reifeprüfung, die Universität Marburg mit dem festen Entschlüsse bezog, sich dem Studium der Naturwissenschaften zu widmen. Die Zoologie war damals in Marburg durch Herold vertreten. 1856 siedelte Claus nach Giessen über, wo sich unter E. Leuckart's anregendem Einfluss die künftige wissenschaftliche Laufbahn des angehenden Naturforschers bald entschied. Schon 1857 promovierte er in Marburg mit einer Arbeit über die einheimischen Ci/dops-Arten und betrat damit frühzeitig ein Gebiet der Forschung, dem er späterhin den grössten Teil seiner Lebensarbeit widmen sollte. Im Winter 1857/58 studierte er die marine Tierwelt in Nizza. — Nr. :51— 33. — — 16 — Hier empfing er die ersten Anregungen 7Air Erforschung der C o e 1 e n- teraten, die ihn in der Folgezeit noch so vielfach und eingehend beschäftigten. 1858 habilitierte sich Claus in Marburg für Zoologie, verliess jedoch diese Universität schon 1859 und siedelte in gleicher Eigenschaft nach Würzburg über, wo er 1860 auf Grund eines Rufes nach Dorpat zum Extraordinarius mit Gehalt ernannt wurde. 1863 folgte er einem Rufe als Professor der Zoologie nach Marburg, das er Würzburg, wo man ihm gleichfalls ein Ordinariat antrug, vorzog. Doch brachte ihm der Wirkungskreis in Marburg mancherlei Enttäuschungen, weshalb er 1869 einem Rufe nach Göttingen entsprach. Auch hier behagte es ihm auf die Dauer nicht; er entschloss sich daher 1873 nach längerem Schwanken die Professur in Wien anzunehmen, wo er bis zu seinem 1896 erbetenen Rücktritt wirkte, nicht ohne sich auch in diesem Amte vielfach enttäuscht und bedrückt zu fühlen. Nachdem er seine beiden letzten Jahre in Zurück- gezogenheit verbracht hatte, rief ihn am 18. Januar 1899 ein Schlag- anfall aus dem Dasein. Sein Leben, das durch körperliche Schwäche vielfach getrübt war, wurde von einer Reihe schwerer Schicksals- schläge heimgesucht; zwei Frauen verlor er durch den Tod, die dritte durch Scheidung; auch der Verlust einer Tochter traf ihn noch kurz vor dem Tode schwer. Wie betont, war Claus' wissenschaftliche Arbeit vor allem den Crustaceen und Coelenteraten gewidmet. Beide Abteilungen fesselten ihn abwechselnd während seines ganzen Lebens. Grobben bemerkt: ,,Es ist wohl nicht zu viel gesagt, wenn man Claus als den besten Kenner der Crustaceen in seiner Zeit bezeichnet. Seine sehr erheblichen Verdienste auf dem Gebiete der Coelenteraten sind trotz mancher Angriffe, die er erfahren, unbestritten." Aber auch auf ver- schiedenen anderen Gebieten, so namentlich dem der Insekten und Würmer hat er fördernd eingegriffen und auch mancherlei allgemeine Fragen mit Erfolg besprochen. Seit 1866 hatte er durch sein vielfach und in verschiedener Gestalt aufgelegtes Lehrbuch der Zoologie einen wesentlichen Einfiuss auf das Studium dieser Wissenschaft in Deutschland und weiterhin errungen, obgleich Grobben 's Meinung: ,,dass Claus die Kunst elementarer Darstellung nicht gegeben war", begründet erscheint. Als Lehrer entfaltete er besonders in Wien eine umfangreiche Thätigkeit und versammelte um sich zahlreiche begabte Schüler, die gemeinsam mit ihm die Arbeiten aus dem zoologischen Institut der Universität Wien und der zoologischen Station in Triest (deren Direktor er war) schufen (10 Bde.). 0. Bütschli (Heidelberg). — Nr. 31—33. — — 17 — Wissenschaftliche Anstalten und Unterricht. 34 von Koch, (i., Die Aufstellung der Tiere im neuen Museum zu Darmstadt. Leipzig (W. Engelmann) 1899. gr. 8°. p. 1 — 14. 3 Taf. u. 1 Zinkätzung. M. 2. — Es kommt leider nicht oft vor, ist aber zweifellos für viele Fach- genossen von Interesse, dass der Vorstand einer zoologischen Samm- lung, für Avelche ein neues Gebäude in Aussicht genommen ist, die bei der Anlage des Neubaues und der Neuaufstellung der Tiere leitenden Gesichtspunkte der Öffentlichkeit darlegt. Der Verfasser hat bereits vor einigen Jahren in einer Schrift ,,Über naturgeschichtliche Sammlungen" die Prinzipien entwickelt, welche bei der Festsetzung der Pläne für das neue Museumsgebäude in Darmstadt für ihn maßgebend waren. Jetzt , nachdem das Ge- bäude, welches die zoologische Sammlung aufnehmen soll, im Koh- bau vollendet ist, giebt er in dem vorliegenden Schriftchen ein Pro- gramm über die Neuaufstellung der Tiere selbst. Bei der Einrichtung der Schausammlung, und um diese handelt es sich wesentlich, waltet das Bestreben ob, den weitestgehenden Ansprüchen nach An- regung und Belehrung in den verschiedensten Richtungen, welche das Publikum an eine derartige Sammlung wird stellen können, möglichst entgegen zu kommen. Auf Darstellungen aus der vergleichenden Anatomie, vergleichenden Entwickelungsgeschichte u. s. w. ist Bedacht genommen, die Beziehungen der Tiere zu einander und zur umgeben- den Natur finden weitgehende Berücksichtigung, die für den Haus- halt des Menschen wichtigen Rohprodukte aus dem Tierreiche sind in einer besonderen Abteilung zusammengestellt ; Modelle , Abbild- ungen, Karten, Tabellen finden vielfache Verwendung. Die rein systematische Aufstellung, welche ja in den meisten Sammlungen vorherrscht, tritt hier mehr in den Hintergrund. Dagegen soll die grosse Masse der ausgestellten Tiere zu faunistischen Gruppen ver- einigt werden, welche die Verbreitung der Tiere auf der Erdoberfläche erläutern; zu ihrer Aufnahme sind umfangreiche Räume vorgesehen. Ein Grundriss der Sammlungs- und Arbeitsräume, Pläne der Schränke und Abbildungen von Tiergruppen begleiten das Schriftchen, das viel Anregendes enthält. L. D öder lein (Strassburg i. E.). Lehr- und Handbücher. Sammelwerke. Vermischtes. •35 Hertwig-, 0., Die Lehre vom Organismus und ihre Bezieh- ung zur Socialwissen Schaft. Jena (G. Fischer) L899. gr. 8°. 36 p. M. 1.—. Die zur Universitätsfeier am 27. 1. 1899 gehaltene Rede ent- Zoolog. Centralbl. VII. Jahrg. JJj. 3^ 35_ 2 — 18 - wickelt zunächst in kurzen Zügen Wesen und Aufgabe der Wissen- schaft vom Organismus und legt die Bedeutung ihrer drei Eichtungen. der chemischen, physikalischen und anatomisch-biologischen, dar. Be- sonders wird hervorgehoben, dass der lebende Organismus eine besondere Organisation besitzt, vermöge deren er, von der organischen Natur unterschieden, allein als belebt hingestellt werden kann. In anregender, an interessanten Einzelheiten reicher Parallele wird ge- zeigt, dass auch der Staat, aus verschiedenen funktionierenden Organen zusammengesetzt, seine eigene Art von Leben hat und einem kunst- vollen Organismus verglichen werden kann; hierdurch ergeben sich entsi^rechend der centralen Stellung, die der Biologie in der Gemein- schaft der Wissenschaft zukommt, Beziehungen und Zusammenhänge der anatomischen Biologie zu den Staatswissenschaften, sodass das naturwissenschaftliche Zeitalter auch das soziale werden musste. Die versehentlich weggelassene Anmerkung 11 dürfte sich wohl auf Verworn beziehen. B. Nöldeke (Strassburg i. E.). Zellen- und Gewebelehre. 36 Bard, J. , La Specificite cellulaire. Paris (Carre et Naud.) 1899. (Scientia). 8''. 98 p. frcs. 2.—. Bard giebt uns hier eine Übersicht über die Frage der Speci- ficität der Zellen, die bekanntlich in dem Satz gipfelt: Omnis cel- lula e cellula ejusdem naturae. Ln ersten Kapitel stellt er diese Lehre derjenigen gegenüber, welche die Indifferenz der Zellen behauptet und schliesst jeden Komi^romiss mit derselben aus: „La specificite ne peut qu'etre ou ne pas etre, et si eile n'est ni gene- rale ni absolue, eile n'est plus la specificite." Nach diesem historisch behandelten Überblick über den Stand der Frage bespricht das fol- gende Kapitel die Thatsachen, auf die die Lehre sich stützt, und die Einwände (extrauterine Placenta, pathologische morphologische Ver- änderungen, Regeneration der Gewebe und Organe, Pseudarthrosen etc.), welche noch gegen sie erhoben werden. Das von 0. Hertwig gegen die Specificität der Zellen u. a. angeführte Beispiel der Linsenregene- ration aus dem Irisrandepithel bei Tritonlarven wird nicht besonders erwähnt, sondern die Heteromorphosen werden im allgemeinen als nicht genügend bekannt und daher als nicht verwertbar hingestellt. Im Kapitel III setzt der Autor auseinander, wie sich die Specificität mit den Entwickelungsprozessen und den Zellteilungen in Einklang bringen lässt durch seine „Theorie de Farbre histogenique". Im letzten und umfangreichsten Kapitel geht Bard aus von seiner „physikalischen Lebenstheorie" (theorie physi(iue de la vie), auf die hier kurz eingegangen sei. Wenn auch das Gesamtleben — Nr. 35—36. — — 19 - eines Metazoen bekanntlich in physikalisch-chemischen Kräften seine Erklärung finden kann, ergiebt sich — ein keineswegs neuer Stand- punkt — die Notwendigkeit, für die einzelne Zelle eine neue spezielle Kraft anzunehmen, also eine eigentliche Lebenskraft, welche jenen bekannten Kräften gleichberechtigt ist, und man muss daher annehmen, dass man auch dereinst die Aquivalenzgesetze zwischen ihr und den bekannten physikalischen Kräften erkennen wird. Allerdings sieht Bard den Hauptunterschied darin, dass diesen geradlinige Äther- schwingungen zu Grunde gelegt werden, die Lebenskraft aber — ,,ne se propageant pas h distance et s'exercant dans un espace tres restreint, dans un micro-espace" — , aus cyklischen Schwingungen resultiert. Diese Lebenskraft erzeugt nun dadurch, dass sie sich bei Zellteilungen in verschiedene Komponenten zerlegt, in den chemisch anfänglich gleichwertigen Zellen charakteristische Ausscheidungen, Zellderivate sowohl intra- wie intercellulärer Art, durch welche die latente SjDecificität auch in die Erscheinung tritt und an denen sich die Funktion der Organe, kurz das Leben des Organismus, bethätigt. Wir haben hier den Versuch eines mechanistischen Vitalismus — um einen Ausdruck D r i e s c h's zu gebrauchen — , der in dieser modernisierten Form ge- niessbarer gemacht werden soll, um sich aufs neue in die Wissen- schaft einschmuggeln zu können. Man vergesse doch nicht, dass hier nur eine ganz vage Hypothese zu Grunde liegt! Die Beziehungen zwischen dieser Hypothese und der durch sie erklärten Speciticität einerseits und den allgemeinen biologischen Problemen andererseits füllen das Kapitel. Das Werk ist in der Bibliothek ,,Scientia" erschienen; die ein- zelnen Bändchen derselben sollen in monographischer Form die neueren Geistesentdeckungen und Änderungen in der Entwickelung der Natur- wissenschaften wiedergeben. Zu bedauern ist der enge kleine Druck. B. Nöldeke (Strassburg i. E.). Vergleichende Morphologie, Physiologie und Biologie. 37 Thodeii van Velzeii, H., Die zwei Grundprobleme der Zoo- logie. L Der Ursprung thierischer Körper. H. Der In- stinkt der Tihiere. Leipzig (H. Haacke) 181)9. 106 p. Mk. 2.40. Thoden van Velzen, welcher sich zu den ,, nicht durch ge- wisse philosophische Systeme unvernünftig gewordenen" Menschen rechnet, findet in den Besultaten seiner Untersuchungen ,, keinen Streit, sondern vielmehr Erklärung der Naturwissenschaften". Obwohl es danach sich vielleicht lohnen müsste, über beide vorliegenden Auf- sätze des breiteren zu berichten, muss sich doch Ref. damit begnügen, — Nr. 36-37. - 2* - 20 — den herzerquickenden Aufsatz über den ., Ursprung tierischer Körper" kurz wiederzugeben. Beginnen wir gleich mit dem Hauptsatz! „Die Alten haben die Begriffe der Körperteile in ihrem Ge- dächtnis; sie müssen durch diese auf irgend eine Weise auf das Gedächtnis des zukünftigen Weltbürgers Vorstellungen verursachen, die ihren Geist in Bewegung bringen und diese Bewegung hat die Formation des Stoffes zu Körpern zur Folge, welche den Körpern der Alten ähneln" (p. 15). Nun sind „die Eizelle und die Spermazelle beide die Träger des Fortpflanzungsfermentes", Jedoch kommt ,,der Geist nicht durch Vereinigung einer Sperraazelle und Eizelle zustande", denn die letztere bietet der ersteren nur ,, einen schon von dem Weibchen veränderten Stoff, weiter zu wirken", während im Spermatozoon „der Geist des zukünftigen Fötus" liegt, ,, versehen mit Vorstellungen der Körperteile". Es muss also ,,in einem gewissen Moment in den Ge- schlechtsteilen des Vaters ein geistiges Wesen Stoff an sich" verbinden und zum Spermatozoon werden. „Nun scheinen die Geschlechtsteile wohl eine Art Centrum des Körpers zu sein." ,, Allerlei wirkt inten- siv auf die Zellen dieser Teile." „Und das entstehende Spermatozoon empfängt in seinem Gedächtnis die Bilder der Körperteile des Vaters," indem „die körperbildenden Bewegungen im Gedächtnis des Sperma- tozoons zu Vorstellungen von Körperteilen" werden. ,,Bei kunst- gerechter Befruchtung muss das Spermatozoon auch kunstgemäß be- wogen (soll heissen: bewegt) w^erden und zwar in gerader Richtung." ,, Bewegung" scheint das Grundprinzip der Philosophie des Autors zu sein. Auf Grund dieser Erklärung lösen sich viele bisher schwierige Probleme sehr einfach ; z. B. das der Anpassung. „Insekten haben Ein- fluss auf das Gedächtnis der Pflanzen" und umgekehrt. „Dieser Einfluss bleibt bewahrt. Und dadurch werden die Körperteile modifiziert und damit wieder die Vorstellungen derselben und diese Modifikation vererbt sich auf die Setzlinge und Junge." So passen sich in ihrer Form Mundteile der Insekten und die Organe der Pflanzen einander an. „Finden übergrosse Störungen durch übermächtige Vorstellungen statt, so entstehen Missgeburten." Hinsichtlich der Urzeugung finden wir folgende Ansicht. ,,Weil der Geist wahrscheinlich ein Stoff" ist, der ebenso wie einige chemische Stoffe überall anwesend ist, ist es nicht un- wahrscheinlich, dass, wenn in einem Laboratorium die Stoffe sehr fein verteilt werden und bis zu einer gewissen Wärme gelangen, der Geist sich damit verbindet und lebende Wiesen entstehen." Der tiefen Sätze ist Überzahl! Z. B. „Je mehr Entwickelung, desto lokomotorischer die Arbeit Das Tier hat lokomotorische Be- wegung und entfernt auch seine Jungen lokomotorisch von sich. Es — Nr. 37. — — 21 — wirft sie. Wenigstens die mehr entwickelten Tiere tliun solches. Der Mensch wirft das Senkblei in den Ocean und denkt nach über sehr entfernt gelegene Welten, um diese vielleicht einmal zu besuchen." Manches andere auffällige findet seine Erklärung wohl in einem bei der Übersetzung fälschlich angewendeten Ausdruck, so z. B. die Mitteilung auf p. 12, dass Wöhler und Haeckel den „Urin" ge- macht haben. Alles in allem dürfte man sich am ehesten dem Autor anschliessen , wenn er auf p. 5 sagt: „Aber wie kann ich mit Un- fehlbarkeit wissen, wie gross jemandes Verstand oder Unverstand ist," B. Nöldeke (Strassburg i. E.). 3S Le Dantee, F., La Sexualite. Paris (Carre et Naud) 1898. [ScientiaJ. 80. 98 p. Wir finden hier einen Überblick über die Frage der Sexualität, sowie über die mit ihr enger zusammengehörenden Probleme. Theo- retisch erblickt Le Dantec in den beiderlei Geschlechtsprodukten Komplementärtypen ein und derselben chemischen Substanz, einen Rechts- und einen Linkstypus , die , für sich des Gleichgewichts ent- behrend, dieses erst durch eine Vereinigung zu einem neutralen Typus finden. Eine solche Auffassung würde ihren Ausdruck bereits darin finden , dass in den in Betracht kommenden Eiweissmolekülen ein asymmetrisches inverses Kohlenstoffatom angenommen würde. Jedoch will Le Dantec diese stereochemische Asymmetrie nicht als einzig mögliche Erklärung hingestellt haben. B. Nöldeke (Strassburg i. E.). 39 Driescli, Hans, Zur Analyse der Repara tion sbe ding un gen bei Tuhularia. In: Vierteljahrsschr. d. naturf. Ges. Zürich. Jahrg. 41. 1896. p. 425-434. 3 Textfigg. i) 40 — Studien über das Regulationsvermögen der Organis- men. IL Quantitative Regulationen bei der Repara- tion der Tuhularia. III. Notizen über die Auflösung und Wiederbildung des Skelets von p]chinidenlarven. In: Arch, f. Entwmech. Bd. 9. 1899. p. 103—139. 2 TextHgg. Miss Bickford hat nachgewiesen, dass die Neubildung des Kopfes bei Tuhularia nicht durch „echt-regenerative" Sprossung von der Wundfiäche her geschieht, sondern dass sich innerhalb des Peri- sarks durch Umdift'erenzierung der Stammgewebe die Neuanlage bildet, um darauf durch Streckung des hinter ihm gelegenen Stammteiles herausbefördert zu werden (welchen Vorgang Driesch als Rei)a- ') Da diese Schrift aus 1896 noch nicht im Zool. C'.-Bl. referiert ist und für das Verständnis der folgenden wesentlich ist, wurde sie hier mitgenommen. - Nr. 37-40. — 99 ratio n bezeichnete). In der ersten der oben angeführten Schriften erweiterte nun Driesch die Kenntnisse dabin, dass die Tentakeln der neuen Hydranthen nicht etwa ausgestülpt, sondern als Längs- wülste angelegt und dann der Länge nach vom Mutterboden abge- schnürt werden; ferner fand er, dass eine schiefe Schnittfläche auch eine schiefe Anlage der Tentakelkränze und damit eine geneigte Lage (von 120 — 150"^) des reparierten Hydranthen zur Folge hat (ein Richt- ungsausgleich mit dem alten Stamme findet auch später — nach Wochen — nicht statt); endlich stellte er fest, dass der neugebildete Kopf schon gleich nach seinem Austritt Genitalien besitzt, falls der abgeschnittene mit solchen ausgestattet gewesen war. Die zweite Arbeit (über den ersten Teil derselben vergl. Zool. C.-Bl. Bd. 5. 1898. p. 10) berichtet, wie der Titel sagt, zunächst über quantitative Regulationen bei der Reparation von Tulmlaria , über die Beziehung zwischen der Länge von abgeschnittenen Stammstücken und der Ausdehnung ihrer Reparationsareale beim Hydranthenersatz. Als äusseres Reparationsareal bezeichnet Verf. den Bezirk vom freien Ende bis zum distalen Ende der kleinen (distalen) Tentakel, als inneres den gesamten von den Tentakeln und dem Stammstück zwischen ihnen eingenommenen Bezirk. Das vom Verf. im ersten Teil dieser Arbeit konstatierte Factum der grossen Variabilität in Bezug auf die Reparationsweise kleinster (1 mm) Stücke hängt von der Lage der kleinsten Stücke im ursprüng- lichen Individuum ab: die oralsten Stücke reparieren sich schneller, aber sterben häufiger ab und liefern weniger gute und zweckmäßige Reparationen, dagegen häufigere „atypische Bildungen'', als die aboraler gelegenen. Aber auch bei grösseren Stammstücken hängt das Repa- rationsresultat in gewisser Weise von ihrem Ort im ursprünglichen Individuum ab, indem die Länge des Reparationsareals mit der Ent- fernung dieses Orts vom ursprünglichen Oralende abnimmt. Diese Verschiedenheiten sollen auf die ungleichmäßige Verteilung des be- kannten „roten Stofi's" im Tnhtdaria-^tsLmm beruhen: derselbe ist oralwärts reichlicher vorhanden. Wegen der eben besprochenen Versuchsergebnisse konnten bei der Beantwortung der Hauptfrage — Beziehung zwischen Länge der Stammstücke und Länge der Reparationsareale — nur Stücke aus derselben Region mit einander verglichen werden und wegen der be- deutenden individuellen Variation müssten Stücke aus demselben Indi- viduum zusammengehalten werden. Als Resultat stellte sich heraus: „Die quantitative regulatorische Reduktion der Grösse des Repara- tionsareals von Tiämlaria beträgt 60"/o, sobald die Länge der repa- rierenden Stücke nicht grösser ist als der doppelte Betrag des typischen — Nr. 39-40. — — 23 — Reparationsareals; mit weiter abnehmender Stammgrösse nimmt die Arealgrösse weiter zu. Dieses Resultat ist teleologisch sehr wohl ver- ständlich: Es genügt nicht, um ein vollständiges Individuum wieder- herzustellen , dass nach Entnahme des Kopfes ein solcher aus dem vorhandenen Material wiedergebildet werde, es muss auch eine proxi- malwärts von der Reparationsanlage gelegene Wachstumszone da sein, um den Kopf aus dem Perisark hinauszuschaffen, ja nicht nur dieses, sondern es ist auch als entschieden ,, zweckmäßig" zu bezeichnen, dass ausser Streckungszone und Reparationsareal noch ein gewisser Stamm- bezirk erhalten bleibt, er allein sichert dem Individuum reparative Rettung gegen künftige Schädigungen; denn wie früher von mir kon- statiert , ist der Hydranth der Tuhularia nicht etwa imstande , sich einen Stamm regenerativ zu erzeugen." ,,Die Proportionalität alles Geschehens bleibt bei beliebiger Entnahme von Material des Systems gewahrt." (Verf. kommt dabei auf sein „harmonisch-äquipotentielles System" zurück und diskutiert weiter die Frage, ob der Grund des regulatorischen Geschehens in der Strecklänge oder in dem Quantum des roten Stoffs oder in einer Kombination dieser beiden Faktoren liegt, ohne zu einem sicheren Entscheid zu gelangen; ein fortwähren- der Transport des roten Stoffs wird angenommen.) In Bezug auf die Zeitdauer der Reparation der Hydranthen be- stätfgt Verf. zunächst die Angaben von L o e b , nach welchen die Polypen am oralen Ende der Stammstücke sich früher als am aboralen bilden und zwar je früher, je mehr oral die Stammstücke sind; er fügt diesen Angaben hinzu, dass ,,der aborale Polyp des aboralen Stücks ganz wesentlich weniger Zeit zu seiner Bildung braucht als der aborale Polyp der oralen Hälfte". Ferner hat er noch Versuche über die Regulation nach Störung des Entwickelungsverlaufs ange- stellt, indem die Anlage des kleinen und die Hälfte der Anlage des grossen Tentakelrings weggeschnitten wurden. Eine Anzahl (18) der Objekte bildeten den belassenen Anlageteil zurück und bildeten die Teile ganz neu; andere (13) stellten zunächst aus dem übrig gelassenen einen rüssellosen Kopf mit Stummeln der grossen Tentakeln her, der aber schnell abgeworfen wurde, worauf eine neue Totalanlage sich bildete; bei neun anderen (schief abgeschnittenen) fand echte Regene- ration statt: sie regenerierten einen echten Rüssel mit kleinen Ten- takeln; diejenigen der grossen, die durch die Operation stummeiförmig geworden waren, vervollständigten sich nie. Im dritten Abschnitt teilt Verf. Versuche über Auflösung und Wiederbildung des Kalkskelets von Echinidenlarven mit. Die Auf- lösung geschieht in COa-haltigem Seewasser, woraus die Larven nach 1 ^i'2 — 2 Stunden Aufenthalt in normales Seewasser zurückgebracht — Nr. 39-40. — — 24 — werden (in älteren Stadien wird das Skelet schneller als in den ganz jungen gelöst). „Sowohl für die Prismenformen, wie für spätere Stadien wurde in jedem Falle konstatiert, dass ein Zurückwandern der Kalkbildner an die Ursprungsorte nicht stattfand, dieselben be- hielten vielmehr stets ihre den betreffenden Stadien entsprechende Lage bei, begannen aber nach Verlauf von etwa zwei Tagen nach der Überführung in normales Seewasser in loco die Skeletbildung von neuem. Nun führte diese zwar nur selten zu einem wirklich nor- malen neuen Skelet, namentlich die Armleitern fanden sich meist durch einfache Stäbe ersetzt, aber es ward doch in einer Reihe von Fällen eine Bildung geliefert, die im grossen und ganzen geeignet erschien, das aufgelöste Normalskelet wieder zu ersetzen; aus durch- aus unbekannten Gründen fand oft nur einseitig die Ausbildung des Ersatzskelets statt; in vielen Fällen unterblieb sie ganz." Larven früherer Stadien werden durch CO2 mehr geschädigt als Plutei, sind aber, falls sie gesund bleiben, zur Bildung eines annähernd normalen Ersatzskelets besser befähigt (was auf der geringeren Entfernung der Kalkbildner von ihrem ursprünglichen Ort beruhen soll). R. S. Bergh (Kopenhagen). 41 Loeb, J., Warum ist die Regeneration kernloser Proto- plasmastücke unmöglich oder erschwert? In: Arch. f. Entwmech. Bd. 8. 1899. p. 689—693. Verf. geht davon aus, dass nach Spitzer „die in Gewebsex- trakten enthaltenen Substanzen, welche die Sauerstoftübertragung begünstigen (Oxydationsfermente), zur Gruppe der Nucleoproteide ge- hören", also typische Kernstoft'e sind, und betrachtet den Kern als das Oxydationsorgan der lebenden Substanz; deshalb seien kernlose Zellstücke nicht im stände, zu regenerieren, weil in ihnen die Oxy- dationsthätigkeit auf ein zu geringes Maß heruntergesunken ist. Verf. findet einen Wahrscheinlichkeitsbeweis hierfür in dem Umstand, dass kernlose Stücke von chlorophyllhaltigen Zellen (z. B. Algen) viel länger am Leben bleiben als kernlose Stücke von Infusorien (doch wäre es wohl zweckmäßig, ein und dasselbe Objekt unter verschiedenen Um- ständen hierauf zu prüfen, wie denn Verf. auch einen solchen Ver- such geplant, aber noch nicht ausgeführt hat). „Die Frage nach der Bedeutung des Zellkerns für die Entwickelung und Vererbung tritt, wenn diese Ansichten richtig sind, in ein anderes Licht." Der zellige Aufbau werde nämlich dadurch bedingt, dass die Entfernung zwischen den Kernen keine zu grosse sein darf; sonst gehen die betreffenden Protoi^lasmaelemente an Erstickung zu Grunde. In einem Nachtrag betont Verf. gegen 0. Schnitze, dass er nie geglaubt oder behauptet — Nr. 39—41. — — 25 — habe, dass das Fundidtis-Herz den Saiierstoft" für immer entbehren könne. R. S. Bergh (Kopenhagen). Coelenterata. 42 Calkins, Gary N., Some Hydroids from Puget Sound. In: Proc. Boston Soc. Nat. Hi^st. Vol. 28. No. 1-3. 1899. p. 333-367. Taf. I-VI. Es werden 30 Arten beschrieben, von denen drei athekat und die übrigen thekate Formen sind. Erstere sind Tubularia larynx, Coryne mirabüis und Peri- gonimus repens. Der Autor folgt in systematischer Hinsicht den Ausführungen- von K. Camillo Schneider (1898), die zum Teil wörtlich wiedergegeben werden Er acceptiert die Vereinigung der Genera Coryne und Syncoiyne und die der Familien Tubulariidae und Pennariidae zur Familie der Penn ariidae. Unter den Thekaten werden nur vier Familien als bei-echtigt anerkannt, nämlich die Hale- ciidae, Campanulariidae, Sertulariidae und Plumulariidae. Von der ersten ist Halecium mit zwei neuen Arten vertreten. Von Campanulariden werden 15 Arten aufgeführt, die sich auf die Genera Campanularia , Obelia und CaliceUa verteilen. Von 7 Arten des Genus < Campanularia ist eine neu, die andere auch europäisch. Von Obelia werden 4 neue Arten beschrieben und 3 europäische verzeichnet, unter letzteren 0. gelatinosa Pallas, für die vom Ref. 1897 ihrer ab- weichenden Vermehrungsweise wegen das neue Genus „Obelaria" geschaffen wurde. Die Familie der Sertulariden ist durch 7 Arten repräsentiert, von denen 3 (eine neue) auf das Genus Sertularella und je eine auf die Gattungen Thvjaria, Scrtularia, Selaginopsis und Hydrallmania kommen. (//. falcata L.) Die Plumu- laridae bilden den Schluss mit 3 Arten, nämlich den europäischen PL setacea und echinulata und einer Aglaophenia. Im Ganzen enthielt die Sammlung 14 auch In Europa heimische Arten, von diesen sind 4 von Clarke 1896 auch unter den Alasca Hydroiden gefunden und eine von Clarke unter den Hydroiden der Küste zwischen St. Diego und Vancouver aufgeführt [PI. setacea). Ausserdem werden von Clarke noch 3 andere europäische Species für die letztere Strecke, — zu deren nördlichen Teile ja „Puget sound" gehört — aufgezählt, nämlich: Hai. ^enellum, Sert. pumila und S. argentea. Im ganzen würden somit die europäischen Alien an der pacifischen Küste der Vereinigten Staaten durch ca. 17 Arten ver- treten sein. — Bemerkenswert ist, dass Calkins für die spezifische Unterschei- dung der Campanulariden den Bau des Diaphragmas heranzieht und diese Merkmale auf einer besonderen Tafel erläutert. Für die noch sehr unklare Systematik des Genus Obelia wäre es besonders wünschenswert, dass das Diaphragma zuverlässige Unterscheidungsmerkmale darböte. — In einigen einleitenden Worten vergleicht der Verf. die Fauna der Westküste mit derjenigen der Ostküste der Vereinigten Staaten; auch giebt er eine gute Schilderung der zwei sehr verschiedenartigen Lokalitäten (Port Townsend fuid Bremerton), an welchen das Material seiner Arbeit gesammelt wurde. C. Hartlaub (Helgoland). 43 Harthlub, CK, Zur Kenntnis der (x at tun gen MarfjeIo2)sis inid Nemo2isis. In: Nachrichten k. Ges. Wiss. (Jöttingen. Matli. Phys. Cl. 1899. Heft 2. p. 219—224. 4 Fig. im Text. Der Autor hat auf Helgoland das 1857 von Mc Crady l)e- schriebene, seitdem nicht wieder beobachtete schwimmende Hydra- — Nr. 41-43. — — 26 — rium aufgetimden , welches unter dem Namen ,,Ntmopsis gihhesi''^ Mc Crady bekannt ist. Der Autor weist nach, dass der bei Helgo- land vorkommende schwimmende Polyp einer anderen Species als der Mc Crady'sche angehört und nennt die neue Art Margelopsis haeckelii. Der junge Polyp entwickelt sich am Manubrium der vor zwei Jahren von Hartlaub als generisch und spezilisch neu be- schriebenen Codonide Margelopsis hueckeUi und verlässt diese Bnit- stätte in Form einer Actinula-ähnlichen , mit zwei Tentakelkränzen ausgestatteten Larve. An dieser Larve ist der eigentümliche, wie ein kurzer Stiel erscheinende aborale Fortsatz bereits ausgebildet. Dieser Fortsatz besitzt an seinem Ende eine napfförmige, von einem differenzierten Epithel ausgekleidete Vertiefung. Er ist eine Bildung ganz eigener Art, insbesondere nicht der Rest eines Stieles, wofür ihn offenbar die Autoren gehalten haben, welche das schwimmende Hy- drarium für einen abgerissenen Hydranthenkopf hielten. Der Helgo- länder Hydroid von Margelopsis scheint keine aktive Schwimmbeweg- lichkeit zu besitzen. Er treibt mit weit ausgespreizten Tentakeln schwebend umher; das einzige jemals beobachtete Exemplar von Margelopsis gihhesii (Mc Crady) dagegen konnte durch synchronisches Schlagen der Tentakeln lebhaft schwimmen. — Die Medusenknospen des Hydroiden Margelopsis haeckelii liegen kranzförmig angeordnet an der Basis und oralen Seite der aboralen Tentakel. Sie besitzen ähnlich den Knospen von Eleuiheria und Claäonema einen tief ge- lappten, nicht eingeschlagenen Glockenrand und lassen bei ihrer Ab- lösung deutlich die Charaktere der Margelopsis-},ied\\^% erkennen. C. Hartlaub (Helgoland). Vermes. Aniielides. 44 Hoif'manii, K. W., Beiträge zur Entwic kelungsgeschichte der Oligochaeten. In: Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. QQ. 1899. p. 335-357. Taf. 20-2L Verf. beschäftigt sich zunächst mit der Entwickelung des Darm- traktus, dann mit den larvalen Exkretionsorganen. In Bezug auf den ersten Punkt wollte er die Beziehungen der einzelnen Darm- abschnitte zu den Keimblättern bei der Embryonalentwickelung der Lumbriciden feststellen (sein Objekt war Allolohophora piitris , die Fixierungstlüssigkeit Herrn a n n ' sehe Lösung , die Färbung geschah mit Eisen-Hämatoxylin). Verf. hat als Modus der Gastrulation niemals Epibolie, sondern nur Invagination beobachtet (gegen Vejdovsky, mit Kowalevsky, Hatschek und Wilson); der Blastoporus wird nicht geschlossen, - Nr. 48—44. — — 27 — sondern es geht aus ihm direkt der Mund hervor. Dies ist jedoch so zu verstehen ;, dass an seiner Stelle das Ectoderm sich einschlägt, um das Stomodäum zu bilden. Diese Einstülpung wird bald tief; die Grenze zwischen Stomodäum und Urdarm bleibt lange durch vier eigentümlich ausgebildete Zellen (mit „hyalinem, plasmatischem Aus- sehen" und grossen Kernen) markiert, welcher Umstand der Unter- suchung wesenthche Vorteile bietet. Das Stomodäum ist in früheren Stadien S-förmig gekrümmt, was als eine Vorrichtung zur Verhinder- ung des Zurückströmens des aufgenommenen Eiweisses betrachtet wird ; seine Epithelzellen gleichen denjenigen der Flimmerrinne, welche Basalkörperchen und Fortsetzungen der Wimperhaare ins Innere zeigen. Aus dem Stomodäum geht der Pharynx (nebst Mundhöhle) hervor, während der Oesophagus dasjenige Stück des entodermalen Mittel- darms ist, welches am frühesten zur Ausbildung kommt. Die Anlage des Kropfes und des Muskelmagens ist zunächst als eine gemein- same sackartige Erweiterung zu erkennen. Die Anlage des Procto- däums erfolgt terminal „als Einstülpung des Ectoderms, die stets sofort mit dem Mitteldarm in Fühlung tritt"; die zwei Abschnitte lassen sich durch das verschiedene Aussehen längere Zeit unter- scheiden (gegen Wilson); der Durchbruch des Enddarms in den Mitteldarm iindet immer im viertletzten Segment statt; sj)äter bilden sich aber hinten noch einige neue Segmente, sodass das Proctodäum im definitiven Zustande wenigstens bis ins sechste, vielleicht gar bis ins siebente oder achte Segment (natürlich von hinten gerechnet) reicht. Verf. bestätigt im zweiten Absclmitte zunächst die Angaben Vejdovsky's über die merkwürdigen, frühzeitig als Exkretionszellen fungierenden Furchungskugeln , die mit Kanälen im Innern versehen sind (bei dem Sekretionsvorgang soll der Kern grosse Thätigkeit ent- falten, in Übereinstimmung mit Korscheit u. a.). Die Entstehung der Exkretionszellen in so frühen Stadien wird in Beziehung zu der frübzeitigen Nahrungsaufnahme im Kokon in P)eziehung gesetzt. Die larvale Urniere ist paariger Natur, „beginnt in der Kopf höhle und zieht sich dann eine Strecke weit dorsal zwischen Ectoderm und Urdarm hin, um dann später ventralwärts bis etwa ^'a der Höhe des Embryos herabzusinken. Ungefähr in dieser Gegend mündet sie nach aussen". Sie besteht aus etwa 4 — 5 durchbohrten Zellen mit grossen Kernen; in die Kopfhöhle mündet sie deutlich mit weiter Öffnung; hier ist eine grosse „Flimmerlocke" vorhanden, welche einen grossen Teil des Kanals durchzieht. Je an den Partien der Röhre, wo die grossen Kerne sitzen, scheinen andere Wimperbüschel zu entspringen, die sich gleichfalls nach rück-wärts in das Kanal lumen — Nr. 44. — — 28 — erstrecken. Mit den Exkretionszellen hat die Urniere keine ^'erbind- img (gegen Vejdovsky; überhaupt schliesst sich die ganze Schilder- ung der Urniere der Beschreibung des Ref. näher als derjenigen V e j d o V s k y ' s an). R. S. Berg h (Kopenhagen). 45 Morgan, T. H., A conf irmation of Spallanzani"s discovery of an Eartliworm's Regenerating a tail in place of a he ad. In: Anat. Anz. Bd. 15. 1899. p. 407—410. 9 Textßgg. Verf. hat eine neue Serie von Regenerationsversuchen an Regen- würmern angestellt und hat dabei gefunden, dass abgeschnittene Hinter- stücke in den meisten Fällen anstatt eines neuen Kopfes ein neues Hinterende regenerieren. An Schnittserien stellte sich nämlich heraus, dass das Bauchmark bis an die Spitze reicht, und dass kein Gehirn angelegt wird, ebenso dass die Trichter der Segmentalorgane gegen die Schnittfläche gerichtet sind, wie denn auch die Öffnung des Darm- kanals an der Spitze mehr einem After als einem Munde gleicht. Verf. glaubt auch, dass frühere Autoren (wie Joes t, Rievel, Kor- schelt) regenerierte ,, Schwänze'' für Köpfe gehalten haben ^) ; er selbst beschreibt jedocli auch einen Fall, in dem ein wirklicher Kopf (mit Gehirn), aus 7 — 8 Segmenten bestehend, regeneriert wurde. (An welchen Arten Verf. experimentiert hat, wird nicht angegeben). R. S. Bergh (Kopenhagen). 46 Schultz, Eug-en, Aus dem Gebiete der Regeneration. In: Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 66. 1899. p. 605-624. Taf. 36—37. Verf. hat an verschiedenen Polychaeten (namentlich Harmotho'e, dann auch PhyUodoce, Nephtliys und einigen Sabelliden) die Re- generation studiert. Das Regenerat wächst senkrecht zur Durch- schneidungsfläche aus; ,,war der Schnitt aber sehr schräg geführt, sodass nur die eine Seite eines Segmentes übrig blieb, so wurde dieses ganz ausgeschlossen und fiel uiit der Zeit ab, sodass auf solche Weise ein schief gewachsenes Regenerat wieder seine normale Richtung einnahm". "Was die Bildung des Enddarms betriff"t, so kann nach der Operation das Körperepithel sich über dem Darme schliessen, oft aber verlötet der letztere gleich mit der Körperwand und bleibt die ganze Zeit nach aussen offen (viele Divergenzen zwischen früheren Autoren meint Verf. auf Nichtbeachtung der Schwankungen in dieser Hinsicht zurückführen zu können). Eine ectodermale Enddarmeinstülpung wird nie gebildet; der Mitteldarm endet immer direkt am Analrande; ') Korscheit giebt jedoch an, Schnittserien untersucht zuhaben, und seine Zeichnungen sprechen entschieden dafür, dass er auch Kopfregenerate gesehen hat. — Nr. 44-46. — — 29 — es findet also bei der Ilegeneration eine funktionelle Anpassung des Mitteldarms an die Funktionen des Enddarms statt. Das alte Bauchmark wächst nach hinten; doch finden sich in seinen Ganglienzellen nie Mitosen, und der Auswuchs scheint nur ans Nervenfasern und Neuroglia zu bestehen. Einzelne Zellen teilen sich und wandern aus dem Ectoderm in das Bauchmark und werden hier zu Ganglienzellen; , .andere Ectodermzellen wiederum teilen sich nicht, sondern ziehen sich in die Länge und geben Fortsätze, welche sich in das auswaehsende und sich neu bildende Bauchmark ver- senken, es durchsetzend und somit das typische Xeurogliagewebe bilden 1)". Sowohl das Mesenchym wie das Epithel der Cölomsäcke stammen vom Ectoderm her: es immigrieren aus dieser Schicht Zellen, um die genannten Teile zu bilden, wie denn auch hier zahlreiche Mitosen sich finden; die ersten Bildungen, die ,,an dem auswachsenden Cölom" — Verf. braucht diesen Ausdruck in einer nicht ganz korrekten Weise — zu erkennen sind, sind die Längsmuskeln. Geschlechts- zellen bilden sich in den regenerierten Teilen nicht (dabei erfahren wir allerdings nicht, über wie lange Zeit sich die Untersuchung der einzelnen Objekte erstreckt). — Das Mesenchym bildet die ganze Musku- latur mit Ausnahme der eben besprochenen Längsmuskeln; in den Seitencirren und Analcirren sollen z. B. die Muskeln durch Einwander- ung von P^ctodermzellen in loco gebildet werden-). Borstensäcke und Girren entstehen aus ectodermalen Einstülp- ungen oder Emwucherungen, wie schon Kleinenberg beschrieb. Während der Begeneration halten also ,, Ectoderm und Entoderm ihren Gharakter als typische Keimblätter fest, nur das Mesoderm büsst seine Bedeutung als solches ein". Die Regenerationszellen sind auf der Bauchseite ,,in Bänder gruppiert": die mittleren bilden die Neuroglia, seitwärts von ihnen sind die Zellen für das Bauchmark, des „Cöloms", der Seitencirren und der Borstensäcke gelegen. In dieser Anordnung w'ill Verf. eine Übereinstimmung mit der embryo- nalen Entwickelung finden. R. S. B e r g h (Kopenhagen). Arthropoda. Crustacea. 47 Ak'ock, A., Materials for a Garcinological Fauna of India Nr. 3. The Brachyura cyclometopa, Part. L In: Journ. Asiat. Soc. of Bengal. Vol. LXVII. part. IL 1898. p. 67—233. ') Ob nicht einige der diese Anschauungen erläuternden Zeichnungen etwas gar sehr schematisiert sind? -) Verf. ist ein eifriger Anhänger von Anschauungen Ed. Meyer's über einen scharfen Gegensatz zwischen Mesenchym und „Cölom" bei Anneliden. — Nr. 46—47. — — 30 — 48 Aleoek, A., Nr, 4. The Brachyura cy dornet opa, Part IL Ibid. Vol. LXYII. part. II. 1899. p. 1-104. Der Verf. giebt in obigen Veröfl'entlichimgen eine Fortsetzung seiner früheren 1895 und 1896 veröffentlichten, gründlichen und dankenswerten Arbeiten über die Crustaceenfauna des indischen Oceans (cf. Zool. C.-Bl. V. 1898. p. 457—461). Die Cyclo metopa werden von Alcock in die Familien der Cancridae, Xanthidae, Portunidae und Telphusidae ein- geteilt und von diesen zunächst die Xanthidae eingehend behandelt: Verf. führt aus dem indischen Ocean 51 Gattungen mit 153 Arten auf. Die Bestimmung wird überall durch brauchbare analytische Tabellen erleichtert, bei kritischen und den meisten neuen Arten in der ausführlicheren Beschreibung auf verwandte Arten und von diesen sie unterscheidende Merkmale hingewiesen. Im zweiten Teil seiner Abhandlung folgen die Familien der Por- tunidae, Cancridae und Corystidae. Am Eingange desselben bemerkt der Verf., dass er sich jetzt den vonMiers in Challenger Brachyura p. 106—215 gezogenen Umgrenzungen der Cyclometopa anschliesse, ohne jedoch dessen Unterabteilungen zustimmen zu können, vielmehr will ihm die von Ort mann (Zool. Jahrb. Syst. Bd. VII: 1893—1894 und IX; 1895—1897) gegebene Einteilung natürlicher erscheinen; jedoch scheint es ihm nicht gerechtfertigt, die Parthe- nopidae in ihrem ganzen Umfange einzuschliessen und die Cory- stidae auszuschliessen. Alcock giebt darauf eine Übersicht der Cyclometopa, wie er sich dieselben denkt und teilt sie jetzt in fünf Familien: 1. Telphusidae, 2. Xanthidae, 3. Portu- nidae, 4. Cancridae und 5. Corystidae. Die Telphusidae sind nach Alcock's Auffassung die höchst entwickelten Cyclometopa und nähern sich den Cato metopa. Nach ihrem Bau und ihren Wohnorten zeigen sie Anklänge an die Familien der Oziinae und Eriphiinae, sind aber nie Bewohner von Süss- oder Brackwasser. Eine Bearbeitung dieser Gruppe ist auf später verschoben. Die Familie Xanthidae ist bereits im voraufgehenden Teil be- sprochen und dort in die Subfamilien: Xanthinae, Actaeinae, Chlorodinae, Menippinae, Oziinae, Pilumninae und Eri- phiinae geteilt. Durch den Oziinae und Eriphiinae nähert sich die Familie den Telphusidae ; durch die Pilumninae und Xanthinae ist sie verbunden mit der Gruppe der Carcininae unter den Por- tunidae und durch diese mit den Cancridae. Die Portunidae werden in die vier Subfamilien: Carcininae Portuninae, Caphyrinae und Lupinae geteilt. — Nr. 47-48. — — 31 — Die Cancridae werden in seclis Siibfamilien geteilt: Can- crinae, Pir imelinae, Thiinae, Atelecy cl inae, Acantliocy- clinae und Tri clii inae. — Durch die Pirime linae und Thiinae nähert sich die Famihe den C a r c i n i n a e unter den P o r t u n i d a e ; durch die Atele cycl inae ist sie mit den C'orystidae verbunden. Die Corystidae sind die niedrigsten Cy clometopa; sie nehmen zu den höher stehenden Familien dieser Gruppe eine ähnliche Stellung ein, wie die Pianinidae zu den höheren Oxystomae. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird wie in den früheren Teilen eine genaue Beschreibung der einzelnen Arten gegeben und die Be- stimmung sowohl der Gattungen, wie Arten durch analytische Schlüssel erleichtert. Interessant ist das nachgewiesene Vorkommen von Carcinus maenas an der Küste von Ceylon. Dieser Kosmopolit ist jetzt bekannt von den europäischen Küsten des nördlichen Atlantischen Oceans, der Nord- und Ostsee, der europäischen Westküste, dem Mittelmeer, dem schwarzen und roten Meer, indischen Ocean (selten), Hawaii, Bucht von Panama, Pernambuco (Brasilien) und der atlantischen Küste der Vereinigten Staaten Nordamerikas. Das Vorkommen an der australischen Küste ist noch zweifelhaft. Vom Genus Neptmius werden 17 Arten besprochen, darunter eine neue {petrens) ; von Chrijhdis de Haan = Goniosoma A. Milne Edw. ebenfalls 17 Arten, von denen 14, darunter eine neue [rivers- andersoni) ausführlich beschrieben werden, unter Hervorhebung der unterscheidenden Merkmale; von Thalamita sind 19 Arten in der- selben Weise behandelt, darunter sechs neue {investigaloris, exetastica, imparimanus, hcmseni, wood-masoni und ocidea). Die Familie der Cancridae ist verhältnismäßig spärlich im indischen Ocean vertreten, es werden nur zwei Arten der Gattungen Kranssia, die in je zwei Exemplaren im Indian Museum vertreten sind, ein TricJiopeltarium und ein Trachijcarcinus aufgeführt. Die im Anfange der Arbeit auf p. 5 genannte Subfamilie Tri- chiinae, auf die Gattung T/^'cÄm de Haan gegründet, will der Verf. später auf p. 96 lieber zu einer besonderen Familie erweitert wissen. Die Corystidae, nur mit einer einzigen, aber neuen Art [NautÜocorystes M. Edw. := Dicera de Haan investigatoris) schliessen diesen Teil. Die ausserordentlich sorgfältige und fleissige Arbeit wird, ge- stützt auf ein reiches Material mit ihrer übersichtlichen Anordnung, das Studium der Crustaceenfauna des indischen Oceans wesentlich erleichtern helfen. H. Lenz (Lübeck). 49 Studer, Th,, Zwei neue Brachyuren aus der miocänen Molasse. In- Abhandl, d. Schweiz, paläontol. Ges. Vol. XXV. 18l»8. p. 1—9. 1 Taf. — Nr. 47—49. — — 32 — Verf. hat bereits früher (Abh. d. Schweiz, paläontol. Ges., Vol. XIX) zwei, den noch jetzt an unseren europäischen Küsten lebenden Gattungen Dorippe und Porlunus angehörende Crustaceen der schweizerischen Molasse vom Belpberge be- schrieben. In der vorliegenden Arbeit werden zwei weitere Arten hinzugefügt. Bei der Seltenheit bestimmbarer Reste decapoder Krebse dürften solche Einzel- beschreibungen durchaus gerechtfertigt erscheinen. Herr Max Tieche, dem Verf. schon einen der früheren Funde verdankte, fand in den Venus- und Tapes- Lagern des Marchbachgrabens an der Ostseite des bereits genannten Belpberges den noch halb mit Schale bedeckten Panzer einer Brachyure, sowie eine dazu gehörige Scherenhand. Verf. erkennt in diesen Überresten eine zur Sub-Familie der Hepatinae gehörige Art der Stimpson'schen Gattung Osachüa, von der bisher 4 lebende Arten des atlantischen Ozeans und der Westküste von Mittel- amerika und Mexiko bekannt sind. Studer nennt die neue Art nach ihrem Knt- decker 0. tiechei. Da die recenten Arten in Tiefen von 80—200 m mit steinigem Grunde, Korallinengrund mit Muschelsand und Gerollen leben, so dürften ähnliche Bedingungen auch durch das untere Nagelfluhlager des Belpberges geboten worden sein, auf dem die petrefaktenführenden Schichten ruhen. Die zweite, weit ansehn- lichere Art stellt der Verf. zur Gattung Scylla de Haan , sie hat eine Länge von 75 mm und den Namen S. molassica erhalten. A. M i 1 n e E d w a r d s hat nach Scheren aus den miocänen Ablagerungen der Faluns von Anjou eine Scylla michehni be- schrieben ; ferner bespricht Quenstedt in seinem Handbuch, 1885 p. 309, Fig. 125 Scheren und Scherenfragmente vom Kloster Wald in Oberschwaben unter dem Namen Cancerites molassicus. — Verf. hält es für sehr wahrscheinlich, dass diese Scherenteile ebenfalls einer Scylla angehören. Die einzige noch jetzt lebende Scylla-Art, S. serrata F'orsk., bewohnt das ganze indopacifische Faunengebiet, nicht nur zwischen den Wendekreisen, sondern geht auch noch in die südliche ge- mässigte Zone hinüber. Ausser den beiden bereits genannten Brachyuren sind aus der schweizerischen Molasse noch Cancer rietmanni P. Mayer, Lupea dubia P. Mayer, Portunus kisslingi Stud. und Dorippe fankhauseri Stud. bekannt, welche sämtlich bezüglich ihrer Verbreitung auf das Miocän der Schweiz isoliert dastehen. Im Miocän Italiens sind bisher keine übereinstimmenden Formen gefunden worden; was bei der geringen Zahl, bisher überhaupt bekannter miocäner Arten nicht Wunder nehmen darf, um so weniger, als wohl anzunehmen ist, dass an den Sand- und Geröllküsten des schweizerischen Molassemeeres andere Lebensbe- dingungen herrschten, als im italienischen Miocänmeer. Die alttertiäre Crustaceenfauna von Öningen, dem Taunus, Norddeutschland, Grossbritannien, Oberitalien zeigen einen mehr kosmopolitischen Charakter und mehr ausgestorbene Gattungen , während die miocäne , wie es namentlich auch die Mollusken zeigen, einen entschieden atlantischen, lusitanisch-westafrikanischen Typus trägt, mit grösstenteils noch jetzt vertretenen Gattungen. H. Lenz (Lübeck). Insecta. 50 Folsoni, J. W., The segmentation of tlie Insect head. In: Psyche. Vol 8. 1899. Nr. 280. p. 391—394. Die Mitteilung enthält einen vorläuhgen Bericht über die Kesultate, welche Verf. durch anatomische und entwickelungsgeschichtliche Unter- suchungen der Mundteile von Apterygoten erlangt hat. Er giebt — Nr. 49—50. — — 33 — zunächst einen Überblick über die bisher übliche Zählungsweise der Segmente am Insektenkopf und spricht sich wie die meisten neueren Untersucher mit Bestimmtheit für die Segmentnatur des Intercalar- segments (zwischen Antennen- und Mandibular-Öegment) aus. Von Interesse ist in dieser Hinsicht namentlich die Angabe, dass rudi- mentäre, mit Chitin versehene (xUedmaßen sich am Intercalarseg- • mente bei mehreren erwachsenen Collembolen dauernd erhalten. Wenn bisher die Zahl der Kopfsegmente bei Insekten als sechs angegeben wurde, so vertritt Verf. die Ansicht, dass die wirkliche Zahl sieben betrage. Als (xliedmaßen eines bisher übersehenen Seg- mentes werden von ihm die Superlinguae (Paraglossae des Hypopharynx früherer Autoren) betrachtet , die sich in entsprechender Weise wie die übrigen Kopfgliedmaßen entwickeln sollen. Ferner sollen auch sieben Paar von Kopfganglien beim Embryo von Anurida (Collemb.) vorhanden sein . von denen das fünfte dem Superlingual segment zu- kommt. Dieses letztere Segment würde mit dem ersten Maxillarsegment der Crustaceen zu vergleichen sein. So interessant die genannten Befunde erscheinen, so ist Ref. doch der Meinung, dass man sich diesen Deutungen gegenüber noch sehr skeptisch verhalten muss, da sie mit dem, was man über die Entwickelung anderer apterygoter und pterygoter Insekten kennt, durchaus in Kontrast stehen. Bei den bisher untersuchten Insekten wird das Unterschlundganglion nur aus drei Bauchganglien zusammen- gesetzt, ohne dass die Ganglien eines Superlingualsegmentes oder dessen Cölomsäckchen jemals nachgewiesen werden konnten. Die Paraglossae sind nach eigenen Untersuchungen des Ref. an ForficuJa und Ephemera sicherlich nicht Extremitäten, sondern nur die Seiten- teile des medianen Hypopharynx, welche sich sogar erst ziemlich spät von dessen distalem Ende abgliedern. Da diese Paraglossae \Super- linguae) bei den entognathen Thysanuren relativ stark entwickelt sind, so ist es wohl verständlich, dass sie in diesem Falle auch selbständig angelegt werden können. Aber selbst bei den genannten Formen pflegen, nach der Beschreibung von Folsom und anderer Autoren, die Paraglossae wie der Hypopharynx mehr median als die seitlich gelegenen Kiefer (Extremitäten) aufzutreten , ein Umstand , der dafür spricht, dass es sich bei ihnen wie bei den Paraglossen anderer Insekten eben nur um Auswüchse des Sternites handelt. \\. ileymons (Berlin). •"'1 Heyinoiis, H., Beiträge zur Morphologie und Fnt w i cklungs- go schichte d(;r Rhynchoten. (Nova Acta Acad. Leop.-C'arol. Bd. 74. No. 3). 1899. lOS. p. 3 Taf. Fig. im Text. Mk. 8.-. Zoolog. Centralbl. VII. .lalirg. J^j. 50-51. ^ ^ 34 ^ Die Arbeit ist in der Absicht unternommen worden, möglichst Klarheit über den Körperbau und die Morphologie der Schnabel- kerfe zu gewinnen, zumal bei letzteren Insekten die Ansichten, nament- lich hinsichtlich des Baues der Mundteile bis jetzt noch erheblich auseinandergehen. Die Ehynchoten dürfen auch deswegen besonderes Interesse beanspruchen, weil sie zoologisch sehr alte Formen sind (mutmaßliche Reste schon in der Steinkohle) und weil sie zugleich die einzigen Insekten sind, welche saugende Mundteile vom Embryo bis zur Imago beibehalten (Brauer's Abteilung der Menorhyncha). Bei der Untersuchung ist die entwickelungsgeschichtliche Methode (Studium der Embryonen und Larven) von grossem Werte gewesen und zwar wurden Vertreter von den hauptsächlichsten Gruppen teils ontogenetisch, teils vergleichend anatomisch untersucht: Crypto- c er ata= Wasserwanzen {Nepa cinerea L., Naucoris cimicoides L., Noto- necia glauca L.) ; Gymnocerata = Landwanzen {Cimex dissimilis Fab., Pj/rrhocoris aptenis L.); Cicadina [Cicada sepfemdechn , Tihicina tomentosa Oliv.); Phytophthires {Siphonopliora rosae L. , Dryohius rohoris L.). Der Körper der Rhynchoten setzt sich zusammen aus G Kopf- segmenten, 3 Thoraxsegmenten und 11 Abdominalsegmenten. Im Vergleich zu anderen niederen Insekten (Thysanuren, Orthopteren, Odonaten), die ein primär zwölfgliedriges Abdomen besitzen, ist bei Rhynchoten also ein Minus von einem Abdominalsegment zu konstatieren. Es erklärt sich dies durch den Umstand, dass bei den Schnabelkerfen ein eigenes Afterstück (Telson) ausnahmslos fehlt. Die Elfgliedrigkeit des Abdomens erhält sich bei Wanzen und Cicaden vielfach dauernd und kann sodann auch noch bei der Imago nachweisbar sein, obwohl sie infolge irrtümlicher Auffassung der ein- zelnen Teile bisher noch nicht als solche erkannt worden war. Zwischen Wasserwanzen und Landwanzen zeigt sich in der Glieder- ung des hinteren Körperendes eine bemerkenswerte Differenz, die früheren Beobachtern entgangen war. Der röhrenförmige Analconus wird bei Cryptoceraten vom 11. Segmente, bei Gymnoceraten vom 10. Segmente des Abdomens gebildet. Im ersteren Falle ist das 10. Segment rudimentär geworden , im letzteren stellen Rücken- und Bauchplatte des 11. Segmentes rudimentäre Plättchen (,, Diadem- plättchen" früherer Autoren) dar. Für das Abdomen der Rhynchoten ist ferner charakteristisch: 1. Das Fehlen der Cerci (die als solche bei Cicaden beschriebenen Gebilde lassen sich nicht mit den Cerci anderer Insekten homo- logisieren). 2. Das Fehlen von Pleuren und die dadurch bedingte Verwachs- — Nr. 51. — — 35 — iing zwischen Rücken- und Bauchplatte. Um dem Körper die not- wendige iVusdehnungsfäliigkeit zu bewahren , kommt es infolgedessen zu sekundären Teilungen der Rücken- und Bauchplatten, welche als Paratergite und Parasternite beschrieben werden. Die Gliederung des Abdomens wird hierdurch zu einer sehr komplizierten und hat bisher mehrfach zu irrigen Interpretationen Veranlassung gegeben. Bei den Embryonen der Rhynchoten ist an den Beinen zwischen Rumpf und Coxa ein besonderes „Subcoxalglied" nachzuweisen. Dieses Glied wird in der Regel zu einer besonderen Skeletplatte (S üb CO xal platte), welche sich an der Bildung der ventralen Rumpf- wand beteiligt. Es ist von Interesse, dass bei gewissen niederen Insekten (Libellenlaren) die Coxa noch dauernd aus mehreren Gliedern besteht. Die Untersuchungen über die Bildung der Mundteile haben zu folgenden Ergebnissen geführt. Bei den Embryonen vollzieht sich eine Teilung der ursprünglich einheitlich angelegten Maxillen in ein mediales Stück, die Maxillenlade, und in ein laterales Stück, den Maxillarhöcker. Letzterer ist aus bestimmten Gründen (Lage am Körper und Verteilung des Mesoderms) mit dem eigentlichen „Stamme" der Maxillen anderer Insekten zu vergleichen , er beteiligt sich in- dessen gleichwohl nicht an der Bildung der Mundteile, sondern wird zu einem bestimmten Teile der Kopfwandung, welcher in vielen Fällen dauernd deutlich abgegrenzt bleibt. Eine derartige Umbildung von Kieferteilen steht unter den Insekten bisher völlig exceptionell da. An der aus der Maxille hervorgegangenen Kopfpartie (Lamina maxi IIa ris) erheben sich bei den Rhynchoten nicht selten Fort- sätze (Processus maxillares), die als Reste modifizierter Maxillar- taster aufzufassen sind. Es gehören hierhin die bekannten Bucculae oder Wangenplatten der Wanzen. Ferner sind bei gewissen Tingiden schon seit längerer Zeit gegliederte Taster bekannt, die bisher irr- tümlich für Labialtaster galten, während sie wegen ihrer Homologie mit den Processus maxillares in Wirklichkeit Maxillartaster dar- stellen. Hiermit lässt sich also der Nachweis führen, dass bei den Rhynchoten thatsächlich noch Überreste von Palpi maxillares vor- kommen können. Wenn von einigen Autoren auch gewisse Anhänge an der Unter- lipi)e als Palpi labiales aiigesprochen worden sind, so wird man sich diesen Deutungen gegenüber skeptisch verhalten müssen, da weder die Entwickelungsgeschichte, noch die vergleichende Anatomie zu (jiunsten solcher Annahmen sprechen. Mandibeln und Maxillenladen ziehen sich bei den Rhynchoten in tiefe taschenförmige Höhlungen zurück und scheiden die chitinösen Stech borsten aus. — Nr. 5L — 3* — 36 - Die soeben skizzierte Deutung der Mundteile bei den iSchnabel- kert'en hat eine weitere Stütze erhalten durch das Studium der für die Bewegung der Kiefer dienenden Muskulatur. Obwohl Lamina maxillaris (Rest des Maxillenstammes) und maxillare Stechborsten (Maxillenlade) im Laufe der Entwickelung von einander getrennt werden, so bleibt doch durch einen Muskel dauernd eine Verbindung ZAvischen diesen Teilen vorhanden. Der betreffende Muskel fungiert als Protraktor und heftet sich direkt an die Basis der Stechborste an. Ein entsprechender Trotraktor vermittelt die Verbindung zwischen Resten des Mandibelsegments (Lamina mandibularis der Homopteren) und mandibularen Stechborsten. Letzterer Muskel heftet sich aber nicht direkt an die Mandibel an, sondern an einen Chitinhebel, der zur Kraftübertragung dient. Der Hebelapparat wurde zwar bereits von Geise bei Notoneda entdeckt, aber bisher irrtümlich den Ma- xillen zugeschrieben. Verf. konnte diese Einrichtung mit geringen Modifikationen bei den verschiedenen, von ihm untersuchten Formen nachweisen. Hiermit ergiebt sich, dass sowohl in der Segmentierung, wie namentlich im Bau der Mundwerkzeuge bei den verschiedenen Gruppen der Rhynchoten eine grosse l'bereinstimmung herrscht. Vom vergleichenden Standpunkte ist ferner bemerkenswert, dass den weiblichen Rhynchoten gerade wie anderen pterygoten Insekten ursprünglich sechs Gonapophysen zukommen, während man bisher nur vier festgestellt hatte. Den Schluss der Arbeit bildet eine Erörterung der verwandt- schaftlichen Beziehungen der Schnabelkerfe auf Grund ihrer inneren und äusseren Organisationsverhältnisse und unter kritischer Besprech- ung der bisher in dieser Hinsicht geäusserten Meinungen. R. H e y m n s (Berlin). 52 Schwartze, Erich, Zur Kenntnis der Darmentwickelung bei Lepi dopteren. In: Zeitschr. wiss. Zool. Bd. 'o^. 1890. p. 450 — 496. Taf. 31—34. Die Differenzierung der Keimblätter und die Bildung des Darms bei den Schmetterlingen war bisher nur sehr ungenügend bekannt. Verf. giebt von diesen Vorgängen eine ausführliche Schilderung, die namentlich auf Untersuchungen an Lasiocampa fasciatella Men. var. excellens beruht. Zum Studium der ersten Entwickelungsvorgänge wurden ausser der genannten Form auch Eier von Ocneria äispar L. verwendet. Die ersten Entwickelungserscheinungen bieten im Vergleich zu anderen Insektenformen nichts Bemerkenswertes dar. Ein äusseres — Nr. 51-52. — - 37 — Keimhautblastem fehlt den Lepidoptereneiern. Ein Teil der Fiirchungs- zellen gelangt an die Oberfläche und liefert die anfänglich sehr kurze, beinahe scheibenförmige Embryonalanlage nebst den Embryonalhäuten. Ein anderer Teil der Furchungszellen bleibt im Dotter zurück und stellt die Dotterzellen dar. Letztere, die das Entoderm repräsentieren, dienen während des Embryonallebens zur Auflösung des Dotters, gehen später aber sämtlich zu Grunde. Degenerationserscheinungen sind an diesen Zellen schon frühzeitig nachweisbar. Als degenerierende Köri)erzellen sind auch die Paracyten zu betrachten. Verf. konnte die Ablösung derselben sowohl aus dem einschichtigen Keimstreif wie aus dem Blastoderm beobachten. Er hält es nicht für unwahrscheinlich, dass die Paracyten sich ebenfalls an der Auflösung des Dotters be- teiligen. Eine Umwandlung von Paracyten in Dotterzellen findet nicht statt (gegen Lecaillon). Die Bildung des Mesoderms ist bei Lepidopteren nicht an ein be- stimmtes Schema gebunden, sondern erfolgt bald durch Einsenkung eines Rohres, bald durch Zellwucherung vom Boden einer Pinne aus, bald durch seitliche Überschiebung. In verschiedenen Körperregionen desselben Embryos kommen sogar verschiedene Formen der Mesodermbildung vor. Bemerkenswert ist die Bildung der Blutzellen, welche bei Lasio- campa in der Nähe des vorderen Körperendes von einer umfang- reichen medianen Zellanhäufung ihren Ausgang nimmt. Die jungen Blutzellen gelangen anfangs in den Dotter und wandern später aus demselben in die Bluträumje ein. Von den sechs als Ausstülpungen des Proctodäums auftretenden Vasa Malpighii entstehen zwei Paar etwas frühzeitiger. Möglicher- weise kann dies als eine Rekapitulation des Verhaltens vieler niederer Insekten aufgefasst werden, die überhaupt nur vier Vasa besitzen. Ein gemeinsames liasalstück (tronc basilaire) ist bei Lasiocampa an- fangs nicht vorhanden. Der Mitteldarm wird in Form von zwei zelligen Lamellen ange- legt, die vom ectodermalen Stomatodäum und Proctodäum nach der Körpermitte hinwachsen und sich dort vereinigen. Das gesamte Darmepithel ist also ectodermaler Natur, und da die entodermalen Dotterzellen schon während des Entwickelungsverlaufes wieder zu Grunde gehen, so wird bei der untersuchten Lepidoptere der Körper überhaupt nur aus Ectoderm und Mesodcrm zusammengesetzt. Dieses Resultat steht im Einklang mit den Befunden des Ref. an Derma- pteren und ()rth()])teren , soAvie mit denjenigen von Jjccaillon an C'hrysomeliden. \'erf. schliesst seine Arbeit mit einigen allgemeineren -- Nr. 52. — — 38 — Bemerkungen über die Keimblätter, deren Homologie im ganzen Tier- reiche er noch nicht für erwiesen betrachtet. 11. H e y m o n s (Berlin). 53 Wasiiiaiin, E., Neue Termitophilen und My rmecophilen aus Indien. — In: Deutsche entomol. Zeitschr. 1899. p. 145 — 169. Tat". I u. II. Von den vielen neuen, bei Ameisen und Termiten gefundenen Käfern aus Indien, die hier beschrieben werden, verdienen zwei Aphodien {Chaetopistes sulciger und Corythoderns gibhiger) besonderes Interesse durch die Verkümmerung der Mundteile; es fehlen nämlich bei ihnen Oberkiefer, Oberlippe, Unterlippe und Lippentaster voll- ständig und nur die Unterkiefer sind ausgebildet. Ob diese Rück- bildung auf eine Fütterung der Käfer aus dem Munde der Termiten hinweist, wagt Verf. nicht zu entscheiden. Doch spricht der ganze Habitus, vor allem die gelben Haarbüschel (Trichome) und die rote glänzende Symphilenfärbung ohne Zweifel dafür, dass die genannten Käfer echte Termitengäste sind, die von ihren Wirten beleckt und gepflegt werden. K. Escherich (Karlsruhe). Vertebrata. Manimalia. 54 Sobotta, P., Über das Corpus luteum der tSäugetiere. In: Verh. Anat. Ges. 13. Vers. Tübingen. 1899. p. 32—34. 55 Villi Beiietleii, Eduard, Note de M. Hon vre sur la formation du Corps jaune chez le lapin. Ibid. p. 34 — 38. Sobotta hält streng daran fest, dass seine, auf etwa 150U Um- bildungsstadien des Eisäckchens bei der Maus gegründete Unter- suchung bewiesen habe, dass der gelbe Körper eine vorwiegend epi- theliale Bildung sei. Er protestiert gegen die von Koelliker gebrauchte Bezeichnung „Corpora lutea spuria" sowohl für atretische Follikel als auch für gelbe Körper, die zu einem nicht befruchteten Ei gehören; Verf. stellt seine Präparate jedem Interessenten zu eigener Prüfung zur Verfügung. In der Diskussion teilt van Beneden die Resultate seines Schülers Houvre mit und belegt dieselben in der Demonstration mit einer Anzahl von Präparaten. Van Beneden und Houvre sind im wesentlichen zu ganz dens elben Resultaten gekommen wie Sobotta. Verf. glaubt, dass die abweichenden Resultate Clark's schon allein durch den tiefen Unterschied in der Methode erklärt werden, da Clark Schlachthausmaterial verarbeitete, ohne einen einzigen ernstlichen Anhaltspunkt für das Alter der gelben Körper — Nr. 52—55. — ^ 39 -^ zu haben, während die VeiÜ"., wie Sohottu, genau die Brunst-, Be- gattungszeit u. s. w. kontrollierten und eine bestimmte Anzahl von Stunden oder Tagen nach der Begattung die Tötung der Tiere vor- nahmen. Van Beneden meint, die Ergebnisse würden sicher von niemand bestritten werden, der in dieser Weise sich wirklich normale aufeinanderfolgende Entwickelungsstadien verschati'e. In einigen Einzel- heiten weichen van Beneden's Befunde von denen Sobotta's ab. Er findet, dass die Zellen der inneren Hülle nicht ganz zur Bildung des den gelben Körper durchsetzenden Bindegewebsnetzes aufgebraucht werden und dass bei der Blutung in das Eisäckchen nicht nur an der Rissstelle, sondern auch in der inneren Hülle Gefässchen platzen. R. Fick (Leipzig). Rurig, A'., Welche Beziehungen bestehen zwischen den Reproductionsorganen der Cerviden und der Geweih- bildung derselben? In: Arch. f. Entwmech. VHI Bd. 1S99. Hft. 3. p. 382-447. Nachdem der Verf. zu Anfang seines überaus wichtigen Aufsatzes die Vorfrage beantwortet, ob Beziehungen zwischen Geweihbildungen und Reproduktionsorganen vorauszusetzen sind, geht er zu den folgen- den fünf Spezialfragen über, die er nach seiner reichen Erfahrung und Durchmusterung der verschiedenen Museen und Privatsammlungen beantwortet: 1. Ist die Geweihlosigkeit oder die Entwickel- ung nur einer Geweihstange, wie sie bei männlichen Cerviden zuweilen l)eobachtet werden, die Folge irgend welcher Abnormität des Genitalapparates? Eine kritische Untersuchung des vorhandenen Thatsachen-Materiales ergiebt das Resultat, dass Geweihlosigkeit bezw. Einstangigkeit der Geweihe neben normalen männlichen Zeugungsorganen bestehen können. Beide sind Entwickelungsheramungen aus bisher noch unbekannter Ursache; Ge- weihlosigkeit kann auch neben abnormen männlichen Zeugungsorganen bestehen und beeinträchtigt nicht die Zeiigungsfähigkeit des betreffen- den Individuums. — ■ 2. Ist die bei weiblichen Cerviden zu- weilen beobachtete Geweihbildung auf abnorme Ent- wickelung der Reproduktionsorgane zurückzuführen? Die kritische Durchmusterung des Materials bis p. 419 ergiebt vornehm- lich, dass Erkrankung der Reproduktionsorgane weiblicher Cerviden die Ursache von Geweiherzeugung sein kann, und zwar bei einseitiger Erkrankung zur Erzeugung einstangiger Geweihe, bei beiderseitiger Erkrankung zu einem kompletten Geweihe führen kann. Einseitige Erkrankung zeigt eine transversal-wirkende Korrelation. Sind die Ovarien der ? atrophisch geworden, so entwickeln sich in der Regel — Nr. 54—56. — — 40 — Geweihe. Individuen mit hermaphroditischen Genitalien scheinen stets Geweihe zu entwickeln und zwar um so vollkommener, je stärker die inneren Zeugungsorgane nach der männlichen Richtung hin entwickelt sind. Geweihbildung bei weiblichen Cerviden kann auch vor sich gehen nach blosser mechanischer Verletzung der Haut und andauern- dem Nervenreize an der Stelle, wo überhaupt sie sich zu entwickeln pflegen. — 3. Welche Wirkungen übt partielle oder totale Kastration männlicher Cerviden auf die Geweihentwickel- ung aus? Das Material ergiebt (p. 430), dass die Wirkungen ver- schieden sind je nach den Lebensperioden und nach dem Stadium, in dem die Geweihentwickelung sich befindet. Totale Kastration eines noch jugendlichen Individuums, das noch keine Stirnbeinzapfen ent- wickelt hat, hat zur Folge, dass weder Zapfen, noch Geweihe jemals entwickelt werden. Bei partieller Kastration und in den verschiedenen Lebensi^erioden zeigen sich andere Verhältnisse. — 4. Atrophie der Testes führt fast ausnahmslos zur Bildung von Perückenge- weihen, Verletzung der Testes zum vorzeitigen Abwurf der Geweihe. — 5. Das Abschneiden der Geweihstangen ist auf die Zeugungs- fähigkeit des betreffenden Individuums sowie auf dessen Gesundheit überhaupt ohne jeden nachteiligen EinÜuss. Den Schluss dieses sehr wichtigen Aufsatzes bildet ein ausführliches Litteraturverzeichnis. B. Langkavel (Hamburg). -'">7 Sehumaclier, C., (Jber das erste Auftreten des Menschen im Elsass. In: Mitth. der philomath. Gesellsch. von Els.-Lothr. HI. Heft. 1898. p. 93-117. In der Arbeit wird nachgewiesen, dass die ältesten Spuren von der Existenz des Menschen im Rheinthal besonders an der Grenze vom jüngeren zum älteren Löss sich finden. Dasselbe Alter müssen auch die Funde von Völklingshofen und Egisheim haben. Es kann ferner kein Zweifel bestehen, dass der Mensch im Elsass mit dem Mammuth zusammen selebt habe. A. Torn(|uist (Strassburg). — Nr. 56—57. Zoologisches Centralblatt unter Mitwirkung von Professor Dr. O. Bütschli ^^ Professor Dr. B. Hatschek in Heidelberg in Wien herausgegeben von Dr. A. Schuberg a. 0. Professor in Heidelberg. Verlag" von Wilhelm Eng-elmann in Leipzig. VII. Jahrg. 23. Januar 1900. No. 2. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten, sowie durch die Verlagsbuchhandlung. — Jährlich 26 Nummern im umfang von 2 — 3 Bogen. Preis für den Jahrgang M. 25. — Bei direk- ter Zusendung jeder Nummer unter Streitband erfolgt ein Aufschlag von M. -1. — nach dem In- land und von M. ö. — nach dem Ausland. Referate. Descendenzlehre. 58 Steinmanu, G., Palaeontologie und Abstammungslehre am Ende des Jahrhunderts. (Prorektorats-Rede.) Freiburg i. B. 1899. 40. 39 p. Yerf. zieht in seiner Prorektoratsrede ein Facit aus den Fort- schritten der •Erdgeschichts-Forschung während der letzten vier Jahr- zehnte, speziell der Entwickelung der Palaeontologie unter dem Einflüsse der Descendenzlehre; der Rahmen, in dem die vorliegende Schilderung geschieht, ist dabei derjenige, welcher für diese Reden von vornherein vorgezeichnet ist. Nächst der Biologie erscheint keine Wissenschaft so sehr be- rufen, sich an dem Ausbau der Descendenzlehre zu beteiligen, wie die Palaeontologie. Allerdings werden die Resultate der palaeontologi- schen Anschauungen notgedrungen stets lückenhaft bleiben, aber durch die Erschliessung des amerikanischen Westens, weiter Strecken Süd- amerikas, Afrikas, Australiens, Asiens und der Nordpolarländer hat der Kreis vorweltlicher Formen eine derartige Erweiterung erfahren, dass die von Darwin zum Teil in besonderem Kapitel behandelte Lückenhaftigkeit der palaeontologischen Forschungen heute keines- wegs so bedeutend mehr erscheint. Allerdings glauben wir bestimmt zu wissen , dass uns die ältesten Vertreter der Tiere und Pflanzen aller Art für immer unbekannt bleiben werden, ihre Spuren werden wohl überall infolge der hochgradigen Umwandlung, welche die älteren Schichtgesteine erfahren haben, vollständig verwischt sein. Das Eindringen der Abstammungslehre in die Palaeontologie kam besonders in dem Umschwung über die Auffassung der Sj^stematik Zoolog Centralbl. VH. Jahrg. — Nr. 58. — 4 — 42 — zum Ausdruck. Die genetische Grundlage , welche der letzteren ge- geben wurde, führte zwar vorerst zum Aufstellen zahlreicher Stamm- bäume, welche auf die Resultate der ., Keimesgeschichte" gegründet waren und in denen die Einzelheiten der historischen Forschung über- lassen wurden, es wurde aber dabei unterlassen die Begründung dieser Stammbäume bei der Palaeontologie zu suchen. Neumayer' s Unter- suchungen über die Abstammung der P^cliinodermen bieten ein Bei- spiel einer Entwickelungsgeschichte, welche auf palaeontologische Be- weisstücke begründet ist. Das biogenetische Grundgesetz ist aber nicht ohne weiteres in der Praxis anwendbar. „Es giebt ein solches in der That in dem beschränkten Sinne, dass manche Stufen der Stammesentwickelung in rohen Zügen auch noch von den späten Nach- kommen wiederholt werden, aber die Rekapitulation erweist sich als viel zu unvollständig und zu stark verschoben, als dass sie bei der Ermittelung der Stammbäume im Vordergrund stehen dürfte; ja sie kann, wie wir wissen, gerade den falschen Weg weisen." Das Re- sultat der Entwickelungslehre zeigt uns vor allem nur den Betrag und den Verlauf der Einbusse, welcher bei der Vererbung im Laufe der Zeit eingetreten ist. Die wichtigsten Fortschritte der palaeontologischen Forschung in neuerer Zeit liegen nun aber zweifellos in dem Nachweis, dass em- pirische Systematik und phylogenetische Klassifikation nicht zusammen- fallen. Die systematischen Kategorien sind vielfach nur Organisations- stufen, durch welche die Abstammungslinien quer verlaufen. Es darf als sichergestellt betrachtet werden, dass ein polyphyle- tischer Ursprung nicht nur grösseren Kategorien, sondern auch kleineren Formenkomplexen , wie den enggefassten Gattungen oder gar den Linne 'sehen Arten zukommt. Polyphyletischen Ursprungs sind Gonia- titen, Ceratiten, Ammoniten, ferner beispielsweise Canis famüiaris Lin. Als polyphyletisch will Stein mann auch die Mammalia ansehen in ihrem Ursprung aus den Reptilien; noch zur Kreidezeit sollen die ausgestorbenen Reptilien Nachkommen als Säugetiere besessen haben, (Es ist zu bedauern, dass gerade hierfür kein Beispiel angeführt wird, denn die spezielle Anwendung dieser Ansicht ist nicht ersichtlich.) Zu den Lieblingsideen des Verf.'s gehört ferner die Ansicht, dass eine grosse Anzahl von Formen, für die man bisher ein Aussterben ohne Nachkommen annahm, noch in Form von Nachkommen persistiert haben und wohl noch persistieren, indem die letzteren unter ungün- stigeren geologischen Erhaltungszuständen nicht fossil bekannt sind. Aus schalentragenden Cephalopoden haben sich schalenlose Nachkommen entwickelt, welche dann fossil nicht gefunden werden; ähnlich ist das — Nr. 58. — — 43 — Aussterben der grossen Reptilien am Ende der Kreidezeit vielleicht nur ein scheinbares. Bei dem grossen Interesse , welche die in der Rede berührten Fragen ohne Zweifel besitzen, ist es zu bedauern, dass der Rahmen, in welchem derselbe gehalten werden musste, das Anführen konkreter Fälle in manchen Fällen verbot. A. Torn([uist (Strassburg). Palaeontologie. 59 V. Zittel, K. A., Geschichte der Geologie und Palaeontologie bis Ende des 19. Jahrhunderts. München u. Leipzig. (Olden- bourg) 1899. 8°. 868 pag. M. 13.50. Die ausserordentlich mühevolle und in jeder Hinsicht schwierige Aufgabe, eine zusammenfassende Geschichte der Geologie und Palae- ontologie am Ende des Jahrhunderts zu schreiben, ist von v. Zittel in vorliegendem Werk gelöst worden. Seit dem Jahre 1838, als Friedrich Hoff mann seine Vor- lesungen als eine „Geschichte der Geognosie" herausgegeben hatte, war niemand der Aufgabe, eine Geschichte der Geologie zu schreiben, näher getreten und abgesehen von den in Einleitungen von Hand- büchern zusammengestellten Notizen war der Versuch einer Ge- schichte der Entwickehmg der Palaeontologie noch nie gemacht worden. Im Rahmen des Centralblattes wird naturgemäss vor allem der mit der Geschichte der palaeontologischen Forschung sich beschäf- tigende Teil des Buches zu besprechen sein. Leider ist dieser aber gegenüber dem geologischen Teil entschieden benachteiligt worden. Nicht weniger als neun Kapitel behandeln fast allein die geologische Forschung , und zwar nach einander : Das geologische Wissen im Altertum, Anfänge der Versteinerungskunde und Geologie (in diesem Abschnitt sind die aus dem Altertum überlieferten Erwähnungen von Versteinerungen enthalten), das heroische Zeitalter der Geologie 1790 bis 1820, neuere Entwickelung der Geologie und Palaeontologie (es wird an dieser Stelle der Eintiuss der Universitäten und Anstalten, auch der Gesellschaft auf die Entwickelung von Geologie und Palae- ontologie geschildert), kosmische Geologie, physiographische Geologie, dynamische Geologie, topographische Geologie, Formationslehre und Gesteinskunde — während nur ein Kapitel, das letzte, für die Palae- ontologie reserviert ist. Die im Verfolg des Buches nach Ende zu stets kürzer und kursorischer werdende Fassung der Darstellung ist auch sonst störend und muss lebhaft bedauert werden, da gerade die Zeit der Mitte und der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts für den ausgezeichneten Ver- — Nr. 58—59. — 4* — 44 — fasser Stoff zu einer die Darstellung Hof f mann 's in gleicherweise ergänzenden Schilderung gegeben haben würde, während diese Zeit gegen die ältere räumlich stark zurücktritt. Die Darstellung ist in den Teilen, in denen nicht die gegebenen Namen im Texte überwiegen, sondern die Forschungsmethoden der einzelnen Persönlichkeiten aus ihrer Individualität heraus geschildert werden, eine sehr anziehende, und ungemein lebendige, w^as nicht zum mindesten dem Umstände zu verdanken ist, dass der Verf. so umfassende persönliche Be- ziehungen mit vielen Fachgenossen gepflogen hat. Es dürfte nicht zu viel gesagt sein, dass derartige, vollkommene Objektivität an- strebende und fliessende Schilderung nur von v. Zittel allein ge- geben werden konnte und mit viel Belehrung und Genuss wird die Darstellung auch künftighin gelesen werden und durch sie das er- reicht werden, was beabsichtigt war — eine Fühlung in den Arbeiten und Ansichten der Geologen und Palaeontologen des kommenden Jahrhunderts mit den Persönlichkeiten, welche an dem ersten Auf- bau und Ausbau der Wissenschaft in unserem Jahrhundert be- teiligt waren. Was das Kapitel, welches der palaeontologischen Forschung des 19. Jahrhunderts speziell gewidmet ist, anbetrifi't, so gehört es in den Teil, in dem der Text im Verhältnis zur Aufzählung der Namen etwas sparsam ist; doch werden von dem ersten Namen, William Smith, dem Begründer der stratigraphisch-palaeontologischen Forsch- ung bis zu dem zuletzt genannten D u b o i s, Schilderungen der haupt- sächlichsten Arbeiten, Autoren und Resultate in den verschiedenen Gebieten der Systematik nach der systematischen Reihenfolge der Tiergruppen gegeben, welche einen erwünschten Überblick geben, ohne dass derselbe allerdings vollständiger ausgefallen wäre als die be- treffenden Abschnitte in v. ZittePs palaeontologischen Lehrbüchern. Wie auch anderwärts fällt hier an verschiedenen Stellen allerdings auf, dass die Nachweise schon mit dem Jahre 1894 aufhören resp. die Arbeiten der letzten Jahre weniger vollständig behandelt sind als die vorhergehenden; das Buch, welches schon Mitte 1899 gedruckt vorlag, konnte naturgemäß das Bild nicht auf die letzten Jahre des Jahrhunderts vollständig ausdehnen. Besonders schätzenswert empfindet man, dass sich kurze Lebens- beschreibungen der verstorbenen bedeutendsten Geologen und Palaeon- tologen in den Text eingeschoben finden. A. Tornquist (Strassburg). Protozoa. 60 Hertwig, Richard, Was veranlasst die Befruchtung der — Nr. 59—60. — — 45 — Protozoen? In: Sitzber. Ges. Morph, u. Physiol. München. 1899. Heft 1. Sep. p. 1—8. Verf. fand durch Versuche, dass sowohl durch Hunger als auch durch Überfütterung bei Infusorien Chrouiatinreduktionen in den Kernen hervorgerufen werden. Bei den Metazoen ist im befruchteten Ei die Kernmasse am kleinsten im Verhältnis zur Protoplasmamasse. Der Eintritt der Befruchtung bei den Protozoen wird begünstigt durch das Eintreten eines Missverhältnisses zwischen der zunehmen- den Kern- und der abnehmenden Protoplasmamasse. R. Fick (Leipzig). Coelenterata. 61 Hickson, S. J., Notes on the collection of specimens of the genus Mülepova obtained by Mr. St. Gardiner at Funa- futi and Ilotuma. In: Proc. Zool. Soc. London. 1898. p. 828 — 833. p]s lagen eine Anzahl MiUepora, teils nur im Skelet, teils in Alkohol konserviert, zur Untersuchung vor; Verf. bezeichnet die durch verschiedenes Wachstum charakterisierten und bisher als Species an- gesehenen Formen mit „Facies" der einzigen Art M. alcicornis L. Facies ramosa kommt in grösseren Tiefen vor und bildet sich dort aus, wo ihr Wachstum nicht durch die Ebbe zeitweise gehindert wird ; ein Exemplar aus Seichtwasser besonders lässt den Schluss zu, dass das Auswachsen der Zweige zu Platten eine Folge der zeitweisen Wachstumsbehinderung ist. Die gelbe Farbe der Stöcke kommt den in der Tiefe lebenden Formen zu, während die weissen Stöcke auf das Seichtwasser beschränkt sind. Ein Exemplar der Facies esperi war durch die bedeutende Dicke der Zweige auffallend; indes kann eine solche Dicke auch dadurch vorgetäuscht werden, dass M. zuweilen eine andere tote Koralle vollständig umwächst und dann das Innere des Stockes nicht der M. angehört ; aus den vom Centrum bis zur Peripherie ununterbrochen verlaufenden Kelchröhren und der Zartheit des Skelets kann geschlossen werden, dass der Stock rasch und unter günstigen Umständen gewachsen ist ; dann fehlen die sonst regel- mäßig vorhandenen Parasiten, da sich die Koralle in so lebenskräftigem Zustande befand, dass sie dem Ansetzen jener Widerstand leisten konnte. Das Gegenteil hiervon zeigt eine Facies comphmaia, welche offenbar infolge der schlechten Lebensverhältnisse zum grössten Teile abgestorben war und dicht mit Parasiten besetzt ist. — Die aus Rotuma stammenden Exemplare sind frei von Parasiten und können in zwei Facies eingereiht werden : aJcicornib' mit leichtem Skelet und nur in einer Ebene sich ausbreitenden Zweigen und plicata mit hartem, dichtem Skelet, welche andere Korallen ganz oder — Nr. 60— 6L — — 46 — teilweise überkrustet. Der an fast allen Exemplaren zu findende merkliche Grössenunterschied an den Gastroporen der einen und der anderen Fläche ist wahrscheinlich auf die verschiedene Nahrungs- zufuhr zurückzuführen. — Von den mit Sublimat getödteten und in Alkohol konservierten Milleporen zeigte Facies ramosa alle histologischen Details sehr gut erhalten ; ihre Untersuchung ergab übrigens nichts Neues. Facies complanata enthält Medusen mit Spermaballen ; viele derselben lagen frei in ihren Ampullen, die grössten hatten etwas mehr wie 0,5 mm im Durchmesser. Das Studium der Facies plicata bewies, dass die Narbe der Ampulle, nachdem die Meduse aus dieser entschlüpft ist, durch Überwucherung mit Coenosark völlig verwischt wird. A. von Heider (Graz). 62 Hiles, Isa L., Report on the Gorgonacean Corals collected by Mr. J. Stanley Gardiner at Funafuti. In: Proc. Zool. Soc. London. 1899* p. 46—54. Taf. 1-4. Es werden 10 Arten beschrieben, darunter .3 neue Muriceiden : Acamptogorgia spinosa, Vülogorgia rubra und Muriceila flexilis. Die wurzelartige, steinharte Aus- breitung, mit welcher Plexaura antipathes festgewachsen ist, besteht aus, in einem hornigen Netzwerke eingeschlossenen Kalkkörpern und wahrscheinlich sitzen alle grossen, heftigem Wellenschlage ausgesetzten Gorgoniden mit einer ähnlichen soliden Basis fest. A. von Heider (Graz). 63 May, W., Beiträge zur Systematik und Chorologie der Al- cyonarien. In: Jena. Zeitschr. (2) Bd. 26. 1899. p. 1—180. Taf. 1— ö. Der Arbeit liegt die Untersuchung von 67 Alcyonaceen-Arten, davon 38 neuen, aus verschiedenen Erdteilen zuCxrunde; nebst einer historischen Übersicht erscheinen das Verhalten der Stolonen, der Habitus der Stöcke und die Skeletbildung tabellarisch zusammengestellt. Die Zahl der bisher bekannt gewordenen Alcyonaceenspecies beträgt 335 (in 32 Gattungen und 9 Familien), gegen 200 Arten gehören den Tropen an, 60 den gemässigten Zonen, 20 den arktischen Gegenden; die überwiegende Mehrzahl bewohnt den indopacifischen Ocean, eine kleine Zahl den Atlantik. Die Mehrzahl der Arten hat nur je einen Fundort, die Verbreitung der einzelnen Gattungen ist eine sehr ver- schiedene. Ein grosser Teil (51) der in der Arbeit beschriebenen Species stammt von der ostafrikanischen Küste, die übrigen (22) haben verschiedene Provenienz. — Unter den Clavulariidae, welche sich in allen Oceanen und an den Küsten aller Kontinente finden, erscheinen als neu : Clavularia longissima, C. gracilis, C. flava, C. inflata var. lusoniana und Sympodium pimdatum ; aus der eingehenden Beschrei- bung der Familie sei deren Phylogenese erwähnt, nach welcher Cornu- laria die Ausgangsform bildet, von der sich Clavularia durch Rück- — Nr. 61—63. — — 47 — bildung des Hornskelets imd Vervollkommnung der Spicula und der Retraktionsfiiliigkeit der Polypen entwickelt hat; am höchsten ent- Avickelt ist Sympodinm. — Die Telestidae, zu welcher Familie vom Verf. die Gattungen Scleranthelia, TeJesto, Pseudogorgia und Coelo- gorgia vereinigt werden, haben sich aus den Clavulariiden durch Sonderung axialer und lateraler Polypen herausgebildet und kommen in den warmen Regionen aller drei Oceane vor. — Die Tubiporidae mit nur einer (lattung Tuhipora finden sich nur im indopacifischen Ocean und sind mit den Clavulariiden nahe verwandt. — Die aus- schliesslich Küsten bewohnenden Xeniidae sind durch den Aufbau der Kolonie und den Bau der Kalkkörper gekennzeichnet; sie vertheilen sich auf zwei Gattungen mit 25 Arten; neu sind: Xenia rigida, X. tiimhatuana, X. quinqueseda, X. sansibariana, X. bauiana, X. medn- soides, Cespitularia toeniata und C. coeridea; die Xeniiden können von den Clavulariiden abgeleitet werden, indem bei jenen das Coenen- chym eine höhere Ausbildung erlangte, wogegen die Beziehungen der einzelnen Arten zu einander schwerer zu definieren sind und die fort- schreitende Entwickelung hauptsächlich in den Tentakelbildungen zu erkennen ist. Dimorjjhismus der Polypen findet sich bei den Xeniiden nicht. — Als Alcyonidae werden 11 Gattungen vereinigt; Nannoden- dron wird aus dieser Familie zu den Nephthyiden gestellt, BeUoneUa, Nidalia und Lohtdaria werden mit Alcyonium vereinigt ; die Familie ist über die ganze Erde verbreitet und enthält derzeit 65 Arten, 5 davon sind neu: Nidalia foliacea^ Sinnlaria n. g. hrassica, Alcyo- nium elegantissimmn, A. ceylonense und Sarcophytum nigrmn. — Die Nephthyidae umfassen jetzt 143 Arten in 4 Gattungen, beschrieben werden 27 Arten, darunter 21 neue ; die Nephthyiden sind, mit Aus- nahme von Paraspongodes aus den kalten Meeren, hauptsächlich Be- wohner des indo-pacifischen Uceans und leben in den verschiedensten Tiefen. A. von Heider (Graz). Vermes. Plathelminthes. 64 Van Name, Williard G., The Maturation, Fertili zation and early development of the Planarians. In: Transact. Connecticut Acad. Vol. X. August 1899. p. 263—300. 6 Taf. Die Arbeit, die unter Wesley Co e's Leitung entstand, zeichnet sich aus durch die präcise Schreibweise, die des Verf."s persönliche Auffassungen und auch die durch das Material bedingten Lücken in den Beobachtungsreihen klar erkennen lässt u. s. w. Verf. unter- suchte die Eier von Eustylorlius elUpticus Verrill (== Planocera elUptica Girard) und die seltenen Eier von Planocera nehidosa Verrill, die — Nr. 63-64. — — 48 — Verf. teils in fertigen Präparaten, teils lebend von Wesley Coe er- hielt. Die Arbeit entbält genaue, aber übersichtliche Angaben über die Methodik der Untersuchung, das Keimbläschen und die Dotter- körner (die durch unvollständige Ausziehung des Eisenhämatoxylins oft Centrosomen vortäuschen können), über die erste Reifungsspindel, die Befruchtung, die erste Reifungsteilung u. s. w. in besonderen Kapiteln, was den Überblick wesentlich erleichtert. Die Reifungs- teilungen zeigen Strahlungen. Verf. nennt das Centralkorn Centrosom, die ^jMarkzone" darum herum Centrosphäre. Die Strahlen konnte er nie durch die letztere hindurch zum Centralkorn verfolgen. Die Strahlen und die Centrosphäre hält Verf. für allmähliche Differenzier- ungen des gewöhnlichen Zellprotoplasmas, nicht des Centralkorns. Der Nucleolus des Keimbläschens verschwindet zu gleicher Zeit wie die Kernhaut. Die Samenfäden können von allen Seiten der Ober- fläche des Tierkörpers durch die Gewebe hindurch zum Ei im Uterus vordringen. Mittelstück und Kopf sind nicht gegen den Schwanz ab- zugrenzen. Sehr selten Polyspermie. Die erste Richtungsteilung er- folgt erst nach der Eiablage. Die Chromosomenformen bei der Teil- ung wechseln sehr ; Verf. ist bei der Deutung der Figuren sehr vor- sichtig und weicht in manchen Punkten von den Deutungen Van der Stricht's (s. Zool. C.-Bl. VI. p. 53) ab. Bei Behandlung der Centrosomenteilungsfrage wendet sich Verf. in etwas unvorsichtiger Weise gegen Mac Farland's hoch interessante Untersuchungen (s. Zool. C.-Bl. V. p. 94) in Boveri's Institut. Die Chromosomen- zahl scheint 10 zu sein. Nach Ausstossung des ersten Richtungs- körperchens teilt sich das im Ei verbleibende Centrosom des centralen Pols der ersten Richtungsspindel und zwar steht die Teilungsrichtung nicht senkrecht zur früheren Spindel, sondern in gleicher Richtung. Nach Ablauf der zweiten Reifungsteilung schwellen die Chromosomen zu Bläschen heran. Im weiblichen Vorkern sind mehrere Nucleolen. Strahlung und Centrosom des Eikernes verschwinden vollkommen, es bleibt nur ein rundlicher Flecken bläulichgefärbter, körniger Substanz zurück. Das Eindringen des Samenfadens findet nicht an einer be- stimmten Stelle des Eies statt. Die Samenstrahlung konnte Verf. bei Enstijlochus nicht finden. Auch bei Planocera ist sie nur von kurzem Bestand; sie ist nur in den späteren Stadien der ersten und während der zweiten Reifungsteilung zu sehen. Das Schicksal des sich teilenden Samencentrosoms und seine Beziehungen zu den P'urchungscentrosomen konnte Verf. nicht feststellen. Die Strahlung an der ersten Furchungsspindel ist zuerst einfach. Eine Verschmelz- ung der Vorkerne findet der Regel nach nicht statt, doch bleiben die väterlichen und mütterlichen Chromosomen nicht lange in getrennten — Nr. 64. — — 49 — Grujjpen. Die Spindelstrahlungen bei der Furchung werden immer neu gebildet, bei den Richtungsspindeln erhalten sich Teile der alten Spindel. Im letzten Kapitel wird u. a. die Entstehung der Augen und der Bewimperung besprochen. R. Fick (Leipzig). Nemathelminthes. 65 Pöppel, E. , Untersuchungen über den Bau von Strongylus armatus s. Selcrostoma eg'wmwm (Auctorum), nebst einem Anhang über die Biologie desselben und das Aneurysma verminosum. Leipzig. Dissert. 1897. 57 p. 1 Taf. Verf. trennt Strongylus armatus, der jung in aneurysmatisch erweiterten Arterien, geschlechtsreif im Darm der Pferde lebt, von dem an denselben Orten vorkommenden Strongylus neglectus n. sp. Erstere Form hat 12 — 21 mm lange Männchen und 16 — 32 mm lange Weibchen, am Grunde der Mundkapsel stehen zwei Zähne, der Porus excretorius liegt unter dem hinteren Drittel des Oesophagus; an der männlichen Bursa ist die vordere Aussenrippe jederseits einfach und die Enden der dreigeteilten Hinterrippen sind gleich laug und erreichen fast den Hinterrand der Bursa. Dagegen beträgt bei Strongylus neglectus die Länge des Männchens 24 — 35 mm und die des Weibchens 35—49 mm, am Grunde der Mund- kapsel stehen vier Zähne; der Porus excretorius soll in der Dorsallinie am Vorder- rande der Mundkapsel liegen; die vorderen Aussenrippen der männlichen Bursa sind geteilt und die Enden der beiden dreigeteilten Hinterrippen sind ungleich lang und erreichen nicht den Bursalrand. Verf. hat bei einigen Männchen die vorderen Aussenrippen ungeteilt ge- sehen, bei anderen, die er Strongylus neglectus nennt, geteilt; geteilt aber bilden Schneider, Railliet u. a. sie ab und nennen die Art armatus. Bei Strongylus armatus und anderen Arten fand Jägerskiöld eine dorsale Oesophagusdrüse, die am Vorderrande der Mundkapsel mündet und mit dem Exkretionssystem nichts zu thun hat. Bei seinem Str. neglectus hat Verf. dieses Organ gesehen, den Porus exci"etorius nicht, bei seinem Str. armatus sah er den Porus excretorius, aber nicht die am Vorderrande des Muudbechers mündende dorsale Oesophagusdrüse ; da die übrigen Unterschiede belanglos sind, ist die neue Art wohl ohne Berechtigung aufgestellt. 0. v. L instow (Göttingen). €6 Toldt, C, Über den feineren Bau der Cuticula von Ascaris megalocephaJa nebst Bemerkungen über die Subcuticula dieses T hie res. In: Arbeit, zool. Inst. Wien. Bd. XI. Heft III. 1899. p. 289-326. Taf. I. Die Cuticula von Ascaris megalocephala besteht aus acht Schichten und die Subcuticula schiebt gallertartige Fäden in sie hinein, die sich in ihr zu einem komplizierten Saftbahnsystem ausbreiten. Die Schichten, deren Mächtigkeit die dahinter stehenden Zahlen in Mikro- millimetern angeben, sind folgende: 1. äussere Rindenschicht: I-/2; 2. innere Rindenschicht: 5; 3. homogene Schicht 15; 4. Bänder- schicht: 2; f). äussere Faserschicht: 4; 6. mittlere Faserschicht: 9; 7. innere Faserschicht: 4; 8. Basalschicht: 2; dann folgt die Grenz- membran: 1. Die (1.) äussere Rindenschicht und die (4.) Bänder- — Nr. 64-66. — — 50 — , Schicht bestehen ans in kurzen Abständen wiederkehrenden Ringen^ welche der (2.) inneren Rindenschicht aussen resp. der (3.) homogenen Schicht innen eingelagert sind und nur in den Seitenlinien unter einander verbunden sind. Die drei Faserschichten sind Membranen, welche von j)arallelen, langgestreckten Spalten durchsetzt sind, durch welche die Gallertfäden treten; in der äusseren und inneren Faser- schicht verlaufen diese Spalten von rechts hinten nach links vorn in einem Winkel von etwa 25'^ zur Längsachse, in der mittleren im gleichen Winkel in der entgegengesetzten Richtung. 0. V. L instow (Göttingen). Annelides. 67 Horst, R., On Perichaeta Sieboldi Horst. In: Notes froni the Leyden Mus. VoL XX. 1898. p. 240-242. Die von Horst aufgestellte Art Perichaeta sieboldi von Japan, die auch von Rosa, Beddard und Micliaelsen beschrieben wurde, zeichnet sich besonders durch den Besitz von drei Paar Samentaschen in den Segmenten 7, 8 und 9 und die Zahl der Borsten in dieser Region (ungefähr 80) aus. Seitaro Goto und S. Hatai fanden nun in Japan Perichaeten mit drei Samentaschenpaaren in den Segmenten 6, 7 und 8 und mit etwa 60 Borsten in dieser Körpergegend und sie vermuteten , dass die von den europäischen Forschern beschriebenen Tiere Varietäten der von ihnen in Japan gefundenen Exemplare wären. Horst zeigt indessen, dass das nicht der Fall ist und dass die von den japanischen Forschern gefundenen Exemplare wahrscheinlich der P. ijimae Rosa angehören. In einer Anmerkung macht Horst auf mehrere Irrtümer in den Arbeiten der Japaner aufmerksam. H. üde (Hannover). 68 Horst, R. , On the variabiJity of characters in Perichaetid ae. In: Notes from the Leyden Mus. Vol. XX. 1898. p. 201-209. Es ist längst bekannt imd auch von Michaelsen und Benham wieder- holt hervorgehoben, dass gerade die Perichaeta-Arten eine ausserordentlich starke Varietätenbildung zeigen. In vorliegender Arbeit zeigt Horst dies an einigen Arten. So besitzt z. B. P. biserialis Perrier eine wechselnde Anzahl (3—7) Ge- schlechtspapillen (auf den Segmenten 19 — 25) und zeigt auch im Bau der Samen- taschen nicht unerhebliche Abweichungen. Selbst die für diese Art so charakte- ristischen verlängerten Borsten zeigen in ihrer Anordnung Verschiedenheiten. Michaelsen beschrieb unter dem Namen P. stellen eine Species von Sangir, die sich durch den Besitz zahlreicher (16—28) Samentaschen in den Segmenten 6 und 7 auszeichnet. Beddard erwähnt dann in seiner Monographie der Oligo- chaeten vier neue Arten, nämlich P. everetti, P. papillata , P. sarawacensis und P. kinabaluensis, die sich durch eine verschieden grosse Anzahl von Geschlechts- papillen und Samentaschen im 6. und 7. Segmente auszeichnen. Horst zeigt nun an der Hand eines grossen Materials, dass alle diese Formen der F. stellen einzuordnen sind und dass diese Art in charakteristischen Merkmalen grosse Ver- änderungen zeigt. — Es wäre wünschenswert , dass Oligochaetenforscher sich gerade in der Gattung Perichaeta vor Aufstellung neuer Arten hüten wollten, wenn dieselben nicht durch ganz besondere Merkmale ausgezeichnet sind. H. Ude (Hannover). — Nr. 66-68. — — 51 — 69 Micliaelsen, W., Beiträge zur Kenntnis der Oligochaeten. in: Zool. Jahrb. Abth. f. Syst., Geogr. und Biol. Bd. XII. 1898. p. 105-144. Verf. hat das im Hamburger Museum vorhandene und mit der Bezeichnung Georyctes menkei Schlotthauber versehene Material von etwa 100 Exemplaren» die von Schlotthauber selbst bei Göttingen im .Jahre 1846 gesammelt sind, untersucht und mit anderen Phreoryctiden vergleichen können. Dabei ist er zu der Überzeugung gekommen, dass sämtliche bis jetzt zur Beobachtung gelangten Phreorycles von Europa und Nord-Amerika einer einzigen, in geringem Grade variablen Art angehören, die als Phreoryctes gordioides (Hartmann) zu bezeichnen ist. Wir können auf die Untersuchungen des Verf.'s nicht näher eingehen, wollen jedoch die von ihm aufgestellte Synonymie-Liste hier veröffentlichen: (1819 V) 1824. Lumbncus gordioides Hartmann 1837. Tubifex uncinarius Duges 1843. Haplotaxis menkeanus Hoffmeister 1845. Phreoryctes menkeanus Hoffmeister 1860. Georyctes menkeanus Schlotthauber 1860. Georyctes menkei Schlotthauber 1860. Georyctes lichtensteini Schlotthauber 1862. Nemodrilus filiformis Cl aparede (1873?) 1874. Phreoryctes heydeni Noll 1874. Lumhricogordius hartmanni v. Heyden 1876. Phreoryctes filiformis Vejdovsky 1889. Clitellco (?) (Limnodrilus) uncinarius L. Vaillant 1890. Phreoryctes emissaritis S. A. Forbes 1894. Phreoryctes endeca Giard 1896. Dichaeta curvisctosa Friend 1898. Phreoryctes gordioides (Hartmann) Michaelsen. Weiterhin beschreibt Verf. einen neuen Oligochaeten, der im Vierwaldstätter See bei Gersau zwischen Fadenalgen gefunden wurde und den Namen Xais bretscheri n. sp. erhielt, und eine Anzahl Regenwürmer aus Russland, unter denen sich zwei neue Arten {Allolobophora gordejeffi und All. infiata) befinden. Auf St. Thomas wird das Vorkommen von Trigasler lankesteri Bedd., Benhamia bolavi McUsn., Eudj-ilns eugeniaeKinh., einer Z>ic/mete-Species und eines neuen Ocnerodrilen ( Ocnerodrilus calwoodi n. sp.j festgestellt. Aus Deutsch - Ostafrika konnte Michaelsen eine neue Art [Polytoreutus stierlingi n. sp.) untersuchen. Dabei fand er seine frühere Behauptung bestätigt, dass das Verbreitungsgebiet der einzelnen Polytoreutus- krieu sehr eng beschränkt ist und dass die Fundorte nahe verwandter Arten dieser Gattung nie weit von einander entfernt liegen. Schliess- lich giebt Verf. weitere Angaben über Regenwürmer von Ceylon und beschreibt Megascolides hahji als neue Art. H. U d e (Hannover). Arthropoda. 70 Dybowski, B., Nowe poglady i teorye z zakresu anatomii por('» wnawcz ej (Neue Gesichtspunkte und Theorien auf dem Gebiete der vergl. Anatomie). I. Einleitung. Bei- spiele aus der Litt eratur. (Fortsetzung^). In: Kosmos. (Lem- berg). Bd. XXL 1896. p. 508—542. Bd. XXIL 1897. p. 201—262. •) Vergl. Z. C.-Bl. VI. 1899. Nr. 270. — Nr. 69—70. — — 52 — 7. Myriopoden und Insekten (Fortsetzung). Heymonsfasst den Clypeus, die Stirnlappen und die Oberlippe der Insekten als Be- standteile des 1. Kopfsomiten, des sogen. Oralstückes auf. Diese Auf- fassung ist nach Dybowski durchaus irrig und überzeuge uns „augenfällig, dass die Embryologie nicht imstande ist in die dunklen Wege der Phylogenie Licht zu bringen" p. 515. Die vergleichend anatomischen Untersuchungen haben vielmehr dem Verf. die Über- zeugung beigebracht, dass der Clypeus „keine Neubildung^' ist, son- dern das Segment der ersten Antennen bei Crustaceen vorstellt. Es spreche hierfür unter anderem die Thatsache, dass bei Arthropoden mit zwei Antennenpaaren ein Clypeus stets fehlt und dass bei manchen Landisopoden (also an das Landleben angepassten Crustaceen) das erste Antennenpaar fast vollständig verschwindet. (Patten hält in seinen Studien über das Arthropodenauge vom Jahre 1888 die Ober- lippe der Insekten direkt für das erste Antennenpaar). Verf. hebt hier nochmals nachdrücklichst hervor, dass die Insektenfühler den zweiten Antennen der Crustaceen entsprechen ; die ersten Antennen der Crustaceen, der Insekten, Myriopoden und der Onychoi^horen seien folglich nicht homolog, wie es Claus und nach ihm Lang, Heider und Kor sehe It und viele andere behaupten. Während also nach Heymons das Vorderende des Insekten- kopfes aus einem Segmente besteht, unterscheidet der Verf. drei Segmente und zwar: a) Clypealsegment (= Antennulae bei Crustaceen). b) Augensegment (= Augen bei Crustaceen). c) Fühlersegment (= 2. Antennen bei Crustaceen). Die Frage nach dem morphologischen Wert der Augengegend giebt dem Verf. Anlass zu einer breiten Polemik, hauptsächlich gegen Claus. Aus der Gammarinen-Monographie De IIa V alle 's wird ein sieben Petit-Seiten umfassender Passus citiert, welcher die Mein- ung Claus', Augen seien kein Gliedmaßenhomologon, zu entkräften sucht. Nichtsdestoweniger werden diesbezügliche Äusserungen von Claus in dessen Nehalia-Arhe'it dahin ausgelegt (p. 526), „dass Claus ge- stielte Augen für segmentale Gliedmaßen hält" ^). Neue Argumente werden nicht gebracht. Ausser den Augen gehört aber aucli das Labium der Insekten und der Crustaceen und das Endolabium -) , worunter die „Lingula" ^) Die genannten Ausführungen von Claus wurden vom Verfasser miss- verstanden. Ref., der im I. Teile seiner Hyperien-Monographie denselben Stand- punkt vei'teidigt, stützt sich unter anderem gerade auf die nämlichen Sätze aus der iV^e6a/ia-Arbeit. (Denkschr. Akad. Wiss. Wien Bd. 63, S. 24 ff.) ^) Im Originale, p. .523, heisst es, offenbar aus Versehen, äussere Unterlippe. — Nr. 70. — — 53 — und die „Paraglossen" oder Hypopharynx zu verstehen sind, in die Kategorie der Gliedmaßen, die allerdings vom Typus anderer Extremitäten (Antennen oder Maxillen) abweichen. Des weiteren soll zwischen dem Hypopharynx und den zweiten Maxillen bei Insekten einerseits, und zwischen den Paragnathen und den zweiten Maxillen andererseits ein homologes Verhältnis evident sein. Das Exolabium der Insekten, welches aus Mentum oder Sternit, zusammengewachsenen Stipites labiales, zwei äusseren und zwei inneren Malae oder Galeae und zwei Labialtastern besteht, entspricht demnach den zweiten Maxillen bei Crustaceen. Manchmal verbindet sich bei den Insekten das Exo- mit dem Endolabium, wie z. B. bei Hydrophüus. Dem Endolabium analog ist der Epipharynx oder innere Oberlippe. Verf. teilt nun den Kopfabschnitt in folgende fünf Segmente ein: Crustaceen Insekten Kopfabschnitte 1. Antennen Clypeus 1. Segmentum olphactoriiim v. nasale Augen Augen 2. vSegmentum ophtalraicura v. frontale 2. Antennen Fühler 3. Segment, oticum v. parieto-petrosum Mandibeln 1. Maxillen Mandibeln Maxillen 4. Segm. occipitale (mandibulo-maxillare) 2. Maxillen 1. Maxillipeden Unterlippe 5. Segmentum postoccipitale Man sieht also , dass die Mandibeln mit den Maxillen (auch bei den Myriopoden) und die zweiten jNIaxillen zusammen mit den Kiefer- füssen für den Verf. ein morphologisches Äquivalent des Antennulen- oder Antennen-Segmentes der Crustaceen bildet. Welcher Kopfregion die „Kategorie" der Labralfüsse und die Mundüfthung angehört, ist nicht ersichtlich. Was die Chilopoden anbelangt, so bespricht der Verf. und bildet ab die Mundwerkzeuge von Scolopendra concolor New. und ge- langt zu folgender Einsicht: C h i 1 p d a Crustacea 1. Clypeus oder Chaperon 2. Antennen 3. Oberlippe 1. Antennen 2. Antennen 3. Oberlippe — Nr. 70. - — 54 — Hl Chilopoda Crust ace a 4. Mandibeln 5. Innere Unterlippe 6. Aussenlappen des Gnathochilarium (1. Maxillen) 7. Innere Lappen des Gnathocliilarium (2. Maxillen) 8. 1. Maxillipeden (sogen. 2. Maxillen) 9. 2. Maxillipeden (Giftklauen, sogen. Maxillarfüsse) 4. Mandibeln 5. Paragnatlien 6. 1. Maxillen 7. 2. Maxillen 8. 1. Maxillipeden 9. 2. Maxillipeden 8. A r a c h n i d e e n (und Poecilopoden). Eingehend besprochene Beispiele und Citate aus Spezialarbeiten von Claus, Dohrn, Haeckel, Huxley, Kennel, Savigny und Schimkewit seh, welche die nach- folgenden 43 Textseiten füllen, sollen den Nachweis bringen, dass in Betreff der taxonomischen Stellung der Palaeostraken , Stelechopoden (Tardigraden) , Pantopoden und anderer Arachnoideen eine heillose Meinungsverschiedenheit herrscht, die keinen positiven Schluss über die phylogenetischen Beziehungen dieser Grup2)en zu einander zu- lässt. Verf. versucht sogar darzulegen, dass die namhaftesten Autoren mitunter mit sich selbst in Widerspruch geraten. So z. B. Huxley. Derselbe homologisiert die Segmente des Limidus mit denen des Ästacus, indem er sie von vorne nach hinten zählt, während er bei .der Homologisierung des Scorpionidenkörpers mit Macruren die Körper- abschnitte in entgegengesetzter Richtung vergleicht. Einerseits ent- spricht nach ihm der Xiphus der Limuliden dem ganzen Abdomen des Flusskrebses, die sechs Beinpaare der Ersteren entsprechen den ersten Antennen (Antennulae) bis ersten Maxillipeden und das breite Operculum dem dritten Maxillipedenpaare bei Astaciden u. s. w., — andererseits sollen bei den Scorpioniden die Antennen des ersten Paares fehlen, die Clieliceren entsprechen dem zweiten Antennenpaare und die nächstfolgenden drei Beinpaare dem zweiten Maxillenpaare und den zwei vorderen Maxillarfusspaaren der Macruren, wobei sämtliche nachfolgende Körperabschnitte bei diesen beiden Arthropoden- gruppen gut übereinstimmen, sodass schliesslich das Aculealsegment beim Scorpio im Telson des Astacus sein Homologon findet. Verf. selbst geht von der Voraussetzung aus, die Körperab- schnitte und die Gliedmaßen seien keineswegs bei allen Arthropoden gleichwertig. Er behauptet z. B., dass die Thoracal- und Abdominal- segmente der Hexapoden durch Konkrescenz aus mindestens zwei Somiten hervorgegangen sind^). Ähnlicher Weise sind auch die 1) Auf p. 255 heisst es hingegen, dass jedes Segment des Insektenthorax aus zwei Somiten zusammengesetzt ist. — Nr. 70. — — 00 Körpersegmente der Myriopoden (Chilognatben) doppelt und die Körpersegmente mit mehreren Blattfusspaaren bei Apusiden weisen auf einen älmliclien Yerwachsungsprozess hin, Verf. erinnert an das Ilostrum junger GaleodesStadien (nach Kroneberg) und an die rudimentären Stirnhöcker bei jungen Spinnen {Tegenaria, nach dem Lehrbuche von Claus), vergleicht mit einander die weiteren Körper- gegenden, gelangt zu dem Schlüsse, dass bei Solifugen die Mandibeln mit dem ersten Maxillenpaare und dann die zweiten Maxillen mit den Maxillarfüssen in ähnlicher Weise verbunden, beziehungsweise verwachsen sind, wie dies z. B. bei den Copepoden und Ostracoden *) der Fall ist, vergleicht schliesslich die Körperregionen und die Ex- tremitäten der Insekten und Solifugen in folgender Weise mit einander: Körperregion Hexapoda Solif ugae Clypeus Antennen Rostrum embryonale •Cheliceren Caput Mandibeln Maxillen t Pedipalpen Exolabium Collum 1 Labiopalpen Thorax 1. Fusspaar 2. Fusspaar 3. Fusspaar 1. Fusspaar 2. Fusspaar 3. Fusspaar Abdomen — — Die Annahme, es sei ein jedes Thorakalsegment des Galeodes nach Art des Insektenthorax aus zwei Somiten hervorgegangen, hält Verf. für besonders begründet, weil hier auch das mandibulomaxillare Segment und das maxillomaxillipedale Segment aus einer doppelten Segmentalanlage entstanden sein dürften. Während aber im Bau des Mittelleibes bei beiden Gruppen kein Unterschied zu finden sei , sei er am Kopfabschnitte insofern zu konstatieren, als die Segmente der Mundregion der Insekten wieder in ihre Bestandteile zerfielen. (Also tertiär? Ref.). 9. Allgemeine Homologie bei Arthropoden. Es folgt eine Art Zusammenfassung der im Verlaufe der polemischen Exkurse dargelegten Anschauungen des Verf.'s, wobei er nochmals seine beiden Hauptprinzipien: dieHomotopie der Kop fr egion und die ün- gleichwertigkeit sonstiger Körper regionen bei Arthropoden nachdrücklich hervorhebt. Untenstehende Tabelle dürfte eine Über- sicht seiner Ergebnisse erleichtern. ^) Vergl. den 2. und 4. Abschnitt dieses Referates. — Nr. 70. — — 56 — CS O &i c8 Clypeus Antennen Mandibulo- Maxillae Maxillo-Ma- xillipedes s thora- 1. paris s thora- ■ 2 i i S 05 02 'C CS Ph CO . abd. 1. . abd. 2. c6 CS •*' iO cd' i>" TS 'S "73 'd Ä ^ J= .= i CS CS CS C5 .abd. 8. . abd. 9. .abd. 10. 1^ 03 ^ '^ ©TS (—1 o OJ ; S S S S E £ ÖD bß &D t£ 1 £ E £ \^ ^ü ia ba 1 W 1 cS 1 f^ CS n: cc 05 0) 0; o; Ol M CQ ÜQ OQ 03 o; 03 02 02 02 1 Ol 'S 1 |i o u .2 Q. _0 ^0 o 1 J .2 .2 _03 CS eu PL, CS Oh Cd' CO oo Ol OO 1 .2 « .- !-. OJ Q) 33 a ^ rt tH CS e CO CS 1» CS '-^ S o ^ g .2 CO .2 1 ^^ . - •2 .2 03 ns s '" 'E CS CS 'C CS ^ o -CS Ch a, Pu S^ to CS ^ lO CD c-^ s ^ i; op cc fl, 03 03 00 03 cS Ol «1 ^ ^ H) 1 Q.J O) OJ pH 'C 'ü n3 -TS • IS ni Ol (£ Ol <0 — cd CO -^ lO cd' 'TS 13 S •' ^e 'Td' T3 TS' od oi o . . ^ T3 TT _• . . . SEE 1 bß bß bß 1 «4-4 o «3 q o S £ o -4.3 's s CS pC ^ ^ ^ Ca c3 CO Ca .' s s s s bß bß bß bc CS CS SR "2 0) Ol 'S res CS CO 'S m C» «2 CQ CQ 02 02 Oi 1 .2 '^ 1 ^ .'s -c ö >-< cd CO -«a^ i-H od CO ^' "0 cd' •2 <» ® *' lO , to 'S CS "2 CS PO« CS CS ;i: .&■ -^ 03 2 -ü -g, CS CS CS .3 o CS CS ^' ^ ^ ^ 03 -S p^ Ol a !- a U CJ Ci CJ 3 Ph s -ijH lO CD 03 ^ S S S P cS cS ^ cS ^ iH ;h fc. 1 03 03 na 'TS 03 ns 03 _• ^-5 ^ ^_ ^ ,ß ^ö 'C "^ ^o '>< CS O fLi CS aj n) (D O) «■ 03 OJ PL| ^ Oh CL, Oh P~i Ph P-i Ph CU g g J -2 ^ -§ 1! 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Der äussere Copulationsapparat männlicher Odonaten (am Sternit des zweiten Abdominalsegmentes der Libellen) wird mit der Penisbild- ung der Macruren homologisiert. Von Interesse ist die Ab- bildung des sechsten Fusspaares von Limuhis (Fig. 76, S. 256), wo auf der einen Seite ein segmentierter und mit Zange bewaffneter Epipodit zu sehen ist, auf der anderen Seite derselbe eine löffei- förmige, mistelblattähnliche Gestalt besitzt. Hiermit dürfte die „Einleitung" zu dem angekündigten Werke Dybowski's abgeschlossen sein. Mit der Kritik der in ihr vorge- brachten Ansichten des Verf.'s über die Phylogenie der Glieder- füssler muss natürlich so lange gew^artet werden , bis uns die weiteren Teile, die eigentliche Abhandlung, mit seinen Beweisen bekannt machen werden. T. Garbowski (Krakau). Insecta. Yi Folsom, J. W., The anatomy and physiology of the mouth- parts of the Collembolan Orcheselld cincta L. In: Bull. Mus. Comp., Zool. Harvard College. Yol. 35. Nr. 2. Cambridge. 1899. p. 1—40. Taf. 1—4. Die Arbeit enthält eine sorgfältige Beschreibung der Mundteile von OrcheselJa und des zugehörigen Muskelapparates, welche um so mehr zu begrüssen ist, als eine genaue Darstellung der Mundwerkzeuge von CoUembolen bisher fehlte. Da ein Verständnis des ziemlich ver- wickelten Baues dieser Teile im einzelnen nur an der Hand der vom Verf. gegebenen klaren Abbildungen zu ermöglichen ist, so sollen hier nur einige wenige Punkte hervorgehoben werden. Das bisher bei CoUembolen nicht beschriebene Tentorium ist ein Chitingebilde, w^elches in der Mittellinie des Kopfes unter dem Oesophagus sich vorfindet. Während es bei anderen Entognathen ein vorstossbarer, beweglicher Apparat sein soll, ist Folsom wohl mit Recht der Ansicht, dass dies auf einem Irrtum beruhe. Das Tentorium der CoUembolen ist im Kopfinnern fixiert und dient nur zur Insertion von Schlundmuskeln, Antennenmuskeln etc. Die Bewegung der in taschenförmige Vertiefungen eingesenkten Zoolog. Centralbl. VII. Jahrg. J^j. ^Q 7J 5 — 58 — Kiefer wird durch besondere Muskeln bewirkt, von denen nicht weniger als zehn differente Paare sowohl für die Mandibeln wie für die Maxillen beschrieben werden. Wichtig ist der Nachweis, dass die Palpen thatsächlich zu den Maxillen gehören, was von früheren Autoren bezweifelt worden war. Ligula (Glossa) und Paraglossae hängen nicht mit dem Labium zusammen, sind aber den gleichnamigen Teilen der Pterygoten homolog. Während Mandibeln, Maxillen und Labium durch drei Nervenpaare vom Subösophagealganglion aus versorgt werden, fehlen derartige selbständige Nervenstämme für Glossa und Paraglossae. Es sind bei Orchesella zwei Paare von Kopfdrüsen (Speicheldrüsen) vorhanden. Ein Zusammenhang derselben mit dem Ventraltubus existiert nicht. Den Schluss der Arbeit bilden Mitteilungen über die Thätigkeit der beschriebenen Mundteile während der Nahrungsaufnahme. R. Heymons (Berlin). 72 Godman and Salviii : Biologia Centr ali-Americana. Zoology. Insecta. Orthoptera. Dermaptera by A. de Bormans; Blattidae by H. de Saussure and L. Zelmtuer; Mantidae by H. de Saussure and L. Zehntner; Gryllidae by H. de Saussure; Locustidae by H. de Saussure and A. Pictet. 1893 — 1899. 458 pag. Taf. 1—22. Von dem mustergiltigen Prachtwerke der „Biologia Centrali- Americana" sind nunmehr auch die meisten Gruppen der Orthopteren (die Acridiodea ausgenommen) bearbeitet worden. Das bis jetzt hiervon Erschienene, obwohl anscheinend noch keinen abgeschlossenen Band bildend, soll dennoch hier besprochen werden, um ein allzulanges Verzögern des Referates zu vermeiden. Dies ist umso wichtiger, als das vorliegende Material nicht nur als erschöj)fende Beschreibung eines hochinteressanten Faunengebietes, sondern vielfach geradezu als Revision des bestehenden Systems einzelner Unterordnungen und Familien gelten muss. Der bekannte Orthopterologe H. de Saussure, welchem der Löwenanteil bei der Herausgabe des Werkes zufiel, hat damit einen neuen Beweis seiner ungemeinen Arbeitskraft geliefert^); die Orthopteren Central-Amerikas dürfen nunmehr als erschöpfend behandelt gelten, wenngleich naturgemäß noch manche neue Formen mit der Zeit beschrieben werden. Die F orficul id ae sind verhältnismäßig spärlich vertreten; es werden 41 sp. (darunter 8 n. sp.) angeführt, welche sich auf die Gattungen Diplatys, ^) Es sei hier nur, abgesehen von den Monographien mehrerer Unterordnungen und Familien, an Saussure's frühere Bearbeitung der Orthopteren Mexicos und Centralamei'ikas sowie Madagascars erinnert. — Nr. 71—72. — — 59 — Echinopsalis (n. g.) , Pyragra , Psalis , Carcinophora , Anisolabis , Sparatta , Labia, Spongophora , Neolobophora , Opisthocosmia , Ancistrogaster, Forficula, Sphingolabis verteilen. Die Gattung Diplatys Serv. wird neu charakterisiert. In der Unterordnung der ßlattodea^) ist in der Verteilung der Familien (tribus) wie sie von Brunn er v. Wattenwyl in seiner „Revision du Systeme des Orthopteres etc." vorgeschlagen wui-tle, einige Änderung eingetreten. Aus den Ectobiidae wurden Anaplect in ae (richtiger Anaplectidae), aus denPhyllo- dr om idae-Blattinae (s. vorh. Bern.); die Abteilung der Blattodeen mit unbe- wehrten Schenkeln erfährt eine veränderte Einteilung; die Oxyhaloidae (auch Chorisone uridae) werden von Saussure in Plectopterinae (nach dem, die typischen Charaktere der Familie aufweisenden Genus Plectoptera) umgenannt. Die weiteren systematischen Neuerungen beziehen sich auf die Anordnung der Gattungen, welche durch Einschluss einer Anzahl von typisch amerikanischen Vertretern eine Modifikation erfahren musste. In der Folge (auch bei den anderen Unterordnungen) sind oft einzelne Species und auch Genera mit aufgenommen worden, welche der centralamerikanischen Fauna im eigentlichen Sinne nicht an- gehören, sondern von den Antillen oder den angrenzenden Gebieten des Fest- landes (Kalifornien, Peru, Brasilien u. s. w.) stammen; dies geschah, um die Gruppierung der centralamerikanischen Formen zu erleichtern , und ferner aus dem Grunde, weil das Vorkommen dieser Species zum Teil auch in Central-Amerika nicht ausgeschlossen ist. Viele der neubeschriebenen Arten gehören solchen Ge- bieten an. Die Anaplectidae sind durch 29 sp. vertreten (18 u. sp.) welche den Gattungen Eetobia, Theganopteryx und Anaplecta angehören, die Fam. Blattida e durch 65 sp. (22 n. sp.) der Gattungen Thyrsocera, Cnloblalta, Pseudischnoptera, Isch- noptera , Blalta, Pseudophyllodromia, Ccratinoptera , Paraccratinoptera , Anisopygia, Temnopteryx, Loboptera. Die Nyctoboridae sind durch die Gattungen Nyctobora und Megalohlatta mit 4 sp. (2 n. sp.) vertreten, die Epilampridae durch die Gattungen Paratropa, Phoraspis, Epilampra, Calolampra, Opisthoplalia (aus Indien verschleppt) und Rhicnoda mit 21 sp. (8 n. sp.) und die Periplane tidae durch die Gattungen Eurycotis, PelmatosUpha, Dorylaea, Styiopyga und Periplaneta mit 15 sp. (5 n. sp.). Die Plectopteridae bilden eine den Anaplectidae äqui- valente Familie; sie unterscheiden sich von letzteren durch die fehlende Femoral- bedornung, haben aber mit ihnen die charakteristische Flügelbildung gemein, und ihre Formen bilden parallele Serien. Die Familie ist vertreten durch 28 sp. (13 n. sp.) der Gattungen Oxyhaloa, Ghorisoneura , Anaptycta , Hemipterota, Plecto- ptera, Hypnorna. Von den Panchloridae sind die Giitt. Rhyparobia, Leucophaea, Panchlora, Achroblatta, Nauphoeta, Philohora, Zetobora, Cupucina mit 34 sp. (8 n. sp.) vertreten, von denCorydidae die Gatt. IJomoeogamia, Eutyrrhapha, Holocompsa, Hypercompsa, Latindia, Paralatindia mit 23 sp. (11 n. sp.), von den ßla beridae die Gattungen Blabera, Byrsotria , Blaptica, Hemiblabera, Cacoblatta mit 10 sp. (5 n. sp.). In der Einteilung der Mantodea haben die Verf. keine Änderung in der von Brunn er v. W. (Revision etc.) vorgeschlagenen Einteilung vorgenommen. Die Orthoderidae sind vertreten durch die Gattungen Mantoida mit 1 sp., Chaeradodis mit 2 sp.; die Man tidae durch Acontiata mit 13 sp. (6 n. sp.), Tithrone mit 1 sp., Stagmomantis mit 14 sp. (7 n. sp.1, Mclliera mit 2 sp., Phasmo- mantis mit 2 sp. (1 n. sp), Macromanli.i mit 2 sp., Metriomantis n. g. (hiezu die ') Es wäre sehr zu wünschen, dass die Endung idae, wie sie in dem vorliegenden Werke für das Subordo angewendet wird, ausschliesslich für die Bezeichnung der Familien verwendet würde. — Nr. 72. — 5* — 60 — frühere Cardioplera cupido, für welche eine neue Gattung aufgestellt werden musste, da sie zu den Mantidae und nicht, wie die übrigen Vertreter der Gattung C, zu den Vatidae gehört) mit 3 sp. (2 n. sp.), Hicetia n. g. mit 1 n. sp. (diese beiden Gattungen sind von Brasilien und Guiana beschrieben), Yersinia mit 1 sp., Lilaneutria mit 1 sp., Angela mit 7 sp. (1 n. sp.), Hagiomantis g. n. (Brasilien) für Gonatista ornata, Gonatisla mit 1 sp. (Cuba), Lilurgousa mit 1 sp. Miopteryx (Columbia) mit 1 sp., Pseudomiopteryx mit 3 sp. (1 n. sp.), Musonia mit 3 sp. (2 n. sp.) , Mionyx mit 6 sp. (4 n. sp.), Tkesprotia (Brasilien) mit 5 sp. (3 n. sp.), Oligonyx mit 6 n. sp., Harpagonyx mit 3 n. sp. , Spanionyx mit 2 sp. (1 n. sp.), Thrinaconyx mit 2 n. sp., Bantia mit 1 sp. (1 n. sp.). Die Harpagidae durch Acanfhops 1 n. sp., Pseudacanthops 1 sp., Antemna 1 sp., PhyUomantis 1 sp, ; die Vatidae durch Stagmaloptera mit 4 sp. (3 n sp), Parastagmatoptera 3 sp. (1 n. sp.) , Oiyops mit 2 sp. (1 n. sp.), Zoolea mit 1 sp. , Theoclytes mit 7 sp. (4 n. sp.), Vates mit 7 sp., Hagiotata g. n. (Brasilien) mit 1 n. sp. Die Gryllodea sind sehr reich vertreten: die Gryllotalpidae durch Gryllotalpa 2 sp. , Scapteriscus 2 sp. ; die Tridacty lidae durch Tridactylus 7 (2 n.) sp. , Bhipipteryx 11 (7 n.) sp ; die Gryllidae durch Ncmobius 9 (2 n.) sp., Annrogryllus 1 sp., Gryllus 7 (1 n.) sp., Miogryllus 3 sp., GryUodes 3 (1 n.) sp.; die Myrmecophidae durch Myrmecophilus 1 sp., Ectatoderus 1 n. sp., Cycloptilus 1 sp., Liphoplus 2 n. sp.; die Trigonididae durch Anaxiphus 1 sp., Cyrtoxiphus 10 (5 n.) sp., Pkylloscirtus 3 sp., Thamnoscirtus 3 (2 n.) sp.; die Oecanthidae durch Prosihacustes 1 sp., Paragryllus 1 sp., Ectecous 1 n. sp., Amusus 1 n. sp., Amphia- ciistes 4 (2 n.) sp., Endacustes 1 n. sp , Arachnomimns 1 n. sp., Oecanthus 6 (1 n.) sp ; die Eneopteridae durch Eneopterus 1 sp., Phyllogryllus 2 (1 n.) sp., Diatrypus 4 (3 n.) sp., Paroecanthus 9 (4 n.) sp., Apithes 5 (3 n.) sp., Orocharis 13 (9 n.) sp., Orochirus 3 (2 n.) sp., Ectotrypus 1 sp., Euscirtus 1 sp., Aphonus 3 (2 n.) sp., Stenaphomis 1 sp., Heterecous gen. nov. einstweilen, auf O Q allein basiert, in die Nähe von Metripus und Stenaphonus gestellt), 2 n. sp. Locustodea. Stenopelmatidae: Stenopelmatus 17 (2 n.) sp., Schoenobates 3 (1 n.) sp., Pherterus 3 (1 n.) sp., Glaphyrosoma 3 (1 n.) sp. , Phoberopus gen. nov., gehört nach Brunn er in die Gruppe des afrikanischen Genus Onosandrns 1 n. sp., Ceutophilus 6 (1 n.) sp. , Udeopsilla 1 sp. , Gammarolelttx 1 sp , Hemiudco- psilla gen. nov., zwischen Udeopsilla und Ceutophilus, 4 (3 n.) sp. (hierher gehört C. californianus), Argyrtes gen, nov., Ceutophilus nahestehend, 1 n. sp. , Gry IIa - cridae: Gryllacris 7 (2 n.) sp., Hyperbaenus 1 sp., Neortus 2 sp. Phaneropte- ridae; hier, wie bei den Gryllidae ist der Flügeläderung besondere Beachtung geschenkt und viele noch unklare Verhältnisse werden klargelegt. Dichopeiala 2 sp., Aegimia 1 sp., Aphidnia 3 sp., Hormilia 8 (2 n.) sp., Arethaea 2 sp., Amaura 1 n. sp., Ceraia 1 sp. , Ectemna 4 (3 n.) sp. , Plagiopleura 1 n. sp. , Godmanella gen. nov., nahe bei Parableta 1 n. sp., Chloroscirtus gen. nov. desgleichen, 1 n. sp., Scudderia 9 (1 n.) sp , Scaphura 1 sp., Phrixa 5 (3 n.) sp., Amblycorypha 7 (2 n.) sp., Paragenes nom. nov. für Anepsia Br., welcher Name bereits 1871 von Koch verwendet wurde. 4 sp. , Anaulacomera 11 (3 n.) sp. , Ctenophlebia 3 (2 n.) sp., Tomeophera 1 sp., Hyperphrona 6 (2 n.) sp., Phylloptera 5 sp., Turpilia 7 (2 n.) sp., Apocerycta 1 sp., Microcentrum 14 (5 n.) sp., Lobophyllus 1 sp., Ischyra 2 n. sp., Petaloptera 2 sp., Syntechna 2 sp., Apoballa 1 sp., Philophyllia 1 sp., Stilpnochlora 5 (1 n.) sp., Peucestes 5 (2 n.) sp., Posidippus 1 n. .sp. Co n o cephal id ae (auch hier Erklärung des Flügelgeäders): Panacanthus 1 sp., Copiophora 10 (3 n.) sp., Lirometopum 1 sp., Exocephala 3 (1 n.) sp. , Eriolus 6 (3 n.) sp. , Basileus gen. nov., Liostethus nahestehend, für eine n. sp. aus Cayenne, Pyrgocorypha 5 (2n.) sp., — Nr. 72. — — 61 — Caulospis 1 sp., Conocephahis 20 (2 n.) sp., Bucrates 1 sp., Eppia 1 sp., Agroecia 2 sp., Xiphidium 18 (2 n.) sp. Thysdrus 5 (2 n.) sp., Listroscelis 1 sp. ; Pseudo- phyllidae: Einteilung in Gruppen nach der Struktur der Elytren ; Xeropteryx^) 1 sp-, Championica gen. nov. zwisciien Xeropteryx und Tetray onomera 1 n. sp., Tetanopus 1 sp., Sagephorus 1 sp., Acanthodis 7 sp., Adeclus 2 sp., Haemodiasma 1 sp., Dasyscelus 1 sp., Lichenochrus 6 (3 n.) sp. , Brisiiis 1 sp. , Pristes 1 sp., Platyphylhim 3 sp. , Lissophyllum 1 sp. , Meroncidius 1 sp , Brachyauchenus 2 sp., Gongrocnemis 15 (5 n.) sp,, Atichiptolis 5 (4 n.) sp. , Idiarthron 5 (2 n.) sp., Drepanoxiphiis 1 sp. , Liparoscelis 3 sp. , Trichotettix 1 sp. , Bliastes 8 (1 n.) sp., Parabliastes 1 n. sp., Stenotellix 1 sp., Cocconotus 17 (3 n.) sp., Thamnobates gen. nov., dem vorhergehenden nahestehend, 1 n. sp., Nannoteitix 8 sp., Disceratus 1 sp., Ischnomela 1 sp., Macrochiton 1 sp. , Cecentromenus 1 sp. , Leptotettix 2 sp., SemileptotcUix 2 sp , Teleutias 1 sp., Euacris gen. nov. zu den Cocconotides gehörig 1 n. sp., Scopiorus 9 (2 n.j sp , Galoxiphus gen. nov., dem vorstehenden verwandt, 1 n. sp., Diophanes 4 (2 n.) sp. , Xestoptera 2 sp. , Lophaspis 1 sp., Taiiusia 2 n. sp., CelidophyUa nov. gen., zwischen dem vorhergehenden und dem folgenden stehend 1 n. sp., Mimetica 8 (5 n.) sp. , Typophyllum 1 n. sp , Chloro- phylla 3 n. sp., Cycloptera 1 n. sp. Die ausführlichen Diagnosen de Saiissure's sind auch bei der Neubeschreibimg von anderen Autoren ungenügend charakterisierter älterer oder neuer Arten sehr am Platze. Analytische Tabellen sind überall beigegeben, wo dies erforderlich erschien. Die Tafeln, von Th. Bannwarth in Wien lithographiert, sind von musterhafter Aus- führung, die kolorierten von wirklich künstlerischer Schönheit. Es ist zu hoffen, dass die Bearbeitung der Acridiodea in Bälde erfolgen wird, worauf dann wohl auch die zoogeographischen Re- sultate, welche viel Interessantes versprechen , zusammengefasst mit- geteilt werden können. Durch die vorliegende Fauna, wie durch die- jenige Madagaskars hat de Saussure der Orthopterologie wiederum einen unschätzbaren Dienst geleistet. N. V. Adelung (St. Petersburg). 73 Kirby, W. F., Notes onaCollection ofGryllidae, Sten opelmatidae, Gryllacrid ae and Hetrodidae f orm ed by Mr. W. L. D istan t in the Transvaal and other South- and East-African Localities. In: Ann. Mag. Nat. Hist. Ser. 7. Vol. III. 1899. p. 475-4S0. Die vorliegende Liste ist einem in Vorbereitung begritfenen Werke L. Distant's über die Insektenfauna von Transvaal entnommen, für welches Kirby die Ortho- pteren u a. bearbeitet. Sie enthält 11 Gryllodeen, drei Stenopelmatiden, eine Gryl- lacride und drei Hetrodiden. Darunter befinden sich eine Gryliacride (Gryllacris lyrnta n. n.\ welche von Brunner v. W. als Gr. aliena von Zauzibar beschrieben war. Zwei neue Stenopelmatiden, Carrinopuis vitlala und C. punctulata n. sp. sind nur vorläufig zu dieser Gattung gestellt worden , von welcher sie durch die Struktur des Kopfes abweichen; Kirby ist der Ansicht, dass noch viele Specios dieser Familie bis jetzt unbekannt geblieben sind, und dass nach deren Auffindung *) Dieser Name ist schon von Butler 1883 für ein Insektengenus ver- wendet worden. — Nr. 73. - — 62 — die generischen Charaktere der Familie einer Neubearbeitung werden unter- worfen werden müssen. Diese Annahme wird dadurch bestätigt, dass für einzehie Regionen in neuester Zeit auffallend viele neue Vertreter der Gryllacridae'und Stenopelmatidae beschrieben wurden (Nordamerika, Centralamerika , Australien). N. V. Adelung (St. Petersburg). 74 Calvert, Phil. P., Odonata (Dragonflie s) from the Indian Ocean and from Kashmir, collected by Dr. W. L. Abbott. In: Proc. Ac. Nat.'_Sc. Philadelphia. 1898. p 141—154. 75 Kirby, W. F., On a Collection of üra gonflies from the Transvaal and Nyasaland. In: Ann. Mag. Nat. Hist. Ser. 7. Vol. IL 1898. p. 229—245. 76 — — Description of a new Genusof Odonata. Ibid. p. 346—348. 77 — — On a Collection of Odonata (Dragon flies) from Panama. Ibid. Vol. III. 1899. p. 362—871. PI. XV. Calvert beschreibt sieben Species aus dem indischen Ozean (Aldabra, Gloriosa, Seychellen) und giebt eine Übersicht der diese Fauna behandelnden Litteratur. Die von ihm bearbeitete Ausbeute von Kashmir bietet grösseres Interesse, indem diese Region in Bezug auf Insekten noch sehr wenig erforscht ist. Von 15 gesammelten Species sind zehn in Europa, Nord- und Westasien verbreitet, drei haben Beziehungen zur indischen Fauna (darunter Ischnura inarmala n. sp.), eine ist kosmopolitisch und eine {Ophiogomphi(s reductus n. sp.) ist verwandt mit paläarktischen Arten einer holarktischen Gattung. Holzschnitte im Text erläutern die Beschreibungen. Aus Transvaal und Nyassaland werden von Kirby 42 Species von Odonaten mitgeteilt, welche sich auf die drei Familien verteilen. Ein neues Genus Sloechia (Libellulinae) , verwandt mit Corduliops Karsch, wird für eine neue Species aufgestellt. Die acht neuen Arten sind folgende: Rhyothemis ducalis, Urothemis rendalli, U. iridescens, Stoechia distanti, Orthetriivi flaviduhim, Acisoma variegatum, Fhyllomacromia flavicincta, Lestes ohscurus. Lepthemis blackburni, von Mc. Lachlan nach einem beschädigten Exemplar beschrieben, gehört nach Kirby, welchem reiches Material von den Hawai- Inseln zur Verfügung stand, einer neuen Gattung, Nesogonia an; Nesogonia steht Lepthemis sehr nahe, unterscheidet sich von dieser Gattung aber durch die Be- dornung der Beine. Ebenso unterscheidet sie sich von Orthetrum sabina und Sympetrum durch die Venulation der Flügel. Von Panama beschreibt Kirby 21 Species, und zwar 18 Libellulinae, zwei Gomphinae, zwei Agrioninae, vier Coenagrioninae. Neu aufgestellt werden die Arten : Trithemis (yleri, Gomphoides appendiculahis, Cyclophylla obscura. Lepthemis verbenata 'Hagen ist nach den Erfahrungen Kirby 's an dem Panamamaterial nicht identisch mit Mesothemis aliala Selys, sondern eine selbständige Art. Eine Tafel giebt Abbildungen der neuen Arten sowie der L. verbenata. N. V. Adelung (St. Petersburg). 78 Kempny, P., Zur Kenntnis der Plecopteren. I. Ueber iVewwfra Latr. In: Verli. Zool.-Bot. Ges. Wien. Jlig. 1898. 32 pag. Taf. I. 16 Abb. i. T. 79 — — II. Neue und ungenügend bekannteZe?^cifrrt-Arten. Ibid. Jhg. 1898. 8 pag. Taf. III. Jhg. 1899. 17 pag. Taf. I und VI. Der Verf. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die in seiner Heimat — Nr. 78—79. — — 63 — (Niederösterreich) heimischen Perliden einer Revision zn unter- werfen ; erst in allerneuester Zeit wurde der Bau der Genitalorgane als Charakteristikum bei der Klassifizierung der Perliden in Betracht gezogen, und die vorliegenden Arbeiten Kempny's sind ein wert- voller Beitrag zur genaueren Kenntnis und auch zu einer hoffentlich bald zu erwartenden, auf wirklich morphologischen Merkmalen basierten Monographie dieser interessanten Familie. Die beigegebenen vier Tafeln geben schöne Abbildungen des Baues der letzten Abdominal- segmente von 23 Arten der Gattungen Leuctra und Nemura, sowie einige Details der Flügeläderung. Nach einem Ueberblick der einschlägigen Litteratur giebt Kempny eine genaue Beschreibung des Baues der Gattung Nemura, nament- lich unter Berücksichtigung des komplizierten äusseren Genital- apparates. Die Gattung Nemura zerlegt der Verf. in drei Gruppen .welclie mindestens den Rang von Untergattungen beanspruchen", und zwar Frotonemura nov. subg., deren Vertreter auch als Imagines wohlentwickelte Tracheenkiemen und eigentümlich berauchte Flügeladern besitzen, ferner Neiiiura s. str. ohne Tracheen- kiemen und Berauchung der Adern, und schliesslich Nemurella nov. subg. Alle drei Gruppen unterscheiden sich ausserdem noch durch den Bau ihrer Genitalorgane. Zu Protonemvra, dem älteren Zweig des Nemurenstammes, gehören N. marginata, nitida und meyeri, ferner duhitans , praecox, lacustris (letztere drei aus anderen Gegenden Europas), zu Nemura s. str. N. variegata, lateralis und wohl auch avicularis, sahlbergi und cambrica, Nemurella endlich wird für die einzige Art iN^. inconspicna aufgestellt. Ein weiterer Abschnitt enthält die Besprechung der österreichischen Arten, ein vierter die paläarktischen ausserösterreichischen Arten nach Morton. In einer Schlussbemerkung macht Kempny darauf aufmerksam, dass Perliden, welche in üblicher Weise trocken präpariert wurden, zum genaueren Studium durchaus unbrauchbar sind, und empfiehlt, diese Insekten in 1— 2°oiger Formol- lösung zu konservieren, wodurch namentlich die letzten Hinterleibssegmente ihre natürliche Gestalt und Lage beibehalten. Die Genitalorgane der Gattung Leuctra erfuhren kürzlich eine ausführliche Bearbeitung durch Klapälek, Avelchem sich der Verf. anschliesst. Die übrige Morphologie wird kurz geschildert und dann eine Charakteristik der einzelnen Arten gegeben: es sind deren 15, wozu für die paläarktische Fauna noch eine aus England und Holland beschriebene Art hinzukommt. Neu aufgestellt werden die Species L. klapdleki, braueri, handlirschi, prima, hippopiis, albida, digitata, inermis, mortoni, signifera, armata, carinthiaca. Fast alle neue Arten stammen aus Gutenstein in Niederösterreich, ein Beweis dafür, wie wenig dieser Gattung bis jetzt Beachtung geschenkt worden ist. N. v. Adelung (St. Petersburg). 80 Schille, Fryderyk, Fauna lepidopterololgicz na d oliny Popradu i jego doplywöw. Czf;>c II. (Lepidopterenfau na des Popradthales und — Nr. 78-80. — — 64 — der S eitenthäl er. II. Teil). In: Sprawozd. Kom. fiz. (Ber. physiogr. Com. Akad. Wiss.) T. XXXIII. Krakau 1898. p. 204 211. Seiner i. J. 1894 publizierten Lepidopterenfauna des Popradgebietes fügt hier der Verf. 105 Microlepidopteven hinzu, wobei er die Fangdata und die Flugorte, manchmal auch die Vegetation genau angiebt. Von bemerkenswerten Arten mögen hier Gracilaria gradateUa Herr.-Schäf., Coleophora pappiferellaüim., Scoparia resinea Hw., Scoparia ingratella Z. und Glyptoteles leucacrinella Erwähnung finden. Die sonst im Süden vorkommende Tinea atratella Stdgr. dürfte für die österreichische Fauna überhaupt neu sein. T. Garbowski (Krakau). 81 Siiiezek, Jan, krajowych gatunkach trzmielcow [Psithyrus). (Über gali zische Psifhi/ri(s- Arten). In: Sprawozd. Kom. fiz. (Ber. physiogr. Com. Ak. Wiss.) T. XXXIV. Krakau 1899. p. 86—95. Ein an interessanten biologischen Details reicher Bericht über diesen Bomhus-Va.Ya.siten, um so wertvoller, als sämtliche Angaben über das Leben von PsWn/riis auf eigener Beobachtung des Verf.'s beruhen. Die ganz geräuschlos schwärmenden $ suchen im Frühjahr Bonibus- Nester auf, um ihre Eier abzulegen. Das eierlegende Hummelweibchen muss sich vor den ^ der eigenen Art verstecken, welche die Gepflogen- heit haben^ frisch abgelegte Eier zu verzehren, und kann ihrem Ge- schäfte gewöhnlich nur in Abwesenheit der ^ obliegen, da die bereits mit Blütenstaub in den Brutzellen zugedeckten Eier von den ^ nicht mehr vernichtet werden. Das ? von Fsithprus, fortwährend im Nest anwesend, begleitet aber das Hummelweibchen auf Schritt und Tritt und sucht auch solche Eier aus den Brutzellen heraus, die bereits in den Blütenstaub eingebettet wurden, worauf sie in jede freige- machte Zelle ihr eigenes Ei ablegt. Die jungen Larven von Psithyrus verzehren somit nicht die i?o»?&?<5-Larven, sondern leben lediglich von der vorhandenen vegetabilischen Nahrung. Die Nahrung wird von Bomhus ^ geholt , die dann immer lustloser arbeiten und nach und nach an der Zahl abnehmen. Psithyrus ? holen selber gar keine Nahrung und verlassen auch bei drohender Gefahr sofort das Hummel- nest; nur anderen Psithyrus $ wird der Zutritt gewehrt. Die frisch ausgeschlüpften ^ und ? verbleiben solange im Nest, bis sie der Mangel an Futter nötigt, ins Freie zu gehen. Sodann kehren sie nicht mehr in das Nest zurück, übernachten aber häufig in anderen zufällig aufgefundenen Hummelnestern. Es werden folglich Psithyrns- Arten oft in ganz gesunden Nestern angetroffen. Im Herbst gehen sämtliche ^ und ältere ? zu Grunde; es überwintern bloss junge, befruchtete $, um im Frühjahr mit der Eiablage zu beginnen. Von sechs europäischen Arten leben in Galizien fünf Arten: Ps. rupestris Fabr. in Nestern von Bomhus Japidarius\ Ps. campestris — Nr. 80—81. — — 65 — Panz, bei B. variahilis und JB. ngrormn ; Ps. harhuteUus Kirby bei den angeführten Bombtis- Arten und bei B. pratorum\ in Podolien tritt er als var. luguhris Kriechb. auf; Ps. vestaUs P'ourcr. , als Schmarotzer des B. terrestris, und Ps. qiiaäricolor Lep., in Nestern von B. pratoruni, nur aus den Westkarpathen bekannt. — Der alpine Ps. glohosus ¥.\'ers. wurde bis jetzt nicht angetroffen; sein Wirt, B. soro- ensis kommt im Gebiete nur sehr vereinzelt vor. T. Garbowski (Krakau). Vertebrata. 82 Valeiiti, Giiilio, Sopra i primitiv i rapporti delle estremitä cefaliche della cor da dorsale e dell' int est in o. In: Atti Soc. Toscana Sc. nat. Vol. XVI. Pisa. 1897. 15 p. Tav. III. Verf. untersuchte die Larven folgender Amphibien: Pelohates fnscns., Bomhinator igneus, Bcma esculenta und Bnfo vulgaris. Ferner studierte er Hühnerembryonen von der 25. Stunde bis zum 9. Tage der Bebrütung (bei 39*^ künstlieh bebrütet). Seine Resultate fasst er selber in folgenden Sätzen zusannnen: Das Kopfende der Chorda dorsalis zeigt bei den anuren Am- phibien ursprüngliche Verbindungen mit dem Ectoderm und besonders mit dem ectodermalen Abschnitte der Hypophysis, ohne dass zwischen der Entwickelung beider Organe eine gegenseitige Abhängigkeit besteht. Sie begleitet das intestinale Divertikel, das von Kupffer als Rudi- ment eines präoralen Darmabschnittes betrachtet wurde. Infolge dieses Divertikels müssen die ectodermalen Beziehungen des Kopfendes der Chorda dorsalis bei Anuren als eine dorsale Fortsetzung der Verbindung zwischen dem entodermalen Intestinal- divertikel und dem Hypophysenteil betrachtet werden. Die Beziehungen des Kopfendes der Chorda dorsalis zum Ecto- derm sind beim Huhn sekundärer Art, wahrscheinlich durch mecha- nische Ursachen (Drehung des Craniums) bedingt. B. Rawitz (Berlin). 83 Taleiiti, (xiulio, Sopra la piega faringea. In: Monit. zool. ital. Anno IX. Nr. 3. 1898. p. 65—76. Taf. II. Verf. untersuchte an Hühnerembryonen verschiedener Stadien, von 1 Stunde nach der Bebrütung angefangen, und an Embryonen von Lepiis cnnicidus und Canis familiaris die Veränderungen der pharyn- gealen Falte kurz vor ihrem Verschwinden sowie die Erscheinungen, die deren Einreissen vorhergehen. Er kommt zu folgenden Re- sultaten: Bei den Embryonen höherer Vertebraten (Vögel und Säuger), findet sich wie bei Amphibien (cfr. hierzu Nr. 82) eine präorale — Nr. 81-83. — — 66 — ecto-entodermale Verbindung, welche das Rudiment eines früheren (Ahnen-) Mundes darstellt. Bei der Bildung der Hypophysis beteiligt sich ein von jener Verbindung unabhängiger Entodermzapfen. Nach dem Schwinden der pharyngealen Falte ist einer in den Pharynx ragenden Falte die Bedeutung eines Rudimentes der Oberlippe der Cyclostomen zuzuschreiben. B. Rawitz (Berlin). Pisces. 84 Herfort, Karl, Die Konjugation der Vorkerne und die 1. Furchungsspindel im Ei von Fetromyzon fluviatilis. In: Anat. Anz. 16. Bd. Nr. 15/16. 1899. p. 369—375. 5 Textabbildgn. Im Gegensatz zu B o v e r i ' s und Sobotta's Auffassung hält Verf. die grossen, zuerst feinschaumigen dann sich mächtig vergrössern- den, grobwabig gebauten Kugeln an den Polen des Furchungskernes nicht für geblähte „Centrosomen", sondern für die „Centrosphäre'' Vejdovsky's oder das Centroplasma v. Erlanger 's. Eine nähere Beschreibung der Befruchtungsvorgänge soll noch folgen. R. Fick (Leipzig). 85 Schreiner, K. E., Zur Histologie des Darmkanals bei Myxine glutinosa. In: Bergens Mus. Aarb. 1898. Nr. 1. p. 1—16. Taf. I— III. Der Beschreibung des Darmes sendet Verf. eine kurze Schilde- rung der Haut voraus. Die Epidermis wird von einem mehrschichtigen Epithel gebildet, dessen basale Schichten cylindrische oder polyedrische grosskernige Zellen sind, in denen man Teilungsfiguren beobachten kann. Über und zwischen ihnen kommen Körner- und Schleimzellen vor. Letztere sind im gefüllten Zustande rund oder oval und enthalten klaren Schleim, in dessen Mitte die körnigen Reste der Zellkerne zu sehen sind. Die Körnerzellen sind birnförmig, die Kerne finden sich im basalen Ende der Zellen und gehen meist zu Grunde. Der Inhalt besteht nicht aus Körnern, sondern aus feinen gefalteten „Drähten" (?), die indessen nach dem Färben den Eindruck von kleinen Körnern machen. Schleim- und Körnerzellen entwickeln sich aus den indifferenten Basal- zellen und drängen bei ihrem Grösserwerden die umliegenden Zellen bei Seite ; sie entleeren sich auf der Oberfläche der Haut. Über diesen Zellen liegt eine Schicht kleiner ovaler oder runder Schleim- zellen, deren Kerne ganz basal gedrängt sind. Die äusserste Schicht wird von cylindrischen oder basal zugespitzten Zellen gebildet, die runde oder ovale Kerne haben. Ihre freie Fläche ist von einer glas- hellen Cuticula bedeckt. Bezüglich des Darmes kommt Verf. zu folgenden Resultaten: Der in fast gerader Linie vom Mund zur Kloake verlaufende Darm — Nr. 83-85. — — 67 — ist in einen Vorderdarm und eigentlichen Darm zu trennen. Am ersteren, der etwa die halbe Länge für sich in Anspruch nimmt, findet sich eine nur mit Längs-, nicht mit Querfalten versehene Mucosa. Das dem Hautepithel ähnelnde Epithel ist mehrschichtig. Die Mus- cularis der Wand besteht aus cirkulär verlaufenden glatten Muskel- fasern. Ein Magen ist nicht vorhanden. Die Cardia, welche den caudalen Abschnitt des Vorderdarmes bildet, besitzt quergestreifte Muskelsubstanz. Im eigentlichen Darme hat die Mucosa Längs- und kleine Quer- falten. Das Epithel ist einschichtig, hoch cvlindrisch und hat einen ziemlich dicken Cuticularsaum. Zwischen den Cylinderzellen sind zahl- reiche birnförmige Drüsenzellen vorhanden. Letztere entstehen durch Teilung der in Funktion befindlichen Drüsenzellen, die Cylinderzellen wandeln sich nicht in Drüsenzellen um. Zwischen Mucosa, die keine Muscularis besitzt, und Darmmuscularis, die aus cirkulär verlaufenden glatten Fasern besteht, ist in netzförmigem Bindegew^ebe eine Schicht grosser Fettzellen vorhanden. In diesem Bindegewebe, das als ein perivaskuläres Lymphorgan aufzufassen ist, verzweigt sich die Vena portarum. B. Rawitz (Berlin). Amphibia. 86 Bouleiig-er, G. A., On Hipnenochirus^ a new Type ofAglossal Bat ra- chians. In: Ann. Mag. Nat. Hist. Ser. 7. Vol. IV. 1899. p. 122-125. Der von Tornier (Kriechtiere Deutsch-Ostafrikas p. 163) neu beschriebene und abgebildete Xenopus hoettgeri von der Ituri-Fähre bei Wandesoma wurde (Ann. Mag. Nat. Hist. [6j XVIII. 1896. p. 420) von Boul enger zum Range einer besonderen Gattung erhoben, welche von Xenojnis durch halbe Schwimmhäute der Finger, unvoll- ständige der Zehen, deren dritte länger ist, als die vierte, soAvie namentlich durch das Fehlen der Schleimkanäle in der Haut der Ober- seite sich unterscheidet. In der vorliegenden Arbeit giebt er eine vollständige Beschreibung auch der osteologischen Charaktere, auf Grund von Exemplaren, welche von G. L. Bates am Benito-Fluss, Französisch-Congo gefangen worden waren. Es ergiebt sich hieraus, dass Hijmenochirus nicht einmal zur Familie der Dactylethriden gehört, da er keine Zähne besitzt, und auch im Bau der Wirbelsäule und des Brustgürtels mehr Ähnlichkeit mit den Pipiden aufweist, als mit der vorerwähnten Familie, mit welcher er nur den Besitz von Krallen an den ersten drei Zehen als gemeinsames Merkmal hat. Hymeno- chirus hat nur sechs distinkte Stücke der Wirbelsäule, was unter den jetzt lebenden Batrachiern überhaupt einzig dasteht; zunächst stehen Pixm mit 8 und der fossile Palaeobatrachus mit 7 Stücken, während — Nr. 85—86. — — 68 — ■ Xenopus die normale Zahl von 9 Stücken (5 präsacrale, ein sacraler Wirbel und das Urostyl) besitzt. Bei Fipa und Pahieobatrachus ist der erste Wirbel durch Verschmelzung von zweien entstanden, das- selbe ist bei Hymenochirus der Fall, wo aber nur vier Wirbel zwischen dem ersten und dem mit dem Urostyl verschmolzenen Sacralwirbel sich befinden. Bei Palaeohatrachus sind der erste und zweite, sowie der siebente bis neunte Wirbel verschmolzen. Weitere Eigentümlichkeiten von Hymenochirus ^ind: Frontoparie- talia zu einem einzigen Knochen verschmolzen; ein unpaares Ostium pharyngium; keine distinkten Mentomeckelia ; Sacraldiapophysen enorm verbreitert und mit dem Urostyl verschmolzen; Wirbel opisthocoel. Mit Fipa gemeinsame Charaktere: Verschmelzung des 1. und 2. Wirbels; Coracoide gegen das sternale Ende stark verbreitert; Ilia sehr stark flügeiförmig verbreitert. Mit Xenopns gemeinsam: Sternalknorpel nicht von den Epicora- coidknorpeln umgeben, sondern über sie hinausragend; Thyrohyalia sehr lang. Von den fünf präsacralen Wirbeln besitzt der zweite und dritte sehr lange, ziemlich gleich entwickelte Diapophysen; die des ersten, vierten und fünften Wirbels sind kürzer und gleichfalls untereinander ziemlich gleich gross. Frontoparietale sehr breit, halb so breit als der Schädel ; Unterschenkelknochen mit einer flügeiförmigen dünnen, knöchernen Verbreiterung jederseits; dasselbe ist am Tarsus der Fall, wodurch die beiden Knochen desselben miteinander verbunden sind, was sonst nur bei Pelodytes, aber in ganz verschiedener Weise, vor- kommt. Die Präcoracoide sind nicht in einem Winkel nach vorn gerichtet, sondern bilden miteinander eine quere, fast gerade Spange. In der Beschaffenheit der Haut gleicht Hymenochirns am meisten Pi2)ci, besitzt aber keine derartigen Haut-Anhänge am Kopf wie diese. Im allgemeinen steht das neue Genus genau in der Mitte zwischen der südamerikanischen Pijya und dem afrikanischen, jetzt in fünf Arten bekannten Xenopus und vereinigt, wie man sieht, Charaktere beider Gattungen, welche durch diese merkwürdige Form miteinander ver- bunden werden. Jedenfalls ist die Entdeckung einer neuen Aglossen- gattung, nachdem man lange Zeit hindurch nur die beiden vor- erwähnten kannte, von grösstem Interesse. F. Werner (Wien). 37 Kammerer, Paul, Die Reptilien und Amphibien der hohen Tatra. In: Mittheilungen d. Section f. Naturk. d. Österr. Touristen-Club. XL Nr. 6 u. 7, 1899. p. 46. Der Autor zählt von der hohen Tatra drei Eidechsen {Angnis, Lacerta viri- jiara und agüia), zwei Schlangen {Tropidonolus nalrix, Vipera beriis), vier Frosch- lurche {Rana temporaria, Bujo vulgaris und viridis, Bombinator pachypus) und drei — Nr. 86-87. - — 69 — Schwanzlurohe (Salamandra maculosa, Molge alpestris und cristaia), durchwegs mit genauen Fundorten und Höhenangaben auf und diskutiert die Möglichkeit des Vorkommens von Hyla, Salamandra atra und Molge vulgaris, welche nach ihm Wühl aus der Fauna der hohen Tatra auszuschliessen sein dürften. Speziell wird noch das Verhältnis der Lacerta agilis und vivipara zu einander besprochen, welche letztere von ihrer stärkeren Verwandten überall verdrängt wird und sich an Orte flüchtet, wohin ihr agilis nicht folgen kann, also ins Hoch- gebirge, nach Norden oder in den Sumpf. Auch die Ki'euzotter, der Grasfrosch mit seinen Varietäten, die Bergunke und der Bergmolch werden eingehend be- sprochen und viele biologisch interessante Details mitgeteilt. Wegen weiterer Einzelheiten der Arbeit, welche jedenfalls einen wesentlichen Beitrag für die Kenntnis der Tatra-Fauna vorstellt, muss auf das Original verwiesen «werden. F. Werner (Wien). 88 Werner, F., Beiträge zur Kenntnis der Reptilien- und Batrachierfauna der Balkanhalbinsel. In: Wissenschaftl. Mittheil, aus Bosnien und der Hercegovina; VI. Bd. Wien (C. Gerold's Sohn) 1899. 25 p. Die ArJjeit, welche aus vier Teilen (I. Reiseausbeute von 1897, II. Allgemeine Übersicht über die Reptilien und Amphibien Bosniens und der Hercegovina, III. Reptilien aus Montenegro, Serbien, Bulgarien und Griechenland, IV. Geographische Verbreitung der Reptilien in der Xordhälfte der Balkanhalbinsel (bis zur Breite von Konstantinopel) besteht, bringt im ersten Teile namentlich biologische Beobachtungen, besonders über Testudo graeca L. var. hercegovinensis n., Lacerta viridis und oxycephala, verschiedene Schlangen u. s. w. Der zweite Teil giebt eine vollständige Aufzählung aller bisher von Bosnien und der Hercegovina bekannten Reptilien (3 Schildkröten, 10 Eidechsen, 14 Schlangen) und Batrachier (8 Frosch- und 6 Schwanz- lurclie). zusammen 41 Arten. Hervorzuheben wäre darunter das Vorkommen einer Trennungs- zone zwischen den bosnischen und hercegovinischen Emi/s, welche Südbosnien und die nördliche Hercegovina umfasst und LJnii/s-irei sein dürfte; beide Formen unterscheiden sich nicht unwesentlich von einander. Clemmi/s und Hemidactylus leben nur im Küstenstrich der Her- cegovina (Suttorina). — Lacerta viridis tritt in der typischen Form (Bos- nien und gebirgiges Hinterland der Hercegovina) und var. major Blngr. (warme Flussthäler der Hercegovina mit Mediterranklima) auf; Lacerta vivipara lebt im hercegovinischen und bosnischen Hochgebirge. Ferner wird je ein riesiges Exemj)lar von CoroneUa austriaca aus Bosnien (Dervent) mit 89 cm und von Zamenis dahlii aus Capljina (Hercegovina) mit 120 cm erwähnt. Letztere Art, wie Cohiher leopardinus und quatHorlineatuSj Tarhophis und CoelopeUis^ kommt nur in der Hercego- vina, nicht in Bosnien vor. Vier Arten von Giftschlangen kommen — Nr. 87-88. — — 70 — im Gebiete vor, am häufigsten Vipera ammodytes , dann V. ursinii (im Hochgebirge), dann V. herus und schliesslich V. aspis (erst ein Exemplar bekannt, Gola joJiorina, 1700 m, Bosnien). Von den P'röschen ist Mana esculenta var. ridibunda überall verbreitet, temporaria sehr selten, graeca etwas häufiger (beide erst aus Bosnien bekannt), agüis von den „Braunen" am häufigsten. Proteus ist in zwei Exemplaren aus der Hercegovina (bei (jabella) bekannt. Im III. Teile erfahren wir das Vorkommen von Laceria agilis und oxycephala, Coluber longissimus und ursinii, Mana graeca u. a. in Montenegro, von Rana agilis in Serbien, von Lacerta taurica, vivipara, Coluher sauromates und Vipera herus in Bulgarien [vivipara und herus aus dem Bhodopegebirge, erstere 3000 m, letztere 2150 m hoch von O.Reiser gefangen) ; ferner das Vorkommen von Ophiops ele- gans in Akamanien, Hemidactylus auf Cerigo, Lacerta peloponnesiaca bei Lala und Sparta (Peloponnes), von L. taurica und graeca von der Langhadaschlucht bei Sparta, von Tarhophis auf der grossen Strophaden -Insel, von liana, graeca bei Tsepheremini und Olonos (Peloponnes). Von den untersuchten Exemplaren der vier Viperiden der Balkan- halbinsel wird eine Tabelle der wichtigsten morphologischen Verhält- nisse gegeben; und zwar von 10 V. ursinii^ 10 V. herus, 1 V. aspis und 32 V. ammodytes. /um Schlüsse wird die Verbreitung der Re])tilien und Batrachier auf Grund des vorhandenen Materials und der verfügbaren Litteratur besprochen und besonders auf die Lücken in unserer Kenntnis der betreffenden Verhältnisse der Balkanhalbinsel (Nordhälfte) hingewiesen. F. Werner (Wien). Reptilia. Jloclistettcr , F., Über die Arterien des Darmkanals der Saurier. In: Morph. Jahrb. Bd. XXVI. Heft 2. 1898. p. 213 —273. Taf. V— VII. 13 Fig. im Text. Die Untersuchung bezieht sich auf die Arterien des Magens, Mittel- und Enddarmes der eigentlichen Saurier; sie berücksichtigt 94 Species, von denen Verf. 61 selbst bearbeitet hat. Hatteria punctata. Y.v, sind vier selbständig aus der Aorta ent- springende, zum Magen, Mittel- und Enddarm gehende Arterien vor- handen. Die Arteria gastrica ist die cranialste, sie liegt im Gebiete des Oesophagus und ist klein. Sie giebt kleine Äste für den Oesophagus ab und vaskularisiert den Kardialteil des Magens. Die Arteria coeliaca entspringt aus der Aorta in der Gegend des Pylorus, verläuft in — Nr. 88-89. — — 71 — gerader Richtung im Mesenterium gegen den Pvlorus und kreuzt die ^Milz. an Avelehe sie drei Aste abgiebt. Sie verläutt dann längs des cranialen Randes des Pancreas, giebt dabei einen stärkeren Ast zum Magenbogen ab. der sich dort in einen auf- inid absteigenden Zweig spaltet, und versorgt ausserdem das Pancreas mit kleineren Arterien. Am Pvlorus entsendet sie einen kleinen, aufsteigenden Zweig zur ^Magenkurvatur und einen absteigenden Mitteldarmast. Sie kreuzt auf der rechten Seite die Pars pylorica und biegt zur kleinen Magen- kurvatur, dieser folgend, um; an der Umbiegungsstelle entsendet sie längs dem Ductus choledochus eine Arteria hepatica. Gaudal von der Coeliaca entspringt die Arteria mesenterica communis, die den grössten Teil des Mittel- und Enddarmes vaskularisiert. Sie ist kurz und teilt sich in zwei Stämme, die Mitteldarmarterie und die A. coecalis. Letztere teilt sich dichotomisch; ein Ast folgt dem Enddarm und verbindet sich mit der A. mesenterica post. . ein anderer Ast geht zum Mitteldarm und verbindet sich mit einem Zweige der Mittel- darmarterie. Diese teilt sich ebenfalls in zwei Aste. Der eine Ast zerfällt am Darm in einen absteigenden nnd einen aufsteigenden Zweig: letzterer verbindet sich mit der Arteria coeliaca. nachdem er einige Arterien zmn Pancreas abgegeben. Der andere Ast der Mittel- darmarterie versorgt den Ast des Mitteldarmes. Als letzte Arterie des Darmkanales entspringt aus der Aorta caudalis hinter den Aa. ischiadicae eine am Enddarm nach vorn verlaufende A. mesenterica posterior. L a c e r t i d a e. Bei Lacerta viridis wie bei allen anderen Lacertiliern ist eine Arteria gastrica vorhanden, zwei bis drei Aa. mesentericae post. und mir ein grosser Gefässstamm für den Darm- kanal. Dieser Stamm teilt sich in drei Aste: Truncus coeliacus, ^litteldarmarterie und A. coecalis. L, oceUata zeigt ähnliche Ver- hältnisse, ebenso L. agilis, mio-aUs und Acaufhodacfifhis hockia)ins. (Bezüglich der untergeordneten DiÜ'erenzen sei auf das Original ver- wiesen; deren Anführung würde einem Ausschreiben der Abhandlung gleichkommen. Ref.) Bezüglich der Darm- und Dottersackarterien bei Embryonen von Lacerta afjilis tindet Verf. rechts drei schwächere, links fünf bis sechs verschieden starke Arterien, die gesondert aus der Aorta entspringen und zu beiden Seiten der Darmrinne in die Dottersackwand eintreten. Bei Embryonen von L. riridis ist die Zahl der Arterien viel grösser. Das alles scheint darauf hinzuweisen, dass die Vorfahren der jetzigen Saurier zahlreichere Darmarterien besessen haben müssen, als die heutigen. Verf. geht dann auf die Herausbildung des bei Erwachsenen -- Nr. 89. — - 72 — zu findenden Zustandes aus dem Embryonalen näher ein, worüber das Original einzusehen. Sepidae. Seps chaicides hat eine A. gastrica, deren Verzweig- ung dem gleichnamigen Gefässe bei Lacerta gleicht. Ferner besitzt diese Species eine A. coeliaca, die in der Gegend der Mitte des Magens aus der Aorta entspringt. Eine A, mesenterica communis besteht nicht, A. coecalis und Mitteldarmarterie kommen vielmehr gesondert aus der Aorta. Die A. mesenterica post. entspringt sehr weit caudalwärts aus der Aorta. Ahnlich, Avenn auch in einigen Dingen abweichend, liegen die Verhältnisse bei Gongphis oceUatus. Scincidae. Cyclodus nigroluteus und Angnis fragilis bieten besondere Verhältnisse dar, bei den übrigen Arten ist die Arterien- verteilung die gleiche wie bei den Sepidae. Cyclodus ist nur von Rathke untersucht worden. Änguis fragilis hat zwei Aa. gastricae, die in der Nähe der Cardia aus der Aorta abgehen. Die craniale der beiden anastomosiert mit der Arterie des kleinen Magenbogens, während die mehr caudalwärts entspringende mit der aus dem Truncus coeliacus stammenden des grossen Magenbogens sich ver- bindet. Diese Species hat ferner drei grosse Darmarterien, die nahe bei einander so aus der Aorta sich abzweigen, dass am meisten cranial die A. coecalis gelegen ist, dann folgt die Arterie, die Verf. Truncus coeliacus nennt, — sie entspricht der A. coeliaca anderer Formen — und am meisten caudal entspringt die Mitteldarmarterie. Die drei Gefässe kreu/en sich also derartig, dass die A. coecalis zwischen den anderen beiden hindurchgeht. Zwei Aa. mesentericae post. sind vorhanden. Chamaesuridae. Verf. hat selbst kein Individuum untersucht und bezieht sich daher auf die Angaben von Rathke. Z on u r i d a e. Zonurus giganteus besitzt zwei dicht hintereinander entspringende Mitteldarmarterien, während dies Gefäss bei Gerrhosaurus madagascariensis einheitlich ist. Pseudopus paUasii erinnert an Anguis fragilis, ebenso Geronotus imhricatus. Aconthiadae. Verf. bezieht sich auf die Angaben von Rathke, desgleichen bei den Lepidosternidae und Amphisbaenidae. Geckotidae. Diese Familie zeigt die verschiedenartigsten Ab- gangs- und Verteilungsverhältnisse in den Darmarterien. Die ur- sprünglichste Situation bietet Gehyra oceanica dar ; bei dieser Species ist eine A. coeliaca und eine A. mesenterica communis wie bei Hatteria vorhanden. Hemidactylus maculahts, Hoplodactylus maculatus, sowie je ein Exemplar (von zwei untersuchten) von FtyodactyJns gecko und GecTco vertiUatus haben drei grosse Darmarterien: cranial ent- springt A. coeliaca, von ihr weit abstehend A. coecalis und dicht — Nr. 89. — iö liinter dieser die Mitteklarmarterie. Die letzteren beiden überkreuzen sich also. A. coeliaca und coecalis geben keine Mitteldarmäste ab. Bei Gymnodadylus frenatus und je einem zweiten Exemplare von Ptyodactijhis gecho und Gecko vertillatas finden sich ebenfalls drei grosse Üarmarterien. Jedoch entspringt der Ast für den Anfangsteil des Mitteldarmes von der A. coecalis und nicht von der Mitteldarm- arterie, ein nach des Verf."s Auffassung sekundäres Verhalten. Bei Tarentola ammlaris entspringen dicht bei einander vier grosse Darm- arterien. Der Truncus coeliacus am meisten links und caudal, eine Arterie für den Anfangsteil des Mitteldarmes und des letzteren Haupt- arterie am meisten nach rechts, dazwischen und zugleich am meisten cranial die A. coecalis; diese wird also vom Tr. coeliacus links ge- kreuzt. Platydactylus mauritanicus hat nur drei Arterienstämme, da ein gemeinsamer, wenn auch kurzer Stamm der Mitteldarmarterie vorhanden ist. Der Arterienursprung bei Uroplates fimbr latus schliesst sich an Plcd. inauritanicus an. Chamaeleonidae. Chamaeleo grncüis hat eine grössere Zahl von Aa. gastricae, ferner drei Darmarterien: A. coecalis, Mitteldarm- arterie und Tr. coeliacus, die sich infolge ihrer Ursprungsweisen überkreuzen. Ähnlich verhält sich Ch. verrucosus. Bei Ch. hc(sdiscns aber entspringt der Truncus coeliacus zwischen A. coecalis und Mittel- darmarterie. Tejidae. Ameiva mdgaris hat zwei Aa. gastricae, die ziemlich weit von einander entspringen. Die Darmarterien entspringen in der Reihenfolge A, coecalis, Tr. coeliacus und Mitteldarmarterie aus der Aorta. Am. surinamensis hat drei Aa. gastricae, ebenso Acranthus viridis, deren Darmarterien sich wie die der Am. vulgaris verhalten. Teju teguixin hat eine kleine A. gastrica und nur zwei Darmarterien : A. coecalis und Tr. coeliacus. I g u a n i d a e. Die urs))rünglichsten Verhältnisse zeigt Phrynosonia angulatum: eine A. gastrica. eine A. coeliaca, eine A. mesenterica communis und eine A. mesenterica post. Daran schliesst sich Fohjchrus marmoratus. Aiiolis caroJinensis hat zwei kleine Aa. gastricae, eine kleine A. mescnt. post. und zwei Darmarterien : A. mesent. comm. undTr. coel.; letzterer kreuzt erstere an der linken Seite. Bei Iguana tuhercuJuta ist die A. coecalis wieder von der A. mesent. comm. abgespalten. Agamidae. Phrynocephalus mystaceus gleicht bezüglich des Abganges der Darmarterien den Sepidae. Die Spezies besitzt vier bis fünf kleine Aa. gastricae, eine A. mesent. " post., eine A. coeliaca, caudal von dieser die A. coecalis und dicht bei letzterer die Mittel- darmarterie. Von Agama inermis wurden zwei Exemplare untersucht. Zoolo'-'. Centralbl. VlI. .Tahrp. j^j. ^g 6 — 74 — von denen das eine in jeder Beziehung mit der vorigen Species über- einstimmte. Das andere zeigte etwas abweichendes Verhalten, das sich auf die Verzweigungen bezog. UroniasHx spinipes hat zahlreiche kleine Aa. gastricae. Die A. coecalis und der Tr. coeliacus entspringen auf gleicher Höhe neben einander, weiter caudalwärts geht die Mittel- darmarterie ab. Die A. mesent. post. anastomosiert mit der A. coecalis. Ahnliche Verhältnisse bietet Uromastix liardtvicMi dar. Bei Stellio vulgaris findet sich der Tr. coeliacus zwischen A. coecalis und Mittel- darmarterie . ähnlich bei Calotes jubatus , AmphihoJurus vülosus und decresits. Bei SerratopJiora stodarti entspringt der Tr. coeliacus am meisten caudal. Bei Lophmra amhoinensis entspringen die drei Darmarterien dem Endstücke der linken Aortenwurzel. Monitoridae. Alle Formen haben stets nur eine A. gastrica. die Verbreitungsweise des Tr. coeliacus ist überall die gleiche. Bei einem jungen Exemplare von Varanus niloticus sind Anklänge an die Situation bei den Lacertiliern vorhanden gewesen. Bei Var. bengalensis ist keine A. coeliaco-mesenterica mehr vorhanden, bei V. var'ms ent- springt die A. mesent. comm. aus der linken Aortenwurzel , bei Hydrosaurus salvator thut dies der Tr. coeliacus. Bezüglich der Angaben über die Verzweigungsweise der einzelnen Arterien und über deren Verbreitungsgebiet muss auf das Original verwiesen werden. B. Rawitz (Berlin). 90 Palacky, J., Die Verbreitung der Eidechsen. In: Zool. Jahrb. Abth. Syst. XII. 1899. p. 247—285. Wenngleich die vorliegende Arbeit, wie die früheren des Verf. 's, welche sich mit der Verbreitung der Reptilien und Batrachier be- schäftigen, gewiss mit grosser Mühe und vielem Fleisse zusammen- gestellt ist, so ist sie doch nur für eine ungefähre Orientierung und zum Zwecke der allgemeinen Übersicht verwendbar, und jeden- falls ist demjenigen, welcher sich über die geographische Verbreitung der Eidechsen genau orientieren will, kaum mit dieser Arbeit geholfen. Die Ursache der Schwächen derselben ist der vollständige Mangel an Kritik der verschiedenen systematischen Angaben, was dem Autor als Nichtfachmann auf herpetologisch-systeraatischem Gebiete gewiss nicht übel genommen werden kann, für eine derartige Arbeit aber doch eine ganz wesentliche Beeinträchtigung des Wertes bedeutet. Ferner ist die ja freilich schwierig zugängliche, aber aus den Zool. Records doch zur Genüge ersichtliche neuere Litteratur nicht voll- ständig berücksichtigt und endlich die Anordnung des Stoffes im einzelnen manchmal so verworren, dass man oft nicht recht weiss, wo der Verf. eigentlich hinzielt. — Nr. 89-90. — — 10 — Aus der Arbeit, welche aus einer Anzahl von Einzelangaben be- steht, sodass man nichts Allgemeines und keine Endresultate daraus ersehen kann, und welche sich in I. eine ,.Systematische Übersicht" und II. einen ..Chorologischen Teil" gliedert, wären folgende Angaben vor allem richtig zu stellen ; Afrika hat (p. 249) nur 2 Slenodactijlus (elcf/ans Fitz, uud petrii Anders; die anderen bei Blngr. Synonyme oder Tropiocololes): dagegen 2 Oedura {africana Blngr. und nivaria Blngr. I, was auf p. 2.50 wieder richtig steht; von den Euble- phariden sind dem Autor Lepidoblepbaris und Holodactylns . sowie E. lichterfelderi Mocq. ganz entgangen. Stellio kommt auf Cephallonia nicht vor (p. 2-51), ebenso Lacerta oxiicephalc nicht nur auf Curzola (p. 2.54j, aber gewiss nicht in Grusien (ibid.), auch nicht in Italien und Spanien (p. 261), Phyllodactylus europaevs gewiss nicht auf Cypern (p. 257) ; Uromaslix spiiiipes ist keine westasiatische, sondern rein ägyptische Form und kommt auf Kreta, Santorin und Melos kaum vor (p. 259); Blanv.s bedriagai Blngr. und aporus Wern. wurden vergessen (p. 259); das Chamaeleon von Nizza, Sicilien und Peloponnes (p. 260) wäre dafür besser weggeblieben. Psammodromus algirus kommt auf den Cycladen nicht vor, AcanthodactyJus savignyi nicht in der Krim, L. iaHrica nicht in Italien, nicht am Libanon und in Turan (p. 261), Agama stellio (p. 26.3) nicht bei Tetuan und Angnis (p. 264l nicht in Algier; Chamaelton isabelliniis (p. 266) hat nicht Boettger, sondern Clünther zum Autor: auf p. 266 soll es heissen Melanoseps atcr statt Melanotropis afer; Phyllodactylus purpureus giebts nicht, aber porphyreiis, aber nicht von AV e r n e r , sondern von Sjöstedtin Kamerun konstatiert (p. 267); ferner feUen Phrynocephalus olivieri, Btanus, Lacerta agilis uud muralis, Ophiomorus miliarü (p. 274) sicher in Syrien; statt ^Chalcides* ist ^OpMo- morns'^ latasin auf p. 275 zu lesen; u. s. w. Das sind nur diejenigen Errata, die dem Kef. beim Durchlesen, ohne irgendwo nachzuschlagen, aufgefallen sind: bei genauerem ►Studium dürfte sich die Anzahl dieser Einzelfehler wohl noch erheb- lich vergrössern. Da nun aber übersichtliche Resultate dieser kom- pilatorischen Arbeit fehlen, dieselbe vielmehr aus zahlreichen Einzel- angaben besteht, die durch die ebenfalls zahlreichen Irrtümer (namentlich in den ziffermäßigen Angaben) sehr an Wert verlieren, so ist es wohl kein zu hartes Urteil, wenn man diese Arbeit zu den- jenigen rechnet, die mehr zur Belastung der Litteratui- und zur Irre- führung und Verwirrung des Studierenden dienen, als zur Erweiterung unserer Kenntnisse. Es würde dieselbe oder mehr Mühe kosten, die Arbeit von ihren Irrtümern zu befreien, als sie von vorne neu zu beginnen. F. Werner (Wien). 91 Tliileniu.s, ii., A' or l;i ufiger Uericht ülier die Eiablage und erste Entwicklung der Haffeiia 2»(fici(((a. In: Sitzber. preuss. Akad. Wiss. lierlm phys.-math. ('lasse. Heft XIV. 1899. p. 1—10. Die auf die Eireifung bezw. Eiptiege bezüglichen Wahrnehmungen des ^'erf."s auf Te Karewa und Stephens Island sind folgende : Das — Nr. 90—91. — 6* — 76 — Weibchen arbeitet ca. vier Nächte lang am Bau der Eikammer. die sich neben oder unter einem (Irasbusch befindet. Die Kammer ist etwa 16 cm tief, 14 cm breit und 5 cm hoch. Auch die Eiablage geschieht nachts, es werden etwa 9 — 17 Eier mit dem Munde in 2 — 3 Lagen dicht neben und übereinander gepackt, sodass der ganze Kammerraum erfüllt ist. Die Eier sind frischgelegt ellipsoidisch, 20 bezw. 14 mm im Durchmesser, brauchen ca. 12 — 14 Monate zu ihrer Entwickelung. Stets fand Verf. ein Drittel bis die Hälfte aller Eier der alten Eikammern geschrumpft, wie er glaubt durch Platzmangel in der Kammer, da im letzten Drittel der normalen Entwickelungszeit eine bedeutende Vergrösserung der Eier (auf etwa 33 u. 25 mm) statt- findet. Die Abhandlung berichtet auch über das Verhalten des Amnions und der Pigmentierung der Embryonen. E. Fick (Leipzig). ]Uaiiimalia. 92 de Wiiiton, W. E., Cephalophus rnfilatus Gray and C. natalensis. In: Proc. Zool. Soc. London. 1899. III. p. 771-773. Verf. untersuchte ein männliches und ein weibliches Exemplar von (.'. ruß- latus aus Borgu (Niger District), desgleichen ein männliches aus Gambaga (Hinter- land der Goldküste), erhalten von Capt. W. Giffard. Von dem Borgu-Exemplare gab er eine Schädelabbüdung. Die Hörner der Gif far d 'sehen Antilope waren lang 86 mm, die Basallänge des Schädels 134 mm. Nach Giffard's Beobacht- ungen steht er sehr nahe dem C. natalensis, ist aber sehr verschieden von den viel grösseren ostafrikanischen C. nigrifrons und C. harveyi. B. Langkavel (Hamburg). 93 Flower, Stanley S., Note on the Proboscis Monkey, Nasalis larcatus (Wurmb.). In: Proc. Zool. Soc. London. 1899. III. p. 785—787. L'nter Hinzufügung der Abbildungen zweier Köpfe (eines erwachsenen Weib- chens und eines jungen Männchens) giebt Verf. deren Körperbeschreibung und Maße der einzelnen Teile. B. Langkavel (Hamburg). 94 Lydekker, R., On a West-African Kob Antelope. In: Proc. Zool. Soc. London. 1899. 111. 794—795 mit farbiger Abbildung. Unter einer Sendung aus Sierra Leone befanden sich auch Schädel und Haut einer kleinen weiblichen Kob- Antilope, die durchaus nicht übereinstimmen mit irgend einer Species des bisher beschriebenen Genus Kob aus dem Hinter- jande von Sierra Leone. Verf. giebt eine Beschreibung des Tieres und schlägt vor es Cobus nigricans zu nennen. Am Schluss seiner kurzen Notizen fügt er noch hinzu, dass er die von E. T. C o rynd on aus dem Barotse-Lande dem Museum eingesandten Häute eines männlichen und weiblichen Kob statt Cobus senganus lieber C. vardoni senganus nennen möchte. B. Langkavel (Hamburg). - Nr. 91-94. — Zoologisches Centralblatt unter Mitwirkung von Professor Dr. O. Bütschli ^^_, Professor Dr. B. Hatschek in Heidelberg in Wien herausgegeben von Dr. A. Schuberg a. o. Professor in Heidelberg. Verlagf von Wilhelm Engelmann in Leipzig. VII. Jahrg. 6. Februar 1900. No. 3. Za beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten, sowie durch die Verlagsbuchhandlung. — Jährlich 26 Nummern im Umfang von 2—3 Bogen. Preis für den Jahrgang M. 25. — Bei direk- ter Zusendung jeder Nummer unter Streifband erfolgt ein Aufschlag von M. 4. — nach dem In- land und von M. 5. — nach dem Ausland. Zusammenfassende Übersicht. Neuere Arbeiten über die Verbreitung der Gastropoden. Von Prof. Dr. H. Simroth, Leipzig. 95 Ancey, C. F., New Hawaiian non-marine Mollusca. In: Proc. nialac. Soc. 3. 1899. p. 268-274. 1 PL 96 Blaiitonl, W. F., On Ariophanla Daliji, n. subsp., from Mysore, with anote u Mariaella Dasstimieri Val. Ibid. p. 280 — 28.3. 97 ßötti^er, O., Zwei neue Lan dsclm ecken aus Kleinasien. In : NacbrbL d. d. mal. Ges. 1898. p. -5, 12—17. 98 — Landschnecken von K i 1 i m a-Njar o, D eu t seh - Os t a f r i ka. Ibid. p. 17—19. 99 — Bemerkungen über einige JhiliminKs aus Kleinasien, Syrien und Cypern, nebst Beschreibung neuer Arten. Ibid. p. 19 — 28. 100 — Notiz über eine neue Gruppe von Clausilien (l'araphaechisa) aus Gele bes. Ibid. 1899. p. 56—59. 101 Bullen, B. A. , Non-marine Mollusca from Post-pliocene deposits near Dovers. In: Proc. malac. Soc. 3. 1898. p. 162 — 165. 102 — Holocene Land-shells from Reigate. Ibid. 1899. p. 326—829. 108 Chaster, G. \V., A Report upon the Mollusca (exciuding the Cepha- lopoda and Nudi branchiata) obtained by the R. Irish Academy cruisers of 1885, 1886 and 1888. In: Proc. R. Irish. Acad. (3 s.) 5. 1898. p. 1—33. 104 Cockerell, T. F. D, , A classified catalogue, with Localities, of the Land-shells of America, North of Mexico, by H. A. Pilsbry. In: Science (N. S.) 7. 1898. p. 806-807. 105 Da Costa, S. A., On species oi Bulimulus and new Land-shells from South America. In: Proc. malac. Soc. 3. 1898. p. 80—84. 106 — On the genus Rhodea , with a description of Vapuina chilochroa. Ibid. p. 304-306. Zoolog Centralbl. VII. Jahrg. _ Nr. 95—182. — ' 7 - (^ — 107 i'iilton, H.. L aiid -Mollusca froni t li e Malay Arcliipelago with description s of new species. In: Proc. Malac. Soc. 3. 1899. p. 212—219. 108 (ioduiii-Austeii, H. H., The presidents address. In: Proc. malac. Soc. 3. 1899. p. 241—262. 109 (iredler, V., Neue Bulimiden aus Gansu. In: Nachriclitsbl. d. d. malac. Ges. 1898. -p. 104-108. 110 — Zur Torffauna. Ibid 1899. p. 56-62. 111 lledlej', Ol., Areview of the sy stematic posit ion of Zemua. In:Record.s Austral. Mus. 3. 1899. p. 118—120. 112 — Description of new Mollusca, cliiefly from New Caledonia. In: Proc. Linn. Soc. N. S. Wales 1898. p. 92—105. IIB — The Mollusca of Funafuti. In: Mem. Austral. Mus. 3. 1899. p. 397—535. 114 Hocker, F., Die Conchy lienfauna der diluvialen Sand- und Tuffab- lagerung bei Brüheim im Herzogthum Gotha. In: Nachrichthl. d. d. malac. Ges. 1898. p. 86-91. 115 llowe, I. 1j., Variation in the shell of Helix nemoralis in th e L exin gt on. Va., Colony. In: American Naturalist. 32. 1898. p. 918-923. 116 Ivennai'd, A. S. and Woodward, B B. , A revision of the Pliocene non Marine Mollusca of England. In: Proc. Malac. Soc. 3. 1899. p. 187-201. 117 — — Notes on Faludestrina Jcnhinsi (Smith) and V. confusa (Frauenf.). Ibid. p. 297—300. 118 V. Kiniakovicz, .M., Die bo snisc h-her zegovinischen Zonites -Y ownew. In: Nachrichtbl. d. d. malac. Ges. 1899. p. 65—73. 119 Kohelt, W., Zwei neue Arten aus D e utsch- Guinea. Ibid. 1898. p. 92— 93. 120 — Neue Helix- kvteu aus Montenegro. Ibid. p. 161 — 165. 121 — Die Fauna der Cocosinsel (nach Martens). Ibid 1899. p. 26 — 28. 122 — Vorderindien, eine Zoogeographische Studie In: Ber. Senckenb. naturf. Ges. 1899. p. 89—104. 1 K. 123 31ar?liiill, I. T. , The Marine Shells of Scilly. In: Journ. of Conchol. 8. 1897. p 431—433. 124 V. -Martens, K., Land sehn ecken von der Cocos-Insel. In: Sitzber. Ges. naturf. Fr. Berlin. 1898. p. 156. 125 .Mclvill, I. C. , Further in vestigation into the Molluscan fauna of the Arabian Sea, Persian Gulf and Gulf of Oman etc. In: Mem. and Proc. Manchester liter. and philos. Soc. 42. 1898. p. 1—40. 2 PI. 126 31elvill, I. C., and P., Zur Fauna von Russisch-Litt ha uen. In: Nachrichtbl. d d. mal. Ges. 1898. p. 1—5. 132 — Zur Hochgebirgsfauna der Philippinen. Ibid. p. 5 — 12. — Nr. 95-182. — — 79 — 133 V. 31(>Ileiii\te d Bviti sh Hijali7iia glabra Studer. In: Journ. of Malacol. 7. 1899. p. 25. 140 Murdocli, A. , Description of Si'garetus'} Drcwi n. sp. and Cij-sonella ' neo- planica , with notes on some new Zealand L a nd-Mollusca. In: Proc. malac. Soc. 3. 1899. p. 320—325. 141 Xaegele, G., Einiges aus Baden. In: Nachrichtbl. d. d. malac. Ges. 1899. p. 73-78. 142 N(»l)i'e, A., Molluscos et brachiopodos du Portugal. In: Ann. sc. nat. Porto. 5. 1898 p. 107—118: 160-166. 143 Ohei'winimei-, A., Mollusken II, gesammelt von S. M. Schiff „Pola" 1889-1894. In: Denkschr. K. K. Akad. Wissensch. Wien 65. 1898. 24 p. 1 T. 144 Pilsbry, H. A., New Species of Odontostomus from Brazil and Argen- tina. In: Proc Acad. Nat. Sc. Philadelphia 1899. p. 471—474. 145 Pi!sbry, A., and Ithoads, S. N. , Contributions to the Zoology of Tennessee Nr. 4. Mollusca In: Proc. Acad. Nat. Sc. Philadelphia 1><99, p. 487—506. 146 Pilsbry, II. A., and \':uialt.a, K. G. , Some new species of Cerion. Ibid. 1899. p. 475-478. 147 Poiloncra, C, Molluschi terrestri efluviatili d el 1 E rith r ea racco Iti dal Generale di Boccard. In: Boll Mus. Zool. Torino 13. 1898. p. 1 — 13. 148 Porisoiib}', I. II., andSykes, K. R., On Planispira bumensis n. sp. and Omphalo- tropis htrcicles n. sp. In: Proc. malac. Soc. 3. 1899. p. 307 — 308. 149 Prit(!liaf(l, G. B., and Gatlilf, I. H., On some new species of Victorian Mollusca. In: Proc. R. Soc. Victoria (N. S.) 11. 1899. p. 179—184. 1 T. 150 — — Catalogue of the marine shells of Victoria. Ibid. Part. I. 10 1898. Part. II. 11. 1899. p. 185—209. 151 Ricklefs, Zur Molluskenfauna von Curland. In: Nachrichtbl. d. d. malac. Ges. 1898. p. 48—64. 152 K<.lle, H., Eine neue Pleurolomaria. Ibid. 1899. p. 62-65; p. 161 — 165. 1 T. 153 Schärft", R. l<\, and Carpenter. G. H., Some animals from the Mac- gillicuddy's reef. In: The irish naturalist 1899. p. 213—218. 154 Sinilh, E. A.. Description of Raphaulus perakejisis n. sp. with a list of theknown species ofthegenus. In: Proc. malac. Soc. 3. 1898. p. 17 — 19- 155 — n s m e M a r i n e s h e 1 1 s f r o m N e w Z e a 1 a n d a n M a c q u a r i e Islands. Ibid. p. 20-25. 156 — A List of the Land shells of Lombock Island. Ibid. p. 26—32. 157 — New species of Land-Shells fr o m New Guinea etc. Ibid. p. 33 — 34. 1 PI. 158 — On the geuus ('oxiella. Ibid. p. 75 — 76. 159 — Land-Shells of Curacao etc. Ibid 113-116. 160 — On some Mollusca from Bering Sea etc. Ibid. p. 205 — 207. 161 — Three new species of Marine Shells from Northwest Australia. lliid. p. 208—20!». — Nr. 95-182 — 7* — 80 — 162 Smith, E. A., Notes on Marine Shells of Australia. Ibid. p. 311—314. 168 — On some Lands he 11s from Somaliland. In: Journ. of Malacology 7. 1899. p. 57-60. 164 Span, B., A Contrib iitiou towards a list of the marine Mollusca of Tonby and Neighb ourho od. In: Journ. of Conchol. 9. 1899. p. 308—211. 165 Standen, R., Irish field club union. Kenmare Conference. Mollusca. In: Irish Naturalist 1898. p. 218—226. 166 Stoll, O., Beiträge zur Kenntniss der schweizerischen Mollusken- fauna. 1. Die geographische Verbreitung der Gl ausilien - A rten 2. Die Molluskenfauna von Disentis. 8. Zur Kenntniss der Mol- luskenfauna von Locarno. In: Viei'teljahrsschr. naturf. Ges. Zürich 44. 1899. p. 1-77. 167 Surbeck, S. , Die Mollusken f au na des Vi er waldstättersees. In: Revue suisse zool. 6. 1899. p. 429—556. 1 K. 2. T. 168 Suler, H., Revision of the New Zealand Rissoidae. In: Proc, malac. Soc. 3. 1898. p. 2-8. 169 — New Land-Mollusca from New Zealand. Ibid. 1899. p. 286—292. 1 PI. 170 — M alacological Communications from New Zealand. In: Journ. of Malac. 7. 1899. p. 49—56. 171 Swanton, E. W. , The Land and Freshwater Mollusca of Somerset- shire. In: Journ. of Conchology 9. 1899. p. 187—202; 237—243. 172 Sykes E, R., New species of Clausula from Chinon. In: Proc. malac. Soc. 3. 1898, p. 63—64. 173 — List of species of Cataulus and new Land-Shells from Ceylon. Ibid. p. 65—74. 174 — Notes on Ceylon Land-Shells with descriptions of new Species. Ibid. p. 159—161. 1 PI. 175 — Illustrations of with notes on, someHawaiian non -marine Mol- lusca. Ibid. 1899. p. 275-276. 2 PL 176 — Notes on the Species of Ennea and Leptopoma recorded from Ceylon. In: Journ. of Malac. p. 26 — 31. 177 Taylor, Fr., The Land and Freshwater Mollusca of the district b etween Ashton-un d er-Lyn e and Oldham. lu: Journ. of Conchol 9. 1898. p. 49—53. 178 Wagnej', A. I., Monographie der Gattung Fomaiias Stader. In: Denkschr. K. K. Acad. Wissensch. Wien. 64. 1898. 179 Westerland, C. A., Synopsis mollusco rum extramarin orum Scandi- naviae (Sueciae, Norvegiae, Daniae et Fenniae). In: Acta soc. pro fauna et flora fennica. 13. 1897. 2245. 180 — Novum specilegium malacologicum. In: Annuaire mus. zool. St. Petersbourg 1898. p. 155—183. 181 Wohlberedt, O. , Molluskenfauna des Königreichs Sachsen. In: Nachrichtbl. d. d. mal. Ges. 1899. p. 1—20; 33—56. 182 — Nachtrag dazu. Ibid. p. 97—113. Die Zoogeographie, die sich in erfreulichem Aufschwünge be- findet, hat wieder eine grosse Reihe Arbeiten hervorgerufen, von denen sich viele durch zusammenfassende Faunenübersichten aus- zeichnen. Was von mehr vereinzelten systematischen Daten ins — Nr. 95-182. — — 81 — Licht tritt, erhält wohl seine Bedeutung durch die Einordnung ins Geographische. (So ausführliche Arbeiten, wie die Sara s in' s über Celebes erfordern allerdings eine besondere Besprechung.) Ich beginne, ohne Rücksicht auf das System, mit den Biiinen- molluskeii, von der Heimat ausgehend. Nägele meldet aus Baden eine ganze Reihe von Fundorten seltener Arten, die ihr Gebiet dadurch erweitern, Fruticicola edenhda nicht bloss in den Alpen, sondern auch im südöstlichen Schwarzwald, ähnlich Frut. villosa, die nicht bloss durch die Flüsse aus den Alpen verschleppt sein kann, wohl aber lachea silvaiica, jetzt auch in Massen bei Waldshut, nicht bloss bei Karlsruhe, Bidiminus detritus weit über die obere Rebengrenze hinaufsteigend, ClausiUacana cruciata» Planorbis cornens und Herihina ßuviatüis auch im oberen Rhein- gebiet u. a. Wohlberedt (181) hat eine neue Fauna des König- reichs Sachsen zusammengestellt, das er in fünf Gebiete einteilt, Lausitz, Sächsische Schweiz, Erzgebirge, Vogtland und Ebene, auf welche nebeneinander 80, 100, 90, 75, 121 Arten kommen, eine mit einem ausführlichen Litteraturverzeichnis ausgestattete Kompilation als Grundlage für weitere Detailarbeit. Für die Verschiebung unserer Fauna kommen zwei Arbeiten in Frage, Gr edler (110) untersuchte den „Alm", die Seekreide unter einer 3 m mächtigen Torfschicht in Südtyrol, Hocker (114) ein Tuffsteinlager im Gothaischen. Ersterer, vom Darwinismus prinzipiell nicht beleckt, fand allerdings nur wenige Arten, die mit den in der Umgegend lebenden übereinstimmen, letzterer dagegen nicht weniger als 56 pleistocaene Formen, von denen zwei, Zonites verticillus praecursor Weiss und Limnaea iKdustris dduviana Andr. inzwischen ausgestorben sind, neun nicht mehr in jMitteldeutschland, darunter ClausUia interrupta C. Pfr. überhaupt nicht mehr in Deutschland, vorkommen und zwei, Pupa edenttda Drap, und Acme poJita Hartm.. wenigstens in der Umgegend nicht mehr vorkommen. Aus der Schweiz hat Stoll Land- und Süsswasserformen be- handelt (166). 18 ClansUia- Arten, für die Schweiz neu CL hidentata, werden ausführlich nach ihrer allgemeinen Verbreitung und nach ihrem Vorkommen in der Schweiz, zum Teil nach ihrer Biologie — viele oft an Pilzen versammelt — , behandelt. Ein Versuch ergab, dass eine Anzahl bei —3" C. durchkam, aber bei — 17° C. zu Grunde ging, unter und auf einer Schneedecke. Während der Glacialzeit war die (Gattung ganz aus der Schweiz verdrängt. In der post- glacialen Einwanderung sind horizontal und vertikal am weitesten vorgedrungen: CL Jamnuda. plicatida und duhia, nahezu so plicata, parvida und cruciata, zum Teil über 2000 m. (1. plicata i\\wiie von — Nr. 95-1^2. - — 82 — Nordosten, die anderen von Norden gekommen sein. Cl. corynoäes, lineolata und ventricosa sind von Norden her bloss bis an den Rand des alpinen Gebietes vorgedrungen; CL lineolata ist dabei auf noch unbekannten Wegen in die Südschweiz gelangt, hat eine südalpine Rasse ausgebildet und dringt als solche wieder vor. Cl. hiplicata, orthostoma und ca>ia rücken von Nordosten her vor, Cl. hiäentata von Westen, Cl. ßmhriata von Osten, Cl. cornensis, diodon, stroheli und itala von Süden, zum Teil nur an vereinzelten Punkten die Grenze überschreitend. Von Disentis (Graubünden) macht Stoll 26 Land- und Wasser- schnecken bekannt, lauter Pulmonaten, mit ausführlichen Bemerk- ungen über einzelne Arten. Campijlaea zonata findet ihre Nord- und Westgrenze in der Schweiz, die Ost-, Süd- und Südwestgrenze greifen nach Italien über. Für Helicogena pomatia ist Stoll der Ansicht, dass die von Hart mann aufgestellten Varietäten: rustica, gesneri, sphaeralis und infiata besser aus der Litteratur verschwinden sollten, da sie mehr Verwirrung als Klarheit gestiftet haben. Von Locarno giebt derselbe 20 Molluskenarten an, einschliesslich Unio verharnicus Bgt. Von Limnaea ovata wird eine neue var. verhanensis beschrieben. Die Armut der Landschneckenfauna erklärt sich durch den Untergrund (Gneiss, Diorit, Hornblendeschiefer), durch den Mangel zusammenhängender Wälder und lange Trockenperioden. Nur Clausilia plicata ist häufig. Der Charakter dieser Landschnecken- fauna ist viel nördlicher, als der von Lugano. Die Seefauna ist da- gegen im Lago maggiore und im Luganer See dieselbe, ein Gemisch ubiquistischer Formen mit ausgesprochen mediterranen, z. B. Vivipara pyramidalis in beiden Seen, Unio verhanicus im Lago maggiore und an seiner Stelle Cl. vulgaris Stab, im Luganersee. Die Mollusken des Vierwaldstättersees haben ihren Monographen gefunden (167), der die biologische Begründung der Verteilung bis ins Einzelnste versucht. Surbeck teilt den reichgegliederten See in sieben Becken ein, die sich in Bezug auf die litorale Fauna sehr verschieden verhalten. Das oberste, das L'rner ^sbj ^ipiej.o "ua^oeg dem Königssee und ist sehr arm, ohne Najaden, wie denn die Zahl der Formen gering ist und zwischen 8 und 20 schwankt, in Summa 23, wobei man noch Succinea ohlonga streichen kann und Planorhis [Gyrorhis) deformis wohl besser als Art einzieht, da er immer wieder im Wogenschlag der Seen aus dem Planorhis albus sich herausbildet. Sämtliche Arten gehören zum Litorale. bis 15 m, nur ein PisidiuDi (P. dessini n. sp.) bewohnt die Tiefenregion, und zwar überall gleich- mäßig und in grossen Massen. Die Ungleichheiten in der Verteilung beziehen sich aut' die Uferformen; es ht Limnaea peregra auffälliger- — Nr. 9.3-1S2. — — 83 — weise nur auf die obere Hälfte beschränkt. Im übrigen richtet sich die -Verbreitung nach dem Schlamm- oder Felsengrund, nach der Steilheit der Böschung, nach dem Algemvachstum. Die Formen bleiben im allgemeinen klein bis auf besonders geschützte, Ancylastrnm caßidoides und die Deckelschnecken, Bythinia und Vahata [Concinna) antiqiia, die zum Teil eine aussergewöhnliche Grösse erreichen. Manche Arten treten in grossen Schaaren auf. Von den Najaden überwiegt Unio über Aiiodonta, Unio pidorum proechus Bgt. ist durch Neigung zu Perlenbildung ausgezeichnet. Najaden und Schlammschnecken bewohnen hauptsächlich die sandigen Seichtufer der unteren See- becken. Einige Arten müssen noch als Einwanderer gelten, da sie auf die Mündung der Flüsse beschränkt sind. Überhaupt muss l)ei solchen Untersuchungen besonderer Nachdruck auf lebendes Material gelegt werden, im Gegensatz zu alten toten Schalen, die verschleppt sein können. Lokale Variation bezieht sich namentlich auf die Dicke der Schalen, für deren Korrosion zw^ar neue Beobachtungen, aber keine hinreichende Erklärungen zustande kamen. Die litoralen Mol- lusken sind auch in den übrigen Schweizer Seen verbreitet , am nächsten kommen Bodensee und einige oberbayerische Seen; eine besondere Lokalfauna ist nicht entwickelt, wofür ein reiches statisti- sches Vergleichsmaterial den Beweis liefert. Eine wertvolle Klärung hat Wagner einer mediterranen Gat- tung, die nur wenig über die Alpen herübergreift, zu Teil werden lassen durch seine Bearbeitung von Pomatias (178). Durch ausge- zeichnete grosse Abbildungen sind die Arten mit ihrer Synonymie festgelegt, durch Berücksichtigung des Operculums in sechs Sektionen verteilt und geordnet. Eine besondere Bereicherung hat wieder durch den Eifer ihrer Gesellschaften die englische Fauna erfahren. Bullen hat zwei holocäne Lagerstätten sorgfältig ausgebeutet (101, 102). LTnter den vielen recenten Formen, die er aufführt, fällt eine sehr dicke Schale von Lima.r iiKixiiiuts^ sowie die Schale von Arion cnipiriconim (!) als gemein auf; HcJi.c pomalia war sicher vor der Iiöinerzoit in p]ngland heimisch. Besonders willkommen ist die kritische Zusammenstellung der britischen Pliociin -MoHusken von Kennard und Woodwar d (IIC) in geographischer Hinsicht. Nach Ausscheidung von 12 Species, die in der Litteratur kursieren, bleiben 38, wovon einige ausgestorben, andere aus England verschwunden sind und auf dem Kontinent leben. Der hervorragende Wert der genaueren Angaben liegt in dem Ver- gleich der Schichten in den verschiedenen Ländern ; das frühere Auf- treten einer Anzahl von Arten in Britannien als auf dem Festlarid — Nr. 95 -18-2. - - 84 — Aveist auf eine Einwanderung von Norden her, so gut als die recenten Beziehungen solcher Arten zu Nordamerika, während eine andere Linie nach dem aralo-kaspischen Gebiete führt. Dabei ist ein scherz- haftes Missverständnis vorgekommen. Wo liegt „Bruchstück'"? (p. 199: „on the continent Bythinia tentacnlata is first known from the lower pliocene (longeria beds) of Bruchstück . . ."). Im Zusammenhang mit diesen Studien nehmen die Verff. zwei kleine Fahiclestrinen (P. jenJcinsi Smith und confusa Frauenf.), die man wohl bei sporadischem Vor- kommen oder lokaler Beschränkung, besonders auf die Themsemünd- ung, für eingeschleppt hielt, als alte Autochthonen in Anspruch (117). Durch den Vergleich der Radula liefert Moss (139) den Nachweis? dass die für Hyalina glabra gehaltene britische Schnecke von der kontinentalen gleichnamigen ganz verschieden ist. Scharff (153) fand Limax marginatns in Irland zum Teil so schwarz, wie er sonst wohl auf den Hochalpen oder namentlich in Siebenbürgen vorkommt. Ausserdem erhalten wir noch ausführliche Lokalfaunen durch Standen von Südwestirland (165), durch Swanton von Somersetshire (171) und durch Fred Taylor (177) von einem Landstriche, der wohl von ganz England am meisten verrusst ist, mit entsprechend reduzierter Vege- tation, der aber trotzdem eine keineswegs ärmliche Molluskenfauna ergab; am reichsten sind die Hyalinen vertreten. Wester lund bringt eine ausführliche Neubearbeitung der skandinavisch-finnischen Fauna (179), selbstverständlich mit solider Ausführung, die manchem sehr weitgehend erscheinen wird ; ich weise nur hin auf die mehr als 30 Planorhis- Arten mit ebensoviel Varietäten und Formen, oder auf die 12 Limnaeen- Arten mit 95 Abarten! In Lithauen hat v. MöUendorff mit seiner Versetzung nach Kowno gleich der Fauna sein Augenmerk zugewandt (131) und namentlich in den wenigen Nadelwaldoasen eine Reihe bisher für das Gebiet unbe- kannter Arten gefunden; die meisten sind in der baltischen Nachbar- schaft bereits festgestellt; als auffälligste Form kommt CampyJaea faustina, die Ostalpenschnecke, hinzu. V. Kimakowicz revidiert die Zonites von Bosnien auf Grund von eigener Sammelthätigkeit und Anatomie; er stellt die relativ hohe Zahl von sechs Arten fest (118). Die noch so ungenügend be- kannte Fauna von Montenegro wird von verschiedenen Seiten in Angriff genommen und um eine neue Hyalinia, um verschiedene Heliciden und Glausilien bereichert (120, 136. 138,). Aus Kleinasien meldet Böttger eine neue Poumtia und einen n. Siiliminus- Chondrulus (97). Derselbe bespricht eine Pieihe von Bttlimimis- Arten {Zehrinus, Pseudomastus ^ Chondrtdns, Petraeus) von Syrien und Gypern; einige von den 16 Arten sind neu. dazu zahlreiche neue Varietäten (99). _ j,.,_ 95._ie^.2. - — 85 — W est er Um d (180) meldet zunächst eine grosse Reihe neuer Formen aus den verschiedensten Teilen der palaearktischen Region (Spanien, Irland, Dänemark, Russland, Corsica, Sicilien, Griechen- land, Macedonien, Kreta, Kleinasien, Kaukasus, Sibirien, Turkestan) und Nordamerika, die bei ihrer Vereinzelung noch keiii allgemeineres Interesse bieten ; dann aber stellt er von bekannten Formen neue Lokalitäten fest, die zum grossen Teil ein ausserordentlich sporadisches Auftreten ergeben, und wohl nur als Relikte früher weit verbieiteter Arten ihre Erklärung finden; es kommt VaJlonia adeJa , bisher von der schwäbischen Alp und Südschweden bekannt, am Irkut vor. Acanthinula harpa, bisher boreal und in der Schweiz, auch bei Astrabad, Helix revelata, bisher in Algier und Westeuropa, bei Kiew, Caecilianella isseli, bisher von Aden, auch in Turkestan u. a. Planorhis jjaradoxus , eine der merkwürdigen Formen, welche Sturany in Macedonien auffand, ist ein echter Choenomphalus ^ der bekanntlich sich sonst nur noch im Baikalsee erhalten hat. Aus Afrika bringt zunächst Pollonera eine Fauna von Ery- thraea (147), nicht weniger als 8 Vitrinen, also doppelt soviel als Heliciden, 1 Thapsia, 3 Pupa, 7 BuHminus [Masius, Cerashts, Petraeus). 3 Suhulina , 4 Fruticicola , 3 Succinea, 1 Cassidula, 2 Melampus, 4 Limnaea, 4 Flanorhis, 2 Pkotorhula, 5 Isidora, 1 Ancyhis, 1 Melania und 2 Sphaerium (davon 1 3 neu) , — Smith einige Arten von Somaliland, 2 Buliminus, wovon der eine nach Arabien Aveist, 1 Ennea^ 1 Otopoma (163), — Böttger einige vom Südabhange des Kilima- Kjaro, 1 Ennea, 1 Trochonanina, 1 0/;ea (98). Von grosser Wichtig- keit ist der Katalog, den ^lelvill und Ponsonby von der süd- afj'ikanischen Fauna, südlich vom Wendekreis des Steinbocks, ausgearbeitet haben (126). Die zahlreichen Ennea - Arten und die Bidimimis ^iur&ny's, sind bereits mit aufgenommen. Seit Kraus s" Arbeit war keine Zusammenfassung erschienen und das ist 50 Jahre her! Zum Schluss machen die Verft". 13 eingeführte Arten namhaft, sämtlich palaearktisch. Von Vorderindien giebt Kobelt (122) in einer umfassenden Weise ein wichtiges und klares Bikl. Er unterscheidet vier vollständig ge- trennte Bezirke. Die nordwestliche Küste und Steppe bis zum Loni gehört durchaus zur palaearktischen Region, deren Mollusken mit dem Indus bis Kaschmir vorgedrungen sind. Die Grenze lässt sich noch nicht scharf gegen den Nordosten ziehen, der mit seinen üppigen Wäldern, mit seinem ^'or^viegen der Landdeckelschnecken (bis zu ^.3) vielfach nach Hinterindien gehört. Allerdings lassen sich Assam. Birmah und Tanasserim noch als Subhimalay- Provinz ausscheiden und eben zum Nordostdistrikt schlagen. Nach Norden war die (irenze — Nr. 95— lt>-2. - - 86 — stets scharf, da vor der Erbebung des Himalaya Karakorme und Kun-lun Scheidewände darstellten. Das dritte Gebiet ist Dekkan, das erst in der Tertiärzeit mit dem vorigen sich durch die Ganges- niederung verband. Der Busen von Bengalen, wiewohl erst eine junge Einsenkung, stellt doch eine scharfe Fauna-Trennung her zwischen Vorder- und Hinterindien, wie denn die hinterindischen Mollusken in ihrer Verbreitung jünger erscheinen, als die Säuger, ganz im Gegensatz zu den palaearktischen Verhältnissen. Dekkan, als alter Horst, mit dem Sudan geologisch übereinstimmend, hat doch so wenig Züge mit ihm gemein, namentlich die Achatinide Glessukt, dass an ein verbindendes Lemurien in der Kreidezeit gewiss nicht zn denken ist, wäe denn auch Sokotra durchaus keine indischen Formen beherbergt; und das muss alles um so mehr in's Gewicht fallen, als doch auch die afrikanischen Säuger auf die tertiären Sivalikschichten zurückgehen. Der vierte Distrikt ist Südindien mit Ceylon, die mit ihren Acavns und Corüla unter den Heliciden, Badornea unter den Bulimiden, Cyathopoma, Cataulus, AuJoponia^ MicrauJax, Theohaidia, Leptopomoides, Nieida unter den Pneumono- pomen eigenartig zusammengehören. Die Nordgrenze gegen Dekkan geht nicht durch das Paljatthal , sondern viel weiter nördlich l)is Gon durch die West-Ghats. Paludomus deutet uralte Beziehungen zu Borneo und Südafrika an; aber diemeist angenommenen jüngeren zu den Mascarenen erscheinen ziemlich fraglich, namentlich da sich herausgestellt und neuerdings wieder bestätigt hat (2), dass dasjenige Mähe, von dem Mariaella dussumieri stammt, nicht die gleichnamige Seychellen-Insel ist, sondern in Indien liegt. Dieses Kob elf sehe Bild erhält eine Anzahl von einzelnen Aus- führungen. Godwin-Austen (108) giebt eine Übersicht über seine so erfolgreiche Tliätigkeit zur Aufklärung der indischen Mollusken- fauna, worin er viele Beziehungen morphologischer Verwandtschaft zusammenstellt, die im einzelnen in seinem grossen Werke nieder- gelegt sind, andererseits die noch vorhandenen weitklaffenden Lücken betont. Im oberen Indusgebiet weist er eine Gruppe nach (buch zwei Verzeichnisse von Mollusken aus Kaschmir, das eine nördlich von Pir Panjal und der Kajnag-Kette, einschliesslich Jarkand, das andere südlich davon, innerhalb der Murzee-Berge und Hazar. Das Nordgebiet umfasst vorwiegend palaearktische Genera, Hiialina, Vitrina, Hygromia, Enlota, Vallonia, Petraeus, Piipa, Zua, Snccinea, Limnaea, Planorhis Bythima u. a. , das südliche dagegen, indische, Ennea, Austenia, Bensonia^ Thysanota^ Pyramidtda, Opeas, Geostil- bia, Coelostele. Macrocldamys wiegt hier vor und sendet nur ver- einzelte Formen in das nördliche, ebenso Microcysiis und Kaliella; — Nr. 95 - 182. — umgekehrt ragen Piqm. Petraeits, ClausiUa aus der palaearktischen Region herein ; als pakiearktisch würde ich auch ^4waf7e>;^, con qualche accenno allo sviluppo del Fegato e della Milza. Communicazione fatta alla R. Acc. Fisiocrit. Siena. 14. November 1898. 7 p. Das Pancreas erscheint zuerst als eine hohle Ausbuchtung des Darmes, entsprechend der Stelle, wo Darm und Nabelblase kommuni- zieren, und zwar findet sie sich au der i'echten Seitenwand. Man trifft zugleich zw(;i Leberanlagen, eine craniale, eine grosse ZcUmasse — Nr. 212—213. — — 108 — darstellend, und eine caudale, in Gestalt einer kleinen Zellmasse. Im folgenden Stadium bildet das Pancreas noch immer dieselbe dorsale Ausbuchtung, die sich zum dorsalen Mesoderm hinzieht. An seinem blinden Ende besitzt es zwei, eine craniale und eine caudale, Verlängerungen. An der Ausstüli^ungsstelle ist der Darm geschlossen. Auf diesem Stadium entsteht auch die Gallenblase in Gestalt einer Darmausstülpung. An einem etwas weiter vorgeschrittenen Stadium erscheint eine zweite Pancreasanlage. Da, wo Leber-, Pancreas- und Gallenblasenanlage sich findet, bildet der Darm eine Ampulle, in die sich der Ductus hepaticus einsenkt. Die caudale Verlängerung der Pancreasanlage wächst nach der linken Seite der Vena omphalo-mesaraica dextra, so eine ventrale linke Anlage darstellend. Allmählich treten Piamiiikationen in den Anlagen auf und man findet schliesslich das Pancreas, bestehend aus einer peripheren Substanz, die von normaler Drüsenmasse gebildet wird, und einer centralen, welche anastomosierende Zellstränge ent- hält, die mit secernierenden Höhlen (?) oder mit exkretorischen Gängen (y) der peri])heren Substanz sich verbinden. B. Rawitz (Berlin). 3Iammalia. 214 V. Ebner, Yictor, A. Koelliker's Handbuch der Gewebelehre des Menschen. 6. Aufl. Bd. 3; 1. Hälfte: Verdauungs- und (Jeschmacksorgane , Milz, E espirationsorgane, Schild- drüse, Beischilddrüsen, Thymus, Caro tidenknötch en, Harnorgane, Nebennieren. Leipzig (Wilhelm Engelmann). 1899. VI und 402 p. Mk. 14.—. Ein so umfassendes Lehrbuch , wie das vorliegende , in einem Pteferate zu würdigen, hält Ref. für eine Unmöglichkeit. Die bekannte Genauigkeit des Verf.'s bürgt dafür, dass die von ihm mitgeteilten Thatsachen das Resultat sorgfältiger eigener Untersuchungen sind. Eine umfassende, wenn auch nicht erschöpfende Berücksichtigung der Litteratur, was bei deren Umfang auch nicht gut möglich war, eine objektive Diskussion entgegenstehender Angaben, eine ruhige sach- liche Darstellung und die Beigabe instruktiver Figuren (288 im ganzen) sind die unbestreitbaren Vorzüge dieses Teiles des berühmten Koel- lik er 'sehen Handbuches. Ein wertvolles Nachschlagebuch für den Erfahrenen, ein gutes Hilfsmittel zum Studium für denjenigen, der als Anfänger tiefer in die mikroskopische Anatomie eindringen will, hat Verf. geliefert. Wenn Ref. hier noch nicht schliesst, sondern auch Bedenken vorbringt, die ihm beim Studium einiger Kapitel des Buches gekommen — Nr. 213—214. — — 109 — sind, so glaubt er darin einen weiteren Vorzug des Buches sehen y,u Sollen. Denn nicht bloss in der Zustimmung, die sie linden, sondern auch und vielleicht noch mehr im Widerspruche, den sie erwecken, liegt der Wert guter lUicher. Mit Bedauern hat fief. es bemerkt, dass Verf. die Flemming' sehe Einteilung der Drüsen nicht angenommen hat. Dass diese in der Drüseniitteratur bisher nicht durchzudringen vermochte, ist kein stichhaltiger (Irund. Etwas Gutes braucht in der wissenschaftlichen Terminologie, noch mehr wie überall anders, sehr viel Zeit, um An- erkennung zu hnden. Der alte Schlendrian der Benennungen ist viel zu heijuem. als dass sich die Meisten dessen so schnell entschlagen sollten. Die F lemmingsche Einteilung ist aber die einzig richtige und gerade dieses Werk luätte sehr viel dazu beiti'agen können, dass sie allgemein angenommen würde. In St (»hrs Buch und in dem des Ref. ist sie bereits durcligeführt. Verfasser meint olfenbar, }). 220. dass es unrichtig sei. wenn Stöhr nach dem Vorgange Elemmings die Leber als eine tubulöse Drüse betrachte, deren verzweigte (irmge von nur je zwei Zellen begrenzt seien. Ja. wie soll man sonst die eigentüm- lichen Erscheinungen, welche die Lel)er aller \'ertebraten darbietet, auffassen? Auch Ref. hat in seiner .,Histologie" die gleiche Auffassung au.sgesprochen. Des Verf.'s Widersi)ruch hiergegen beruht offenbar auf seiner Darstellung der sogenainiten (_Tallenka[)illaren. Indessen muss Ref. sich Stöhr vollständig anschliessen, wenn dieser die Gallenkapillaren leugnet. Der Ausdruck ist ein höchst unglück- lich gewählte!'. Denn das Wesentliche der Kapillare, die eigene, von Endothelzellen gebildete W^and findet sich bei der sogenannten (iallen- kapillare nicht. Bei letzterer handelt es sich nur um kapilläre End- äste dei- (iallengärige — das Gleiche gilt auch für die Speicheldrüsen — . die intercellulär und event. auch intracellulär gelegen sind. Kapilläre Gänge sind aber keine Kapillaren, wenn, wie es geschehen sollte, letzterer Ausdruck für Blutgefässe und mit eigenen Endothelwand- ungen versehene (iänge ausschliesslich gebraucht wird. Die Gleich- gültigkeit, welche die mei.sten Forscher gegen eine scharf umgrenzte Terminologie an den Tag legen, ist Schuld, dass gerade in der Drüsen- iitteratur eine grosse Verwirrung in der Ausdrucksweise herrscht. Richtig gewählte Termini sind immer ein grosses liiirsuiittel für das Verständnis, nicht bloss für die gegenseitige N'erständiguiig. Indessen diese Ausstellungen können den sonstigen sat'h liehen Wert des Buches nicht beeinträchtigen, dnnh dessen gute Ausstattung auch die Verlagsbuchhandlung sii-h ein \'erdienst erworben hat. B. Rawitz (Berlin). Zooloi;. Ccntralbl. VH. J.ilirf:. >^,. 21-4 9 — 110 - 215 Stoeckel, W., Über Teillingsvorgänge in Primordialeiern bei einer p]r\vachsenen. In: Arch. Mikr. Anat. iJcl. 53. 1898. p. 357—384. 1 Taf. Durch Mar eil and veranlasst untersuchte Verf. die Eierstöclce einer unmittelbar nach der Mensti'uation an rneunionie verstorbenen Jungfrau. Die Eierstöcke enthielten sehr zahlreiche Primordialfollikel mit zwei Eiern und viele P]ier mit zwei Keimbläschen. Verf. glaubt, dass diese Verdoppelungen durch direkte amitotische Teilung der Primordialeier entstanden sind: das Keimbläschen teile sich zuerst, dann folge das Eiprotoplasma und darauf schliesslich die Teilung des Follikels. Mit einer Prädisposition für Zwillingsschwangerschaft hätten Eier mit zwei Keiml)läschen nichts zu thun ; um das behau})ten zu können, müssten erst vollkommen fertige, mit Zona pellucida ver- sehene, doppelkernige Eier gefunden werden. (Letzteres ist schon vor längerer Zeit durch v. Herff [Kaltenl)ach's Lehrb. d. (ieburtshilfel geschehen. Ref.) R. Fick (Leii)zig). 216 Greve, C, Raub- und Nutzwild des Russisclien Reiches. In: Der Weidmann. XXXI. 189!». p. 2. Verf. behandelt ausführlich die Verbreitung der 11 Fe/i.s-Arten nach zu- verlässigen russischen Quellen (Siiantjew's, Sabanajew's u. a.). B. Langkavel (Hamburg). 217 Meri'iani, C. Hart, Results of a Biological Survey of Mount Shasta California. In: ü. S. Department of Agricult. Divis, of Biol. Survey. North American Fauna No. 16. Washington 1899. 178 p. Der zwischen der Sierra Nevada von Kalifornien und dem Cascade Range von Oregon gelegene Mount Shasta, ein alter Vulkan von 14450 Fuss (4210 m) Höhe ist für die Verbreitung der Pflanzen und Tiere überaus wichtig, und auch hier hat sich der bekannte Verf. um die genaue Feststellung der verschiedenen Mammalia sehr verdient gemacht. Als völlig neu wurden erkannt: Lepus klama- thensis, Lynx fasciatus pallescens, Ncurolrichus gibbsi major, Frocijon psora pacifica, Heithrodontomys klamathensis, Sorex shastensis, Thomomys monticola pinetorum, Uro- cyoii californicns townscndi. Auf p. 52 giebt Verf. ein Diagramm der verschiedenen Zonen am Shasta , auf p. 54 ein Verzeichnis der Mammalia der Upper Sonora Zone, auf p. 56 der Transition Zone, p. 61 der Canadian Zone, p. 65 der Hudsonian und p. 67 der alpinen Zone. Von p. 87 an beginnt eine ausführliche Beschreibung von 66 dortigen Arten , von denen Ochotona schisticeps (Merriam), Lutreola vison cneryumcnos (Bangs) und Muslela caitrina Merriam abgebildet sind. B. Langkavel (Hamburg). 218 de Winton, W. E., Some Mammals from the Ny asa-Tangany ika- Plateau in 1898. In: Froc. Zool. Soc. London. 1898. III. p. 552-5-53. Verf. untersuchte genau die nach London von der Anglo-German Grenz- Kommission eingeschickten Bhi/nchoeyon reichardi Reichenow, Oenettn iigrina (Schreb.), Mellivora ralel (Sparrm.), Sciurus cepapi A. Smith, Procavia arborca (id.), Gephalohphus lugens Thomas. Ein llerpestes Hess sich noch nicht bestimmen. Vgl. p. 771. B. Langkavel (Hamburg). — Nr. 215-218. — — 111 — 219 de Winton, W. E,, Oii Chinese Mammals, principally from Western Sechuen. With Notes on Chinese Squirrels. In: Proc. Zool. Soc- London. 1899. III. p. 572. Von den 14 aufgeführten Mammalia erwähnt Ref. nur die, denen eine farhige Abbildung beigegeben ist: Rhivopiihccuü roxcilanae und Lcpug sechuenensis. Nach den Bemerkungen Mr. St van 's führt Verf. 7 dortige Seiurus auf: Sc vulgaris, wahrscheinlich subsp. calolns Gray, Sc. daiidianus M.-Edw., Sc. pernyi M -Edw., Sc. pyrrJiomerus Thos., Sc. cngtaneovenlris Gray. »SV. .styani Thos. und »SV. .swm/ioei', der in Höhen von 200—2000 ni und mehr gefunden wird. 1:!. Langkavel (Hamburg^ 220 Nehrin^-, A.. Eine Ne-'sokia- Art aus der Oase Merw und eine solche aus dem Lande Moali. In: Ges. naturf. Fr. Berlin. 1898. p. 107 — 111. Aus dem Hauptverbreitungsgel)iete der Gattung Nesokia in Südost-Asien, von wo aus Vorposten bis nach dem Lob-Nor, Turkestan. Transkaspien, Persien, Arabien und Palitstina sich erstrecken, be.schreibt Verf. ausführlich mit Schiidelabbildungen in natürlicher Grösse Vc.soi/a Ituttoni var. ■^alnnini von Merw. und sodann A'. hacheri ans der Stadt Safje im Südosten des Toten Meeres. B. Langkavel (Hamburg). 221 Lydokkei', R., On the Leopard of the Caucasus. In: Proc. Zool. Soc. London. 1899. III. p. 79-5—796. Mit farbiger Abbildung. Nach dem kürzlich erschienenen Werke des Prinzen Demidoff „Hunting Trips in the Caucasus" soll Felis uncia in diesem Gebirge leben, und auf p 85 wird auch ein echter Schnee-Leopard abgebildet, der jedoch von anders woher entnommen ist. Verf. ist unter Angabe seiner Gründe der Ansicht, dass das fragliche Tier im Kaukasus vielmehr Felis pardus (ulliana ist. B. Langkavel (Hamburg"). 222 de A\'inton, W K.. On tlieSpecies ofCanidae found on theContinent of Africa. In: Proc. Zool. Soc. London. 1»99. III. p. 538—552. Zwei nach London gebrachte lebende Canis hagenbecki gaben dem Verf Ver- anlassung zu Prüfung der „Al'rican Dogs". Sie ist eine überaus schwierige, wenn nur das Äussere in Erwägung gezogen wird, und deshalb gab Verf. zu seinen auf- gestellten Arten ausser den sehr nötigen Synonymen stets auch sehr instruktive Schädelabbildungen. Zum Genus Canis zählt Verf. 1. Canis simensis {C. simensis Ruepp., C. simi.'i Gerv., C. wahjie Heugl., Simenia simensis Gray, C. simiensis Heugl.). — 2. Cani.s (inthus (? Le Chacal-Adive Buffon, ? ßarbary Dog Peunant, V C. barbarus Shaw, C, anthus F. Cuv., C. lupader Hempr. Ä Ehrenb., Thoux anthvs l\. Smith, Thous senegalcnsis H. Smith , ß'^dcaUus barbarus H. Smith, C. anrezis algirensis Wagn. Schreb. , C. aureus tripolilanus id., C. aureus var. algeriensis Less., Lupus nnlhus Gray, Dieba anthus id , C. aurcii.-i auct. nee. Linn., (\ hadramautieuslUo&cV). — 3. C'rt7i/.s- variegatus (Sea-Fox Sart, C. variegaius Cretzschm., C. riparins Hempr. et Ehrenb., V C. sacer id., Thous variegaius Smith, Vulpes variegata Gray, C. anthus Mivart, C. hagenbecki Noack, C. riparins Blanford, ? C. mengesi Noack). — 4. Canis mesomelas (C. mesomelas Schreb., C. laricgatoidcs Smith, Vulpes mesomelas Gray. Thous mesomelas Smith, ('. mesomelas var. schmidti Noack). — 5. Canis lateralis (V C. adustus Sundev., Vulpes adusta Gray, (.'. lateralis Sclat., (.'. holubi Lorenz, V C. wunderlichi Noack). — 6. Canis vulpes aegyptiacus (C. egyptius Desm., C. aegyptiacus Sonnini. C. nilotieus aut aegyptiacus Desm., C. niloticus Cretzschm., — Nr. 219-222. - 9^^ — 112 — C.vulperula Hempr. Ä Ehrenb., Vulpes niloticus Smith, '? Vulpcff algeriensis Loche). — 7. Canis pallidtis ('? C. nieppelli Schinz, C. pallichis Cretzschm.. ? C. s6) bestätigt und insofern erweitert, als Dean bei einer noch nicht ausgeschlüpften Larve jederseits zwei in der Leibeshöhle beginnende Trichter und noch die Spur eines dritten fand. Jungersen gab auch eine neue Beschreibung der Vorniere de& Störs. Bei einer 11 mm langen Larve ist eine längliche Vornieren- kammer vorhanden, welche in der Mitte durch einen langen Glome- rulus geteilt wird : der Vornierengang nimmt seinen Lirsprung jeder- seits mit fünf in der Vornierenkammer beginnenden Trichtern und ausserdem noch mit einem sechsten Trichter, welcher vor der Vor- nierenkammer liegt und in der Leibeshöhle beginnt. Der Vornieren- gang geht zuerst ein wenig nach vorn, biegt nach hinten um, macht mehrere Windungen und geht dann in geradem Verlaufe durch die L^rnierenanlage. Drei bis vier Segmente hinter dem letzten Vornieren- trichter beginnen die Harnkanälchen der ürniere; sie sind anfangs streng segmental gelegen, gehen von Malpighi'schen Körperchen au& und besitzen, w-enn völlig ausgebildet, tlimniernde Peritonealtrichter. — Bei etwas älteren Embryonen vermindert sich die Zahl der Trichter der Vorniere, insbesondere schwindet der vorderste Trichter (welcher in der Leibeshöhle begann) und der erste der Trichter in der Vor- nierenkammer. Beard berichtete über die Vorniere von Lepidostens. Bei Larven des 7. Tages, welche noch nicht ausgeschlüpft sind, und bei Larven des 9. Tages (7^'2 mm lang), welche soeben ausgeschlüpft sind, zeigt der Pronephros jederseits drei äussere Trichter, welche in der Leibeshöhle beginnen, und drei innere Trichter, welche in der Vor- nierenkamm.er beginnen; letztere ist als ein abgetrennter Teil der Leibeshöhle aufzufassen und enthält wie bei Amia einen Glomerulus. Nachher vermindert sich die Zahl der äusseren und der inneren Trichter; bei Larven von 11,5 mm Länge ist schon ein äusserer und ein innerer Trichter verschwunden. Referate. Lehr- und Handbücher. Sammelwerke. Vermischtes. 245 Emery, Carlo, Compendio di Zoologia. Bologna. (Ditta Nicola Zanichelli). 1899. gr. 8". VIL u. 456. p. Mit 1 Karte u. 600 Fig. Das Buch zerfällt in einen allgemeinen Teil von 107 und einen — Nr. 227-245. — — 126 — speziellen Teil von 337 Seiten. In dem ersteren ist die Behandlung des Stoft'es von der üblichen in manchen Punkten abweichend. Die Histologie wird, abgesehen von der allgemeinen Zellenlehre, gar nicht berücksichtigt, sehr eingehend dagegen die Fortpflanzung und im An. schluss daran die Descendenzlehre. Die Einteilung ist die alte ; doch werden die Poriferen als erster Metazoen-Typus von den Cölenteraten getrennt gehalten und die Wirbeltiere mit den Tunicaten und Am- phioxus als Chordaten zusammengefasst. Der Zweck des Werkes als Lehrbuch für Studierende bringt es mit sich, dass manche kleinere Gruppen, so die Ctenophoren, Roti- feren, Chaetognathen, Gephyreen etc., nur sehr kurz behandelt werden, manche allerdings, Avie die letztgenannten, so kurz (in 8 Zeilen, in denen obendrein noch gesagt ist, dass Lang sie mit anderen als Prosopygier zusammenfasst und dass Phoronis von manchen zu den Bryozoen gestellt wird), dass sie wohl ohne Schaden ganz hätten aus- gelassen Averden können. Bei den Mollusken und Wirbeltieren sind die wichtigsten Fossilien berücksichtigt. Von den Abbildungen ist die Mehrzahl aus deutschen Lehrbüchern entlehnt, unter den zahlreichen Originalen aber findet man recht interessante, so in den Kapp. An- passung, Hymenopteren, und manche Kopien guter Originale, die man in deutschen Lehrbüchern nicht trifft. Bedauerlich scheint es mir, dass die Tiernamen überwiegend nur in der italienischen Schreibweise, z. B. Omotteri, Olocefali, Iperoartri, Cordati, aufgeführt werden. Den Schluss bildet ein ausführliches Register (11 dreispaltige Seiten). J. W. Spengel (Giessen). 246 Parker T., Jeifery and William A. Haswell, A Text-book of Zoology. London. (Macmillan e^- Co.). 1897. 2 Vols. (Vok 1:XXXV u. 779 p. 80; Vol. 2: XX u. 683 p. 8".) mit 1173 Fig. Dieses Lehrbuch entfernt sich in mehrfacher Hinsicht von den in Deutschland gebräuchlichen, als deren Typus das Cl aus 'sehe Werk gelten kann, und dies erklärt sich aus dem Bestreben der Verfasser, es zu einem Leitfaden für den praktischen Unterricht in der Zoologie geeignet zu machen, während es gleichzeitig ein Compendium des gegenwärtigen Wissens darstellen soll. Um diesen Zweck zu er- reichen, beginnt die Darstellung jeder Tierklasse mit einer ein- gehenden Beschreibung einer oder gelegentlich mehrerer Paradigmen: dann folgt eine Übersicht über die systematische Einteilung der Klasse und die Stellung des Paradigmas in derselben , und darauf eine Schilderung der Organisation der Klasse und ihrer Unterabteilungen. So wird z. B. in der Klasse der Infusorien als Paradigma Paramae- ^ium caudatum auf drei Seiten nach Bau und Fortpflanzung abge- — Nr. 245—246. — - 127 — lijindelt; dann folgt die Einteilung der Klasse in die zwei Ordnungen der Ciliata und Tentaculifera und die Einreiliung des Para- digmas in die zweite derselben, Familie Paramaecidae, Unterord- nung Trichostomata ; schliesslich eine zusammenfassende Darstell- ung der Ordnung der Ciliaten auf acht, der Tentaculiferen auf zwei Seiten, mit zusammen 74 (als sechs Figuren gezählten) Abbildungen. In der Klasse der Fische erhalten wir für jede der vier Unterklassen ein Paradigma; für die der Elasmobranchii ist SajUmm canicuJa oder ChUoscyllinm fuscum gewählt (Vol. 2, p. 135 — 153, 19 Abb.); dann folgt die Einteilung in vier Ordnungen, deren 4. Sei ach ii in die Unterordnungen Pro tos elachii und Euselachii, letztere wiederum in die Sektionen Squalida und Rajida zerfallen; der Abschnitt allgemeine Organisation bringt dann eine von 18 Abbildungen begleitete Darstellung von Bau und Entwickelung der Haie und Rochen (17 p). Für den Stamm der Wirbeltiere wird aber insofern eine Ausnahme gemacht, als der Beschreibung der Klassen eine t'bersicht des Systems und der Grundzüge der Organisation (56 p) voraufgeschickt wird. Drei Kapitel über die örtliche und zeitliche Verbreitung der Tiere, über die „Philosophy of Zoolog}'"' (Descendenzlehre) und die Geschichte der Zoologie bilden den Schluss des ganzen Werkes. Diese Behandlungsweise des Stoffes hat unzweifelhaft manche Vorzüge , aber neben den Lichtseiten treten auch die Schattenseiten sehr stark hervor. Die durch sie bedingte Heraushebung der als Paradigmen gewählten Formen hat ein nicht berechtigtes Zurücktreten der übrigen zur Folge, ein Fehler, den die Verfasser sich allerdings durch eine reichliche Berücksichtigung anderer Beispiele in den Ab- schnitten über die Organisation grösserer Gruppen auszugleichen bestreben, der aber doch nur unvollkommen beseitigt ist und werden kann und besonders in einer sehr unvollständigen Darstellung der Systematik und namentlich der Physiologie und Biologie (in unserem Sinne) zum Ausdruck kommt. Auf ein kurzes allgemeines Kai)itel (42 p.) folgt die spezielle Beschreibung des Tierreichs, das in 12 Phylen eingeteilt wird: Proto- zoen, Poriferen, Gölenteraten , Platyhelminthen , Nemathelminthen, Troclielminthen, Molluscoiden, Echinodermen, Annulaten, Arthropoden, Mollusken und Chordaten, die in vorstehender Reihenfolge behandelt werden. Als Anhang zu den Cölenteraten werden als ^lesozoen Dicye- miden, Heterocyemiden und Orthonectiden, ferner SaJineUa Frenzel und Trichoplax vorgeführt, als Anhang zu den Platyhelminthen die Nemertinen. Das Phylum der Nemathelminthen umfasst Nematoden, Acanthocephalen und Chaetognathen mit dem Anhang Chaetosomiden, Echinoderiden (neun Zeilen) und Desmoscoleciden. Unter den Trochel- — Nr. 246. — — 128 — minthen sind die Rotiferen, Dinophilus und die Gastrotrichen, unter den Molluscoiden die Bryozoen, Brachiopoden und Phoroniden ver- standen. Die Enteropneusten eröftnen als Adelochorda die Reihe der Chordatengruppen , und ihnen folgen als Urochorda die Tunicaten. Aus der Einteilung der Phylen in Klassen greife ich folgendes heraus : die Cölenteraten zerfallen in Hydrozoen, zu denen als 4. Ordnung die Siphonophoren gezählt werden, Scyphozoen, Actinozoen und Cteno- phoren, letztere mit dem Anhang: Ctenoplana und CoelopJana. Die Endoprocten verbleihen einstweilen als Subklasse 2 bei den Poly- zoen (Bryozoen). Die Myzostomiden werden als Anhang bei den Chaeto- poden behandelt; die Priapuliden stehen bei den Inermia unter den Gephyreen ; auf diese folgen als eine besondere 3. Klasse die Archi- anneliden (Polygordiiden und Histriodriliden) und als 4. Klasse die Hirudineen. Die Onychophoren stehen als Klasse 2 zwischen Crusta- ceen und Myriapoden, Limuhis und die Eurypteriden als 8. und 9. Ordnung bei den Arachniden, welche nach den Insekten als 5. Klasse kommen. Im Anhang zu den Gastropoden linden wir die Scaphopoden und BJiodope. Unter den Wirbeltieren sind die Cyclo- stomen als Klasse von denjenigen der Fische getrennt, welche in die vier Subklassen der Elasmobranchier, Holocephalen, Teleostomen und Dipnoer zerlegt wird, mit dem Anhang: Ostracodermen. Einen grossen Vorzug des Buches bilden die ungemein zahlreichen, meistens vorzüglich ausgeführten Abbildungen. Ihre Zahl ist weit grösser als es nach der ihrer Nummer erscheint, da unter einer Nummer oftmals viele Figuren vereinigt sind. Zu einem nicht geringen Teil sind es Originalabbildungen, besonders in den die Paradigmen behandelnden Abschnitten, und unter diesen sind viele geradezu hervorragend, indem sie volle Naturtreue mit grosser Klarheit ver- einigen, so z. B. Fig. 83 und 84 Obelia, Fig. 321 Nereis oder die Übersicht der Organe der Tauben auf einem Längsschnitt Fig. 981, auch einige vortreffliche Schemata, z. B. Fig. 373 und 374 Hiruclo oder das des Gefässsystems eines Fisches Fig. 727 (farbig). Den Schluss bildet ein ausführliches Register (50 Spalten). J. W. Spengel (Giessen). Vergleichende Morphologie, Physiologie und Biologie. 247 Czapek, F., Reizbewegung bei Thieren und Pflanzen. In: Centralbl. f. Physiol. Bd. 13. 1899. p. 209—211. 248 Nagel, W. A., Über neue Nomenclatur in der vergleichen- den Sinnesphysiologie. Ibid. p. 281 — 284. 249 Hermann, L., Bemerkungen zu einigen neuen Wortbildungen. Ibid. p. 377—378; — Nr. 246-^250. — — 129 — 250 Ziegler, H. E., Theoretisches zur Ti erp sycholo gie und ver- gleichenden Neuro jjhysiül ogi ('. In : Biolog. Centr. -151. Bd. 22, 1899. p. 1—16. Alle diese vier Arbeiten nehmen auf die von Beer, Bethe und V. Uexküll gemachten Vorschläge 7ai einer „objektivierenden Nomen- klatur'' in der Physiologie des Nervensystems Bezug. (Vgl. Z. C.-BL VI. No. 875.) Die dabei geltend gemachten Gesichtspunkte sind recht verschiedenartig. Die Autoren kritisieren teils jene Vorschläge, teils suchen sie die von ihnen gefundenen Lücken in der neuen Nomenklatur durch weitere Vorschläge auszufüllen. Czapek wünscht, dass eine neue Nomenklatur auch die Reiz- })liysiologie der Protisten und Pflanzen mit berücksichtigen solle, und weist darauf hin, dass es auch bei Pflanzen differenzierte reiz- leitende Systeme giebt und modifizierbare und nicht modilizierbare Reizbewegungen auch schon beim niedersten Organismus unterschieden werden können. Die Definition der ,,Antitypie" , ..Antildnese", des Reflexes und der „Antiklise'^ erweist sich somit als ungeeignet. Verf. teilt die Reizbewegungen im allgemeinen in solche von vegetalem und von animalem Typus ; die letzteren wieder in solche vom Cnidarier- typus und vom Vertebratentypus. Wie Verf. diese Einteilung unter teilweiser Verwendung Beer-Bethe-Uexküirscher Ausdrücke im einzelnen durchführt und mit Beispielen belegt, ist im Original nach- zusehen. In meinem kleinen Artikel habe ich betont, dass sehr viele Biologen die bisherigen Ausdrücke ohne ..anthropomorphe" Miss- deutung gebrauchen, eine Änderung also nicht dringend notwendig ist. Jedenfalls sind bei der Neuordnung der Nomenklatur manche andere Punkte (vergl. d. Orig.) wichtiger, und einer neuen Terminologie, die die Fehler der alten mitherübernimmt und erst recht festlegt^ kann nicht zugestimmt werden. Ausserdem aber ist der neue Vorschlag bedenklich wegen seiner Unfertigkeit. Die Nomenklatur würde nach verschiedenen Richtungen ausgebaut werden müssen, wobei eine grosse Konfusion und Sprachverwirrung unvermeidlich ist. Schon die bis jetzt gemachten Abänderungs- und Ergänzungsvorschläge (Czapek, Hermann, Ziegler) zeigen, wohin man auf diese Weise kommen Avird. Hermann kritisiert einige der Beer-Bethe-U exkülTschen Wortbildungen: anelectiv, Tangoreflex, Tangantikinese, Tangantiklise, Phonoreception, Stiboreception, topoelectiv etc. aus sprachlichen Gründen. Ziegler steht der neuen Nomenklatur symi)athisch gegenüber, wünscht aber noch einige weitere Ausdrücke einzuführen. So zerlegt Zoolog. Centnalbl. VlI. Jahrg. Jijj._ •247_250. 11 — 130 — er die „Antikinese^'^ in die Neurokinese (Leitungsvorgang im Muskel) und Sarkokinese (Vorgang im Muskel). [Da es auch reflektorische Drüseninnervation giebt, müsste man eigentlich hierfür auch einen analogen Namen haben, wobei freilich das Wort „Kinese" schon nicht mehr passen würde.] Alle vererbten Eigenschaften und Funktionen bezeichnet Ziegler als „kleronom" , alle im individuellen Leben er- worbenen als ,,enbiontisch" [müsste wohl ^,embiontisch" heissen]. Ln übrigen zeigen die Ausführungen des Verf.'s, dass auch er auf dem von mir vertretenen Standpunkte steht, dass man sehr wohl der Psychologie entlehnte Ausdrücke in der Reizphysiologie anwenden kann, ohne die sogenannten „anthropomorphen" Missdeutungen. Auch verwendet Verf. den Ausdruck „psychisch" in der Tierphysiologie im gleichen Sinne, wie ich es bisweilen gethan habe, nämlich zur Zu- sammenfassung für die ..relativ höheren Funktionen des Nerven- systems". Bemerkenswert sind ferner die theoretischen Betrachtungen, die Verf. liinsichtlich der Leitungsverhältnisse innerhalb der Nervenzellen mitteilt und die darin gipfeln, dass bestimmte intracelluläre Neuro- fibrillenzüge je nach Richtung und Art der Inanspruchnahme der Zelle sich besonders stark entwickeln könnten, durch eine Art funktioneller Hypertrophie. Dadurch würde begreiflich, wie sich noch „embiontisch" so häutig Bahnen im Centralnervensystem herausbilden, die zwar in der Anlage, potentiell, vorher schon vorhanden waren, aber erst gewissermaßen eingefahren w'erden mussten. Ein Schema veran- schaulicht diese plausible Vorstellung. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). 251 Giard, Alfred, Sur le developpement parthenogenetique de la Mikrogomete des metazoaires. In: Compt. rend. Soc. Biol. 4. XL 1899. p. 1—4. Verf. protestiert mit Recht gegen die Schlüsse Delage's aus den Versuchen Rover i 's, durch die erwiesen wurde, dass ein Samen- faden ein kernloses Eifragment zur Entwickelung eines Embryos ver- anlassen kann. Delage glaube mit Unrecht, der Eikern sei für die Befruchtung unwesentlich u. s. w. Verf. hält vielmehr derartige eikernlose Embryoentwickelungen für ,, männlich parthenogenetische" Abnormitäten. Er glaubt übrigens, dass in solchen Fällen der Embryo eventuell nicht ganz rein väterliche Eigenschaften zu haben brauche, da auch das Eiplasma als Nährboden vielleicht einigen Eintiuss aus- üben könne. Auch Millardet's (1894) Bastardierungsergebnisse an Pflanzen erklärt Verf. in analoger Weise, ebenso die Bastardierungs- versuche an Batrachiern von Heron-Royer (1883). R. Fick (Leipzig). — Nr. 247—251. — — 131 — Protozoa. 252 Eimer, (i. H. Theodor und Fickert, C, Die Artbildung und Ver- wandtschaft bei den Foraminiferen. Entwurf einer natür- lichen Eintheilung derselben. In: Zeitschr. wiss. Zool. Bd. 65. 1899. p. 599—708. 45 Texttig. (Auch als: Tübinger Zool. Arbeit. III. Bd. No. 6. 1899. p. 527—636. M. 5.—.) In der nachgelassenen Arbeit wendet Eimer seine bekannten Anschauungen über den Vorgang i)hylogenetischer Entwickelung auf das Formengewirr der Foraminiferen an und konstruiert hieraus eine neue Klassifikation für dieselben. An der näheren Ausgestaltung des neuen Systems beteiligt sich C. Fickert, dem auch die Herausgabe des ganzen Werkchens zu danken ist. „Eine Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl giebt €s nicht. Die Auslese kann nichts Neues schaffen, sie kann nur ar- beiten mit schon vorhandenem — ich wiederhole diese Sätze so lange bis sie gehört werden." Referent, gegen den der citierte Satz im speziellen gerichtet ist, wird das niemals bestreiten^). An der Fort- bildung der Organismen arbeiten zwei Hauptfaktoren, von denen der eine ebensowenig vernachlässigt werden darf wie der andere. Der eine ist die in bestimmten, aber in der Regel in nicht sehr weiten Grenzen ,, veränderliche" Entwickelungsfähigkeit, die in den Organis- men ganz unbedingt vorhanden sein muss — kurz die Variations- möglichkeit der Organismen selbst; der andere Faktor ist die natür- liche Zuchtwahl, die unter dem enormen Überschuss an Variationen nur das Nützliche oder das wenigstens nicht Schädliche erhält und, Zweckmäßiges fördernd, Zweckmäßigkeit erzielt. Eimer betont immer nur den ersten Faktor als Hauptfaktor und drückt die Zucht- wahl zur Nebensache herab ; allzu rabiate Darwinisten sehen vielfach in dem zweiten Faktor den ,,Allesvollbringer" und denken über die notwendigen Leistungen des Organismus weiter garnicht nach. Zeit wird's, dass man beide Faktoren in gleicher Weise in Rücksicht zieht. Ebensowenig wie die Zuchtwahl ein Organ bilden kann, das ihr die Variabilität des Organismus nicht liefert, ebensowenig nützt es dem Organismus, wenn er neue Fähigkeiten durch Variation entwickelt, wenn sie den Anforderungen der Zuchtwahl nicht zu genügen ver- mögen. 1) Ref. hat wohl der Kürze halber behauptet, die Zuchtwahl habe eine Festigkeitssteigerung bei der phylogenetischen Fortbildung der Foraminiferen- schale bewirkt; aber das war ganz natürlich nur in dem Sinne gemeint, dass die Zuchtwahl ,, gezüchtet" , nicht selbst „gemacht" hat. (Vergl. Zool. Centralbl. ■o. Jahrg. p. 556). — Nr. 252. — 11* — 132 — Es ist sehr begreiflich, class man seither die phylogenetischen Spekulationen meistens oder durchweg auf Zuchtwahlspekulationen, im besonderen auf Zweckmäßigkeiten zu gründen gesucht hat. Zweck- mäßigkeiten lassen sich meist leicht erkennen oder vermuten, die Ursachen „der veränderlichen Entwickelungsfähigkeif der Organismen gehören dagegen zu den schwierigsten Problemen der Biologie. Eimer sucht der Lösung des Problems dadurch näher zu kom- men, dass er die zur phylogenetischen Weiterbildung notwendigen eigenen Leistungen der Organismen klassifiziert und sie als „Ent- wäckelungsrichtungen" bezeichnet. Tritt ein Organ oder sonst ein Individuenteil innerhalb einer gemutmaßten phylogenetischen Reihe zuerst in kleinen Anfängen, dann immer deutlicher, zuletzt in hoher Ausbildung auf, so zeigt es die Erscheinung „bestimmt gerichteter Umbildung"', wir haben dann Organophysis Eira. vor uns. Kehrt sich eine einmal aufgenommene Entwickelungsrichtung plötzlich bei einer bestimmten Stufe einer phylogenetischen Reihe in ihr Gegenteil um, so bezeichnet Eimer das bekanntlich als: „ Epistrepho- genesis". Als „Heterepistase ^ verschiedenstufige Entwickelung'^ bezeichnet Eimer diejenigen Fälle, wo „einzelne Eigenschaften in der Entwickelung vorgeschritten, andere aber zurückgeblieben sind'^ Halmatogenesis =^= sprungweise Entwickelung liegt dann vor, wenn plötzliche Neubildungen auftreten, die bei den Vorfahren nicht er- kennbar vorgebildet waren, Genepistase = Entwickelungsstillstand dann, wenn sich die Organismen oder Organismenteile durch lange geologische Perioden unverändert erhalten; als Homoeogenesis wird schliesslich der Fall bezeichnet, wenn zwei Formen verschiedenen Ursprungs dieselbe Entwickelungsrichlung einschlagen. „Dazu kommt noch das Fehlen der Befruchtungsverhinderung ^), Kyesamechanie, bei den Foraminiferen, jenes weiteren Mittels der Artbildung bei den durch Mischung von Samen und Ei entwickelten Lebewesen." Es wird sich kaum verkennen lassen, dass für alle diese Aus- drücke sich wirklich fast in jeder Organismenreibe Beispiele anführen lassen, und wenn man fragt, warum sich dieses System von Bezeich- nungen, das Eimer ja schon in früheren Arbeiten aufgestellt und vertreten hat, keine Aufnahme zu schaÖen wusste, so ist der Grund hierfür meiner Ansicht nach darin zu suchen, dass die Anwendung dieser Ausdrücke jeder Willkür preisgegeben ist und dass sie zudem 1) Soll, nach den übrigen Erörterungen Eimer's über das wahrscheinliche Fehlen der Conjiigation bei den Foraminiferen, wohl einfach die Befruchtungs- verhinderung heissen. Das „Fehlen" war offenbar nur ein Anlauf zu ursprüng- lich anders beabsichtigter Ausdrucksweise, der bei der Herausgabe stehen ge- hlieben ist. — Nr. 252. — — 133 — das Verständnis der in ihnen enthaltenen Probleme in keiner fass- baren Weise fördern. Wenn Eimer für die verschiedenen Ent- Avickelungsvorgänge ^lerkmale hätte angeben können, an denen man dieselben zu imtersfheiden vermöchte, ohne dass man die „sprung- weise Entwickelung" an einem „Entwickelungssprung" bez. an einer Lücke in der Formenreihe erkennen müsste ; wenn er z. B. bestimmt hätte nachweisen können, dass Halmatogenesis, Heterepistase u. s. w. unter diesen oder jenen Umständen notwendig, sei es aus rein logischen, sei es aus empirischen Gründen eintreten müsse, wenn er seine Entwickelungsrichtungen in feststehende Gesetze hätte ein- reihen können, dann wäre ihm sicher mehr Einfiuss vergönnt gewesen. Doppelt aussichtslos aber war es, mit diesen Ausdrücken gegen den leicht verständlichen , logisch festgefügten Bau der Zuchtwahl- lehre, gegen die „Darwin'sche Nützlichkeitsherrschaft'' ankämpfen zu wollen, da doch all die von den Ausdrücken umfassten Erschein- ungen sich sehr wohl mit der Zuchtwahllehre vertragen. Eimer's Anschauungen sagen apodiktisch , ohne Beweise bringen zu können, „so ist es" und geben über das „Warum" keinen oder doch nur ganz hypothetischen Aufschluss; die Zuchtwahllehre antwortet: ,,so ist es, weil es als zweckmäßig aus nützlichen Variationen ausgelesen ist; sieh nur zu, warum die vorhandenen \'ariationen nützliche ge- wiesen sind". Selbstverständlich ist es Eimer leicht geworden, seine für alle Fälle abgepassten Ausdrücke auch als Klassißkationsmittel in das Formenreich der Foraminiferen hineinzutragen. Weniger verständlich erscheint es Ref. und es ist vielleicht nur der ünfer- tigkeit des hinterlassenen Manuskripts zuzuschreiben, wenn Eimer auch seine Anschauungen über die Entstehung der Zeichnung bei höheren Tieren (Saurier, Vögel, Säugetiere, Schmetterlinge), welche bekanntlich nach ihm hinten zuerst auftreten, nach vorn über den Körper wandern und sich vorn am längsten erhalten, in die Diskussion bei Behandlung der biformen Foraminiferen mit hinein- zieht. Bei den biformen Arten zeigt bekanntlich das Embryonalende einen höheren Aufwindungsmodus seiner Kammern als das Wachstumsende; es ist das Embryonalende z. B. spiral eingerollt, das Wachstumsende aber gerade gestreckt. Es erscheint also auch hier am Hinterende etwas Neues zuerst. Es ist aber doch ganz unerlaubt, das Embryonalende als ,, Hinterende'" mit demjenigen der ge- nannten Metazoen zu vergleichen'). Bei den Foraminiferen .sind Hinter- und Vorderonde Produkte versciiiedener Altersstufen, liei den Metazoen sind sie gleichzeitig nebeneinander entstanden. 1) Das Embryonalende zeigt den früheren Sclialenzustand in der Jugendzeit, das Wachstunisende ist das Produkt des Alters Die Metazoen könnten mit diesen Verhältnissen nur dann verglichen werden, wenn der Schwanz derselben zuerst gebox-en würde und dann aus dem Schwanzstück heraus allmählich der übrige Körper hervor gewachsen käme. — Nr. 252. — — 134 — ganz abgesehen davon, dass es sich in unserem Falle um einzellige, im anderen um vielzellige Organismen handelt. Eimer zieht nun auch weiter keinen Schluss aus diesem merkwürdigen Vergleich, sondern hält die Frage, ob die betreffenden biformen Arten in Einrollung oder in Abrollung begriffen sind, ob sie phylogene- tisch vorwärts strebende oder zurückgebildete Formen sind, erst dann für ge- löst, wenn festgestellt werden könnte, ,,dass die jüngsten Tiere nur hinten ein- gerollt sind und dass sich mit dem Wachsen die Einroliung immer weiter nach vorn erstreckt. Leider sind mir die jungen Zustände nicht bekannt: sicher ist nur, dass sich zuweilen verschiedene Stufen der Einrollung bei einer und der- selben Art finden, aber bei anscheinend ausgewachsenen Tieren". Auch aus dieser Äusserung lässt sich schliessen, dass Eimer bei Niederschrift der betreffenden Stellen nicht an den allmählichen Aufbau der Foraminiferenschalen dachte. Da- rüber, dass die biforme bischofstabförmige Schale im Jugendzustand eingerollt ist und in späteren Entwickelungs- bezw. Wachstumsstadien dann ihre Aufroll- ung wieder aufgiebt, kann natürlich nicht der geringste Zweifel obwalten. Als allgemeine Entwickehingsrichtungen bei den Foraminiferen werden namhaft gemacht. 1. ,,Ausbildung von sandigen Gehäusen zu kalkigen, bezw. von aus Fremdkörpern zusammengesetzten zu kalkigen und wahrscheinlich Ausbildung von hörn- (,jChitin"-) artigen zu sandigen. (Ersteres im Einklang mit Neumayr, Schaudinn, Rhumbler u. a. , letzteres im Einklang mit Haeckel.) 2. Auftreten und Überhandnehmen der Kalkablagerung in der sandigen Schalenwand (im Einklang mit den Vorgenannten) in der Richtung „von innen nach aussen". (Möglich, aber wo ist diese Richtung festgestellt? Ref.) 3. Entwickeliing von unregelmäßigen zu regelmäßig gebauten Ge- häusen, und zwar zu zweiseitigen (seitlich symmetrischen). 4. Entwickelung von geschlossenen oder an verschiedenen Stellen unregelmäßig offenen Gehäusen zu solchen, welche an zwei entgegen- gesetzten Seiten oder nur an einem Ende offen sind. 5. ,,Ausbildung von mehrkammerigen Gehäusen aus einkamme- rigen : es ist der Ausdruck einer der allerfrühsten Entwickelungsricht- ungen, dass die Kammern bei der Vermehrung sich nicht von ein- ander trennen, sondern zusammenbleiben, dass unvollkommene Teilung stattfindet. " (Im Einklang mit Haeckel, gegen Neumayr und Rhumbler.) An dieser Stelle ist die Entstehung der Schalen, die wie vorher bemerkt, anderwärts verkannt wurde, richtig angegeben. 6. „Dabei werden die jüngeren Kammern in der Regel immer grösser als die nächstälteren.'' 7. ,,Weit verbreitet ist die Neigung einkammeriger und mehr- kammeriger Gehäuse, langgestreckte P'ormen zu bilden." 8. ,, Die Neigung dieser langgestreckten Gehäuse sich einzurollen." — Nr. 252. — — 135 — Auf die p. 569 aufgezählten besonderen Entwickelungsriclitungen soll hier als für ein Referat zu weitführend nicht eingegangen werden. „Jede Entwickelungsrichtung ist nichts als Ausdruck organisclien Wachsens, welches ich als die Ursache der allmählichen Umgestaltung der Lebewelt bezeichne, als die Ursache allen Abänderns und als die letzte Ursache aller Artentfaltung.'' Das organische Wachsen, Organophy sis, aber beruht auf der Umänderung der stofflichen Zusammenstellung des Körpers durch Ein- wirkung der Aussenwelt, bezw. durch Gebrauch^). Die ganze reiche Formgestaltung einer grossen Tiergruppe, wie die der Foraminiferen, ist die Folge des zeitweiligen oder andauernden Herrschens verhält- nismäßig weniger Entwickelungsrichtungen." (p. 570.) Die nähere Ausführung des Systems, ,, stimmt im wesentliclien" mit Rhumbler's System ,, überein'" ; (Zool. Centralblatt II. Jahrgang 1895. p. 299), so dass hier nur auf die Abweichungen eingegangen zu werden braucht. ,,Die Hauptunterschiede sind die. dass wir mit anderen Forschern (neuerdings Haeck el, Ref.) Lagena als eine sehr ursprüngliche und zwar als eine sich an Saccammina anschliessende Form auffassen, während ,,Rhumbler sie von Nodosaria ableitet". Hierzu ist zu bemerken, dass die äusserst fein poröse, kalkige, offen- bar sehr hoch entwickelte Lagena unmöglich mit der viel grösseren, sehr ursprünglichen, sandschaligen, gänzlich imperforaten Saccam- mina in unmittelbaren Konnex gebracht werden kann; das zeigt sich auch im Bau des Weichkörpers. Dieser ist bei Saccammina nach den Untersuchungen des Ref. unterhalb der Gehäuswand noch mit einer Gallertschicht umzogen, die bei Lagena ganz fehlt u. dergl. m. Übrigens halten die Verf. die Frage nach der Stellung von Lagena für nicht von besonderer Wichtigkeit, ,,weil die Lageniden bei Rhumbler als Endgruppe angesehen werden, und weil sie bei uns nur als die kalkigen \'er\vandten der sandigen Saccamm i ni dae erscheinen, welche letztere als Stammgruppe für höhere Foraminiferen bestehen bleiben. Schliesslich kommt Rhumbler gleich uns auf sandige Ausgangsformen" . Ein weiterer Unterschied ist der, dass Rhumbler die Cornu- spiren zu den Ammodisciden stellt, während die Verff". dieselben als Übergangsgruppe zu den Miliolinen aufführen. Die Milioliden haben nach des Ref. Erfahrung ein Charakteristikum, das keiner ]\Iiliolide fehlt, das ist ein kurzer röhrenförmiger Kanal, der sich um die Embryonalkammcr herumschlägt, und von dem dann sich die nach- ') Bekanntlich schreibt Eimer der Vererbung von durcli Gebrauch er- worbenen P]igenschaften einen grossen Einfluss zu. -- Nr. 252. — — 136 — folgeüde Kammer, unter starker Aufbauschung ihres an den Embryo- nalkanal anstossenden Abschnittes, scharf absetzt; den Cornu- spiren fehlt aber dergleichen, ebenso den Cliilosto me lüden, welche nach den Verff. trotz ihrer Perforierung und ihren ganz ab- Aveichenden Mündungsverhältnissen gleichfalls zu den Milioliden ge- hören sollen. Unrichtig ist es sicher, wenn Beophax ßndens Parker als neues Genus Proiochistn an den Anfang der Textulariden ge- stellt Avird: die Schale erscheint an ihrem Primordialende in zwei Teile auseinander gespalten, an ihrem Wachstumsende ist sie ein- reihig. Es handelt sich hier offenbar um eine bei allen Gruppen, wenn auch anderwärts selten vorkommende Verschmelzungserscheinung von zwei jugendlichen Schalen, die nach der Verschmelzung gemeinsam weiter gebaut haben, nicht um eine biforme Art; sie hat mit der bifornien Crihrostonnim v. Moeiler, welche als neues Genus Moel- lerina^) ihr voran gestellt wird, nichts zu thun. Auch in manchen anderen Punkten macht sich der Mangel eigener Erfahr- ung der Verff. auf ihrem Klassifikationsgebiete geltend; ihre Anschauungen sind offenbar fast ausschliesslich auf das Studium der Abbildungen in Bradys Challengeibericht über die Foraminiferen begründet, aus welchem auch die 45 die Arbeit begleitenden Textfiguren entnommen sind. Warum sind die Figuren 28 und 31 im Gegensatz zu allen anderen Figuren auf den Kopf, d. h. Embryo- nalkammer nach oben, Wachstumsende nach unten, orientiert? Ein sinnentstellen- der Druckfehler ist es, wenn wir p 587 von der Orbi cu linenkanimer der Globigerinen anstatt von der Orbulin enkammer lesen; p. 633 wird die letztere wieder vermutungsweise für eine abgelöste Endkammer von Globigerinen ausge- geben, obgleich ihre Natur als späte Umhüllungskammer einer ausgewachsenen vollständigen Globigerina bereits 1894 nachgewiesen wurde. (Vergl. Zool. Cen- tral-Bl. 2 Jahrg. 1895 p. 8). Die Hauptgruppen des Systems sind folgende: I. Astr orhi z id a e. emend 1. Familie: Protocystidae (= Placopsilina). — 2. Fam. : Astrorhizidae. IL Siphon oforaniini fe ra (Tubulata) nov. — 3. Fam.: Rhabdamminidae emend. — 4. Fam.: Dendrophryidae. — 5. Saccorhizidae nov. (mit Hyperammina ad p.). III. Cy stof oraminif era (Vesiculata) nov. 6. Fam.: Gromiidae. — 7. Fam. : Psammosphaeridae. ~ 8. Fam.: Saccamminidae. — 9. Fam.: Kyphammi- nidae nov. (= Thuramminidae Brady ad p.) IV. A scofor aminifera (Utriculata) nov. 10. Fam.: Ammoasconidae nov. (mit laculella, Pclosina, Hippocrepma u. A.) — 11. Fam.: Serpuleidae nov. {Hy- pcrammina vagans). V. Stichostegia nov. 12. Fam.: Hyperamminidae. — 13 Fam.: Asche- monellidae. — 14. Fani.: Nodosaridae. VI. Text ularidae. 15. Fam. : Opistho-Dischistidae nov. (mit CUmacammina, IJigenerina u. A.) — 16. Fam.: Pavoninidae. — 17. Fam.: Dischistidae nov. (mit 1) Die Bezeichnung Mocllcrinn ist 1886 bereits von Ulrich anderweitig ge braucht worden. — Nr. 252. — — 137 — Cribrostomuin und Textularia). — 18. Fam. : Opistho-Trischistidae nov. (mit ührrj- salidina. Clavnllna und Gaudryina. — 19. Fam. : Trischistidae nov. (mit Verneni- lina, Tritaxia und Valimlina. — 20. Fam. : Buliminidae emend. — 21. Fam: Fron- dicularidae. VII. Enclinostegia nov. (ganz unhaltbare Gruppe; Ref.) Kammern schief an einander gereiht. 22 Fam.: Cassidulinidae (mit CristeUaria, Vayinulina, Casfii- dulina.) VIIT. Ort hoklinostegia nov. 23. Fam : Cornuspiridae. — 24. Fam.: Miliolidae. — 25. Fam.: Orbitolitidae. — 26. Fam.: Alveolinidae. — 27. Fam.: Chilcstomellidae (siehe die Bemerkung weiter oben). — 28. Fam. : Haplophragmidae. — 29. Fam.: Endothyridae emend. (Pulleninae. Bütschli ad p.) — 30. Fam.: Poly- stomellidae. — 31. Fam.: Rotalidae. — 32. Fam.: Cyclospiridae nov. (Mit Pidii- nulina und Planorhulina ad p.) — 33. Fam : Acervulinidae. — 34. Fam.: Calca- rinidae. — 35. Fam : Globigerinidae. — 36. Fam.: Fusulinidae. — 37. Fam.: Nummulitidae. Alles in allem genommen, wird das Verdienst der vorliegenden Arbeit, mehr als in klassifikatorischen Reformen, darin zu suchen sein, dass sie im eingangs erörterten Sinne die seither so sehr vernach- lässigte, im Innern der Organismen irgendwie begründete Veränderungs- fähigkeit betont und hiermit auf einen Faktor hinweist, ohne den die Zuchtwahl allein nicht.s auszurichten vermöchte. Über die Variationsfähigkeit kann meiner Ansicht nach nur die experimentelle Feststellung der bei dem Schalenbau maßgebenden mechanischen Faktoren Brauchbares und Fruchtbares ermitteln. Eimer 's Aus- drücke für die verschiedenen organischen Entwickelungsrichtungen sind vorläufig nur Progranimnummern eines grossen Fragebogens, keine Antworten. ^ L. Rhumbler (Göttingen). Echinodermata. 253 Clark. Hube rt Lyraan, F u r t li e r N o t e s o n t h e E c li i n o d e r m s o f B e r m u d a. In : Ann. New York Acad. of Sc. Vol. XII. Nr. 7, Lancaster, Pa.. 1899. p. 117-138. pl. 4. . Clark liefert an der Hand einer neuen Sammler-Ausbeute weitere Beiträge zur Echinodermenfauna der Bermuda-Inseln, die sich vorzugsweise auf die dort vorkommenden Holothurien beziehen. Er erörtert ausführlich die Beziehungen von Sllchopus diaholi Heilprin zu St. mö'bii Semp., beschreibt eingehend die Holo- thuria surinamensi« Ludw. und begründet seine Ansicht, dass H e i Ip r in 's IT. floridana damit identiscli ist. Ferner ist Scmperia hernmdensis Heilprin mit Cucumaria pmic- tata Ludw. und Ilolothuria ahbrevinta Heilprin mit H. captira Ludw. zu vereinigen. Von Synaptiden kommen nicht weniger als fünf Arten vor: die beiden lebendig- gebärenden Chiridola rotl.fera (Pourt.) und Synapta vivipara (Oerst.), dann Synapta roseola (Verr.), S. inhaerens (0. F. Müll.) uud eine neue Art S. acanthia, die näher beschrieben und durch Abbildungen erläutert wird. Schliesslich giebt der Verf. eine neue Zusammenstellung der bis jetzt von den Bermuda Inseln bekannten 4 Asterien-, 7 Opliiuren-, 8 Echinoiden- und 10 Holothurien- Arten mit kurzen Beschreibungen derselben. H. Ludwig (Bonn). — Nr. 252—253. — — 138 — 254 Parquhar, H., On the Echinoderm Fauna ofNewZealand. In: Proceed. Linn. Soc New South Wales (for 1898). Vol. XXIII. Sydney, Dec. 1898. p. 300-327. Verf. giebt nach einem Überblick über die neuseeländische Echinodermen- fauna und deren Beziehung zur australischen eine kritische Aufzählung aller bekannten Arten, der darauf bezüglichen Litteratur und der bis jetzt bekannten Verbreitung; es sind 2 Crinoideen, 16 Ophiuroideeu, 28 Asteroideen, 23 Echinoideen, 21 Holothurioideen. H. Ludwig (Bonn). 255 Lo Bianco, Salvatore, Notizie biologiche riguardanti specialmente il periodo di maturita sessuale degli animali del golfodiNapoli. In: Mittheil. zool. Stat. Neapel. 13. Bd. 1899. p. 448-573. (Echinoderma p. 469—476.) Lo Bianco's umfangreiche Notizen enthalten in Ergänzung zu seiner ebenso betitelten früheren Publikation (1888) auch in Bezug auf die im Golfe von Neapel lebenden Echinodeimen eine Fülle von bemerkenswerten neuen Angaben über die Fortpflanzungszeit, sowie über das Vorkommen und die Lebensweise der jungen und der erwachsenen Tiere. H. Ludwig (Bonn). 256 Loriol , P. de. Notes pour servir ä l'etude des Echinodermes VII. In: Mem. Soc. de Phys. et d'Hist. nat. de Geneve. Tome 33. 2. partie, Nr. 1, 1899. p. 1—34. Taf. 1-3. Ausser zwei neuen fossilen Arten, Pygurus noellingi aus Cenomanschichten des Libanon und Echinolampas cassineüensis aus dem Oligocaen von Piemont, be- schreibt Loriol zehn neue recente Seesterne und Ophiuroiden. Von den acht Seesternen gehören sieben zur Gattung Astropecten : penangensis von Penang, verrilU (sehr nahe verwandt mit A. indicus Döderlein) von Mazatlan, inermis (dem A. granidatus M. Tr. nahestehend) von Madagascar, rubidvs (dem A. articulalns Say sehr ähnlich) von Mexiko, koehleri. von Pondichery, ludwigi (= japonicus Yves) und kagoshimensis von Japan; ausserdem werden zwei kleine Exemplare von A. zebra Sladen beschrieben. Für einen Gymnasteriden von Ceylon wird die neue Gattung und Art Scyphaster humberti errichtet. Neu sind ferner Ophiocoma doeder- Icini (verwandt mit 0. scolopendrina) und Gorgonocephalus robillardi von Mauritius. H. Ludwig (Bonn). 257 Döderlein, Ludwig, Einige Beobachtungen an arktischen Seesternen. In: Zool. Anz. 22. Bd. Nr. 594. 1899. p. 337-339. D. erklärt Ctenodisciix kramei für identisch mit Ct. corniadakis und fand ferner unter Seesternen von Spitzbergen die beiden bis jetzt nur von der nord- amerikanischen Küste bekannten Arten l'teraster hcxactis und Solaster siirtensis. Von l't. hcxactis beschreibt er des Nähei'en die Brutpflege. Sol. syrtensis ist viel- leicht nur eine Varietät von Sol. endcca. Ebenso führt die grosse Veränderlich- keit des Rückenskeletes von Sol. papposus zu der Vermutung, dass auch Sol. affinis und Sol. helianthus nur Lokalformen der Species Sol. poppoms sind. End- lich macht D. auf die grossen individuellen Schwankungen der relativen Arm- länge bei arktischen Seesternen überhaupt aufmerksam. H. Ludwig (Bonn). 258 Köhler, R., An Account of the Deep-sea Ophiuroidea collected by the Royal Indian Marine Survey Ship Investigator, Calcutta 1899. 4«. 76 und II p. 14 Taf. — Nr. 254-258. — — 139 — Köhler hat seiner früheren Arbeit über die vom „Investigator" im indischen Ocean gesammelten Tiefsee -Ophiuren (Annales sc. nat. Zool., 8. ser., vol. 4,. Paris 1897, p. 277— 372, pl. 5 — 9) nunmebr eine zweite Publikation über denselben Gegenstand folgen lassen, welche in dem französisch geschriebenen Texte genauere Fundortsangaben bringt, sonst aber ausser einigen Zusätzen bei Ophiolypa simplex, Ophiopyrgua alcocki, Ophiogfypha sordida, Ophiochiton ambulator und Gorgonocephalus levigatus und der Beschreibung einer weiteren neuen Art, Amphiura misera (sehr nahe verwandt mit A. squamala Delle Chiaje und A. tenuispina Ljungman) wört- lich mit dem Texte der vorläufigen Veröffentlichung übereinstimmt. Dagegen sind die kleinen Umrissfiguren jetzt durch prächtig ausgeführte und auch in der Zahl der Figuren bereicherte Tafeln ersetzt. H. Ludwig (Bonn). 259 Lütkeii, C. F., aiid Th. Mortenseii, The Ophiuridae (Reports on an Exploration of the West Coasts of Mexico, Central and South America, and of the Galapagos Islands, in charge of Alexander Agassiz, by the ü. S. Fish Commission Steamer „Albatross'", diiring 1891, Lieut. Commander Z. L. Tanner, U. S. N. . commanding. Bd. XXV.). In: Mem. Mus. Comp. Zool. Harvard Coli. Vol. XXIIL Nr. 2. Cambridge, Mass. 1899. 208 p. 22 Taf. und 1 Karte. Die Verff. geben eine eingehende Beschreibung der von der „Albatross'' -Expedition im tropischen Teile des östlichen Stillen Oceans erbeuteten Schlangensterne. Von sämtlichen neuen Arten wird auf den vortrefflich ausgeführten Tafeln ein zuverlässiges Bild gegeben und ebenso von einer Anzahl älterer Arten eine genauere Darstellung geliefert. Unter den ()6 Arten, die das Werk behandelt, sind nicht weniger als 58 neu; nämlich: 2 Oiihiozona-, 3 Ophiernns-, 2 Gymno- pluHva-, 8 0])hio(/li/2jha-, 1 Ophioden-, 3 Ophiomnsium-, 1 Ophiadis-^ 12 Amphinro , 1 Ophionereis-^ 8 Ophiacantha-, 2 Ophiomitra-, 1 Ophio- thamntis-, 1 Ophiompxa-, 1 Sigsheia-, 3 Asfroui/x-, 1 Astroschenia- und 1 Gorgotiocej)hnJHS - Avtew. Die neue, durch zwei unter sich sehr wenig ähnliche xVrten vertretene Gattung GymnopJimra unterscheidet sich von Ophioylypha nur dadurch, dass der Scheibenrücken ganz oder wenigstens in seinem centralen Bezirke von dicker nackter Haut gebildet wird. Vier Arten des atlantischen (jebietes Avurden im Stillen Ocean wiedergefunden und sieben andere sind wenigstens mit atlantischen Arten besonders nahe verwandt. Unter den sämtlichen vom ,, Albatross" heimgebrachten Arten scheint sich keine einzige lebendiggebärende zu i)etinden. Auf die Beschreibung der Arten folgt ein nach den Fundstationen geordnetes Verzeichnis der ganzen Ausbeute, dann eine sehr dankenswerte Zusammenstellung der seit Lyman's Bearbeitung der Challenger-Ophiuren erschienenen Schriften zur Systematik dieser Klasse, sowie eine Liste aller seit Lyman aufgestellten neuen (iattiingen (23) und Arten (234). H. Ludwig (l>onn). - Nr. 258-259. — - 140 — 260 Bordas, L., Etüde sur Tanatomie et les fonctions pliysio- 1 o g i (| u e s des p o u m o n s a q u a t i q u e s des H o 1 o t li u r i e s. In : Annal. Mus. bist. nat. Marseille. Zool. Tome V. Memoire No. 3. 1899. 15 p. 1 Taf. Bordas hat sich an den Kiemenbäumen von HoJotlmria im- patiens, poli^ tubulosa und SticJiopus regalis überzeugt, dass an den Endbläschen keinerlei Offnungen vorhanden sind. Die Wand des Organes ist von innen nach aussen aus einem inneren Wimperepithel, einer Bindegewebslage , einer Längs- und Ringmuskelschicht , einer Lage subepithelialer Lacunen und einem äusseren Wimperepithel zu- sammengesetzt. Die Funktion des Organes ist eine vierfache: 1. eine respiratorische, 2. eine hydrostatische, 3. eine plastidogene, indem in den Lacunen der Wandung der Endbläschen zahlreiche amöboide Zellen entstehen, 4. eine exkretorische. wie der Nachweis von Harn- säure, harnsaurem Natron und harnsaurem Ammoniak beweist. H. Ludwig (Bonn). 261 Clark, Hubert Lymaii, The Synaptas of the New England Coast (Contributions from the Biological Laboratory of the U. S. Fish Commission, Woods HoU, Massachusetts). In: U. S. Fish Commiss. Bull, for 1899. Wa.shington 1899. p. 21—31. pl. 10—11. Verf. erörtert zunächst die systematische Stellung der beiden an der Neu-England-Küste lebenden Sijnapfa- A.rten und gelangt zu dem Ergebnisse, dass die eine derselben {S. tenuis Ayres = glrardii Pourt.) mit der europäischen S. inhaerens durchaas übereinstimmt, die andere aber, YerrilFs roseoJa, eine besondere Art darstellt, die sich nicht nur durch ihre Färbung , sondern auch durch den Bau des Kalk- ringes, die Gestalt der in den Fühlern und Längsmuskeln vorkommen- den Kalkkörperchen und die Form der Wimpertrichter unterscheidet. Beide Arten lassen sich leicht in Aquarien halten, deren Boden hoch mit Sand bedeckt ist, in den sie sich eingraben. Die Fort- prianzungszeit fällt in den Hochsommer. Die Anker, die im hinteren Körperende an Grösse und Zahl zunehmen, unterstützen das Tier bei - seinen Bewegungen im Sande. Experimente lehren, dass die sogen. Hörbläschen, auf deren Bau Verf. näher eingeht, nicht zum Hören, sondern als Statocysten (er nennt sie „positional organs") dienen. Die Wimpertrichter erwiesen sich als grosse Lymphstomata und als Exkretionsapparate. Regeneration durchschnittener Tiere findet nur an dem mit Mund und Vorderdarm versehenen Kopfstück statt. H. Ludwig (Bonn). 262 Russo, AcUille, Sul valore morfologico e funzionale degli — Nr. 260—262. — — 141 — organi di C'uvier delle olotuvie. In: Monit. Zool. ItaL Anno X. No. 5. 1899. p. 133-141. Tav. III. Die Cuvier'schen Organe entstehen bei Holothuria forsJcali und H. helleri als Ausstülpungen der Kloakenwand unmittelbar unter der Einmündung der Kiemenbäume. Der Innenraum der Ausstülpung wird unter Umbildung seines Epithels zum Achsenkanal des fertigen Cuvier'sclien Organes, der mitunter, z. B. bei H. /leUeri, vollständig obliteriert. Das CoelomepitJiel , welches die äussere Oberfläche der Ausstülpung überzieht, entwickelt sich zu dem von dem Ref. in Gemeinschaft mit Bartheis (1892) näher beschriebenen Drüsen- epithel. Russo schildert ferner die Entwicklung der Bindegewebs- schicht und der Muskelschichten der Cuvier'schen Organe. Morpho- logisch hält er die Organe für gleichwertig mit den Magenblinddärmen {=z interradialen Blinddärmen) der Seesterne. Physiologisch erblickt er in ihnen, wie viele andere Forscher, Verteidigungswaffen. H. Ludwig (Bonn). 263 Russo, Achille, Diagnosi di iina nuova specie di Oloturia vivente nel golfo di Cagliari: Holothuria huberti n. sp. In: Monit. Zool. Ital. Anno X. Nr. 9. 1899. p. 225—228. Aus dem Golf von Cagliari beschreibt Russo eine neue Art, die sich durch ihre grossen, in sechs Längsreihen geordneten Rückenpapillen und durch ihre Kalk- körper von Holothuria tiibulosa unterscheidet. H. Ludwig (Bonn). Vermes. Plathelminthes. 264 Bresslau, E. , Zur Entwicklungsgeschichte der Rhabdo- coelen. In: Zool. Anzeig. Bd. 22. Nr. 600. 1899. p. 422—429. 7 Holzschn. Verf. studierte die Entwickelung dreier Mesostomiden, Mesostoma ehrenhergi 0. Schm., Mesostoma prodnctum Leuck. und Botkromeso- stoma personatum {(). Schm.). Die Keimzelle teilt sich zunächst in zwei Blastoraeren von fast gleicher Grösse, welche sich rasch weiter teilen, so dass es alsbald zur Bildung eines Haufens fast gleich grosser Zellen kommt. Diesem Zellmasse nimmt in dem Eie die spätere ventrale Hälfte ein, die dorsale wird von dem Dottermateriale erfüllt, das bei M. prodiictum und B. personatum in reichlicher Menge vorhanden ist. In den kleinen, viel dotterärraeren Sommereiern von M. ehrenhergi wird der IS'ahr- ungsdotter schnell aufgebraucht, an seine Stelle treten vakuolisierte Zellen, die sich im Laufe der Entwickelung erheblich vergrössern und so auch eine Grössenzunahme des Eies selbst bedingen. Weiterhin bildet sich bei dieser Form sehr bald eine zellige Hüllmembrane auS:. — Nr. 262-264. — — 142 — die gleicli den vakuolisierten Zellen am Aufbaue des Embryos keinen Anteil nimmt. Nunmehr vollzieht sich bei allen drei Arten eine Sonderung des Zellhaufens in eine periphere, schüsseiförmige und eine centrale kugelige Partie ; einige Zellen von etwas bedeutenderer Grösse ordnen sich zu einem besonderen Streifen an, der hinter der Kugel, also auch innerhalb der Schüssel gelegen ist. Der erwähnte Zellstreifen ent- wickelt sich späterhin zu den Genitalorganen, der kugelige Körper wird zum Pharynx bezw. zur Muskulatur desselben, die Elemente der schüsseiförmigen Zellmasse gehen in die Bildung der Hautschichte und des Nervensystems ein, ein Teil von ihnen bewahrt aber noch längere Zeit einen indifferenten Charakter. Die Anlagen des Gehirns und der Längsnerven erscheinen sehr frühzeitig als ansehnliche, paarige Verdickungen der Schüsselwandung; in Zusammenhang mit der Ge- hirnanlage steht die ebenfalls paarige Anlage der Hautschichte, die sich allmählich über die Embryonalanlage und den noch vorhandenen Nahrungsdotter ausbreitet. Sehr schnell erfolgt die Umwachsung bei M. ehrenhercii, erheblich langsamer bei den beiden anderen Arten. Eine solide Einstülpung der Hautschichte unterhalb des Schlundes liefert bei M. ehrenhergi das Epithel dieses Organs, bei M. productum und Bothromesostoma personatum entsteht dasselbe dagegen in loco durch Differenzierung der innersten Zellen der Pharynxanlage ; in Bezug auf die Einzelheiten dieser Vorgänge sei auf das Original ver- wiesen. Zur Zeit des Ausschlüpfens besitzen die Tiere nur das Gehirn, die Anlagen der Längsnerven, der Genitalorgane und den Pharynx, in deren Umgebung indifferente Zellen sich vorfinden: den übrigen Raum erfüllen die noch vorhandenen Dottermassen bezw. die vakuo- lisierten Zellen. In diesen entstehen nunmehr Lücken, die alsdann zusammenfliessen und oberhalb des Schlundes einen Hohlraum bilden, um welchen sich nach und nach indifferente Zellen ansammeln, epithelial anordnen und so das Darmepithel bilden. Ein anderer Teil der genannten Zellen wandelt sich in Bindegewebszellen um. L. Böhmig (Graz). 265 Gardiner, Edward G., The Growth of the ovum, formation of the 13 lar bodies, and the f ertilization in Foh/choerns caudatHs. In: Journ. Morphol. XV. 1. 1898. p. 73—104. 4 Taf. Die Besamung erfolgt von der Körperoberfläche aus, nachdem mit den sogen. „Mundstücken^', nicht dem Penis, Löcher in dieselbe gebohrt sind. Wenn die Würmer unter ungünstigen Bedingungen (schales, warmes Wasser) länger in Gefangenschaft gehalten werden, — Nr. 264—265. — — 143 — legen sie weniger leicht Eier und die erste Furchungsspindel kann sich in einen liuhekern zurück verwandeln. Dieser von Selenka und Lang für normal gehaltene Vorgang ist nach des Verf. 's Mein- ung entschieden pathologisch. Wenn die Richtungskörper vor der Eiablage gebildet werden, bleiben sie in der Eizelle liegen; wenn sie aber erst nach der Ablage gebildet sind, werden sie ausgestossen. Die besten Fixierungsresultate gab die Hermann 'sehe Flüssigkeit. Nachdem die Eier den Eierstock verlassen haben , gelangen sie in einen verbreiterten, mit Nährmaterial beladenen Teil des Eileiters. Das Nährmaterial wird im Verlaufe des Eiwachstums vollkommen aufgezehrt, so dass der Eileiter zusammenfällt. Bei Färbung mit Lithioncarmin-Lyonerblau (Kath Foot) färbt sich der Inhalt der Nährzellen blau, der der Eierstockseier jedoch rot; je reifer aber die Eier werden , um so blauer färben sie sich. Im Nucleolus ist ein dunkler sich färbender Fleck; bei dem rapid erfolgenden Wachstum des Kernes verwandelt sich der Nucleolus in einen grossen dunkeln Knäuel, dann zerfällt er brockig und seine Färbbarkeit nimmt ab, während die des Kernes selbst zunimmt, was dafür spricht, dass das Kernchromatin sich auf Kosten des Nucleolus bildet, und dagegen, dass der Nucleolus ein Nebenprodukt des Kernes ist. In der nächsten Nähe der Nucleolustrümmer tritt zuerst ein helles Bläschen, die „Centro- sphäre", auf, was auf einen nucleolären Ursprung derselben hindeutet. Zuerst enthält die Centrosphäre kein Centralkorn; sie teilt sich, die beiden Tochtersphären stellen sich an gegenüberliegenden Kernseiten auf, die Kernhaut löst sich auf, das Linin des Kernes strömt heraus und bildet die Spindel; zu gleicher Zeit treten in den Sphären je ein Centralkörnchen auf. Die Spindelfasern bringen die gegen den Kern gerichteten Pohlstrahlen zum Verschwinden, das Chromatin des Kernes verklumpt sich beim AusHiessen des Linins zum Teil zu un- regelmäßigen Massen, die sich zu unregelmäßigen Stäbchen von wechselnder Anzahl ausziehen. Die Spindel dreht sich um einen ihrer Pole vom Kernrest weg der Eiobertläche zu, dessen Substanz mischt sich dem Zellprotoplasma bei und bewirkt eine intensivere Färbbar- keit des letzteren, während sie selbst schliesslich ganz verschwindet. So lange die Spindel noch mit dem Kernrest zusammenhängt, wächst sie mächtig heran, bis sie grösser ist als der Kerndurchmesser; nach der Trennung vom Kernrest verkleinert sie sich. Die Lage der Kicht- ungsspindel steht in keiner festen Beziehung zur Lage der ersten Furchungsspindel. Die Spindel ist starrer als das übrige Zellproto- plasma; denn wenn letzteres bei Verletzungen des Eies ausgepresst wird, bildet es ein Gewirr; die Spindel und die Sphäre hingegen erhalten sich besser. Nach der Spindeldrehung vom Kernrest weg — Nr. 265. — — 144 — Avachsen die Sphären gewaltig. An manchen Präparaten sah Verf. im Centralkorn noch ein feinstes Centralkörnchen (dürl'te wohl zu den in Alfred Fischer's Buch über die Fixierung, Bau etc. des Proto- plasmas besprochenen „Kunstprodukten" gehören. Ref.). Später ver- schwindet das Centralkorn vollkommen (vielleicht verbirgt es sich in der Oflnung der tonnenfürmigen Spindel, eine Vermutung, die Strasser zuerst aufgestellt hat. Ref.) Beide Richtungskörperchen erhalten sich noch während der ersten Furchungsteilungen , schliesslich werden sie wohl resorbiert. Am Eikern ist Aveder Strahlung noch Centrosphäre etc. zu sehen, er ist bei seiner Wanderung maulbeerförmig, nachher ähn- lich dem Keimbläschen netzig mit Chromatinkörncheneinlagerung, nur ohne Nucleolus. Der Samenkern wird durch das ihn umgebende Zell- plasma bewegt, nicht etwa durch die Samenstrahlung. Weil Verf. die Entstehung des Samensternes am Samenfaden oder Mittelstück nicht beobachtet hat, nimmt er an, dass er vom Eiplasma gebildet wird. Nach des Ref. Meinung müsste er mit demselben Recht an- nehmen, dass auch der Samenfaden selbst im Ei entsteht, da Verf. trotz Untersuchung von mehreren Hundert Schnitten niemals den Eintritt des Fadens beobachten konnte. Der Samenstern liegt nach seiner Teilung zwischen beiden Vorkernen, letztere hat Verf. niemals vollkommen verschmelzen sehen. Wenn die Centrosphären auseinander- weichen, brechen die Kerne in Stücke, ihre Substanz ausser den Chroraatinklumpen mischt sich mit dem Zellplasma. Die Klumpen aber ziehen sich nicht gleich zu Stäbchen aus, sondern bilden erst einen äquatorialen Ring, von dem aus das Chromatin teilweise auf „Aquatorialstrahlen^' in's Plasma hinauswandert; nur die innersten Teile der Chromatinstrahlen verdichten sich zu Chromosomen. Nach einer (allerdings sehr anfechtbaren, Ref.) Berechnung des Verf.'s soll nur etwa ^/.50o des Chromatins sich zu Chromosomen verdichten, alles übrige soll sich im Zellplasma als „Nahrung für dieses" auflösen. Auch bei der Furchungsspindel besitzt die Sphäre zuerst kein Cen- tralkorn. Verf. hält daher die Centrosphäre für das dauerhaftere, das Centralkorn für das vergänglichere. R. Fick (Leij^zig). 266 Georgevitch , J. , Sur le developpement de la Convohita roscof- fensis Graff. In: Compt. rend. Acad. Sc. Paris 128. Nr. 7. 1899. p. 455—457. Die Befruchtung der Eier findet im Körper des Muttertieres statt. Jedes abgelegte Ei wird von einer besonderen Hülle umgeben, überdies besitzen gewöhnlich noch 5—12 Eier eine gemeinsame Hülle. Die Furchung ist eine inäquale, nur die beiden ersten Blastomeren sind von gleicher Grösse. Von diesen schnüren sich zuerst zwei kleine — Nr. 265-266. — — 145 — Zellen ab, alsdann zwei grössere, die ersteren repräsentieren die An- lage des Ectoderms, die letzteren die des Mesoderms; was von den l)eiden ersten Blastomeren bleibt, geht in die Bildung des Entoderms ein. Auf dem 4-Zellenstadiuni zeigt sich eine kleine Furchungsluihle, die aber alsbald verschwindet. Das 8-Zellenstadium bezeichnet Verf. als das der Blastula, es sind jetzt vier kleine Ectodermzellen vor- handen, die auf vier grösseren ruhen, nämlich den beiden mehr seitlich gelegenen Mesoderm- und den zwei mittleren Entodermzellen. Nachdem sich die ectodermalen und mesoderraalen Elemente noch einmal geteilt haben, beginnt eine lebhafte Vermehrung der ersteren und eine Umwachsung der übrigen Zellen durch diese; die Bildung der Oiastrula erfolgt mithin durch Epibolie. Während dieser Zeit schnüren sich von der ventralen Seite der beiden Entodermzellen noch zwei kleinere ab, so dass auch die Zahl dieser auf vier erhöht wird. Im Gegensatz zu den Befunden von Pereyaslawzewa bei Äphnno- stoma und anderen Acoelen konnte Verf. weder die Anlage eines Urdarms noch eines Coeloms wahrnehmen. Aus den sich noch des öfteren teilenden Entodermzellen geht das centrale Parenchym des erwachsenen Tieres hervor; dieses wird allseitig von einer kernreicheren Schichte umgeben , die sich vom Ectoderm und Mesoderm herleitet. Aus dem letzteren bilden sich dem Verf. zufolge das periphere Parenchym, die Muskeln und die Genitalorgane, doch konnte deren Entwickelung nicht genauer ver- folgt Averden. Das Nervensystem ist ectodermalen Ursprungs ; in welcher We^.se die Bildung der Otocyste und des Frontalorganes erfolgt , vermochte Verf. nicht sicherzustellen. Die ganze Entwickelung vollzieht sich sehr rasch, das Verlassen der Eischale findet am Tage nach der Eiablage statt Die jungen Tiere entbehren der Zoochlorellen, sie werden von den erwachsenen mit denselben infiziert. Von Interesse ist, dass die Zoochlorellen für die Erhaltung des Lebens der Convoluten not- wendig sind; ohne dieselben gehen die jungen Tiere, sobald ihr Material an Xahrungsdotter erschöpft ist, zu (irunde. L. Böhm ig (Graz). 267 Koiinel. J., Mesostoma aaelli n. sp. In: Zool. Anzeig. B. '21. Nr. 575. 1898. p. 637-641. Verf. fand dieses 2 — 3 mm lange, gedrungen spindelfürmige, milchweisse Turbellar in den Bruttaschen von Asellus aqiiaticus, jedoch immer vereinzelt und nur bei Asseln einer bestimmten Lokalität. Fraglich bleibt, ob 3/. aselli „sym- biotisch oder parasitisch mit seinem Wirt vergesellschaftet ist*. Auch scheinen weder die Eier noch die Embryonen der Asseln die Nahrung des Mesostoma zu Zoolog-. Centralbl. VlI. Jahrg. Ji^j._ 266 — -267. 12 — 146 — bilden, da niemals die Eihäute oder Cuticulargebilde, die von Embryonen her- rühren konnten, im Darme des Turbellars aufgefunden wurden. L. Bö hm ig (Graz). 268 Plehn, M., Ergebnisse einer Reise nach dem Pacific (Schauinsland 1896—1897). Polycladen. In: Zool. Jahrb. Abth. f. Syst. etc. Bd. XII. 1899. p. 448-452. 2 Holzschn. Schauinsland erbeutete auf dieser Reise ein Thijsanozoon brocchii (Grube) (Fundurt Laysan) sowie eine grössere Anzahl von Leptoplaniden, die jedoch nur zum Teil bestimmbar waren. Für ein Individuum dieser letzteren stellt Yerfasserin das neue Genus Microcelis auf, die übrigen werden zu Leptoplana californica Plehn gezogen. Der Bau der Geschlechtsorgane würde Microcelis schauinslandi n. g. n. sp. in das Genus Lepfoplana verweisen, die abweichende Augenstellung jedoch ver- hindert die Einreihung in dieses Geschlecht. Die überaus kleinen Augen bedecken zu Hunderten das ganze Vorderende, sie finden sich ferner am Körperrande mit Ausnahme des letzten Viertels. Microcelis schavinslandi stammt aus Tasmanien, die übrigen Leptoplaniden wurden am French-Pass und bei den Chatham-Inseln aufgefunden. L. Bö hm ig (Graz). 269 Sabussow, H,, Mittheilungen über Turbellarienstudien. I. Böhmigia maris-albi n. g. n. sp., eine neue Acoelenform aus dem Weissen Meere. In: Zool. Anz. Bd. 22. Nr. 586. 1899. p. 189—193 Die genannte Acoele gehört der Familie der Proporiden an. Die Mund- öffnung liegt in der Mitte des vorn und hinten abgerundeten, weisslichen, fast ganz durchsichtigen Körpers. Das vordere Körperdrittel enthält die Drüsen des mächtig entwickelten Frontalorgans sowie das aus zwei Ganglienpaaren bestehende Gehirn. Das dorsal gelegene Ganglienpaar, aus dem zahlreiche, zum Vorderende ziehende Nerven entspringen, kann man als den sensoriellen, das ventrale als den motorischen Teil des Centralnervensystems betrachten; aus dem letzteren gehen nur zwei starke Nervenstämme hervor, die wohl den „äusseren Längsnerven ' anderer acoeler Turbellarien entsprechen dürften. Augenflecke mangeln, eine Otocyste ist vorhanden. Die follikulären Hoden liegen in den Seitenteilen des Tieres ; da Vasa deferentia fehlen' und der Penis einer besonderen Öffnung zur Aufnahme der Spermatozoon entbehrt, so müssen diese den Weg durch das Parenchym nehmen und die Wandung des Kopulations- organs durchdringen, dessen Lumen als Vesicula seminalis dient. Die in der Mittellinie zusammenstossenden Ovarien besitzen auf den vor- geschritteneren Stadien der Entwickelung eine von Parenchymzellen gebildete Hülle, und zwar liegt jedes Ei in einem besonderen Follikel. Die kugelige Bursa seminalis ist mit einem chitinösen Mundstücke versehen, ähnlich dem von Monoporus rubropunctatus. L. Böhm ig (Graz). 270 Sabussow, H., Triciadenstud ien. I. Ueber den Körperbau von Cercyra papulosa Uljan. In: Sitzber. Gesellsch. f. Naturw. d. Kais. Univ. zu Kasan. Nr. 179. 1899. p. 1 -15. (Russ. mit deutsch. Auszuge.) Verf. giebt eine kurze Darstellung vom Baue dieser interessanten, von Uljan in entdeckten Triclade. Das Epithel, welches im Gegensatze zu den Angaben Uljanin's reich mit — Nr. 267—270. — — 147 — Rhabditeu versehen ist, vermag insonderheit auf der Rückenfläche papillenartige Erhebungen zu bilden. In der Nähe des vorderen und hinteren Körperendes finden sich im Parenchymgewebe Gruppen von Schleimdrüsen, deren Ausführgänge das Epithel durchbohren, sie dienen dem Tiere als Haftapparate. Bei jüngeren Individuen sind die hinteren Darmäste durch eine quere Ana- stomose verbunden, älteren, geschlechtsreifen fehlt eine solche. Die zahlreichen Hoden stehen durch die Vasa eiferentia mit den Vasa deferentia in Verbindung, Avelche sich unterhalb des Pharynx zu einem unpaaren Kanäle vereinigen, der in den flaschenförmigen, mit einem trichterartigen chiti- nösen Mundstück versehenen Penis einmündet. Die den letzteren umgebende Penistasche geht in einen engen Kanal über, welcher mit dem weiter nach rück- wärts gelegenen Uterus und dem kanalformigen Atrium genitale kommuniziert, oder mit anderen Worten • Penisscheide und Uterusgang münden von oben her, dicht nebeneinander in das Atrium genitale ein. Die Keimstöcke sind, gleichwie bei Cercyra haniata 0. Schm., auffallend weit nach hinten verschoben, sie liegen an der Basis des Pharynx; die Oviducte, welche in der Nähe des Uterus in den Uterusgang einmünden, beginnen dagegen schon in der Nähe des Gehirns, desgleichen auch die Dotterstöcke. Parovarien wurden nicht beobachtet. L. Böhmig (Graz). 271 Volz, W., Ueber neue TurbeUarien aus der Schweiz. In: Zool. Anzeig. Bd. 21. Nr. 574. 1898. p. 605-612. 7 Holzschn. Von neuen Formen werden in der vorliegenden Mitteilung beschrieben: Mcsocastrada fuhrmanni n. g. n. sp., Caslrada horrida 0. Schm. var, viridis n. var., Castrada neocomensis n. sp., Diplopenis intermcditis n. g. n. sp., Uiplopenis iripeli n. g. n. sp. Es ist im besonderen der Bau des männlichen Kopulationsapparates, welcher Veranlassung zur Aufstellung der beiden neuen Genera gegeben hat. Charakteristisch für den Vertreter des Genus Mesocastrada ist, dass nur der untere Teil des Kopulationsoi-ganes vom Sperma bezw. Kornsekret passiert wird, während dasselbe bei Mesostoma in ganzer Ausdehnung, bei Castrada dagegen gar nicht zur Ausleitung der genannten Stoffe dient. In dieser Beziehung schliessen sich Diplopenis intermedius und tripeti an Castrada bezw. Mesocastrada an ; bei iimen ist jedoch das Kopulationsorgan in zweifacher Zahl vorhanden. L. Böhmig (Graz). 272 Coe, Wesley H. , On tlie early development of Cerebratulns. In: Science. N. S. Vol. IX. Nr. 219. 1899. p. 364—365. Für die Befruclitungslelire wesentlich ist die Angabe Coe's, dass die Sainencentrosomen und Strahlungen sich manchmal erlialten, und mit grosser Wahrscheinlichkeit bewiesen werden kann, dass sie zu den Furchungscentrosomen etc. werden. Die Furchungscentrosphiiren sind keine Kunstprodukte, sondern sind schon im lebenden Ei zu sehen. Mesenchymzellenwanderung in die Furclmngshöhle. Iv. Fick (Leipzig). — Nr. 270-272. — 12* 148 — Annelides. 273 Schneider, ü.. Über Phagocytose und Excretion bei den Anneliden. In: Zeitschr. wiss. Zool. Bd. 66. 1899. p. 497—520. Durch Injektion verschiedener feinkörniger unlösHcher Pigmente wurde festgestellt, dass die phagocytäre Eigenschaft bei den Nephridial- zellen der Anneliden eine sehr verbreitete, wenn auch, wie es scheint, nicht ganz allgemein vorkommende ist. Sie wurde vermisst bei Perichäten unter den Lumbriciden und bei vielen Polychäten. Gerade die Zellen, die am regsten excernieren (auch feste Teilchen), sind auch am ausgeprägtesten phagocytär (Zellen der ..Innenschenkel" der Nephridien bei Travisia und Oligochäten). Bei anderen Anneliden wie Pectinaria, Arenicola und den Terebelloiden sind beide excretorische Abschnitte der Nephridien imstande, feste Körper aufzunehmen. Dieselben Zellen sind auch befähigt, gelöste Pigmente durchtreten zu lassen, z. B. karminsaures Ammoniak. Eisen, in Gestalt von Ferrum oxydatum saccharatum eingeführt, scheint nicht bei allen Arten in die Nephridien überzugehen ; wo es vorkommt, scheint es in gelöster Form, nicht phagocytär, aufgenommen zu werden. Auch Uran wird in ähnlicher Weise ausgeschieden. Bei der normalen Absonderungsthätigkeit gehen die Zellen niclit zu Grunde, es wird nur das körnige Sekret, vielleicht mit kleinen Plasmateilen zusammen ausgestossen, wonach sich die Zelle wieder regeneriert. Darum können auch alle Zellen gleichzeitig thätigsein, sie brauchen nicht zu alternieren. Bei der Mehrzahl der Zellen ist sogar eine kontinuierliche Thätigkeit bestimmt anzunehmen; nur di^ vakuoli- sierten Zellen, die sich besonders im ,,Aussenschenkel" finden, werden alternierend thätig sein. Nach ihrer Entleerung regenerieren auch sie sich. Zwischen dem Plasma der Nephridialzellen und dem Inhalte des Nephridialkanals muss ein reger Stoffaustausch (Aufnahme und Abgabe), durch Plasmaströmungen bedingt, stattfinden; unbestimmt bleibt, wie weit dabei pseudopodienartige Einziehung der Cilien mit- wirkt. Die lymphoiden Organe bei Polychäten und Oligochäten sind funktionell gleichwertig, jedoch nicht homolog. Sie gleichen sich nur in ihrer Abstammung; bei beiden stellen sie nämlich Modifikationen des Peritonealepithels dar. Die lymphoiden Organe sind selbst nicht einmal in den einzelnen Oligochätenfamilien unter einander homolog. Die Chloragogenzellen sind nur bei Polychäten phagocytär, bei Oligochäten nicht, hier scheinen sie vielmehr den Zellen des so- genannten Herzkörpers analog zu funktionieren. Bei Arenicola und — Nr. 273. — — 149 — Travisia Icünnen sie auch nach der Loslösung von ihrer Anheftungs- stelle als freie Wanderphagocyten in der Leibeshöhle funktionieren. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). Prosopygia. 274 Braem, F., Die geschlechtliche Entwicklung von Flumafella fimgosa. In: Zoologica. Hft. 23. 1897. p. 1-96. Taf. I-YIIL Die vom Verf. der Öffentlichkeit übergebene Entwickelungsge- schichte von Plumatella fangosa behandelt dieses schwierige Thema. in einer Weise wie es vorher von keinem Autor gethan wurde und bildet eine wertvolle Ergänzung zu seinen im Jahre 1890 publi- zierten Untersuchungen der Bryozoen des süssen Wassers. Anfang Mai nehmen die Kolonien von FlnmateUa fiotgosa aus den Statoblasten ihren Ursprung und vergrössern sich rasch durch Knosp- ung. Es folgt nun die Periode der vollen (jeschlechtsreife, welche im allgemeinen in die Zeit von Mitte Mai bis Mitte Juli fällt. Daneben werden aber auch Statoblasten gebildet. Das Ausschwärmen der Larven erfolgt im Juni und Juli. Von dieser Zeit ab überw^iegt die ■ungeschlechtliche Vermehrung durch Statoblasten. Die Spermatozoen entstehen wie bekannt aus den Mesodermzellen, welche den epithelialen Überzug des Funiculus bilden und einen em- bryonalen Charakter bewahrt haben. Die männlichen Keimzellen sind auf das äussere Knospenblatt zurückzuführen. Der Hoden überzieht ■den Funiculus meist in der ganzen Länge bis auf jenen distalen Teil desselben, der die Statoblasten erzeugt. Die Erscheinung, dass man sehr jungen Hoden bei völlig ausgebildeten Polypiden und anderer- seits reife Spermatozoen schon bei Knospen finden kann, erklärt Bräm so, dass die geschlechtliche Thätigkeit in einer bestimmten Entwickelungsperiode der Kolonie ihren Gipfel erreicht und später 7,u Gunsten der Statoblastenbildung zurücktritt, dass sich also die Geschlechtsprodukte von dem Einflüsse der Einzelindividuen befreit liaben und vornehmlich durch den Zustand des ganzes Stockes be- stimmt sind Durch lebhafte Vermehrung jener embryonalen Zellen, welche später den Hoden bilden . nimmt das Keimlager die Gestalt von Knoten und Ballen an. Bei der Spermatogenese lassen sich deutlich die drei nach der üblichen Nomenklatur benannten Hauptphasen, nändich das Spermatogonium-, das Spermatocyten- und das Spernia- tidenstadium unterscheiden. Die Teilung der Spermatogonienzellen geschieht auf karyokine- tischem Wege. Der Unterschied zwischen den Spermatogonien und Spermatocyten beruht liauptsächlich auf dem verschiedenen Verhalten — Nr. 273-274. — — 150 — des Kernes, indem bei dem letzteren Stadium die chromatische Grenz- schicht des Kernes , welche der ruhenden Spermatogonienzelle eigen- tümlich ist, in einzelne Stücke zerklüftet erscheint, während sich das im Lumen des Kernes befindliche Chromatin, unter Vergrösserung des Kerndurchmessers, zu P'äden verdichtet. Die Chromosomen , die sich schliesslich bilden, wurden in der Zahl von 6 — 7 beobachtet. Im Spermatidenstadium bildet der Hoden einen ansehnlichen Körper, welcher an der Oberfläche keulenförmig vortretende Zellen, die Spermatidenzellen besitzt, während diese selbst in eine ansehn- liche Plasmamasse, den „Blastophor" , eingebettet sind. Letzterer entsteht dadurch, dass die Spermatidenzellen, nachdem sie sich zum letztenmale geteilt haben, normalerweise mit einander verschmelzen. Der Achsenfaden des Spermatozoenschwanzes ist nach der An- sicht von Bräm plasmatischen Ursprunges, und dadurch, dass er später vom Zellplasma umflossen wird, wird der definitive Spermato- zoenschwanz gebildet. In Bezug auf die Entstehung des Halsteiles des Spermatozoons bestätigt der Verf. die Angaben von Koro tneff und Kraepelin. Entgegen Koro tneff, nach dessen Ansicht der sogenannte Nebenkern vom Halsteile abstammen soll, hält B. ein ursprüngliches Vorhandensein dieses Nebenkernes für wahrschein- licher. Der Spermatozoenkopf entsteht dadurch aus dem Kerne der Spermatide , dass sich das extranucleoläre Chromatin von der Kern- wand zurückzieht und einen kurzen kegelförmigen Körper bildet, wobei das Chromatin eine sehr dichte Beschattenheit annimmt. Während der Bildung des Kopfteiles scheidet sich, wie B. aus dem Ver- halten des Auerbach 'sehen Farbengemisches vermutet, ein letzter Rest von plasmatischer (erythrophiler) Nährsubstanz aus dem Kerne aus. Zwischen dem Nucleus und der Verdickung des Kopfteiles des Spermatozoons beobachtete B. eine Brücke aus minder stark färb- barem Chromatin. Mit dieser verschmilzt der Nucleus und zuletzt vereinigen sich die Brücke nebst dem Nucleolus mit der erwähnten Verdickung und bilden den definitiven Spermakopf. In demselben ist auch das ursprüngliche Kernlumen erhalten , welches sich auf einen kleinen kegelförmigen Hohlraum reduziert hat. Nachdem sich das reife Spermatozoon aus dem Plasma der Spermatide herausge- zogen hat und freigeworden ist, verschmilzt das zurückbleibende Plasma derselben mit dem zugehörigen Spermatophor zu einem Eest- körper, der, wie es scheint, resorbiert wird. Die traubenförmigen Ovarien finden sich an der Oralseite des Cystids unterhalb der Duplikaturbänder und oberhalb der jüngsten Tochterknospe. Gleichwie die Spermatozoen entstehen auch die Eier aus embryonalen Zellen des äusseren Knospenblattes, welche — Nr. 274. - — 151 — sich vergrössern und abrunden , wobei Kern und Kernkörperchen schärfer hervortreten, wälirend die benachbarten Epithelzeilen die Eizelle nach Art eines Follikele])itheIs unischliessen. Durch Verraittel- ung des letzteren werden der Eizelle die Nährstoffe ans der Leibes- höhlenflüssigkeit zugeführt. Die Traubenforni des Ovariums kommt dadurch zustande, dass sich vom Mutterboden successive immer wieder neue Mesüdermzellen zu Eizellen umwandeln und dabei die vorher- gehenden älteren und grösseren vor sich herschieben. Sehr charakteristisch selbst für sehr junge Eizellen ist der grosse kugelförmige Kern mit seinem grossen runden Kernkörperchen. An letzterem beobachtete der Verf. Erscheinungen, welche darauf schliessen lassen, dass der Nucleolus unabhängig vom Wachstum des Eies seine Gestalt zu verändern und i)seudo})odienartige Fortsätze zu biklen ver- mag. Auf diesem Umstand scheint die Zweiteiligkeit des Nucleolus zu beruhen. Am Plasmateil der Eizelle macht sich frühzeitig eine Trennung des Plasmas in zwei Schichten bemerkbar. Und zwar entsteht eine hellere Zone, die sich scharf von einer dunkleren Kindenschicht ab- trennt. In letzterer scheiden sich dann rundliche, aus einer homo- genen Substanz bestehende Klümi)chen aus. Diese Klümpchen treten in einem späteren Stadium in die innere helle Plasmazone über. B. bezeichnet die Eier mit den beiden Schichten als primäre, im (jegensatz zu den sekundären Eiern, welche nur aus dem Kerne und der inneren Schicht bestehen. Die Befruchtung der Eier, welche eine Selbstbefruchtung in Bezug auf die Kolonie als Ganzes ist, erfolgt erst dann, wenn das reife Ei vom Uterus, dem sogenannten Ooecium , aufgenommen worden ist, und nicht schon im Ovarium. An Eierstockseiern wurden sehr häutig die Spuren einer versuchten, aber nicht vollzogenen Befruchtung ge- funden. Die Befruchtung selbst konnte nicht beobachtet werden, ebenso konnten weder Pvichtungsspindel noch Kichtungskörper mit Sicherheit konstatiert werden. An dieser Stelle hebt der Verf. hervor, dass er seine früher ge- machten Angaben in Bezug auf den anatomischen Bau des vermeint- lichen Nephridiums gegenüber Cori vollkommen aufrecht halte. Das Ooecium, jene sackartige Umhüllung, in welcher das Ei seine Entwickelung durchmacht, wurde bereits von Metschnikoff und Korotneff als eine Knospe gedeutet. Nach der Ansicht von B. ist das Ooecium thatsächlich als eine Knospe, aber nicht als eine ge- wöhnliche zu betrachten, sondern vielmehr als eine, die von vorn- herein zur Erzeugung eines normalen Individuums nicht mehr fähig ist, die aber trotzdem für den Organismus nicht wertlos ist, sondern — Nr. 274. — — 152 — eine wichtige Rolle in ihm zu spielen hat. Ooecinm und Ovariuni zusammen sind als ein weibliches Individuum anzusehen und zwar in der Weise, dass das erstere den polypoiden Leib, das letztere den Rest des Funiculus dieses Individuums darstellt. Die Aufnahme des Eies durch das Ooecium wird durch die direkte Berührung zwischen dem letzteren mit dem Ovarium eingeleitet und herbeigeführt. Hierbei wird aber immer nur ein einziges und zwar das älteste Ei eines Eierstocks vom Ooecium aufgenommen und gelangt so zur pjitwickelung. Die ii'rtümliche Auffassung jNIet schnikof f"s betreffend die Art der Aufnahme des Eies erscheint somit durch B. korrigiert. Von den beiden Knospenblättern des Ooeciums wird das Innere durch den wachsenden Embryo zum Schwinden gebracht, während das äussere Blatt bis zu einem gewissen Stadium fortwächst ; schliess- lich wird es aber dünn und membranös, um nach der Geburt resor- biert zu werden. Der Embryo tritt durch die ursprüngliche Ein- stülpungsöffnung der Knospenanlage nach aussen. Bemerkenswert ist ferner die Thatsache, dass das Ooecium gar nicht selten mit dem Ovarium verwachsen erscheint, ein Umstand, der die Aui'fassung des Ooeciums in Verbindung mit dem Ovar als weibliche Person zu stützen vermag. Die ersten Stadien der Furchung kamen nur in geringer Anzahl zur Beobachtung. Die Chromosomen sind im Ei in der Zahl von fünf vorhanden. Von der chromatischen Substanz wird bei der Spindelbildung nur ein Teil verbraucht, der Rest sammelt sich da- gegen an einer bestimmten Stelle an und charakterisiert dadurch den vegetativen Pol. Während einerseits die FoUikelzellen des Eies mit dem äuijseren Blatte des Ooeciums verwachsen, tritt andererseits eine eigentliche Verwachsung der äusseren Zone des primären Eies mit dem inneren Ooeciuml)latte ein und es scheint, dass es vor- wiegend die Aufgabe dieser Zone ist, den Anschluss mit dem Ooecium zu bewirken. In der äusseren Eizone bilden sich dann aus den chromatischen Körnchen, die bereits im Ovarialei entstehen. Kerne. Letztere vermehren sich durch akinetische Teilung , gehen aber später zu Grunde. Die erste Teilungsfurche ist eine Meridional furche. Das Viererstadium gelangte weitaus am häufigsten zur Beob- achtung; es kommt ebenfalls dadurch zustande, dass die Furchungs- ebene in meridionaler Richtung verläuft. Die dritte auftretende Furchungsebene, d. i. die des Achterstadiuras, ist eine äquatoriale. Bereits im Viererstadium hängen die Zellen am vegetativen Pole zusammen und bilden ein Mittelstück, ebenso ist dies im Achter- imd Sechzehner-Stadium der Fall wodurch ein Fehlen der Furchungs- — Nr. 274. - — 153 — höhle bedingt wird. Dieses Mittelstück kommt vermutlich durch eine nicht vollständig gegen das Centrum vorgedrungene Teilung zustande. Die chromatischen Körnchen, die im Centrum jenes Mittelstückes angehäuft sind, gehen dann direkt in die Embrj^onalzellen über. Im IG zelligen Stadium erfolgt der Zerfall des erwähnten Mittelstückes. Letzteres Stadium ist durch das Vorhandensein eigentümlicher kern- artiger Gebilde, die in der Umgebung des Embryos, Ijesonders an ■der Stelle, wo die halbkugelige Furchungsmasse sich über dem Mittel- stück öffnet, auftreten, sehr charakterisiert. Diese Gebilde haben eine kugelige Gestalt und besitzen an der Innenfläche ihrer sehr zarten Membran und zwar nur an einer Seite, chromatische Substanz angelagert. Der Nucleus erweist sich als erythrophil, während die chromatische Wandverdickung cyanophil ist. Diese Gebilde gehen nach dem Verf. aus den in der äusseren Zone des primären Eies betindlichen Körnern hervor. Mit dem Ablauf des Ißzelligen Stadiums unterliegen die erwähnten kernartigen Gebilde dem Zerfalle und ver- schwinden schliesslich gänzlich. Im 24 zelligen (Blastula-) Stadium hat sich nun der bisher napf- förmige Embryo zu einer Kugel mit einem Lumen umgewandelt, welche am vegetativen Pole kleine Zellen aufweist. Dabei ist der Embryo im Ooecium so orientiert, dass der erstgenannte vordere (obere) Pol der Basis, der animale hintere (untere) Pol aber dem freien Ende des Uterus zugewandt ist. Das 32zcllige Stadium ist als Gastrula zu deuten. Das Entoderm, das durch 1 — 5 im centralen Hohlräume des Embryos gelegene Zellen repräsentiert ist, geht aber alsbald wieder zu (irunde und ist daher als eine rudimentäre Bildung zu betrachten. Das so ent- standene Stadium wurde schon von Korotneff und Kraepelin richtig beschrieben, aber nur insoferne unrichtig aufgefasst, als es von ■den genannten als Blastula bezeichnet wurde. B. nennt dieses Stadium Pseudoblastula. Der Embryo hat in diesem Zustande die Form einer hohlen verlängerten Blase mit geringem Lumen ange- nommen. Die Mesodermbildung erfolgt nun in dem nächsten Stadium, in welchem der Embryo ca. 72 — 74 Zellen aufweist und zwar bildet sich das Mesoderm dui-ch polare Einwuchorung vom vegetativen Polo aus. Hierbei lässt sich beobachten, dass besonders von zwei gegen- überliegenden Punkten des bezeichneten Poles aus die Mesoderm- bildung ihren Ausgangspunkt nimmt, wodurch eine bilaterale Symmetrie zum flüchtigen Ausdruck kommt. Alsbald bildet sich in der Meso- dermanlage die Leibeshöhle. Diese erweitert sich ziemlich rasch, wodurch die Pseudoblastulahöhle stark eingeengt ist. Jedoch ist es — Nr. 274. — — 154 — nur jener vordere rom Mesoderm ausgekleidete Teil der Pseudo- blastula, welcher sich weiter entwickelt, denn der Rest verfällt giinzlich der Rückbildung, resp. wird abgeschnürt. Die sogenannte Placenta ist eine ringförmige Verwachsung zwischen dem Ectoderm des Embryos und dem äusseren Blatte des Ooeciums, wodurch der Embryo in einer bestimmten Lage fixiert wird. Der oberhalb dieser Verwachsungszone gelegene Teil des Embryos ist es nun, welcher zur Cystidvvand des definitiven Stockes wird. Das Ooecium hat sich indessen weiter ausgedehnt und zwar durch Abplattung seiner Zellen, so dass die die Wandung des Uterus darstellenden Zellen ungemein dünn werden. Schliesslich sind es nur mehr mesodermale Zellen, welche den Sack bilden, da das ectodermale Epithel, d. i. das innere Blatt des Ooeciums, schon früher fast völlig rückgebildet wurde. Nach Ablaut' dieser Vorgänge erfolgt die Entstehung der Primär- knospen am oberen Pole des Embryos in der Weise, dass die beiden Embryonalblätter (Ecto- und Mesoderm) zwei vom Scheitel des Embryos nahezu gleich weit entfernt liegende Verdickungen bilden, die sich napf- oder sackartig vertiefen. Die jüngere der beiden Knospen liegt dem Scheitel näher. Durch ihre polypoide Gestalt heben sich die Knospen scharf von der Embryonalwand ab, der sie selbst ursprünglich angehören. Die Primärknospen bezeichnet B. als die beiden Evolutionscentren, aus denen sich, bis auf einen ge- ringen Rest der Leibeswand, die gesamte Kolonie entwickelt. Die Orientierung der aus den Knospenanlagen entstehenden Polypide ist dann eine solche, dass die Analseite dem Embryonalscheitel zu- gewandt, die Oralseite hingegen von diesem abgewandt ist. Aus der gleichen Anlage, aus der die oben erwähnten Primär- knospen hervorgehen, nehmen aber auch noch die jüngeren Knospen, die Tochterknospen, ihren Ursprung und zwar entstehen diese an der Oralseite der Mutterknospe aus dem Zellmaterial des Halses der letzteren. Diese zweite Generation kommt jedoch erst zur Zeit, wann sich die Larve festsetzt, voll zur Ausbildung. In der Regel wird im Embryo noch eine zweite Tocliterknospe angelegt; es kann späterhin aber auch noch eine dritte, vierte und selbst fünfte Tochterknospen- bildung erfolgen. Die Bildung der Tunica muscularis des Embryos vollzieht sich zuerst in der Region der Placenta. Leider gelang es nicht, die Her- kunft der Muskelschicht aus dem einen oder dem anderen der beiden Knospenblätter festzustellen. Dagegen konnte an Knospen unzwei- deutig die Abstammung der Leibeswandmuskulatur vom äusseren Knospenblatte ermittelt werden. — Nr. 274. — - 155 — An der Oberfläche beider Blätter des Embryos beobachtete B. die Ausscheidung eines sich im Karmin schwach färbenden Stoffes, welcher in Form von kugeligen und länglichen Tropfen dem freien Ende der einzelnen Zellen aufsitzt. Der Verf. hält dieses Sekret für chitinisiertes Protoplasma in dem Sinne, dass dieses nicht als ein totes Produkt der Zellen, sondern vielmehr als ein belebter und zu selbständiger Differenzierung befähigter Stoff" aufzufassen ist. An solchen Stellen nämlich, wo die erwähnten Vorgänge beobachtet wurden, tritt ein Cilienbesatz auf und zwar in der Weise, dass die Zelle, welche in der Mitte ihrer freien Fläche das Tröpfchen chitini- siertes Protoplasma trägt, an ihrer Peripherie Cilien differenziert. Das eigentliche Chitin dagegen entsteht im Innern der Zellen selbst in Form von Tropfen an solchen Stellen, wo die Cilienbildung fehlt und dieses wird hier solange deponiert gehalten, bis es gebraucht wird, um rasch nach aussen abgelagert werden zu können. Schliesslich bildet sich, noch bevor der Embryo zum Ausschlüpfen reif wird, unterhalb der Ansatzstelle der Placenta die larvale Dupli- katur, in welcher besonders die Ringmuskulatur entwickelt ist und gleichsam als Sphincter für die Öffnung der Duplikatur funktioniert. Parallel mit dieser Bildung erfolgt die Auflösung der Placenta und wenn diese eingetreten ist, so kann dann der Embryo geboren werden. Die Geburt desselben findet fast ausschliesslich bei Nacht statt und vollzieht sich in der Weise, wie dies bereits Nitsche angegeben hat, nämlich durch eine an der Mündung des Ooeciums entstehende Öffnung. Nach der Geburt schwärmt die Larve mittelst ihres Ciiienkleides mit dem hinteren Pole (Scheitelpole) voran, der die längsten Wimpern aufweist, lebhaft herum. Von der Scheitelplatte aus schreitet die Erregung nicht nur fort, und zwar in meridionalen Linien, wodurch eine Streifung der Larve entsteht, sondern die Scheitelplatte scheint auch dirigierend auf den Wimperschlag einzuwirken. Die Larve zeigt meist schon am Funiculus der Primärpolypide je eine deutliche Statoblastenanlage, von den Geschlechtsprodukten dagegen waren mitunter nur Eier sichtbar. Auch Abweichungen von der Norm wurden insofern beobachtet, als sich Larven mit 3 — 4 Primärknospen, aber auch solche mit nur einer Primärknospe fanden. Die Festsetzung der Larve geschieht vermöge einer Verwachsung, so wie dies schon früher von B. beschrieben wurde. Ein letzter Abschnitt der vorliegenden xVrbeit ist mit der Fber- schrift „Vergleichendes" versehen inul enthält mancherlei interessante Exkurse und Besprechungen, welche sich auf histologische Verhältnisse, auf das Ei, das Ooecium, den Embryo u. a. m. von Fl u niatelj a .im — Nr. 274. — — 156 — Vergleich mit anderen Tierformen beziehen. Aus diesem Kapitel mögen nur einige wichtige Punkte herausgegriffen werden. Seine schon früher vertretene Auffassung, das Ooecium mit samt •dem Ovarium als eine besondere Individuenanlage zu betrachten, rindet der Verf. auch durch Verhältnisse bei marinen Bryozoenformen speziell durch die vonProuho bei Alci/onidium d iqjle.r he&cliriehenen Eigentümlichkeiten gestützt. Hiernach würden sowohl die Primär- polypide (männliche Individualität), als auch die Ooecien von Pltnna- tella (weibliche I.) mit dem Primärpolypide (männliche L), beziehungs- weise mit dem weiblichen Polypide von Alcyonidium in geschlecht- licher Hinsicht gleich stehen. Ferner haben in beiden Fällen die ■Ooecien den Primärpolypiden gegenüber die gleiche Lagebeziehung, ebenso stimmen die Zeitverhältnisse in der Reihenfolge der Entwickel- ung der männlichen und weiblichen Individuen überein, weiters ist bei beiden Formen das Ooecium von den gewöhnlichen Individuen des Stockes durch den Mangel eines eigenen Cystids ausgezeichnet, schliesslich lässt sich eine Art Dimorphismus zwischen dem Ooecium und den gewöhnlichen Individuen erkennen. Die Verschiedenheiten, welche in Bezug auf gewisse Verhältnisse zwischen den genannten Formen bestehen, sind mit Ausnahme eines nicht mit Sicherheit ermittelten Punktes, der die Lage der Gonaden zum Darme betrifft, nur gradueller Natur. Andere Ctenostome, wie ValJieria cuscuta, BowerhanMa imbricata, LageneUa repens, lassen in manch anderer Richtung eine weitere Annäherung an die Phylactolaemen erkennen. Die Beziehungen zwischen den Phylactolaemenlarven und den Larven der Gymnolaemen und Entoprocten würden nach B. in folgen- der Weise zu deuten und aufzufassen sein. Bei den Entoprocten wie bei den Gymnolaeraen-Ectoprocten ent- spricht die Seite des Larvenmundes, mit welchem die Festsetzung erfolgt, der Seite des Gastrulamundes, folglich münden die definitiven Polypide an der Ab'oralseite. Hingegen findet bei den Phylactolaemen r.). 290 Heine, L., Die AuMtomic des accom ni o d i rten Auges. Mikro- skopisclie I'ixirung des Accommodati onsak t es. In: Gräfe's Arch. f. Ophthalm. Rd. XLIX. 1899. p. 17. — Nr. 285—290. — — 166 — Da Versuche an Kaninchen, Katzen und Hunden dem Verf. gezeigt hatten, dass bei diesen Tieren fast keine Accommodations- änderungen eintreten, wurden Afi'enaugen (SpeciesV) verwendet. Das eine Auge wurde durch Eintröpfelung von Eserin in den Zustand starker Xaheaccommodation, das andere durch Atroj)in in Accommo- dationsruhe gebracht; die uneröffneten Bulbi in Flemming" scher Flüssigkeit fixiert und in Celloidin geschnitten. Die Linsen zeigten kaum merkliche Verscliiedenheit, da sie nicht rasch und sicher genug fixiert werden, dagegen waren die accommodativen Veränderungen des Ciharmuskels und die Änderung der Pupillenweite deutlich aus- geprägt. Im Eserinauge rückten die Ciliarfortsätze nach innen und vornen. Wegen des bogenförmigen Verlaufes der sog. Sagittalfasern in Ciliarmuskeln trifft man im Längsschnitt des Eserinauges weniger längsgeschnittene Fasern als im Atropinauge, in den dem Linsenäquator benachbarten Teilen mehr Querschnitte von Fasern. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). 291 Toriiatola, S., Ricerche embriologi che sull' ochio dei ver- tebrati. In: Atti Acc. Peloritana anno XIII. 1898. 50 p. 7 Taf. Verf. versucht nachzuweisen, dass der Glaskörper des Wirbel- tierauges nicht mesodermalen Ursprungs sei, sondern durch Sekretion von einem Teil der Retinazellen gebildet werde. Er untersucht die P^ntstehung desselben an Embryonen des Huhns und einer Anzahl von Säugern. Der Glaskörper bildet sich im Hohlraum der sekun- dären Augenblase vor dem Auftreten von Gefässen und dem Ein- dringen von Mesodermelementen. Sein Bau ist fibrillär; durch die Vereinigung dünner Fibrillen an der Grenze des Glaskörpers gegen die Retina zu wird der Anschein einer Membrana hyaloidea erweckt, in Wirklichkeit aber steht der Glaskörper in direkter Berührung mit der Retina. Zuweilen lässt sich deutlich erkennen, dass einzelne der Glaskörperiibrillen sich mit Retinazeilen verbinden; beim Hühnchen will Verf. solche Fasern bis zur sechsten Zellreihe in die Retina hinein verfolgt haben, bei Säugern bis in die äussersten Lagen. Zellähn- liche Elemente finden sich beim Hühnchen nur selten im Glaskörper; Verf. hält sie teils für lymphoide Zellen, teils für Zerfallprodukte von solchen oder losgelöste Retinazellen. Die Mesodermzellen, die bei den Säugern in den Hohlraum der sekundären Augenblase einwandern, bilden keine Hülle um die Linse, sondern liefern das Material zur Bildung der Gefässe des Glaskörpers und sind daher in fortge- schrittneren Entwickelungsstadien verschwunden: ausserdem dringen „Merocyten" ein, welche die Blutkörperchen bilden. R. Hesse (Tübingen.) — Nr. 290-291. — — 167 — 292 Marsliall, W., Bilder- Athis zu r Z oologie der Fische, Lurche und Krie ch thier e. Mit 208 Holzschnitten nach Zeichnungen von G. Mützel, E.Schmidt, Eob. Kretschmer. Rud. Koch, C. Gerber, Herrn. Braune u. a. Leipzig und Wien. (Biblio- graph. Institut.) 1898. gr. 8^. Lö2 p., davon 54 p. Text. Geb. M. 2.50. Zu den uns aus Brehm's Tierleben, namentlich der neuesten Auflage, wohlbekannten, meist ausgezeichneten Abbildungen hat Marshall einen klaren, kurzen, aber stets das Wichtigste und Wissenswerteste hervorhebenden Text geschrieben. Was die Alr bildungen anbelangt, so ist die Auswahl eine recht gute; von den Haien z. B. sind die interessantesten Arten Cestracion philippii^ Chlami/doselachus angidneus, BJiinodon typicus zur Anschauung ge- bracht, Avenngleich ein typischer Menschenhai [Carcliarias oder Carcharodon) nicht hätte vergessen werden sollen. Dass von den beiden auf p. 61 dargestellten Äcipenser-XxiQw die eine ein Hausen, die andere ein Stör sein soll, ist wohl nur aus der verschiedenen (Jrösse zu ersehen; Ref., der sich ziemlich viel mit den europäischen Acipenseriden befasst hat, konnte auf der Abbildung keinen Unter- schied der beiden Arten linden. Nicht besonders sind die Abbildung von Brillensalamander, Streifen- und Bergmolch, Feuerunke, Taschen- frosch, Schleuderschwanz, Zauneidechse; zweimal tritt (wenngleich beidemale gut dargestellt) die Sumpfschildkröte auf. Bei weitem die meisten aber verdienen uneingeschränktes Lob und namentlich die Betrachtung der Schlangen, welche M ützel fast durchgehends meister- haft abgebildet hat, wäre jenen bildenden Künstlern dringend zu empfehlen, welche noch immer, anstatt sich mehr an die Nutur zu halten, fratzenhafte imd künstlerisch unschöne, ja geradezu wider- liche Schlangenbilder schaffen, die Aveit eher lächerlich als ihrem Zweck entsprechend, unheimlich und dämonisch wirken. Eine Schlange, wie die auf ]). 145 dargestellte Lanzenschlange, ist sichtlich trotz des unheimlichen Gesamteindruckes eine in allen Teilen liannonische und wohlge})aute Erscheinung, während die meisten Schlangen, welche von unseren Künstlern uns vorgeführt werden, trotz aller Hörner Zähne, Barte und Lappen — abscheuliche ^lissgeburten einer irre- geleiteten Phantasie sind. Der Text, welcher erstaunlich viel Wissenswertes über die oben- erwähnten drei Wirbeltierklassen auf 54 p. bringt, ist trotzdem, wie alle Publikationen des Verf.'s. leicht verständlich. So wenig aber im allgemeinen gegen die Systematik der Fische, welche nach Günther angeordnet scheinen, einzuwenden ist, so sehr rauss dagegen das teilweise gänzlich veraltete System, welches der Autor beiden Lurchen und Kriechtieren an- gent)nnnen hat, bedauert werden. Schon die pjnteihnig der Schwanz- — Nr. 292. — — 168 — lurcbe ist eine recht bedenkliche. Die Stellung des Axolotls zu den Perennibranchiaten ist z. B. zwar bei vielen Zoologen und in einer stattlichen Zahl von Lehrbüchern noch immer recht gebräuchlich, obwohl niemand daran denkt, geschlechtsreife Jio/^^e-Larven, wie sie z. B. bei M. cristata und ivaltUi gelegentlich vorkommen, den Perenni- branchiaten zuzurechnen. Der Axolotl ist aber noch immer nichts andres, als eine fortpflanzungsfähige Salamandridenlarve, und ver- dient daher seine Versetzung zu der recht künstlichen Familie der Perennibranchiaten durchaus nicht. Noch mehr ist gegen die Schaffung einer Gruppe ,,Tritonida e" und einer solchen „Salamandridae" einzuwenden; die Wassermolche stehen den Landmolchen durchaus nicht so scharf gegenüber, um eine solche Trennung zu rechtfertigen, sondern beide Formengruppen gehen allmählich ineinander über. — Schlimmer sieht es dann auch bei den Eidechsen aus; die Chamae- leonten, eine den Schlangen und Eidechsen durchaus gleichwertige Familie, sind zwischen die Geckonen und ,,Cionocrania" (auch einer ganz fallen zu lassenden Unterabteilung der Eidechsen) eingeschaltet, unter den Dickzungigen die akrodonten Agamiden und pleurodonten Iguaniden durcheinander geworfen; die Blindschleiche und der Schelto- pusik haben mit den Scinken, zu denen sie gestellt werden, eine rein äusserliche Ähnlichkeit. Was schliesslich die Bemerkung des Verf.'s anbelangt, dass das System der Schlangen ein sehr künstliches sei, so gilt dies doch nur für die von älteren Autoren gebrauchten Systeme mit ihren über 30 Familien. Das von Boulenger in seinem Cat. Snakes. Brit. Mus. (l894 — 1897) eingeführte System ist so klar, dass man es jedem Laien in der Zoologie in seinen Hauptgrundzügen in einer halben Stunde beibringen kann und jedenfalls dem vom Verf. gewählten, wobei in der Unterordnung Colubriformia drei absolut nicht zu- sammengehörige Familien zusammengebracht sind, vorzuziehen. Auch die Bezeichnung der Kreuzotter, die von Vipera aspis oft nur schwierig auseinanderzuhalten ist, als Pelias heims, also die Einord- nung in eine andere Gattung als erstere, ist entschieden zu verwerfen, wie auch die Auswahl der Arten manchmal nicht sehr glücklich ist: der Kap-Waran (V. alhigiilaris) ist eine der in Europa in Sammlungen am seltensten vertretenen und am wenigsten wichtigen Arten; für die deutschen Kolonien in Afrika käme wohl V. niloticus ganz bedeutend mehr in Betracht. — Die Familieneinteilung der Schildkröten bringt zwar, wenn auch etw^as durcheinandergebracht, die hau2:)tsächlichsten Familien zum Ausdruck, geht aber in der Abtrennung der Land- von den Sumpfschildkröten wieder zu weit; z. B. ist die Dosenschildkröte {Cistndo) ebensoviel Land- als Sumpfschildkröte und bildet biologisch — Nr. 292. — - 169 — (und anders als biologisch ist diese Einteilung ja nicht zu nennen) einen kompletten Übergang zwischen beiden Gruppen, wogegen weder Gross- kopf- noch Schnappschildkröte mit den echten Sumpfschildkröten ver- einigt werden können. — Man mag diese Kritik eines vorzüglich für die Jugend berechneten Werkes etwas zu weitgehend finden. Ref. glaubt aber, dass ein gutes System ebenso leicht oder leichter bei- gebracht und gelernt werden kann als ein schlechtes und dass die Einteilung der Fische in der vorliegenden Weise gewiss keine ge- ringeren Schwierigkeiten bieten dürfte, als die der Reptilien nach dem wohl ausnahmslos anerkannten Vorgang in den Katalogen des British Museum. F. Werner (Wien). Pisces. 293 Alcock, R., On proteid digestion in Ammocoetes. In: Journ. Anat. and Physiol. Vol. 33 (N.S. 13). L899. p. 612—637. Die Eiweissverdauung geschieht bei Ammocoetes durch ein peptisches Ferment ; ein tryptisches konnte nicht gefunden werden. Es findet sich diffus im ganzen Verdauungstractus verbreitet, am reich- lichsten in der ..Leber" und dem respiratorischen Teile des Pharynx. Die sogenannte Schilddrüse enthält kein Pepsin, dagegen wird solches, mit dem des Darms genau übereinstimmendes, von den oberHächlichen Zelllagen der Haut produziert. W. A. Nagel (Freiburg i. Br.). 294 Forssell, (J., Beiträge zur Kenntnis der Anatomie der Lo- renzini 'sehen Ampullen bei Acanthias riilgaris. In: Zeitschr. wiss. Zool. Bd. 65. 1899. p. 725—744. Taf. 34. Verf. beschreibt den gröberen Bau der Ampullen von uicanthias nach einem Rekonstruktionsmodell: der Hauptgang löst sich an seinem inneren Ende in eine Zahl feiner Röhren auf, die auf ihren Aussen- und Seitenfiiichen sackförmige Divertikel in wechselnder Zahl (zu- sammen 18 — 31) tragen. Sie bilden somit einen t^bergang zwischen den Ampullen mit „Centralplatte'', wo die Divertikel direkt am Haujjt- gang sitzen, und der Ampulle bei Hexanchns^ die mit vielen Gängen an der Hautobertiäche ausmündet. — Das Epithel der Gänge und der Divertikel ist histologisch ganz verschieden. Das Epithel der Divertikel ist einfach und besteht aus zweierlei Zellen, grossen birn- förmigen Zellen und einem zwischen diesen gelegenen System von Stützzellen, die alle Lücken zwischen jenen ausfüllen. Die birnt'ör- migen Zellen haben einen grossen runden Kern und verschmälern sich gegen das Lumen zu einer feinen Spitze, welche die zusammenhängende Cuticula der Stützzellen durchbricht. Auf den Leisten an den Münd- — Nr. 292—294. — — 170 — ungen der einzelnen Divertikel steht eine einfache Schicht von hohen Zellen mit starker Cuticula, wie sie die Centralplatten bei anderen Selachiern (z. B. Scyllium) bilden. Die Centralplatte kann als eine Verschmelzung einer grossen Anzahl solcher Leisten betrachtet werden; ihr Vorkommen bedeutet also keinen wesentlichen Unterschied im Bau der Ampullen. Die Zellen auf den Leisten gehen in die Stütz- zellen der Ampullen über; ihre Form ist cylindrisch, weil die birn- förmigen Zellen zwischen ihnen fehlen. Andererseits geht das Epithel der Leisten in die niedrigen Zellen des Ampullengangs über. In den Divertikeln finden sich somit keine Bildungen, die auf Sekretion hin- deuten. Die Nervenendigungen an den birnförmigen Zellen hat Verf. nicht selbst untersucht. — Von jeder der flachen Zellen des Ampullen- ganges ragt eine pfeilerartige Bildung in den Gang hinein; in der Mitte des Ganges fliessen die Pfeiler zu einer gelatinösen Masse zusammen, die auch in die Divertikel eindringt. Verf. hält die Ampullen für Sinnesorgane, die mit den Sinnesapparaten der Seitenlinie gleichwertig sind, und nimmt an, dass die den Gang füllende Masse als Medium diene, um den Beiz von der Oberfläche auf das eingesenkte Organ überzuführen. Die sekretorische Thätigkeit des Gangepithels würde sich also darauf beschränken, i'ür die an der Oberfläche abgenutzten Teile jener gelatinösen Masse Ersatz zu schaft'en. B. Hesse (Tübingen). 295 Ei^enmann, €. H., The Eyes of the Blind Vertebrates of North America L The Eyes of the Amblyopsidae. In: Arch. f. Entwmech. Bd. 8. 1899. p. 545—617. Taf. 11 — 16. Von den sechs bekannten Arten der Familie der Amblyopsidae leben zwei [Chologaster cornutiis und papillifems) in oberirdischen, die vier übrigen [Chologaster agassisii, Ämhlyopsis speJaens, Typlüichthys siibterraneus, Troglichthys rosae) in unterirdischen Gewässern. Die Chologaster-Arten haben wohlentwickelte Augen, bei den drei anderen sind sie weit zurückgebildet; die drei letzteren Arten stammen von verschiedenen Vorfahren ab. — Selbst das am höchsten entwickelte Auge von Ch. papülifer/is ist viel kleiner und einfacher als das normale Auge der Fische; die Betina von Ch. agassisii weicht von jenem ab in der geringeren Dicke des Pigmentepithels, diejenige von Ch. cornutus in der Reduktion aller übrigen Schichten. — Im Auge von Ämhlyopsis fehlt die Glaskörperhöhle, die Pupille ist geschlossen und die Linse von geringer Grösse ; infolge Fehlens des Glaskörpers bildet die Ganglienzellenlage im Inneren des Auges einen trichter- förmigen Komplex; durch Verschwinden der äusseren retikulären Schicht sind die äussere und innere Körnerlage in eins verschmolzen. — Nr. 294-295. — — 171 — Die Zapfen und das Pigmentepitliel sind gut entwickelt, letzterem fehlt im distalen Abschnitt des Auges das Pigment. Der Sehnerv lässt sich bei älteren Individuen nicht mehr bis ins Gehirn verfolgen. In Grösse und Einzelheiten des inneren Baues zeigt der Augapfel bei den einzelnen Individuen beträchtliche Verschiedenheiten. In der bindegewebigen Hülle des Auges finden sich an der distalen Seite einer bis drei Knorpel, die Verf., trotz ihrer anormalen Lage, für Skleralknorpel hält. Augenmuskeln sind in wechselnder Zahl vorhanden, bisweilen fünf oder selbst alle sechs. — Bei den Augen von Typhlichthys hat die Degeneration einen anderen Weg eingesclilagen als bei Ämhlyopsis. Das Auge selbst ist weniger betroffen als dort, die accessorischen Organe dagegen sind mehr degeneriert: so fehlen Augenmuskeln und Skleralknorpel gänzlich. Dagegen vermag das Auge selbst w^ahrscheinlich das ganze Leben hindurch als Licht wahr- nehmendes Organ zu funktionieren (wozu freilich das Fehlen der Stäbchen und Zapfen nicht stimmen würde. Hof.). Das Pigment im Pigmentepithel fehlt; aber eine kleine Linse, sowie Reste eines Glas- körpers mit Blutgefässen sind vorlmnden, die äussere und innere Körnerschicht, die innere und gewöhnlich auch die äussere retikuläre Schicht und die Ganglienzellschicht sind gut entwickelt, und der Seh- nerv ist wahrscheinlich während des ganzen Lebens mit dem Gehirn verbunden. — Das Auge von Trof/lichthys ist noch mehr degeneriert als die beiden vorigen. Es besitzt zwar (bis zu drei) Augenmuskeln (an denen die Degeneration mit Verkürzung bei Verlängerung der zu- gehörigen Sehne l)eginnt und zuletzt zu völligem Ersatz durch Binde- gewebsfasern führt), und auffallende Skleralknorpel, die eine mehr oder weniger vollkommene Hülle um das Auge l)ilden. Jedoch die ( ila.skör[)erhöhle und die Membrana hyaloidea sind verschwunden, das Auge ist collabiert. Das Pigmentepithel ist an der distalen Fläche des Auges entwickelt, spärlicher an den Seiten und innen. Die Ganglienzellschicht findet sich an der distalen Seite des Auges, hinter dem Pigmentei)ithel, und besteht aus sehr wenigen Elementen : die Körnerzonen sind sehr rudimentär, Stäbchen und Zapfen fehlen gänzlich. Der Sehnerv lässt sicli nicht weit über das Auge hinaus verfolgen. — In allen Fällen sind die individuellen Unterschiede der rudimentären Augen sehr auffallende, selbst zwischen den beiden Augen des gleichen Tieres. Die Reduktion ist bei diesen Augen nicht eine „horizontale", sie betrifft nicht alle Teile gleichmäßig: rein stützende Pvlemcnte, wie die Skleralknorpel, sind unverhältnismähhg lange erhalten; das Pigmente[)itliel ist bf^i den einzelnen Arten verschieden betroffen. Bei den Schichten der Retina ist die Piickhildung gleichmäßiger fortgeschritten, mit Ausnahme etwa der inneren reti kullerten Schicht, — Nr. 295. — — 172 — die ihre längere Erhaltung wahrscheinlich ihren Stützelementen verdankt. — Das Auge von Amhlyopsis erfährt mit zunehmendem Lebensalter eine ausgesprochene ontogenetische Degeneration. Die phyletisclie Degeneration ist nicht in der umgekehrten Reihenfolge wie die Ent- wickelung erfolgt; der Bau der rudimentären Augen ist auch nicht die Eolge eines Stillstandes der Entwickelung auf irgend welchem ver- gangenen ontogenetischen Stadium. Die Beschaffenheit dieser Augen kann nur erklärt werden durch Nichtgebrauch und erbliche Über- tragung von dessen Folgen. Die Teile, welche während des Gebrauches am aktivsten sind, wurden am meisten rückgebildet, wie Muskeln, Retina, Sehnerv, Linse und Glaskörper; dagegen die mehr passiven Sklera] knorpel sind nur svenig, die knöcherne Augenhöhle gar nicht reduziert. — Verf. weist nebenbei noch auf die Wichtigkeit der That- sache hin, dass vier von den sechs Arten der Amblyopsidae in unter- irdischen Flüssen leben, alle vier verschiedenen Lirsprungs und in verschiedenen Gegenden wohnend, während keine andere Fischart aus den Flüssen in der Umgebung der Höhlen an ein unterirdisches Leben angepasst wurde. Er meint, dass der hochentwickelte Tastapparat der blinden Arten sich nicht als Ersatz für den Verlust der Augen entwickelte, sondern im Gegenteil schon vorher vorhanden war, diesen Fischen die Besiedelung der Höhlen erlaubte und so den Verlust der Augen indirekt herbeiführte. R. Hesse (Tübingen). 296 Thilo, Otto, Die Entstehung der Luft sacke bei den Kugel- fischen. In: Anat. Anz. XVL, Bd. Nr. 3./4. 1899. p. 73—87. Taf. I— n. Verf. hat auf Grund eines umfangreichen Materiales, welches ihm von den Museen des festländischen Europa zur Verfügung gestellt war, eine Reihe von Plectognathen vergleichend-anatomisch untersucht und gelangt hierbei zu folgenden Resultaten: Bei Triacantlius^ welchen Verf. als Ausgangspunkt für seine Dar- legungen benutzt, stützt sich der Träger des Bauchstachels mit einem breiten Knochenfortsatz gegen den Schultergürtel und zur weiteren Festigung dient ein paariger Hautknochen (der „Baucli- knochen"), welcher als „Strebe" Stachelträger und Schultergürtel zu einem dreiteiligen Gerüste abschliesst. Die Rückbildung des Bauch- stacliels. z. B. bei Monacunthus seiifer, wirkt auch auf diese Stützungs- verhältnisse zurück: das dreiteilige Gerüst ist gelöst; der Stachelträger ragt nicht mehr in die Bauchhöhle hinein, sondern er liegt unter der Haut; er stützt sich nicht mehr gegen die Mitte des Schultergürtels, sondern gegen dessen unteres Ende — aber er hat keine Rückbildung erfahren, welche derjenigen des Bauchstachels entspräche, sein dem — Nr. 295-296. — — 173 - Schultergürtel zugewandter Teil ist sogar vergrössert. Verf. bringt diese Vergrösserung in einen ursächlichen Zusammenhang mit der durch ..nicht unbedeutende"' Muskeln bedingten Beweglichkeit des Stachelträgers , welcher um seine Anheftungsstelle am Schultergürtel in der Sagittalebene drehbar ist (am stärksten bei Monacantlius jjemciUigeriis , nämlich um 45^). Diese Beweglichkeit des Stachel- trägers begünstigt das Vorwärtsschieben in engen Felsspalten, ermög- licht aber andererseits, da die Bauchhöhle infolge Verkümmerung der Rippen eine grosse Dehnbarkeit besitzt, auch eine eigentümliche Form der Atmung, indem ;,die Bauchhöhle bald erweitert bald verengert und so ein Hohlraum geschaffen (wird), in den Luft ein- und austreten kann". „Diese Fähigkeit wurde um so schneller entwickelt, als der Monacanthiis enge Felsspalten bewohnt, in denen die Wassermengen gering sind, ja zur Zeit der Ebbe ganz versiegen. Die Luft in diesen geringen Wassermengen verbraucht der Fisch schnell und ist dann gezwungen, seinen Sauerstoff aus der Atmosphäre zu beziehen. Er füllt seinen Magen mit Luft und versorgt vom Magen aus das in der Kiemenhöhle befindliche Wasser mit Luft. Seine Kiemen können also selbst dann noch Luft aus dem Wasser atmen, wenn er fast ganz auf dem Trockenen liegt." Schon bei Monacanthus trossnlus ist der Bauchstachelträger zu einem „sehmächtigen Knochenstäbchen" rückgebildet; bei Tetrodon fehlt er gänzlich, so dass dadurch eine Schranke für die Erweiterungs- fähigkeit des Magens fortfällt. Die Luft wird hier zum Teil durch die um 90° drehbaren ..Bauchknochen'' angesogen, welche „wie ein Regenschirm aufgeklappt" werden, zum Teil durch Erweiterung und Verengerung der Kiemenhöhle (namentlich infolge der Bewegungen des am weitesten median gelegenen Kiemenhautstrahles, welcher bei Tetrodon in eine breite, dreieckige Platte umgewandelt erscheint) in den Magen gepumpt. Die Entleerung der Luft aus dem Magen von Tetrodon, welchen Verf. auch bald als ,. Bauchsack" bald als ,, Luft- sack" Ijezeichnet, erfolgt entsprechend zum Teil durch Herunter- klappen der „Bauchknochen", zum Teil durch die Kontraktion eines den ganzen Fisch umschliessenden grossen Hautmuskels , von wel- chem sich ein langer, paariger, den Schultergürtel (und damit auch den Kiemenapparat) nach unten und hinten ziehender Muskel ab- zweigt. Das Entweichen von Luft aus dem Magen in den Darm wird bei MonacantliHS trossuJus verhindert durch die Lage des Pylorus an der Vorderwand des Magens und die dadurch bedingte Abknickung des Darmes, bei Tetrodon dagegen durch eine ringförmige Klajjpe am Pylorus. Andererseits wird der Rücktritt der Luft aus dem Magen — Nr. 296. — — 174 — in die Kiemenhöhle, wenigstens bei Tetrodon, durch einen gleich unter- halb des letzten Kiemenbogens gelegenen Sphincter verhindert. M. Luhe (Königsberg i. Pr.). Amphibia. 297 Cariioy, J. B., et Lebruii, H.. La Cytodierese de Toeuf. La vesicule germinative et les globules polaires chez les Batraciens. Les Urodeles, troisieme memoire, les globules polaires des Urodeles. In: La Cellule. T. XVL 2« fasc. 1899. p. 302-401. 4 Taf. In der Einleitung weisen Verff. darauf hin, dass bei länger ge- fangen gewesenen Tritonen die Reifungsfiguren in den Eiern ganz anders aussehen, als bei frisch gefangenen Exemplaren. Der grösste Teil des Materials ist von Lebrun im Jahre 1891 mit Unterstütz- ung von M. Nussbaum bei Bonn gesammelt. Es ist vorgekommen, dass die Verif. binnen 48 Stunden mehr als 500 Tritonenweibchen töteten! Die reifen Ovarialeier zeigen eine scharfe Grenze zwischen der hellen und dunkeln Hälfte, die unreifen einen alimäh- lichen Übergang beider. I. Kapitel: Vorbereitung zur Teilung. Die in der I. Ab- handlung (Z. C.-Bl. V. p. 55) beschriebene trichterförmige Grube an der Richtungsstelle hält Verf. jetzt für unwichtig, während er sie ■damals mit dem Aufstieg des Keimbläschens in Zusammenhang brachte. Die Keimbläschenmembran verschwindet meist zuerst an der der Ei- mitte zugewandten Seite des Keimbläschens. Sowie das geschieht, drängen sich Teile des Zellprotoplasmas (Pigment - und Dotter- körner etc.) in den Kern hinein. Im Keimbläschen findet eine Vacu- olenbildung „durch Wasseraufnahme" statt, als erstes Zeichen des Beginns der Reifungsteilung. Jetzt oder etwas später bildet das Keimbläschen meist an der der Eimitte zugewandten Seite einen Knopf oder eine Vorbauchung, die immer die Nucleinelemente birgt und von einer besonderen Membran umgeben sein kann. Statt dessen bildet sich sehr häufig (wie schon Born beschrieb, Ref.) im Innern des Keimbläschens eine grosse Vacuole, in deren Mitte oder an deren Rand die Nucleinelemente sich ansammeln. Noch bei erhaltener Keim- bläschenhaut kann im Innern des Keimbläschens eine radiär- oder parallelstrahlige Veränderung des achromatischen Kernnetzes auftreten, die Verf. als den „Spindelfleck" bezeichnet, weil aus ihr die Richtungsspindel hervorgeht. Die Strahlen bilden, beziehungsweise ordnen sich offenbar unter dem Einfluss der NucleirM»lemente, die stets in der Mitte des Strahlenbüschels liegen. Was für Nucleinele- mente das Keimbläschen zeigt, wenn es sich zur Richtungsteilung an- — Nr. 296—297. — — 175 — schickt (d. h. in dem Stadium, wo es den Knopf bildet, vacuolisiert wird, die Membran verliert, die , .Spindelstelle" erkennen lässt), das soll ganz verschieden sein, je nachdem in diesem Moment die letzte Nucleolengeneration sich in einem frühen oder späten Auflösungs- stadium befindet. (Nach der Verff. Meinung steht also mit anderen Worten die Veränderung der Nucleinfiguren in gar keiner Beziehung zum Anfang der Richtungsteilung.) Allerdings beginnt die Richtungs- teilung meist am Ende einer Auflösungsperiode, nur selten am An- fang, so dass man meist nur eine bescliränkte Zahl grober Nucleolen findet, manchmal sogar gar keine, sondern nur die fädigen oder körnigen Auflösungsprodukte der Nucleolen. Die fädigen Produkte wechseln in der Zahl von Ei zu Ei sehr (10 — 50) und liegen sehr häufig paarweise, parallel oder gekreuzt oder an den Enden oft V -förmig verbunden bei einander (ein Umstand, der wohl nicht be- deutungslos ist, Ref.). In dem bei den Tritonen selteneren Fall (Be- ginn der Teilung im Anfang der Auflösungsperiode) blähen sich die überflüssigen Nucleolen schaumig auf, vereinigen sich zu grossen vacuolisierten Massen, die aus dem Keimbläschen in das Zellplasma hinaustreten; beim Frosch ist dies Verhalten die Regel; bei der Kröte hingegen findet überhaupt nie eine Verschmelzung der schaumigen Nucleolenreste statt. "Wenn auch nicht häufig, so finden sich doch bei allen untersuchten Arten Fälle, wo nicht einmal mehr Fäden, sondern nur Körnchenanhäufungen am ,, Spindelfleck'' vorhanden sind. II. Kapitel: Entstehung der ersten Richtungsspindel. Die Spindel bildet sich aus dem Kernplasma, bald schon vor Auf- lösung der Kernhaut, bald erst nach derselben, stets an der Stelle, w^o die Nucleolenauf lösungsprodukte angehäuft liegen, wie Verf. meint, unter dem Einfluss von Nucleoalbuminstoflen, die den Nucleolen- resten entströmen. Sie entsteht durch Vermehrung der achromati- schen Kernnetzfäden , die sich zu einem spindelförmigen Netzwerk anordnen. Liegen die Nucleolenreste, wie so oft, in einer grossen, unregelmäßig begrenzten Lücke („Vacuole"), so entsteht die Spindel an der Wand der Lücke durch Vermehrung der Fäden des angrenzen- den achromatischen Kerngerüstes. Wenn sich diese Fäden zur Spindel angeordnet haben, werden die queren Verbindungsfäden zwischen den längsgestellten Hauptspindelfäden allmählich resorbiert. Meist bildet sich die ganze Spindel auf einmal, hie und da eilt aber eine Seite wesentlich der anderen voraus. Manchmal konvergieren die Spindel- fasern zuerst noch nicht alle nach dem Pol, sondern laufen zum Teil mehr oder w^eniger parallel. Ausser den von Pol zu Pol durchlaufen- den Spindelfasern sind an besonders gut gelungenen Präparaten auch Polstrahlungen, die sich im Äquator durchkreuzen, mit grosser Klar- — Nr. 297. — — 176 — heit zu sehen; auch diese hilden sich, wie die Verff. aufs klarste beweisen, aus dem achromatischen Kernnetz. Sie treten meist auf, wenn die ersten Spuren der Spindel zu sehen sind. Bakl erscheinen sie zuerst noch „diffus", d. h. nicht scharf konvergierend, bald sind sie von Anfang an scharf centriert; die uncentriert auftretenden Strahlen können zuerst senkrecht zur Spindelachse verlaufen und sich erst später so richten, dass sie auch auf einen der beiden Pole zielen. Centralkörner oder Höfe (,, Attraktionssphären") ,, existieren hier so wenig wie anderwärts". Die definitiven 12 Chromosomen der ersten Richtungsspindel bilden sich aus den Nucleolenauf lösungsresten durch Verschmelzen oder Zerbröckelung derselben, je nachdem die Reste vorher die Zahl 12 überschritten oder aber nicht erreichten. Alle überflüssigen Reste der letzten Nucleolengeneration werden aufgelöst. III. Kapitel: Erste Richtungsteilung. Die Ausstossung des ersten Reifungskörpers erfolgt im mittleren Drittel des Eileiters. Die 12 Chromosomen machen sehr eigentümliche Wandlungen durch, ehe die Teilung der Spindel beginnt. Verf. giebt an , dass sich die 12 Chromatinblöcke an den Äquator begeben und sich mit ihrem dicksten Ende an die Spindel ansetzen, während das dünnere Ende von der Spindelachse abgewandt in der Aquatorebene frei hinaus- steht. Nun teilt sich jeder Block in der Aquatorebene der Länge nach in zwei übereinanderliegende Stäbchen, die beiden Stäbchen kriechen dann an der Spindel ein Stück weit je eines nach auf- das andere nach abwärts, bleiben aber an dem freien Ende (am ,, Stiel") eine Strecke weit noch verklebt, so dass also eine H förmige Figur entsteht. Nun findet eine abermalige Spaltung statt und zwar parallel der Spindelachse ; durch diese zweite Längsspaltung weichen alle drei Schen- kel der — ] förmigen Figur auseinander, so dass eine kreuzförmige Figur entsteht. Darauf vergrössern sich die in der Aquatorebene frei hinaus- stehenden Flügel (queren Kreuzschenkcl), während die an der Spindel hinauf- und hinuntergekrochenen Längsschenkel wieder zurückkriechen, wodurch den Flügeln das weitere Wachstum ermöglicht wird. In diesem Stadium nennt Verf. die Chromosomen ,, Vögelchen" und sagt, es seien „Figuren von hinreissender Schönheit", man könne sie gar nicht genug betrachten, wie sie ihren Aufschwung nehmen, um vor dem indiskreten Beschauer zu verschwinden, denn ach, ihr Leben sei kurz! Die Flügel werden nämlich immer länger, der Körper immer kürzer, so dass schliesslich eine einfache ühe (Königsberg i. Pr.). 300 Rizzo, Agostino, Sul nuniero e sulla distribuz ione dei pori nel gus- — Nr. 299—300. — — 184 - cio deir ovo digalJina. In: Ric. fatte nel laborat. Anat. norm. R. Univ. Roma cd in altri Labor, biolog. Vol. VII. fasc. 2. 1S99. p. 171—177. 3 Textfig. Die Zahl der Poren der ganzen Eierschale schwankt um 7000 herum , auf den Quadratmillimeter kommen im Durchschnnitt 1,2 Poren. Der spitze Pol zeigt die wenigsten, der stumpfe die meisten, daraus erklärt sich die Thatsache, dass bei Firnissen des spitzen Poles die Embryoentwickelung nicht leidet, wohl aber bei der des stumpfen, wie Baudrimont und Martin St. Ange fanden. R. Fick (Leipzig). Mammalia. 301 Oppel, Albert, Über den Magen der Monotremen, einiger Marsupiali er und von Mcoiis javanica. (Semon: Zool. For- schungsreis, in Australien u. d. malay. Archipel.) In: Jenaische Denk- schr. Bd. V. 1896 p. 277— [90]— 300 [112]. Taf. XXIII— XXVI. Hinsichtlich des m a k r o s k o p i s c h e n Verhaltens ist folgendes anzumerken: Bei Eclddna acideata var. typica zeigt der Magen im Fundusteile eine feine Fältelung ohne bestimmte Kichtung, im Pylorusteile eine längsverlaufende Fältelung. Die letztere besitzt eine zuerst schwache, dann allmählich so stark werdende Querfältelung, dass diese schliesslich vorherrscht. Sie schneidet gegen den Darm hin mit scharfer Linie ab. Die vorherrschende Querfältelung ist histologisch nicht mehr zum Magen zu rechnen, sondern als Duodenum zu betrachten. Bei Ornithorhynchus anaünus liegen Cardia und Pylorus nahe bei einander, so dass die kleine Curvatur ganz ausserordentlich klein ist. Eine hinter dem Pylorus gelegene verdickte Stelle entspricht dem Duodenum. Auch hier hat die innere Magenoberfläche eine feine Fältelung. Bei Dasiiurtis haUticafus, von dessen Magen nur ein Stück zur Verfügung stand, liegen Cardia und Pylorus nahe bei einander. Der Magen von Fhalanyista {Tricliosurns tuJpecida) zeigt an der kleinen Ciirvatar eine starke winkelige Knickung, die dem Pylorical- teile entspricht. Der Fundus springt stark vor, der Magen erhält dadurch Birnform. Bei mikroskopischer Untersuchung ergeben sich folgende Besultate : Monotremata. — Bei Echidna acideata var. typica ist der ganze Magen von einem geschichteten Epithel (Pflasterepithel) aus- gekleidet, das sich auch auf das sogenannte Duodenum erstreckt. Drüsen sind im Magen nicht vorhanden. Die Muskelhaut besteht aus innerer Ring- und äusserer Längsmuskelschicht. Zwischen Magen und Darm, welch letzterer typisches Cylinderepithel und Lieberkühn'sche Krypten besitzt, findet sich ein Drüsenwulst, der noch das Magen- — Nr. 300-301. — — 185 — epithel trägt. Die Drüsen — im sogenannten Duodenum gelegen — - sind tubulös, die Aiisführungsgänge mehrerer Drüsen vereinigen sich. Das Sekret dieser Drüsen kann nicht in den Magen gelangen. Bei einem Beutelfötus derselben Species war der Magen mit Cylinderepithel versehen, besass aber keine Drüsen. Bei Ornithorhynchus anatinus sind die Verhältnisse ganz die gleichen wie bei den erwachsenen Tieren der vorigen Species. Mar supialier. — Bei Dasi/urns haUNcatus hört das geschichtete Epithel noch im Oesophagus auf, im Magen findet sich ein ein- schichtiges Cylinderepithel, das sich auch auf die Region der Cardial- drüsen erstreckt. Unmittelbar hinter der Cardia treten die gewöhn- liehen Magendrüsen mit Haupt- und Belegzellen auf, die von der Mitte der kleinen Curvatur ab den Pylorusdrüsen weichen. Lymph- follikel finden sich zahlreich an der grossen und kleinen Curvatur. Perameles ohesnla hat ein bis zur Cardia reichendes geschichtetes Epithel. Die Cardialdrüsenregion ist an der grossen Curvatur klein, ixn der kleinen etwas weiter ausgedehnt. Auf diese folgt die Eundus- drüsenregion, an welche sich an der kleinen Curvatur die Region der Pylorusdrüsen anschliesst. Am Übergänge in die Darmschleimhaut finden sich die Brunner'schen Drüsen. Bei Fhalatujista [Tricliosurus vulpecnla) hört das oesophageale Epithel noch vor dem Magen auf. Beim Auftreten des Magenepithels finden sich die Cardialdrüsen, allerdings in nur geringer Menge. Darauf folgen die charakteristischen eigentlichen Fundusdrüsen mit Haupt- und Belegzellen; diese Drüsen sind sehr klein. Die Pylorus- drüsen . die keine Unterschiede zwischen Haupt- und Belegzellen er- kennen lassen, zeigen keine grosse Ausdehnung; auf sie folgen die als Brunn er "sehe Drüsen gedeuteten Gebilde. Bei Fliascolarclos cinerens ist, wie bei PJialangista, eine starke winkelige Knickung der kleinen Curvatur vorhanden; hier liegt die sogenannte Drüsenplatte, an welcher Verf. 16 Drüsenöft'nungen zählte. Das mikroskopische Bild — das Material zeigte keinen guten Er- haltungszustand — Hess auf typische Eundusdrüsen schliessen, welche sich hier also auch an der kleinen Curvatur finden. Ebensolche Drüsen besitzt auch die ganze übrige Magenschleimhaut. Manis jaranica. Verf. konnte die Befunde von Max Weber (Zool. Ergebnisse einer Reise in Niederländ. Ostindien, Bd. H. 1891) l)estätigen. Der Magen hat ein geschichtetes Pflasterepithel in seiner ganzen Ausdehnung. Die mit Hornzähnen versehene Platte der dorsalen ))asst in eine entsprechende Vertiefung der ventralen Pylorus- wand. Die grosse Magendrüse war vorhanden und ebenso fanden — Nr. 3U1. — — 186 — sich die der Haupt- und Belegzellen entbehrenden zusammengesetzten Magendrüsen. Letztere umgreifen die Öffnung der Magendrüse. Am Übergänge vom Magen in den Darm findet sich die dritte Weber 'sehe Drüsengruppe. Dann folgt im Darm zunächst eine drüsenlose Partie, um von einer drüsenhaltigen mit geschichtetem Epithel versehenen abgelöst zu werden. Dann erst tritt mit scharfem Absatz das einschichtige Cylinderepitliel des Darmes auf, dessen Schleimhaut nunmehr sich in Zotten legt. Verf. schliesst daran vergleichende Bemerkungen und Schluss- folgerungen, bezüglich deren auf das Original zu verweisen ist. B. Rawitz (Berlin). 302 Pease, Alfred E., Supplemental Note on the Distribution ofLoder's Gazelle and the Dorcas Gazelle in Algeria. In: Proc. Zool. See. London. 1899. III. p. 593—594. Verf. führt zuerst die verschiedenen einheimischen Namen dieser zwei Ga- zellen auf und sodann die Ortlichkeiten, in denen sie gefunden wurden. B. Langkavel (Hamburg). 303 Lydekker, R., On the supposed fornier Existence of a Sirenian in St. Helena. In: Proc. Zool. Soc. London. 1899. IIL p. 796—798. Verf. durchmustert zuerst die Schriften , welche Wesen solcher Art auf St. Helena anführten und rät dann die Küste der dortigen Manati-Bay genauer zu durchforschen. B. Langkavel (Hamburg). 304 Vaiihöffeu, Ernst, Sind Wale Hochseebewohner? In: Zool. Anzeiger. 1899. Nr. 596. p. 396-400. Nach den bis jetzt vorliegenden, nicht zu zahlreichen Beobachtungen scheint es Verf. richtig, Wale und Delphine als Küstenbewohuer zu betrachten. B. Langkavel (Hamburg). 305 Ranke, Joli., Die überzähligen Hautknochen des mensch- lichen Schädeldachs. In: Abhandl. k. bayer. Akad. Wiss. München. II. Gl. XX. Bd. II. Abth. 1899. p. 277—464. 132 Textfig. Diese überaus sorgfältige, sich über ein grosses Material, nament- lich von Anthropoiden, erstreckende Arbeit des Münchener Anthropologen liefert einen erfreulichen Beweis dafür, dass die menschliche Osteo- logie in ihrer jetzigen Form noch keineswegs als abgeschlossen gelten kann, dass vielmehr selbst noch in der gröberen Konfiguration des menschlichen Kopfskelets manches Problem steckt, das der Lösung harrt. Dass diese nur auf dem von Ranke betretenen Wege möglich ist, nämlich durch die Vergleichung der Primaten mit niedern Formen, kann für den Morphologen nicht zweifelhaft sein. Besonders erfreulich aber ist es, dass gerade Ranke, der ja bekanntlich seine Stellung der Descendenzlehre gegenüber (sowohl in seinem Werke ,,der Mensch", — Nr. 301-305. — 187 ganzen sind 12 Fälle als auch bei anderen Gelegenheiten) im Unklaren lässt, sich der vergleichend anatomischen Methode in seinem neuen Werke zu be- dienen sucht, ja sie mit einer gewissen Kühnheit anwendet, indem er nicht etwa niedere Säuger, sondern Stegocephalen und Ganoiden als Vergleichungsobjekte für den Menschen heranzieht. Im ersten Teile behandelt Ranke die Persistenz derParietal- naht und die Zusammensetzung des Os parietale aus einem oberen und einem unteren Stück. Schon von einer grösseren Zahl älterer Autoren ist das Vorkommen einer „Sutura parietalis" beim er- wachsenen Menschen bemerkt worden, als eine immerhin seltene Varietät. T a r i n , S o e m m e r i n g , L u c a e , W e 1 c k e r , namentlich Hyrtl und W. Gruber haben Beschreibungen der Sutur gegeben, welche bei typischer Ausbildung etwa in der Mitte zwischen Sutura temporalis und sagittalis senkrecht zur Lambdanaht, von dieser zur ivranznaht sich zieht und so das Parietale in zwei annähernd gleiche Hälften teilt. Ein solches ,, Parietale bipartitum" fandPtanke unter 3000 Schädeln der altbayerischen P)evölkerung einmal in vollkommener, dreimal in unvollkommener Ausbildung. Im vollkommener Sutur wissen- schaftlich beglaubigt, von denen vier auf niedere Kassen kom- men (Indianer Amerikas, Aus- tralier, Admiralitäts-Insulaner, Maori), von den anderen acht, die alle Europäern entstammen, ist die Hälfte deutscher Her- kunft. Die Naht kann also nicht als ein Merkmal niederer Ptassen angesprochen werden. Unvollkommene Ausbildung der Naht ist nicht immer ganz leicht zu unterscheiden von ab- normen und pathologischen Ossi- fikationszuständen der unteren Teile des Parietale. Die dem Temporale nahe verlaufende ,, schiefe Parietalnaht" ist nach Ranke durchaus keine typische Bildung. An dem reichen Material der Se lenk ansehen Sammlung von Orang-Schädeln fand Ranke die Sutura parietalis einmal in voll- kommener Ausbildung, in verschiedenen Abstufungen unvollständiger Entwickelung zeigte sich die Naht viel häutiger als l)eini Menschen; — Nr. .305. — Fig. 1. Schädel eines weiblichen Orang mit voll- kommener Persistenz der Sutura parietalis im rechten Scheitelbein. (Verkleinerte Re- produktion von Ranke's Fig. 17). l'a. s und Pa. i. bezeichnen oberes und unteres Os parietale, zwischen denen die Sutur sich befindet. T. Temporale. O. Occipitale. Fr. Frontale. Sp. Sphenoidale. J. .Jugale. — 188 — am vorderen Teil im Bereich der Kranznaht erhält sie sich sogar dauernd insofern, als das „untere*' Parietale weiter gegen das Stirn- bein vorspringt, als das ,, obere'', und gerade an dieser Stelle sind bei jugendlichen Ürangschädeln Reste der Sutur sehr häufig. Ahnliche Resultate liefert die Untersuchung der anderen Anthro- poiden und der niederen Affen, so dass Ranke den Satz auf- stellen kann: ,,Die Verdoppelung der Scheitelbeine reiht sich in die Gruppe der sogenannten tierähnlichen Bildungen am Menschenschädel ein."^ Ranke's Beobachtungen an Schimpanse, Gorilla, Hylohates und den niederen Affen, besonders denen Amerikas, liefern manchen inter- essanten Befund, besonders bezüglich der direkten Verbindung des unteren Parietale mit dem Jochbein. Eine solche mit mangelhafter Entwickelung des grossen Keilbeinflügels zusammenhäng